Äairenfer Blattes „Bosphare Egyptien^ gespannte Beziehungen zwischen England und Frankreich hervorgerusen habe. Nähere Mitthellungen über diesen neuen Zwischenfall sind noch abzuwarten.
Deutschland.
Darmstadt, 22. Aprll. Das Amtsblatt des Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz. Sect'vn für Justizverwaltung, Nr. 13, enthält Ausschreiben d. d. Darmstadt. am 13. Aprll, bett.: Die in Privatklagesachen von den Amtsgerichten an andere Behörden zu machenden Mittheilungen.
Darmstadt, 22. Aprll. Ihre Maj. die Königin Victoria und Ihre König!. Hoheit die Prinzessin Beatrice von England treffen morgen Vor- mütag 8 Uhr 10 Mm hier ein.
— Se. König!. Hoheit der Großherzog nebst der Grobherzoglichen Familie und hohem Besuche unternahmen gestern Nachmittag einen gemeinsamen Ausflug nach Seeheim.
— Heute Vormittag 8 Uhr sand im Neuen Palais vor Sr. Künigl. Hoheit dem Großherzog und der Großherzoglichen Famllie die Confirmanden- Prüsung Sr. König!. Hoheit des Erbgrobherzogs durch Höchstdeffen bisherigen Relrgionslehrer Herrn Superintendent Dr. Sell statt.
—1. Darmstadt, 22. April. lZweite Kammer der Landftände.s Die Bc- ralhungen der II. Kammer der Landstänoe nahmen heute ihren Fortgang, unter Aufnahme der gestern abgebrochenen Debatte über den Neubau eines chemischen Laboratoriums an der Landesuniversität Gießen.
Die Abg. Böhm und v. Rabenau brachten zunächst den Anttag ein, unter diesem Kapitel nur die Summe von 200,000 <X mit der Bedingung zu bewilligen, die Dtrector-Wohnung im Gebäude selbst anzubringen.
An der Debatte hierüber betheiligen sich außer den Abg. Vogt, Metz (Gießen) noch Minifterialrath Horst und Geh. Staatsrath Knorr, welch letztere sich für Ablehnung dieses Antrags und Genehmigung der Regierungsvorlage von 234 000 JL aussprachen.
Nachdem die Abg. v. Rabenau, Böhm, Schröder noch für Streichung von 34 000 JL für die projectirte Director-Wohnung plaidirt hatten, wurde schließlich ein Antrag seitens deS Abg. Geier eingebracht, nämlich diese Position an den Ausschuß zurückzuverweisen, um eine neue Durchberathung der Pläne für daS Laboratorium vornehmen zu können und zwar unter Berücksichtigung der Unterbringung der Director- Äohnung im Gebäude selbst. Dieser Antrag fand auch mit absoluter Majorität Annahme deS HauseS.
Die noch weiter zur Berathung stehenden Budget-Positionen wurden ohne Debatte genehmigt.
In Folge Dringlichkeitserklärung stand weiter der GesetzeS-Entwurf, „das Brückengeld bei Mainz bett." zur Berathung.
Die Abgg. Jöst und Ullrich beantragen, das Personengeld auf dem alten Bettag von 3 Pfg. zu belassen und nicht auf 4 Pfg. zu erhöhen, da die Brücke doch zum großen Theil von Arbeitern benutzt werde.
Nach längerer Discussion über diesen Antrag lehnte die Kammer denselben ab und acceptirte den GesetzeS-Entwurf im Sinne der Regierungsvorlage mit allen gegen zwei Stimmen.
Der zunächst eingebrachte Antrag auf Dringlichkeits-Erklärung der Vorlage Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz den Gesetzes-Entwurf, die Wahlen zur Vertretung und Verwaltung der Gemeinde», Kreise und Provinzen betteffend, wurde nach längerer Debatte, in der man die eminente Wichtigkeit dieses Gesetzes für die Wähler betonte, mit 25 gegen 17 Stimmen abgelehnt, dagegen ein weiterer Antrag, das Gesetz morgen zur Berathung zu bringen, angenommen.
Der nächste Punkt der Tagesordnung, der Antrag der Abg. Baur und Friedrich auf Verlegung der Station Arheilgen an der Main-Neckar-Bahn, sowie zweckmäßige Regelung der Stationsverhältnisse der Gemeinden Wixhausen und Erzhausen fand Annahme, als der RegierungS-Eommissar Herr Oberfinanzrath Schulz der Kanuner von der eingettoffenen Genehmigung der Badischen Rqgicrung, welche (Genehmigung bisher noch ausgestanden hatte, Kenntnis; gab, wodurch man jetzt den Wünschen der Antragsteller zu entsprechen in der Lage sei.
DaS Gesuch der Beamten der' Oberhessischen Eisenbahnen um Gleichstellung mit den Angestellten der Main-Neckar-Bahn fand im Allgemeinen eine sympathische Aufnahme und besonders sprachen für dieses Gesuch die Abgg. Ellenberger, Metz (Gießen) und Jöst unter Hinweis darauf, daß seit 15 Jahren für diese Beamten eine Aufbesserung nicht erfolgt und eS nur ein Act der Gerechtigkeit sei, diesem Gesuche zu willfahren; also nicht dem Antrag deS Ausschusses auf Ablehnung dieses Gesuches Folge zu geben.
Ein Anttag des Abg. Ellenberger, die Großh. Negierung zu ersuchen, die Gehaltsaufbesserung dieser Beamten in Erwägung zu ziehen, fand, nach Verwerfung des AuSschußantrages, mit allen gegen 7 Stimmen Annahme.
9täd)fte Sitzung morgen Vormittag 11 Uhr.
England.
London, 21. April. Die vom 17. ds. aus Tirpul datirte Depesche Lumsden's beantwortet die Darstellung des Generals Komaroff über die Ereig- niffe an Der afghanischen Grenze der Reihenfolge nach und erklärt, die Afghanen seien wett davon entfernt gewesen, an friedliche Absichten des Generals Komaroff zu glauben, hätten vielmehr bei den fortgesetzten und aufreizenden Versuchen, sie zu Feindseligkeiten zu verleiten, die Ueberzeugung gehabt, daß dies allein der Zweck der Russen sei. Am 27. März seien zwei russische Truppen- Abtheilungen gleichzeitig vorgegangen, die Kavallerie unter Alikhanoff sei über Pulikhistt hinaus vorgerückt, während die Infanterie nach der rechten Flanke der Position der Afghanen vorgedrungen fei. Alikhanoff habe sich erst dann zurückgezogen, als die afghanische Kavallerie und Infanterie ihn abzusckneiden versucht und nachdem der Befehlshaber der Afghanen einen russischen Osficier davon benachrichtigt habe, daß er genöthigt sein werde, zu feuern, wenn er sich nicht zurückziehe. Am folgenden Tage habe der Generalstabschef des Generals Komaroff den Kapitän Date benachrichtigt, Alikhanoff habe den Marsch vom Tage vorher lediglich zu seinem Vergnügen unternommen, Kapitän Date habe geantwortet, die Afghanen hätten denselben bei Weitem ernster ausgesaßt. LumSden hebt Die Mäßigung und Geduld hervor, die die Afghanen während unaufhörlicher, zwei Monate hindurch fortgesetzter Provocationen an den Tag gelegt hätten. Als die russische Streitmacht am 30. März vorgegangen sei, seien die Afghanen genöthigt gewesen, sich zu vertheidigen. Daß die englischen Osficiere den Afghanen gerathen hätten, sich nicht zurückzuziehen, als General Komaroff dieselben dazu ausgesordert habe, wird von LumSdcn in Abrede gestellt.
— Lord Salisbury hielt am 20. ds. bei einem conservativen Meeting in Wrexham eine Rede über die afghanische Frage und sprach dabei die Ansicht aus, daß Rußland einen Stützpunkt suche, von wo aus es England zwingen könne, sich Damit zufrieden zu geben, daß Rußland Konstantinopel nehme. Lord Salisbury äußerte sich dahin, daß man Rußland einen Punkt in Asien bezeichnen müsse, über welchen hinaus es nicht vorgehen dürfe, wenn es nicht gewärttgen wolle, daß England Alles aufbiete, um es zurückzutreiben, lieber diesen Punkt müßten sich die Strategen einigen.
E. R. Strlin, 22. April. sReichstag-j Tic Berathung der ZolltarifuO»eltt wurde heule mu* der Tarifposition Baumwolle und Baumwollewaaren »ortgesetzt. Ti Vorlage und auch die Tarifcominission Hal an den Pofilionen rodeS und gebleicht; eindrähtiges Garn nichts geändert; die Abgeordneten Bröm el und Bamberger vrr langten für diese Baumwollengarne Zollfreibett unter der Bedinguilg. daß diese Garn- in halbseidenen Waaren wieder exponirt werden.
Von Setten deS rheinischen Abg. Trim dorn wurde die Zollfreiheit ohne dies» Bedingung verlangt. Durch die gegenwärttge Zollgesetzgebung tft in den rheinischer Jndustriebezirfen eine Nothlage eingerreten, da sie den französischen Fabrikate gege> über nicht mehr concurrenzfäbig bleiben konnten, weil die Franzosen die Zölle für fein englische Garne aufgehoben haben, wenn nachgewiesen wird, daß sie zur Fadrikatten von Sammel und Seidenzeugen verwendet werden. Gerade dieser Vorlprung, den bi; Franzosen durch die sogenannte admiseion teaporaire haben, bat die Nothlage der deutschen Fabrikanten herbeigeführt. Die Eonttole der Verwendung würde eine gr nauc, einfache und geringe Kosten verursachende fein; es würde nicht schwer fallen, bir geeigneten Cautelen festzustellen, und sicherlich könnte die Eoncurrenzfädigkeit der heimischen Halbseiden-Jndustrie mit den ausländischen Fabrikationsplätzen einigermaßen wieder hergestellt werden- benn jetzt sind durch die Einführung der admi*ion texnpv- raire in Frankreich die Vorthelle, welche die deutsche Seidenindusttic durch die brein:-; höheren französischen Baumwollzölle genoß, aufgehoben, so daß die Eoncurrenzfähiglen unserer Jndusttie in halbseidenen Waaren für den Export gänzlich aufgebört bat.
Dagegen wurde von anderer Seite ausgeführt, daß die Notdlage, in der bit Weberei sich befinde, dadurch herbeigeführt sei, well die Fabrikation aus der Hand weberei in die mechanische Weberei übergegangen sei. Die für Deutschland beantragte Maßregel, sagte der elsässische Abg. Grad habe in Frankreich wenig Vorthell gehabt, well die Fabrikanten lieber den Zoll bezahlt, als sich den Umständlichkeiten diese? Verfahrens ausgesetzt hätten.
Von Seiten des Bundesrath äußerte man sich gleichzeitig zu Gunsten de? Status quo, wobei sich der Staatssecrctär des Innern, Herr v. Bötticher, noch gegen den Vorwurf verwahrte, als ob die Reicksregierung für die Halbseiden-Jndusttie kein Herz habe.
In der Abstimmung wurden sammtliche Anträge und Amendements abgelebm. es bleibt somit bei den bestehenden Bestimmungen des Zolltarifs.
Abg. Bamberger hatte die schutzzöllnerische Partei in einer Rede dringend er sucht, auf die erbetene Erleichterung rinzugcben. „Sie feiern jetzt", rief er aus, ,etn Erntefest in Zöllen, lassen Sie sich einmal zu unserer Ansicht bekehren und bedenken Sie daS Dickterwort: „Es wächst der Mensch mit seinen höheren Zöllen!"
Fortsetzung morgen.
Telegraphische Depeschen.
Wolff'- telegr. Corresporrden-»vrrrearr.
Berlin, 22. April. In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses würbe der auf Aufhebung der Temporaliensperre gehärtete Anttag Windtborst mit 182 gegen 128 Stimmen abgelehnt. Der Eullusminister v. Goßler bekämpfte den Anttag, inbeir er ausführte, daß bei Posen - Gneseu seit 1884 nichts einaetteten sei, weßhalb die Re aierung ihre bisherige Haltung aufgeben könnte. Die Wiederbesetzung des Erzbisthumr sei das einzige Mittel zur Aufhebung der Sperre. Die Besetzung sei sehr nahe gewesen, sei bann aber theilS burch polnische, theils burch anbere Gründe vereitelt worden. E» komme darauf an, daß der Erzbischof von Posen sich als preußischer Bischof und llntci• than fühle, seine Aufgabe auf kirchlichem Gebiet suche und die Klippen vermeide, an welchem der Vorgänger gescheitert sei. So lange der Titel „Primas von Polen' eine reale Bedeutung habe, müsse die Regierung Dafür sorgen, daß diese reale Bedeutung durchbrochen werde. — Der Antrag Windthorst auf Straffreiheit des Mefseleser und deS Spendens der Sacramente, wurde mit 169 gegen 127 Stimmen ebenfalls ab gelehnt. Von dem Eultusminister wurde die Erklärung abgegeben, daß er am 3. Te cember 1884 unzweideutig erklärt habe, Preußen könne mit weiteren gesetzgeberischen Maßnahmen erst bann vorgehen, wenn von Seiten der Eurie Entgegenkommen gezei^i werbe, hieran halte bie Regierung auch jetzt noch fest. Der Abgeordnete Wind» horst kündigte sodann für morgen einen Antrag auf organische Revision der Mai gesetze an.
■ — Der Abg. Windthorst hat, wie er in seiner heutigen Rede angekündigt bat. bereits mit Unterstützung des Eentrums den Antrag eingebracht, bie Erwartung aus, zusprechen, baß bie Regierung in Ausführung ber vom Abgeorbnetenhause am 25. Apn 1883 gefaßten Resolution bem Landtage nunmehr baldigst eine organische Revision d' kirchenpolitischen Gesetze vorlege.
Wien, 22. April. In ber Thronrebe, mit welcher ber Reichsrath heute e- schlossen mürbe, spricht ber Kaiser seinen Dank aus für die richtige Würdigung br Interessen des Staates und für die Opferwilligkeit des Reichsraths. Die Tbronref- hebt sodann die Leistungen und Erfolge des ReichsrathS auf allen Gebieten des Staat- lebens hervor, namentlich die Förderung der geistigen Interessen aller Völker durch d> wohlerwogenen, die Bildung und Erziehung der Jugend fördernden Beschlüfie, die Er richtuug und Erweiterung der Unterrichtsanstalten, die Hebung des Gewerbeunterricht und die Verbesserung ber Lage des Leelsorge-Elerus. Ferner werden die wahrhaft et: freulicheu Erfolge für die Volkswirthschaft, das Verkehrswesen und die Flußregulinwe in Tyrol und Kärnthen conftatirt, welche letztere auch auf andere Länder, namentltd auf das hart betroffene Galizien auszudehnen sein werde. Durch die erfolgreiche (int Wickelung des Eisenbahnwesens sei ein bedeutender Schritt zur Herstellung des Gleich gewichts im Staatshaushalte geschehen und der Staalscredit bedeutend gehoben. Te Reichsrath könne mit bem Bewußtsein treuerfüöter Pflicht zurückblicken auf die Arbei unb bie Erfolge für das Gedeihen des Vaterlandes und die Wohlfahrt der Völker, bene: ber Kaiser mit gleicher Liebe seine landesväterliche Fürsorge zuwende. Unsere flute Beziehungen zu allen Machten rechtfertigen die Erwartung, daß ber Friebe ber Monarch« auch fernerhin ungestört erhalten bleiben werde. Unter den Segnungen des Frieden werde die Regierung beharrlich und pslichtgetteu auf den eingeschlagenen Bahnen fort fahren, ihre Ausgaben zu erfüllen, um Begonnenes zu vollenden, die verfassungsmäßig' Thätigkeit gedeihlich zu entwickeln und das Ziel zu erreichen, das den Absichten Wünschen und Hoffnungen des Kaisers entspricht.
Pari-, 22. April. Eine Depesche Bridre's aus Hanoi vom 21. ds. conftatirt baß verschiedene Verhandlungen mit chinesischen Officieren wegen der Einstellung de gegenwärtig überall suSpcnbirten Feindseligkeiten stattgefunden haben unb kündigt di bevorstehende Ankunft mehrerer chinesischen Eommissäre in Hanoi an.
Einem Telegramm des „Temps" aus London zufolge steht eine „Bospbore Frage" nahe bevor. Die Frage biete zweierlei Gesichtspunkte, einmal bie Verletzung eines von Franzoson inuegebabten Domieils unb eine ben Vertretern der französischer Bebörbe zugefugte Beleidigung; hierfür könne Frankreich Genugtbuung verlangen, so dann die Frage ber Unterdrückung des Journals „Bosphore Egyptien". Wahrfcheinlici iverde^Frankreich anläßlich dieses (Gegenstandes gegenwärtig nicht reclamiren, die An gekflcnheit werde aber den Ausgangspunkt bilden für eine Verhandlung zwischen Frank reich und dem Khedive über die Belmnbluilg der fremben Presse in Egypten.
London, 22. April. Der gestrige Eabinetsrath berieth über Die Tepefch
Lumsden's. Wad) ber Sitzung wurde eine Depesche nach Petersburg gesandt, welch ivie bei „Stanbard" wissen will hervorhebt, daß die Runen in bem Gefecht bei Aktepe die Angreifer gewesen seien, weßbalb die englische .Regierung sich genotdig sehe, ihr früher gestelltes Verlangen einer Desavouirung des Vorgehens des (^enerab Komaroff zu wiederholen. Die „Dailn News" fegen, bas Telegramm Lumsden' mache die Krisis ernster als bisher, England erwarte wegen Komarost's Verhalten den Bundesgenosien Rußland gegenüber aus Petersburg weitere bessere Aufklärungen, al bisher gegeben worben seien
Belgrad, 22 April. Tie Skupschtina nahm eine Adresse an, welche die .V.ciifr derselben über die guten Beziehungen zu allen Staaten, insbesondere über Die <*alt freundschaft des Kaisers von Oesterreich, den Besuch des Königs von Rumänien, fow» Bedauern auSdrückt über bie fortdauernd getrübten Beziehungen zu Bulgarien -t v Skupfchtina hofft, bie Regierung werbe auch fernerhin die Ehre und das Anfebei Serbiens wahren unb d er beißt,Tbie im Vorjahr begonnene ('ulturarbeit zu Ende n führen und sich hierbei den Köntg, der überall in erster Reibe zu treffen, zum iRurtci zu nehmen.


