ReichSdtenste begangen hat. nur dann diSc'plmarifch zur Rechenschaft gezogen werden . kann, wenn jene Handlungen die Entfernung aus bern Amte begründen, wurde in zweiter Lesung angenommen gegen die Stimmen der Socialdemokratin, die e.ncr Ver- stürkung der Discipl nargewatt nicht zustimmen zu wollen erklärten.
Ein weiterer Gegenstand der TageSodnung betraf die RechnungScblegvng über den ReichShauShatts-Etat für 1880 - 81 ES wann seitens des Rechnungshofes einige Ausgaben pro 1880—81 der Militär-Verwaltung beanstandet worden, die zwar durch eine Königliche Cabinetsordre genehmigt, aber in Gemäßheit bcstehendcr Grsrtze nicht gemacht werden konnteu.
Seitens des KriegSmintsterS Bronsart ü. Schellendor f und der ihm secun- birenben Abgeordneten v. Hellborf und o. Maltzahn würbe die Anschauung oer» treten, daß eine solche nachträgliche Genehmigung nicht erforderlich sei; der König habe in Folge deS ihm zustehenden GnadenrechiS die Berechtigung, solche Ausgaben zu justi- ficiren, die damit auch dann rechtmäßig geworden seien.
Dieser Anschauung, die fich mit den Bestimmungen der Verfassung keineswegs vereinbaren läßt, traten die Abgeordneten Meyer und Rickert, namentlich aber der Abg. Hänel tn einer eingehenden staatsrechtlichen Deduktion über den Unterschied der Kaiserlichen und Königlichen Gewalt in Bezug auf daS deutsche Reich entgegen; die Bereitwilligkeit derselben, die Genehmigung nachträglich auszusprechen, obwohl ein solches Verlangen seitens der Reichsregierung nicht beantragt worden war, stieß wiederholt auf den Widerspruch des Ministers, der immer auf'S Neue die Rechte Sr. Maj. deS Kaisers in den Vordergrund stellt.
Die Resolution, daß die Einholung dieser nachträglichen Genehmigung erforderlich sei, gelangte indessen gegen die Stimmen der Deutsch - Conservativm zur Annahme.
Am Montag wird die Postdampfer-Suboentionsvorlage in 3. Lesung verhandelt, danach die Berathung be8 Zolltarifs fortgesetzt.
Telegraphische Depeschen.
Wolff'S telegr. Correspondenz - Bureau.
Berlin, 22. März. Die Geburtstagsfeier des Kaisers wurde heute Morgen mit einer Reveille von der Schloßkapelle eingeleitet. Die Stadt ist in allen Tdeilen reich mit Fahnen geschmückt, namentlich im Centtum. @ne dichtgedrängte Volksmenge »ogt von früh ab vor dem Kaiserlichen Pala's auf und ab. Da« Denkmal Friedrich deS Großen vor dem Kaiserlichen Palais ist auf das Prachtvollste geschmückt. Um 93/< Uhr begann die Auffahrt brr Mitglieder des Königlichen Hauses und der hier anwesenden fürstlichen Gäste. Um 10 Ubr fand der Gottesdienst im Dome statt, welchem die Kaiserin, die Mitglieder deS Königlichen Hauses und die fürstlichen Gäste beiwohnten. In ben Hoflogen und den Diplomatenlogen waren alle Plätze dicht besetzt. Der Kaiser wohnte dem Gottesdienste nicht bei.
— Der Kaiser empfing heute wegen einer leichten Erkältung nur bk Gratulation der Königlichen Familie und der fremden Fürstlichkeiten.
München, 22. März. Der König hat an Se. Majestät den Kaiser ein Glückwunschschreiben gerichtet. Zur Feier des Geburtstages des Kaisers haben alle öffentlichen und viele Prioatgedäude Flaggenschmuck angelegt. Für heute Abend sind von verschiedenen Gesellschaften und Vereinen Festlichkeiten veranstaltet. Aus vielen großen und kleinen bayrischen Städten liegen Kundgebungen üoer gleiche Veranstaltungen vor.
Leipzig, 22. März. Nachdem bereits gestern zur Vorfeier des Geburtstages Sr. Majestät oes Kaisers In sämmtUchen Schulen und Lehranstalten Festacte statt- gesunden hatten, ertönte heute früh durch die im reichsten Farbenschmuck prangende Stadt eine Reveille, ausgeführt von sämmtlichen Mllitär-Mufikcoips. Im Krystall- palaft wird zu heute Nachmittag eine Festtafel veranstaltet, an welcher sich die Spitzen sämmtlicher Behörden betheiligen werden. Abends finden Festoorstellungen tn Den Theatern, sowie glänzende Illumination der öffentlichen Gebäude und Plätze statt. Außerdem wird in vielen Lokalen für den Abend eine patriotische Feier vorbereitet.
Karlsruhe, 22. März. Der Geburtstag Sr. Majestät deS Kaisers ist hier durch Festgotteödienfte, Truppenparade und Festbankete feierlich begangen worben. Bei dem Festmahle im Museum brachte der Staatsminister Turban den Toast auf den Kaiser. aus. Die Stadt bat festlichen Flagenschmuck angelegt.
Wien, 22. März. Anläßlich des Geburisfestes Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm fand gestern ein Festdanket der hier lebenden deutschen Reichsangehörigen statt. Der deutsche Botschafter toastete auf ben Kaiser von Oesterreich, worauf der Präsident deS Festcomiiäs den Toast auf Se. Majestät ben Kaiser Wilhelm ausbrachte. Der deutsche Botschafter sagte in seinem Toast: „Bei bem festlichen Anlasse, der unS heute vereinigt, bitte ich daS erste GlaS zu leeren auf den erlauchten Monarchen, unter dessen sicherem und mächtigen Schutz Sie, meine Herren deutschen Reichsanaehörlgen, in Oesterreichs Landen daS Gastrecht genießen. Lasten Sie uns dieser Pflicht in Ehrerbietung Nachkommen für den treuen Freund unseres geliebten Kaisers: ES lebe bet Kaiser von Oesterreich!"
— Kaiser Franz Josef hat bem Kaiser Wilhelm ein herzl ches Glückwunschschreiben zugehen lasten, ebenso erfolgten fpectdle Glückwünsche der Erzherzöge.
— Die „Neue fr. Presse- erörtert anläßlich des Geburtstags des Kaisers Wilhelm die Lage Europas und sagt, bet Geburtstag des deutschen Ka's-rS könne ohne düsteren Hintergrund und ohne bange Ausblicke tn die nächste Zukunft gefeiert werden. DaS Werk seines Kanzlers erweise sich alS dauerhaft. Das österreichisch-dcutfche Freund- schaftSbündniß stehe fest. Die Anwesenheit deS Prinzen von Wales und des Herzogs von Genua in Berlin habe eine symbolische Bedeutung. Indem die fremben Fürsten dem deutschen Kaiser ihre Glückwünsche darbtingen, huloigen sie im Namen ihrer Dynastien und Länder dem Gedanken deS europäischen Friedens und erkennen den Werth deS starken Bündnisses an, welches Deutschland und Oesterreich vereine. — AuS dem gleichen Anlässe gibt daS „Tageblatt" den Empfindungen der Ehrfurcht für ben greifen Monarchen Ausdruck, welcher eine seltene Fülle deS Glücks und der Macht in stch vereinige und es als Aufgabe seines Alters betrachte, ben Frieden Europas zu beschützen. Der Friede in Europa sei ein SegenSzeichen seines 88. Geburtstages.
Petersburg, 22. März. Die Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm begingen die deutschen Reichsangehörigen deS Vereins „Palme" bereis gestern Abend durch ein Festessen in ihrem VereinShause. Ein weiteres Festdiner deutscher ReichSangehöriger findet heute Nachmittag im Hotel Demuth statt.
Rom, 22. März. Der König und die M tglieder der Königlichen Familie haben an ben Kaiser Wilhelm auS Veranlassung oes Geburtstags Glückwunschtelegramme gerichtet. In ber Kapelle der deutschen Botschaft fand heute Vormittag ein FestgotteSdienst statt. Der deutsche Botschafter veranstaltet heute ein größeres Diner, zu welchem zahlreiche hier weilende deutsche Reichsangehörige Einladungen erhalten haben. —
Suakirv, 22. März. (Telegramm des „Reuter'jchen Bureaus.") Heute früh sind mehrere Regimenter Infanterie, von mehreren Abtheilungen der Kavallerie und Artillerie, sowie von einem Detachement des Genie-Corps begleitet, in zwei Carrös formtet, m der Richtung gegen Tamai abmarschirt, um dort Zarebas herzustellen, welche durch ein Regiment Infanterie besetzt werden sollen. Die übrigen Truppen sollen nach dem Lager zurückkehren. Die Aufständischen, die sich in großer Zahl auf den Hügeln bei Hasheen angesammelt hatten, suchten den Vormarsch der englischen Truppen sofort, als sie denselben bemerkten, zu unterbrechen, wurden aber durch das von der Besatzung der Zareba bei Hasheen, sowie von den Schiffen aus gegen sie gerichtete Geschützfeuer' in Schach gehalten und erlitten beträchtliche Verluste.
Das Grubenunglück tu Camphausen.
Von Saarbrücken führt bie Nebenbahn nach Neunkirchen bei Station Camp- bausen — Grubenschacht — vorüber; auf diesem Wege gelangt man dorthin tn etwa 9 Minuten. Ich benutzte die andere über Dudweiler — 5 Minuten Fahrzeit — nach Neunkirchen führende Bahn. Von Dudweiler liegt Camphausen nordwestlich; der Weg dorthin, durch Felder, geht etwa 20 Minuten bergauf; auf der Höhe zieht sich ein langer Wald hin, von dort geht e8 südwestlich 5 Minuten lang ziemlich steil bergab, bann kommt man zum Camphausenschacht. Nicht fern davon, eine Viertelstunde WegS, ließt die Höhe NeuhauS, von welcher auS man die dunkle Linie der Vogesen erblickt. Camphausen ist eine bergmännische Mustcranlage; dort sind die neuesten Maschinen.
großartige, fn Thätigkett. Sic hat die gewaltige Tiefe von nahezu 600 Meter; die Stollen, stockwerkweise Übereinander, sind mit @ijen statt mu Holz D.-rbaut; alle 80 Cm. steht noch ein mit einem eisernen Rma umgüneter starker E chenpiahl als Stütze gegen das Gchang. Unmittelbar in der Nähe führt in Tiefe von gegen 20 M die Bahn vorüber. Camphcusen besteht auS zwei anemand-r gelegenen Förderschächten nnb einem Wttterschacht mit riesigem Ventilator, der die Lust herauSsaugt. Wenn der eine Fahrstuhl htnabgeht, kommt der andere aus der Tiefe herauf; jedes Drahtseil hat ein Gewicht von über 3000 Kg; die Drahtseile laufen auf zwei großen, über dem Schacht befindlichen Rädern; von dort geht btt Verbindung nach bem nahen, die Kraft erzeugenden Maschinevhause; gewaltige Maschinen wirken, die maschinelle Anlage ist großartig. Rechts davon, nordöstlich, ist das BadehauS.
Die Hauptmaste der Bergleute, 116 Mann (nach andern 119) mit 3 Nachtsteigern (Kirsch, Bost und Gläser), war am 17. März, AbendS 10 Ubr, eingefahren und hatte sich in die Stollen oerthetlt; der bei Wettern größte Thetl der Bergleute begab sich fn daS „Westfeld-, nach der Richtung Saarbrücken hin, die kleinere Menge bezog daS „Ostfeld-, nach Dudweiler zu. Bald noch 12 Uhr erfolgte die Katastrophe. Mehrere Detonationen erfolgten, selbst in dem etwas höher gelegenen, sehr massiven Maschinenbaus«: verspürte man sehr die Erderschütterung. Im selben Augenblick schlug an der etnm Schachtöffnung eine hohe Flamme empor; der starke Bohlenbelag wurde großentheilS hinauSgeworfen und ber gerade oben befindliche Förderkord fo zerstört, daß er gänzlich unbrauchbar wurde. Dieser Umstand verhinderte Die wettere Benutzung der „Schale-, die Anbringung einer andern würde zu viel Zeit erfordert Haden. Sogleich nach der Katastrophe waren sich die auf der Oberfläche Befindlichen die Größe des geschehenen Unglücks bewußt, die benachbarten Gruben wurden sofort attarmirt und so schnell wie möglich erschienen von dort Steiger. DaS RettungSwerk würbe sofort versucht, eher die der auSschlagenden Flamme vachströmenden „Schwaden- verhinderten stundenlang ein kräftiges Eingreifen. Der Schacht war nicht „zusammengestürzt-, nur ber unterste Theil desselben war mit Trümmern bedeckt, man konnte demzufolge nicht biS auf die Sohle gelangen. Glücklich die 16 Mann, welche in dem obersten Stollen beschäftigt gewesen waren, sie waren gegen 7 Uhr Morgens die ersten oben, alle gesund, wenn auch von der Katastrophe erschüttert, sie Haden drei Stöße verspürt und alS die Luft d'ck wurde, entfernten sie sich schleunigst aus dem Stollen und eilten ber Schachtöffnung zu. Der unversehrt gebliebene Förderkorb wurde in Function gesetzt; der Berginspector Dr. Sättig war einer de- ersten, die hinunterfubren, nm zu retten. Todesmuthig, tn herrlicher kameradschaftlicher Liebe drängten sich oben die Bergleute zur Fahrt in die Tiefe, nur je 15 Mann durften auf die Schale. Auch der Vorsitzende der Königlichen Bergwerksbirect on, Herr Eilert, begab sich tn die Tiefe. Die Stollen waten von Gasen angefüllt; der Berginspector kam beinahe ohnmächtig wieder herauf; die Bergleute lösten sich bti jeder Ntederfahrt ab, und immer dann von Neuem drängten sich die Braven herzu, um bte Kameraden zu retten. Bet ber großen Tiefe befi Schachts kam nur alle 15 Minuten ber Förderkord wieder herauf; er ent, hielt die abzulöfenden Bergleute und — drei Tobte oder „Kranke-. AIS der Tag da war, füllte sich ber große Raum zwischen bem Maschinenhause und bem Schacht mit ben Freunden und Angehörigen der in der Tiefe befindlichen verunglückten Bergleute. Kopf an Kopf standen sie dort; still, aber voller Seelenfchmerz; wie viele weinten! Wieder kommt die Schale herauf. Die „Kranken" werden auf einer mit Decken belegten Tragbahre in daS Badehaus gebracht; sie, bte ganz von Sinnen sind, keinen Laut von sich geben, regungslos liegen, werden In ein mit kaltem Wasser gefülltes Becken gebracht, ein Strahl Wasser fällt auf ihren Kopf, sie ächzen nun; einige Minuten hält man sie im Wasser unb reibt sie mit einer Bürste, bann deckt man sie mit wollenen Decken zu; draußen halten eigenS construirte Wagen, auf denen sie nach dem nahen Bergmanns-Lazareth Sulzbach überführt werben. Einige ber heraufgebrachten Kranken vermögen noch zu gehen, zwei Kameraden stützen einen solchen kräftig und führen ihn nach dem Babehause. Alle Kranke find thetlnahrnSloS, ihr Blick ist ein stierer. Die lobten werden tn ben noch freien großen Raum des MaschivenhauseS gebracht in welchem später die Maschinen für den anjulegenben zweiten Schacht aufgestellt werden. In einer Reihe legt man sie nebeneinander. O, der Anblick! Die braunen Kleider sind mürbe wie Zunder; bte Flamme der Explosion hat fürchterlich gewirkt. Fast alle Leichen sind oben verhüllt, nur einige wenige liegen mit offenem Oberkörper und Gesicht da. Die Wärme im Schacht tst eine erhebliche; bte Bergleute arbeiten deßhalb in ben tieferen Stollen mit nacktem Oberkörper. So liegen nur einige ber Leichen halbnackt da. Die Brust ist schwarz, das Antlitz schwarz, wie das eincS Mohren; bte Brust zeigt große Stellen rohen Fleisches. Einige Leichen halten die Hände tn verschiedenen Stellungen erhoben, als wenn ber Tod btefe Armen bet ber Arbeit, bei der Armhaltung überrascht hat. Eine Leiche war noch warm unb bennoch mußten bie beschäftigten Aerzte ben Tod feststellen.
Es tst 5 Uhr Nachmittags. Im Maschinenhause liegen 21 Tobte; mit Inbegriff ber 16 zuerst Geretteten bat man 38 lebende — ober noch lebende — Bergleute ander Tiefe ber auf geholt. Vor ber Schachtöffnung bröngten sich Frauen unb Bergleute, um nach ben heraufgebrachttn Kranken ober Tobten zu sehen; der Jammer, wenn eine Familie ihren Vater ober Bruder erkannte!
Die Explosion war von fürchterlicher Kraft; die Stollen waren großentheil- oerfchüttet, die eisernen Stützen geknickt; da unten sah e8 schrecklich aus. Man stand davon ab, weitere Tobte nach oben zu bringen; man suchte von 3Vz Uhr ab nur noch nach den Lebenden. Die auffahrenden, von der Arbeit stch erholenden Bergleute berichteten Entsetzliches; in einem Stollen lagen 50 dis 60 Tobte auf einem Haufen! Als die rettenden Bergleute die Stollen betraten, hörten sie die „kranken- Kameraden rufen: „Kommt, Brüder hott uns!" Die meisten Kranken fand man jedoch in Betäubung daliegen. ES ist möglich, daß sich noch einige der von der Katastrophe überraschten Bergleute weit in einen Stollen geflüchtet haben; werden sie aber dort gute Luft vorgefunden haben? Die big jetzt, 6 Uhr Abends, noch nicht lebend aufgefundenen Bergleute hält man alle für tobt — 171 Mann! 66 ist alle Hoffnung aufgegeben; die Gase haben zu fürchterlich gewirrt.
Wie daS grausige Unglück entstanden? Man nimmt an, daß stch in einem alten, nicht mehr benutzten Stollen Kohlenstaub entzündet hat; der Stollen durfte nicht mehr betreten werden.
Die meisten ber Verunglückten wohnten in den nahen BergmannSorten Herrensohn und Fischbach; aus letzterem Orte waren die meisten. Viele Familien dort und tn Dudweiler sind sehr schwer heimgesucht worben; lagen boch tn dem Maschinenhause vier Brüder tobt! Ein Bergmann hat zwei Söhne und zwet Schwiegersöhne verloren; viele der verunglückten Verhetratheten hinterlassen 4, 5, 6 und 7 Kinder. Der Jammer tst groß. Ich fragte einen still dastehenden Alten: „S'nd die Steiger tobt?- Er antwortete tn Resignation: „Ja, zwei Steiger und mein Sohn (der dritte Steiger); ich möchte gern hinunter und würbe ihn schon finden, aber man läßt mich nicht hin-' Heute Abend und Nacht wird man bte übrigen Tobten heraufschaffen; einige recognoscirte Tobte würben bereits von ben Angehörigen abgeholt. Noch mancher ber Geretteten werben leider nachträglich bem Tode verfallen; sie find vom Geschick zu furchtbar angepaeft worben. So mancher brave, verdienstvolle Bergknappe ist hinüber; Paffrath auB Dudweiler hat bte Kriege von 1864, 1866 und 1870/71 mitgemacht; In gerechtem Stolz trug er einst feine Orden — am Abend fuhr man ibn als Leiche zu seiner Familie in Dudweiler. Und noch so mancher ehemalige tapfere Krieger hat einen jähen Tod gesunden „tief unter der Erde-. (Köln. Zgt.)
Lokales.
Gießen, 23. März. Zur Feier von Kaisers Geburtstag hatten gestern die öffentlichen, sowie sehr viele PrivotiGebLube festlichen Fahnenschmuck angelegt. Die militärischen Feierlichkeiten erlitten durch bie eingetretene Trauer um baS Ableben der hochseligen Mutter deS GroßherzogS insofern Abbruch, als ber sonst Übliche Zapfenstreich, bte TagS-Reoeille unb große Daradc in Wegfall kamen. DaS offictelle F>.fteffen fanb tm Saale beS GesellschaftS-VereinS statt.
Gießen, 23. März. SchwurgerichtSoerhanblung am 2l. März gegen Heinr ich Schmidt II. von Steindach wegen Urkundenfälschung unb Betrugs.
Derselbe war angeklagt:
daß er am 5. Februar 1884 durch ein und dieselbe Handlung in rechtswidriger Absicht eine Prioaturkunde, welche zum Beweis von Rechten nnb Rechtsverhältnissen von Erheblichkeit fft, wie eine inländische öffentliche Urkund-, nämlich die den Akten betltigfnbe Bürgschaften künde vom 5. Februar 1884 und den unter derselben befindlichen BeglaudigungSorrmerk deS Großh. OriS- aerichtSvorsteherS in Albach verfälscht und von btefen Urfunben bem Rechner deS Vorschuß-Vereins zu LangSdorf gegenüber zum Zwecke ber Täuschung Gebrauch gemacht, auch das Vtrmögen des Vorschuß-Vereins dadurch beschädigt
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Dienstag, 9 Borw.
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