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70 Dienstag den 24 März 188A

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

t Schulstraße 7.

Erscheint tLgttch mit SnSnchme des «yntag».

Preis vierteljährlich 2 Marl 20 Pf. mit Bringerlvhn Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pk.

Deutschland.

Darmstadt, 22^Marz. Jhre Großh. Hoheit ' die Frau Privresfin Karl, Mutter Sr. Konrgl. Hoheit unseres Grost- herroaS, ist gestern ihrem kurzen, aber schweren Leiden er­legen. Hochdieselbe, Elisabeth Marie Karoline Victor,a, Tochter d«S verstorbenen Prinzen Wilhelm von Preußen, war den 18. Juni 1815 geboren und Wittwe seit dem 20. März 1877.

AuS dem Großherzogthum Heffen, 19. März. Die Abgg. v Rabenau, Schröder und Möhn haben bei der zweiten Kammer einen Antrag aus Herabsetzung des Stempels bei Immobilien Uebergängen und bei Errichtung von Hypotheken eingebracht. Zur Unterstützung dieses Antrages circulirt in landwirthschaftllchen Kreisen eine Petition an den Landtag, die m den beiden Forderungen gipfelt: 1) Kaufbriefe, welche bäuerlichen Grundbesitz betreffen, oder weiche eine Zusammenlegung (in zwei verschiedenen Gemarkungen) bezwecken, erleiden eine Herabsetzung der Stempelgebühr um drei Viertheie. 2) Tauschverträge > welche eine Zusammenlegung oder eine anderweite Verbesse­rung bäuerlichen Grundbesitzes bezwecken, seien kostenfrei.

Mainz, 21. März. Bei der heutigen Landtagswahl waren von 122 Wahlmännern 103 erschienen. welche Jost (Mainz) und Ulrich (Offenbach), beide Socialdemokraten, mit 90 resp. 89 Stimmen wählten. (Fr. Ztg.)

Berlin, 21. März. Das spanische Hülfs-Comttö hielt heute feine Schlußsitzung ab. Der Schatzmeister berichtete, daß aus Deutschland nahezu eine halbe Million Mark aufgebracht worden seien. Der Botschasts-Secretär Dupny de Lüme sprach den Dank des Königs und der spanischen Ration aus, Worauf der Präsident erwiderte, Deutschland habe den Anlaß wahrgenommen, Spanien seine Sympathie zu bezeugen. _

Der König von Sachsen und Prinz Georg von Sachsen, die um 1 Uhr 20 Min. hier eingetroffen sind und am Bahnhof vom Kronprinzen empfangen worden waren, statteten alsbald dem Kaiser und der Kaiserin Besuche ab. Um 4 Uhr fand im kaiserlichen Palast ein Diner von 200 Gedecken statt, wozu die Mitglieder des Königshauses und fämmtliche hier anwesende fürstlichen Gäste mit Gefolge und Gefandten theilnahmen. . .

Das Abgeordnetenhaus nahm heute bei der ersten Lesung einstimmig den Gesetzentwurf, betr. die Versorgung der Hinterbliebenen des in Frank­furt a. M. ermordeten Polizeiraths Rumpff, an-

Saarbrücken, 22. März. Die Gesammtzahl der Todten in der Grube Camphausen" beträgt 175, die der Hinterbliebenen 141 Wittwen mit 416 Kin­dern 51 Bergleute wurden gerettet, davon sind nachträglich 4 gestorben. 8 Tobte konnten noch nicht aus der Grube geschafft werden. Die Grube wird erst nach einigen Wochen wieder betriebsfähig sein. Das Eingreifen der Privatwohlthätigkeit ist vielfach dringend geboten. An der Grube ist ein großer Andrang des Publikums, doch bleibt dieselbe geschloffen. Die Arbeiten zur Bergung der Leichen sind permanent im Gange. (Fr. Ztg.)

St. Johann, 21. März. Amtlicherseits wird mitgetheilt, daß auf SchachtCamphausen" kein weiterer Unfall vorgekommen ist. Die heute darüber aufgetauchten Gerüchte sind vollständig aus der Luft gegriffen.

Aesterreich.

TemeSwar, 21. März. Aus dem hiesigen Postamte sxplodirten sechs von Mannheim hier eingegangene Säckchen; ein Postbeamter wurde schwer ver­letzt, in den Posträumlichkeiten wurde ein nicht unerheblicher Schaden angerichtet.

Eattaro, 21. März. Der Kronprinz und die Kronprinzessin von Oesterreich find gestern hier eingetroffen, und heute in Begleitung des Erzherzogs Johann, des Statthalters von Dalmatien und des österreichischen Minister- residenten MUinkovich in einer montenegrinischen Hos-Equipage nach Cettinje abgereist.

Dänemark.

Kopenhagen, 21. März. In der Antwort des Königs aus die Adressen der beiden Kammern heißt es:Wir sehen es als ein Unglück an, wenn der Reichstag keine Einigung hinsichtlich des Budgets erzielt, erblicken aber in unserem Ministerium kein Hinderniß einer solchen Einigung. Wir können unser verfaffungsmäßiges Recht nicht ausgeben, indem wir aus dasselbe verzichten, am die Annahme des "Budgets zu erreichen. Wir ersuchen ernsthaft und drin­gend beide Kammern, die noch verbleibende Zeit zu benutzen, um eine Einigung herzustellen und versichern, daß unsere Liebe und Treue zum Grundgesetze nicht q-rinqer ist als diejenige des Folkethings, und daß es unser fester Wille ist, die grundgesetzmäßige Freiheit und Machtvertheilung zu wahren."

Krankreich.

Paris, 21 März. Dem JournalParis" zufolge erhielt das Ge- fchwader im Stillen Ocean Befehl, zum Schutze der französischen Staatsange- hörigen nach Aspinwall (Panama) sich zu begeben.

ßngkand.

London, 21. März. DasBureau Reuter" meldet aus Wellington mn heute; Die Legislatur von Samoa nahm das Gesetz Zwecks Annexion

der Samoa-Inseln durch Neuseeland an. Die Regierung Neuseelands erhielt eine Abschrift des Gesetzes.

London, 21. März. Unterhaus. Lord Hartington verliest cm Tele­gramm Graham's an Wolseley vom 20. ds., wonach das Resultat der heutigen Operation die Errichtung einer starken Stellung ist, welche das Hasheenthal beherrscht und unsere rechte Flanke, sowie die Verbindungslinie in den bevor­stehenden Operationen gegen Tamai schützt.

Ein Telegramm Graham's aus Hasheen vom 20. ds. meldet: Nach­dem die Truppen heute Morgen 6 Uhr das Lager von Suakim verlassen, besetzten sie die Spitzen mehrerer Hügel. Als sich der Feind vor der Front entfaltete, befahl Graham, eine bedeutendere, vom Feinde besetzte, isolirt stehende Anhöhe zu nehmen, was vollkommen gelang. Der Feind, welcher 4000 Mann stark war, zog sich in der Richtung nach Tamai zurück; außerdem fanden noch einige andere Scharmützel statt. Inzwischen errichteten die Truppen in Zareba Verschanzungen. Ein Bataillon mit 6 Geschützen bleibt in Zareba zurück, die übrigen Truppen sind sämmtlich nach Hasheen zurückgekehrt und gehen nach Suakim. Die Verluste der Engländer sind 9 Tobte und 38 Verwundete. Der Verlust des Feindes ist unbekannt, jedoch beträchtlich.

Italien.

Rom, 21. März. Im Senate begründen Caffacciolo und Viteleschi ihre Interpellationen über die Politik des Cabinets der auswärtigen Politik. Mancini erklärt, er werde am Montag antworten. Der Senat drückte den Soldaten in Afrika seine Sympathie aus.

Spanien.

Madrid, 21. März. Im Senate erklärte heute der Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Spanien sei trotz des großen Jntereffes am Suez- kanal zur Theilnahme an der Pariser Suezkanal-Conferenz noch nicht eingelaoen. Sollte eine Einladung erfolgen, so werde es Vertreter mit einem Programm der Verständigung und Des Friedens entsenden.

Aelgien.

Brüssel, 21 März. Beim Empfange des Gemeinderathes von Brüssel welcher eine Adresse bezüglich des Congo-Staates überreichte, drückte der König die Hoffnung aus, daß Brüssel der Hauptsitz für Alles bleiben werde, was den neuen Staat angehe; derselbe werde von Belgien keine neuen Opfer fordern, da er hinreichende Hülfsquellen habe; er hoffe, Belgien werde von den neuen Ab­satzwegen Vortheil haben, kein belgischer Bürger, der sich an dem neuen Werke betheilige, werde seine Nationalität verlieren.

Montenegro.

Eetttnje, 21. März. Das österreichische Kronprinzenpaar ist Nach- mittags nm 4 Uhr hier eingetroffen; vorn Fürsten Nikita mit den Ministern und Würdenträgern an der Landesgrenze empfangen, wurde Das Paar tn vier­spännigem Galawagen hierher geleitet, die Fürstin tarn entgegengefahren. Am Eingänge der Stadt war eine Ehrenpforte errichtet. Eine Deputation der Bür­gerschaft überreichte Salz und Brod. Der Kronprinz und der Fürst begaben sich, enthusiastisch begrübt, zu Fuß nach dem Palais und machten später einen Rundgang durch die Stadt. Abends findet ein Diner und Beleuchtung der Stadt und der Höhen statt.

Serbien.

Belgrad, 21. März. Ein königlicher Befehl ordnet die Errichtung fünf neuer Bataillone als selbstständiges Garderegiment an.

Aegypten.

Suakim, 21. März. DasBureau Reuter" meldet: Alle englischen Truppen, ausgenommen die Garderegimenter, sollen morgen bei Tagesanbruch ausrücken, um die 7 bis 8 Meilen vom Lager entfernt befindlichen Zarebas zu zerstören und allda Besatzungen zurückzulaffen. Die übrigen Truppen kehren in's Lager zurück. Hasheen wurde in vergangener Nacht vom Feinde nicht an­gegriffen ; heute früh beschossen die englischen Truppen im Lager auf den benachbarten Hügeln den angesammelten Feind mit einigen Granatschüssen. Die gestrigen Verluste der Engländer betrugen 21 Tobte und 42 Verwundete.

Amerika.

New - Aork, 21. März. Eine Depesche aus San Juan in Nicaragua meldet: Nachrichten aus dem Innern zufolge haben sich die.Truppen von Nsta- ragua und San Salvador an der Grenze von Honduras coricentritt. Em demnächstiger Angriff ist sehr wahrscheinlich. In Honduras ist em Aufstand ausgebrochen. s

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