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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn» Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pi.
Deutschland.
Darmstadt, 20. Novbr. Das Großherzogliche Regierungsblatt (Beilage Nr. 26) enthält:
1. Oeffentliche Anerkennung einer edlen That:
Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben dem Schutzmann Reinh. Prüß in Offenbach in Anerkennung der von demselben am 22. Juli l. Js. mit Muth und Entschlossenheit und unter eigener Lebensgefahr bewirkten Rettung der siebenjährigen Tochter des Metallarbeiters Heinrich Schickedanz in Offenbach vom Tode des Ertrinkens die Rettungs-Medaille zu verleihen geruht.
2. Bekanntmachung Großh. Ministeriums der Finanzen, die zur Ausfertigung und Erledigung von Uebergangsscheinen ermächtigten Stellen betr.
3. Auszug aus der Rechnung über Einnahme und Ausgabe des Universitäts- Fonds zu Mainz für das Jahr 1883/84. Die Summe aller Einnahmen beträgt 338,906 <X 67 H. Die Summe aller Ausgaben 159,166 «X 6 darunter Beiträge zum Gymnasium zu Mainz 49,518 «X 65 H, zum Pensionat am Gymnasium zu Mainz 2968 Jl. 39 H, zum Realgymnasium und der Realschule 32,218 «X 99 H, zur Entbindungsanstalt 901 =X 17 H, zur Landes- Universität zu Gießen 16,800 =X, an die rheinische natursoxschende Gesellschaft zu Mainz 1500 eX, an den Verein zur Erforschung rheinischer Geschichte und Alterthümer zu Mainz 685 eX 71 an den Lokal-Gewerbverein zu Mainz 6000 J-L. an das römisch-germanische Central-Museum in Mainz 4200 «X, an die Stadtbibliothek zu Mainz 1371 «X 43 H.
4. Ordensverleihungen.
5. Ermächtigung zur Annahme und zum Tragen eines fremden Ordens.
6. Zulassung zur Rechtsanwaltschaft:
Am 9. November wurde der Genchtraffeffor Dr. Hof, z. Z. in Bamberg, zur Rechtsanwaltschaft bei dem Landgericht der Provinz Rheinheflen, Kammer jür Handelssachen, in Worms und bei dem Amtsgericht Worms zugelaffen.
7. Dienstnachrichten:
Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 11. October den von dem Fürsten zu Yfenburg-Birstein auf die erledigte evang. Pfarrstelle zu Hitzkirchen präsentirten evang. Pfarrer Karl Roth zu Klrchvers, Regier.'Bez. Kassel, für diese Stelle ru bestätigen; an dems. Tage Den zweiten evang. Pfarrer Eduard Eckstein zu Nidda auf sein Nachsuchen von Uebernahme der ihm übertragenen Pfarrstelle zu Bischofsheim zu entbinden und auf der bisher von ihm bekleideten zweiten evang. Pfarrstelle zu Nidda zu belassen; am 13. October dem evang. Pfarrverwalter Philipp Friedrich Tag von Worms, dermalen zu Erzhausen, die evang. Pfarrstelle zu Erzhausen zu übertragen; am 14. October dem evang. Pfarrer Wilhelm Kayser Hu Reichelsheim die evang. Pfarrstelle zu Stockstadt, an dems. Tage dem evang. Pfarrverwalter August Knodt zu Ober-Widdersheim die evang. Pfarrstelle zu Groß-Zimmern zu übertragen; am 17. October dem evang. Pfarrer Friedrich Textor zu Neunkirchen die evang. Pfarrstelle zu Ober-Beerbach, mit Wirkung vom 1. März 1886 an, zu übertragen; am 24. October dem evang. Pfarrvicar Dr. Friedrich Flöring von Darmstadt, dermalen zu Bickenbach, die sechste evang. Pfarrstelle zu Darmstadt zu übertragen; am 25. October den von Sr. Durchl. dem Fürsten zu Ysenburg-Büdingen-Wächtersbach für die evang. Pfarrstelle zu Bruchenbrücken präsentirtcn evang. Pfarrer Jakob Knab zu Niedermoos für diese Stelle zu bestätigen ; am 28. October dem evang. Pfarrer Ludwig Karl Fabricius zu Sprendlingen die evang. Pfarrstelle zu Wöllstein zu übertragen.
(Schluß folgt.)
Berlin, 21. November. Heute, am Geburtstagsfeste Ihrer Kaiserl. Hoheit der Frau Kronprinzessin, sand um 11 Uhr Vormittags die feierliche Einweihung der im Parke von Monbijou neu erbauten englischen Kapelle (St. Georgs Church) statt. An dieser Feier nahmen die Mitglieder der eng- lsichen Botschaft und der amerikanischen Gesandtschaft, der Culrusminister v. Goßler, der Oberpräsident v. Achenbach, der Oberhofprediger Kögel, sowie viele hohe Staatsbeamte und Vertreter der Stadtbehörden (an deren Spitze der Oberbürgermeister v. Forckenbeck) Theil. Der Kronprinz und die Kronprinzessin, der Prinz und die Prinzessin Wilhelm, sowie die übrigen Mitglieder der kronprinzlichen Familie wurden bei ihrer Ankunft von dem bischöflichen Coad- juior Titcomb aus London begrüßt, der sodann auch den Weiheact vollzog, an welchen sich ein feierlicher Gottesdienst anschloß. Ihre Kaiserl. Königl. Hoheiten der Kronprinz und die Kronprinzessin wurden bei der Ankunft und Abfahrt von der versammelten Menge enthusiastisch begrüßt.
— Die Socialisten im Reichstage haben einen Antrag emgebracht, den Reichskanzler zu ersuchen, eine internationale Conserenz wegen Einsührung eines zehnstündigen Normal-Arbeitstages, ferner wegen Abschaffung der Frauen- und Kinderarbeit einzuberusen; außerdem in Deutschland eine Enquete behufs Feststellung der Lohnverhältnisse der Lohnarbeiter zu veranlaffen. Der Antrag der polnischen Fraktion wegen der Ausweisungen aus Preußen wird vom Centrum und den Socialisten unterstützt.
Schweiz.
Bern, 21. November. Der Bundesrath berief die Bundesversammlung auf den 7. December ein.
Italien.
Rom, 21. November. Kardinal Panebianco ist gestorben.
England.
London, 21. November. Die „Times" erfährt, der Zweck der plötzlichen Berufung des serbischen Ministerpräsidenten Garaschdanin nach Pirol sei, die Friedensvorschläge feftzusetzen, welche der König von Serbien Bulgarien zu machen gedenke, gleichviel, ob Sosia genommen werde oder nicht. Die serbische Regierung halte es mit Rücksicht aus die Lage der Türkei und da auf ein actives Vorgehen Griechenlands nicht zu zählen sei, sür angezeigt, Friedensvorschläge zu machen.
— Sämmtliche Morgenblätter geben ihrer Genugthuung über die Erfolge der Bulgaren Ausdruck und heben hervor, daß die Lage in Den Balkanländern dadurch wesentlich gebessert fei. Der ^Standard" wünscht, daß die Kaisermächte einen sofortigen Waffenstillstand veranlaffen möchten.
— Ein von Parnell gebilligtes Manifest der nationalen irischen Liga räth den Irländern an, weder der liberalen noch der radikalen Partei Vertrauen zu schenken und nichts zu unterlaffen, um zu verhindern, daß die Regierung in die Hände einer so tückischen und unfähigen Partei falle.
Bulgarien.
Sofia, 21. November. Nach einer Mittheilung des Fürsten an die Regierung Über die Kämpfe bei Slivnitza wurden die Serben auf der ganzen Linie verfolgt und gezwungen, sich auf die Anhöhe links vom Draaomanpaß zurückzuztehen. Die nach dem Passe führende Chaussee ist in den Händen der Bulgaren. Bei dem Gefechte in der Umgegend von Golombovtzi wurde eine serbische Truppenabtheilung, welche den linken Flügel der bulgarischen Position bei Slivnitza angreifen wollte, vollständig geschlagen. Unter den verwundeten Bulgaren befindet sich auch Marinow, der Flugel- adjutant des Fürsten. Nach Berichten aus Slivnitza kämpften die Bulgaren, welche 15,000 Mann stark waren, am 19. November mit außerordentlichem Muthe gegen die doppelte Streitmacht. Die Serben dürften genöthigt sein, ihren rechten Flügel zu verstärken. Der Sanitätsdienst ist mangelhaft. ri t
— Nach ben heute aus Slivnitza eingegangenen Nachrichten setzen die Serben ihren Rückzug auf Trn fort. Die Bulgaren haben die Straße nach Zaribrod coupnrt und Dragoman besetzt. Capilän Panitza soll mit seiner Truppenabthcrlung über Karibrod die serbische Grenze erreicht und mehrere lausend Gefangene gemacht haben. Der Vormarsch der Bulgaren von Slivnitza gegen die Grenze galt für wahrscheinlich.
Serbien.
Belgrad, 21. November. Seitens der Mächte hat bisher noch keine Vermittelung stattgefunden. Serbischerseits wird die Lage der bulgarischen Armee ungeachtet der von derselben errungenen Ersolge als kritisch hingestellt, da sie bei Sliwnitza eingezwängt und von Süden durch die Morawa- und Schumadja-Division bedroht fei.
Rußland.
Petersburg, 21. November. Das „Journal de St. PAersbourg" bemerkt, daß, wenn Milan daran sesthielte, in Sofia einzuziehen, er diesen Erfolg iheurer bezahlen würde als er glaube. Das Blatt enthält sich für den Augenblick, die sich ergebenden praktischen Resultate zu untersuchen und hebt hervor, das Recht, den Verträgen Seitens der Balkanvölker Achtung zu verschaffen, komme nur den Signatarmächten zu, wie das auch in der Eröffnungs- Rede zum deutschen Reichstage ausgesprochen worden fek Uebrigens entbehre die Fortsetzung des Feldzuges durch die Serben jetzt, nachdem Alexander sich entschlossen, Rumelien zu räumen, jeden vernünftigen Grundes.
— Die Newa begann sich mit Eis zu bedecken. Die Kronstädter Rhede füllt sich mit Treibeis. Wir haben 5 Grad Kälte.
Türkei.
Konstantinopel, 21. November. Die Botschafter traten gestern zusammen, um über den Wortlaut der Mittheilung, welche die Conserenz an den Fürsten von Bulgarien richten soll, zu berathen und die Protokolle zu unterzeichnen. Die Pforte beschloß, Djemdet und Filibe als Commiffäre an Stelle eines provisorischen Gouverneurs nach Rumelien zu senden.
Asien.
Rangun, 21. November. (Meldung des „Reuter'schen Bureaus.") Die britische Brigade landete in Magre und machte zwei Italiener, Comma- notto und Barterini, zu Gefangenen. Das englische Hauptquartier ist nach Menho verlegt.
Awerika.
Lima, 21. November. Die Regierungstruppen siegten bei Jauja über Carceres; sie machten 500 Gefangene; sie selber hatten unbedeutende Verluste.
— Nach den vom Kriegsschauplatz eingegangenen Nachrichten behaupten die beiderseitigen Armeen nach dem dreitägigen, für beide Theile mit großen Verlusten verbundenem Kampfe, ihre ursprünglichen Stellungen-
Reichstag.
E R Berlin, 21. November. Dem Reichstage ist heute eine Novelle zum Gesetz betreffend die Abwehr und Verhütung von Viehseuchen zugegangen; ein Antrag des Reichskanzlers auf strafrechtliche Verfolgung zweier Zeitungen wegen Beleidigung des Reichstages wurde an die Geschäftsordnung^Eomnusston r,ei1I^tef^-
Bei der Berathung der Uebersicht des Reichsetats pro 1884/85 machte Abg. Rickert (dfr.) auf einige Etatsüberschreitungen im Marineetat mifmerksam, sowie aus.


