für immer aufgegeben werden? Noch sitzt die slovenische Tünche auf dem bisher indolenten und von oben gemaßregelten und verschüchterten Deutschen in dünner Lage, noch giebts mitten in der slovenischen Fluth einige kern- und standhafte deutsche Sprachinseln und könnte dem Anschwellen jener Fluth etwa durch Gründung einer "deutschen Universität im deutschen Görz (so gut wie in Czernowitz mitten in der ruthenischen Bukowina) gesteigert und deutsche Sprache und Sitte, als Trägerinnen einer höheren Cultur, zum Heile der Slovenen selbst, erhalten werden. Dazu bedürfte es aber vor Allem einer Neubelebung und Stärkung des nationalen Gefühls in der deutschen Bevölkerung Oesterreichs selbst und dem im Ersticken begriffenen Deutsch- thume die Zuführung neuer Lebenskräfte sowohl durch Sympathiebeweise, als auch durch materielle Unterstützung unsererseits zur Erhaltung und Gründung deutscher Bildungsstätten in den von der eigenen Regierung preisgegebenen Gemeinden.
Und solche Bestrebungen stehen nicht mehr vereinzelt da. Seit drei Jahren besteht zu obigem Zweck ein deutscher Schulverein in Berlin mit Zweigvereinen fast in jeder größeren Stadt Deutschlands und mancher deutsche Mann lenkt seinen Sommer- und Ferienausflug in jene von fremder Invasion bedrängten, meist naturschönen deutschen Grenzländer, kräftigt damit in seinen indifferenten Landsleuten das Gefühl der Zugehörigkeit zu einem großen Volke und erhöht ihren Muth und ihre Ausdauer im aufgenommenen Kampfe. Gehet hin und thut desgleichen!
Ich begreife vieles Wunderliche nicht im lieben deutschen Reiche, die mancherlei Reservat- und Standesrechte, die süddeutschen Postmarken, die Socialdemokraten, Welfen und Elsässer nicht, viel weniger aber verstehe ich's, daß es noch deutsche Männer und Frauen gießt, die nicht zum deutschen Schulverein gehören und sich nicht für deren patriotische Aufgabe begeistern. Darum, wem das Herz dafür noch nicht brennt, der nehme „die Mittheilungen des deutschen Schulvereins in Wien" oder „die Corre- spondenzblätter des Allgemeinen deutschen Schulvereins in Berlin" zur Hand, überzeuge sich von der Schmach, die in ungezählten Orten dem deutschen Namen und der deutschen Volksehre widerfährt und erfülle die ihm so nahe liegende und sich so unabweislich aufdrängende nationale Pflicht!
Universität-- Chronik.
— Der Privatdocent der Medicin, Dr. Seiffert in Würzburg, wurde von der Pariser medicimschen Akademie auf gefordert, zu der demnächstigen Sitzung nach Paris zu kommen, um daselbst die öffentliche Anerkennung für seine Arbeit „Die Dyphtheritisbehandlung mit Chinolin" entgegenzunehmen.
— Dr. Oskar Erdmann ist zum außerordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät der Universität Breslau ernannt worden.
— Der bisherige außerordentliche Professor an der Universität Greifswald, Dr. Friedrich Hermann Traugott Vogt, ist zum ordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät der Universität Kiel ernannt worden.
vermischtes.
Schotten, 17. Mai. Der vom Centralausschuß des Vogelsberger Höhenclubs angenommene Aufseher über die Anlagen im Oberwald fand bei einer heute Nachmittag öorgenommenen Revision die Thür des Häuschens auf dem Hohenrodskopf im zweiten Stock nicht verschlossen, ein Fenster offen stehend, die für freiwillige Beiträge zur Erhaltung der Anlage bestimmte Sammelbüchse aufgebrochen und den Inhalt verschwunden. Der Großherzoglichen Staatsanwaltschaft wurde von dem Vorfälle alsbald Anzeige gemacht.
Gundersheim, 18. Mai. Ein heute Mittag um 3 Uhr über unser Dors ziehendes Gewitter versetzte die Bewohner in nicht geringen Schrecken. Der Blitz fuhr mit einem furchtbaren Krache auf den Thurm. Von einer Kante des Thurmdaches ist die Zinkbekleidung abgerissen worden. Obgleich der Strahl seinen Weg im Weiteren durch das Innere des Gebäudes nahm, so blieben doch Glocken und Uhr von dem verheerenden Elemente verschont. Mehrere Balken und Treppen, sowie das Treppenhaus sind stark beschädigt. Von der Uhr ist nur der Draht, welcher den Hammer an der Glocke in Bewegung setzt, total zerschmolzen. Der Blitz verschwand in der Boden- mauer des Thurmes. Da die beiden Schulhäuser in unmittelbarer Nähe des Thurmes stehen, so hätte leicht ein weiteres Unglück geschehen können, zumal die sämmtlichen Schüler, 230, noch in den Schulräumen waren.
Pefth, 17. Mai. Dreiundvierzig Mitglieder der hervorragendsten aristokratischen Familien Ungarns schwebten gestern in Todesgefahr, und es ist, so berichtet „Egyetertes", als ein Wunder zu betrachten, daß sie dem Wellentode entrannen. Mehrere Comtessen, Gräfinnen und Grafen aus den Häusern Khuen-Hedervary, Teleki, Andrassy, Zichy, Stubenberg, Karacsonyi, Karolyi, Keglevich, die Fürstin Odescalchi, der französische Consul, der junge Baron Edelsheim - Gyulai und noch viele Andere, im Ganzen 43 Personen, schifften sich gestern Mittag in Siofok auf dem Dampfer „Kisfaludy" ein, um über den Plattensee nach Füred zu fahren, wo der „Stephanie- Verein" eine Regatta abhalten wollte. Der Plattensee war sehr stürmisch; bei der Ausfahrt aus Siofok warfen die haushohen Wellen das Schiff an das Felsenufer, das Schiff erhielt ein großes Leck und begann sofort, kaum 800 Schritte vom Ufer entfernt, zu sinken. Auf dem Schiffe befand sich kein einziger Rettungskahn und die ganze Gesellschaft gab sich bereits für verloren; die Todesangst hatte die Damen halb wahnsinnig gemacht, und verzweiflungsvoll die Hände ringend, liefen sie auf dem Schiffe hin und her. Jetzt ließen die Grafen Franz Nadasdy und Michael Eszterhazy —1 H1 TO । 11ISMWHfllEffl
von fünf Zigeunern zum Tanz aufspielen und während die eine Hälfte der Aristokraten mit den berußteren Damen tanzte, arbeitete die andere Hälfte mit wahrer Todesverachtung an der Pumpe, um das massenhaft eindrmgende Wasser auszuschöpfen Durch die Kaltblütigkeit der beiden Grafen gewann die Gesellschaft allmählich ihre Geistesgegenwart zurück und nach fünfstündigem Pumpen gelang es, das Leck zu üer=' stopfen. Das Schiff war gerettet und fuhr, nachdem sich der Sturm gelegt hatte, nach Füred. Die Regatta wurde nicht abgehalten^und die aristokratische Gesellschaft kehrte sofort nach Budapest zurück. Kronprinzessin Stephanie hätte der Regatta ebenfalls beiwohnen und dasselbe Schiff zur Fahrt nach Füred benützen sollen; vorgestern kam jedoch Absage.
— Dieser Tage wurde in der Schlußsitzung des Central - Comit^s für die Bismarck-Ehrengabe zu Berlin über das Gesammtergebniß der Sammlungen Mit- theilung gemacht. Es sind eingegangen aus dem Deutschen Reiche 2,562,811,27 vH., aus dem europäischen Auslande 125,061,36 M und aus dem außereuropäischen Auslände 62,176,81 Jt, zusammen 2,750,049,44 vH*. Hierzu kommen noch von dem Verein Bismarck in Berlin 1500 vH*.
Bezüglich der ans dem Deutschen Reiche eingegangenen Summe ist angegeben worden, aus welchen Staaten, bezw. preußischen Provinzen dieselben geflossen sind. Den verhältnißmäßig stärksten Beitrag lieferte die eine Provinz bildende Stadt Berlin mit 546,405.80 Ji*, etwas über 21 pCt. der ans dem Deutschen Reiche eingegangeneit Summe, während die Bevölkerung von Berlin nur beiläufig 2,5 pCt. der Bevölkerung des Reiches beträgt. Nach Berlin fallen die verhältnißmäßig höchsten Beträge auf die freien Städte Lübeck, Bremen und Hamburg.
Auf 10 Einwohner nach der Zählung von 1880 sind eingegangen in: Berlin 4 JL 85 Hamburg 2 vH* 18 Bremen 1 87 , Lübeck 1 vH* 45 König
reich Sachsen 77 H, Anhalt 75 4, Braunschweig 71 4, Rheinland 70 H, Provinz Sachsen 64 Hessen-Nassau 62 4, Preußen 62 H, beide Reuß 61 Reich 57 4 Sachsen-Altenburg 53 -H, Schlesien 52 Baden 49 Württemberg 43 Sachsen- Weimar 43 Sachfen-Coburg-Gotha 43 Hessen 42 H, Westfalen 42 Pommern 40 Sachsen-Meiningen 39 4, Schleswig-Holstein 34 4, Bayern 32 H, Oldenburg 32 Brandenburg 28 Hannover 27 H, beide Schwarzburg 24 beide Mecklenburg 22 H, Ostpreußen 21 H, beide Lippe 19 4, Westpreußen 18 4/ Posen 18 4 Hohenzollern 16 4, Waldeck 16 4, Elsaß-Lothringen 11 4-
— Das schon erwähnte Feuer in Uftrungen bei Nordhausen brach in der Scheune des 'Lehrers ans und verbreitete sich in Folge des heftigen Nordoststurmes rasch über die nächsten mit Stroh gedeckten Bauernhäuser; es legte binnen wenigen Stunden 70 Wohnhäuser (der Ort zählt deren im Ganzen 250) in Asche. Man ver- muthet Brandstiftung. Das Dorf gehört zur Grafschaft Stolberg - Roßla , es zählt 1055 Einwohner, 3 Rittergüter und das Gasthaus „Rother Hirsch". Bei dem Orte befinden sich die Pulverfabriken von Schattenberg, sowie eine Feuerwerkerei und eine Flußspathgrube. Das v. Heeringen'sche Rittergut soll zum Theile mit verbrannt sein. Nach den neuesten Nachrichten ist das Feuer in der Schulscheune, sowie in einem Guts- gepofte, zugleich aufgegangen. Die Zahl der niedergebrannten Gebäulichkeiten beträgt 102 (einschließlich Scheunen, Ställe und Hintergebäude), 28 Bauerngehöfte sind vollständig in Asche gelegt. Kühe, Schweine und Federvieh sind in beträchtlicher Anzahl umgekommen. Der Arbeiter Hornickel ist als muthmaßlicher Brandstifter bereits gefänglich eingezogen; die ergrimmten Bewohner wollten ihn in's Feuer werfen. Derselbe hat das Feuer wahrscheinlich aus Rache dafür angelegt, daß er durch die unwiderleglichen Aussagen mehrerer Dorfbewohner vor 6 Jahren wegen Diebstahls von 100 Thlr. zu 5 Jahren Zuchthaus verurtheilt wurde. Schon im vorigen Jahre wurde er wegen versuchter Brandstiftung im Dorfe verhört, mußte aber wegen mangelnder Beweise wieder entlassen werden. Viele Familien mußten sich, da ihnen Alles abgebrannt ist, Kleidungsstücke borgen, um sich nur bekleiden zu können.
— Vor einigen Tagen spielte sich auf der Hamburg-Berliner Bahn ein köstlicher Zwischenfall ab. Ein altes Mecklenburger Ehepaar hatte ein Zehntel eines namhaften Gewinnes in der sächsischen Lotterie gewonnen. Nun waren sie fest entschlossen, auch einmal ihr Leben zu genießen; Berlin sollte ihnen diesen Genuß gewähren. Nachbarn hatten bedächtig den Kopf geschüttelt und gemeint, für so einfache alte Leute sei Berlin eine reine Mördergrube, man würde sie plündern, ehe sie vom Bahnhof fort seien. „Vadder" aber meinte nur dagegen: „Ick wer mit dei Spitzbaub'n wohl farrig" (füt zufällig anwesender Berliner Confectionsreisender glaubte die alten Leute auch warnen zu müssen und sagte: „Vor allen Dingen hüten Sie sich vor sogenannten alten Bekannten, das sind oft Bauernfänger." Die alten Leute dankten und reiften ab. In Wittenberge hatte „Padder" die Unvorsichtigkeit begangen,^ den Zug zu verlassen, trotz „Mudders" Wehklagen fuhr der Zug ohne ihn ab. Der Stationschek rieth dem Sitzengebliebenen, ein Zuschlagsbillet zu nehmen und mit dem Courierzug zu fahren, alsdann würde er noch eine halbe Stunde früher in Berlin ankommen, als „Mubder". Gesagt, gethan. Er war eher in Berlin und erwartete seine Alte. Der Bummelzug kommt, „Mudder" steigt au§, ihr Mann eilt ihr" entgegen. „Na, nu fumm man, Muddcr, giw mi dei Handtasch." „Mudder" hält krampfhaft die Handtasche fest, firirt den Ehegatten verwundert und verdächtig von oben bis unten, dann bricht sie in beit Ruf aus: „Dei verdammten Berliner Spitzbaub'n, wo dei sick verstellen känen. Weint ick nu nid) wahr und wahrhaftig wüß, bat mein Oll in Wittenberge fitteit Mähen, denn funn ick schwören, bat hei bit wär." Es beburfte erst einer gründlichen Ueberzeugung ber gewarnten Frau, um ihren „Ollen" wicber als Ehemann anzuerkennen.
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