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wurde Wrlbrandt (frei).) mit 8430 Stimmen gewählt; v. Hirschseldt (cons.) erhielt 7836 Stimmen.

Hesterreich.

Prag, 21- Febr. Hiesige Blätter melden: Der Obmann des Teplitzer Arbeitervereins und zwei Arbeiter wurden wegen socialistischer Umtriebe verhaftet.

ßnglaud.

London, 21. Februar. DieTimes" bringt die noch der Bestätigung bedürfende Nachricht, die Ruffen seien gegen Penjdeh, welches noch von Afghanen besetzt ist, vorgegangen. Die englische Grenz-Commission habe sich in die Nähe Herats zurückgezogen.

Eine Depesche Lord Wolseley's aus Korti vom 20. ds. besagt, er habe eine aus Abukli vom 17. ds. früh datirten Bericht Buller'S erhalten, worin es heißt, daß 400 Mann der feindlichen Infanterie, die mit Gewehren bewaffnet waren, vom 16. Februar, Abends 5 Uhr, bis zum Abgang des Be­richtes ein wohlgezieltes, aber unregelmäßiges Feuer aus weiter Entfernung auf das enalische Lager unterhielten. Die englischen Verluste betragen 16 Mann, barunter 4 Osficiere. Die Truppen seien in Abukli in völliger Sicherheit, selbst gegen die Angriffe einer starken Streitmacht, aber das Feuer aus weiter Ent­fernung ist höchst lästig. Wolseley fügt hinzu, daß Wood noch am selben Tage, (den 20. Febr.) Kameele von Gakdul an General Buller absende, der weiterer Transportmittel bedürfe. Buller werde sich wahrscheinlich nach Gakdul zurück­ziehen, sobald die Kameele eingetroffen seien.

General Graham ist mit seinem Stabe nach Suakin abgegangen.

Ein Telegramm desReuterffchen Bureaus" aus Korti vom 21. Febr. besagt, daß die Sanitäts-Verhältnisse im Lager von Korti zwar gut seien, aber wahrscheinlich werde die herannahende große Hitze die Wahl eines neuen, nörd­licher gelegenen Lagers nöthig machen, weil es später unmöglich sei, unter Zeiten, zu lagern.

Kriechenlauv.

Athen, 21. Februar. Delyannis hat, da der König der Auflösung der Kammer die Zustimmung versagte, die Bildung eines neuen Cabinets abgelehnt. Darauf wurde Tricupis wieder zum König berufen. Der Genannte zog nach längerer Conferenz mit dem König seine Demission zurück. Es wird eine öffent- lrche Kundgebung vorbereitet, um Tricupis einen Vertrauensbeweis zu geben.

Türkei.

Konstantinopel, 21. Februar. Ein kaiserliches Jrade acceptirt den Antrag der Banque Ottomane und des Comptoir d'Escompre in Betreff der Bahnanschlüffe.

Berlin, 21. Februar. (Reichstag.) In der heutigen RetchStagSsitzung wurde die Zolldevatte fortgesetzt. Für Wein, in Flaschen eingehend, bestand bisher ohne Unterschied ein Zoll von 48 pro 100 Kilogramm; die Zollvorlage verlangt jetzt für Schaumweine 80 JL, für anoere 48 JL wie bisher.

In der Debatte, an der sich die Abgeordneten v. Helldorff. Barvb^xger, p. Kardorff, Marauardser», v. Franckenstein und Richter bethetligten.be- avtragte Letzterer, btS zu einer definitiven Regelung der inländischen Schaumwein- Versteuerung es bei dem alten Zolle zu belassen, die Majorität entschied sich jedoch für die Regierungsvorlage.

Die Positionen Kraftmehl, Puder, Starke, Nudeln, Sago und dergleichen wurden auf Antrag der Abgeordneten v. Kar dorff und Scipio zur Vorberathung an die Commission verwiesen.

Für Mühlenfabrikate, auS Getreide und Hülsenfrüchten, also Graupen, Gries, Grütze, Mehl, Bäckerwaaren, Kleber, geschrotete und geschälte Körner wurde nach langen Debatten, die indessen für dm Standpunkt der verschiedenen Parteien nichts Neues zu Tage brachten, der bisherige Zoll von 3 pro 100 Ktlogr., über die Re- gierungsoorlage von 6 JL. hinaus auf 7 JL 50 $ festgestellt; ferner für frische Wein­beeren ohne Debatte, conform dem b-sherigen Zollsätze, auf 15 JL.

Nachdem danach da8 Gesetz über den Zollanschluß Bremens in zweiter Lesung angenommen worden war, schlug der Präsident die Vertagung biS zum Montag den 23. Februar vor, seitens des Abg. Windthorst wurde indeß unter Hinweis auf die Unzuträglichketten, die durch das Zusammentagen entständen, eine Vertagung bis zum 2. März beantragt.

Fürst BiSmarck, der zu dieser Debatte erschienen war, setzte sich dem auf daS Lebhafteste entgegen; auf den Reichstag sei bereits Rücksicht genommen, indem er fast 2 Monate ohne Störung durch die Etnzellandtage Sitzungen adgehalten habe. Boyern, Sachfen, Württemberg rc. könnten dasselbe Recht beanspruchen und wenn ein Abge­ordneter zwei Mandate übernehme, so thue er es doch in dem Bewußtsein, daß er die fundamentalen Einrichtungen des Landes und des Reiches nicht hemmen wird. Die Entscheidung in Sachen, die man mit Spannung erwartet, sollten doch nicht in der Schwebe gelassen werden; die ungeregelte Speculation hinsichtlich der Zoll- novelle z. B. werde begünstigt und die Retchsfinanzen leiden darunter. Fassen Sie Ihre Beschlüsse, die verbündeten Regierungen werden dann anch die ihrigen fassen.

Abg. Richter weist darauf hin. daß der Vorschlag der achttägigen Vertagung eu8 der nämlichen Majorität herauSkommt, die die Zollerhöhungen betreibt; das beweise, daß diese Majorität selbst nicht die Nothwendtgkeit der schnellen Beschluß­fassung anerkennt.

Es sprachen noch die Abgeordneten v. Helldorff, v. Wöllwarth, v. Lenz, v. Benda, v. Stolberg, doch wurde schließlich nach anderthalbstündtger Geschäfts- ordnungSdebatte mit 137 gegen 118 Stimmen die Vertagung bis zum 2. März aus­gesprochen.

Telegraphische Depeschen.

Wolffs telegr. Korrespondenz - Bureau.

Metz, 22. Februar. In Folge von Regengüssen der letzten Tage ist der Stand der Mosel ein außerordentlich hoher. Bei Metz, Diedenhosen und Königsmachern ist dieselbe stellenweise ausgetreten.

Paris, 22. Februar. Gestern Abend fand im Saale von Levis (Ba- tignolles) eine socialistische Versammlung statt, in welcher heftige Reden gehalten wurden. DemCri du Peuple" zufolge sollen bei dieser Gelegenheit etwa 15 Personen von der Polizei verhaftet worden sein.

Petersburg, 22. Februar. Der Geschäftsführer im Ministerium des Auswärtigen, Titularrath Artzimowitfch ist zum Vice-Consul in Thorn, der Ingenieur der Wege-Communicationen, Hofrath Leffar, zum diplomatischen Agen­ten bei dem Chef des transcaspischen Gebiets ernannt worden.

DerRuff. Invalide" erklärt die Zeitungsmeldung von einer beab­sichtigten Uniformirung etlicher Dragoner-Regimenter in Husaren- und Ulanen- Regimenter für unbegründet.

DerNeuen Zeit" zufolge wäre bestimmt worden, daß die von dem Ministerium des Innern reffortirenden deutschen Schulen in den Ostseeprovinzen

in russische Stadtschulen und Kreisschulen mit russischer und deutscher Unterichts spräche umgewandelt werden sollen.

Gestern Abend gegen 6 Uhr stürzte im Centrum der Stadt ein von Arbeitern bewohntes mehrstöckiges Hinterhaus zusammen, die Bewohner unter den Trümmern begrabend. Die Feuerwehr-Sappeure eilten sofort zur Rettung der Verunglückten herbei. Die Anzahl der letzteren ist noch nicht festgestellt. Um 8 Uhr erschien der Kaiser auf der Unglücksstätte.

Kairo, 22. Januar. Nach derAgence Havas" ist durch Decret des Khedive der wirklche Legationsrath v. Richthofeu zum deutschen Vertreter bei der egyptischen Schuldenkaffe ernannt.

Ronr, 22. Februar. DerAgenzia Stefani" wird aus Maffauah, den 19. ds. gemeldet: Kapitän Ferrari ist von Suakin hier eingetroffen und wird in einigen Tagen nach Abysstnien abgehen.

Derselben Agentur wird aus Perim berichtet, die in Assab befindlichen italienischen Commiffäre hätten Seitens des Sultans von Auffa die Anzeige erhalten, daß derselbe eine besondere Expedition zur Entdeckung und Bestrafung der Mörder des Afrika^eisenden Bianchi und seiner Gefährten organisiren werde. Gleichzeitig habe der Sultan seiner Befriedigung über die Besetzung BeilulS durch die Italiener Ausdruck gegeben.

Konstantinopel, 22. Fevruar. Ein amtliches Communtque meldet die erfolgte Uebergave der Jrade, durch welches die Anträge des Baron Husch abgelehnt und diejenigen der Banque ottomane unter der Bedingung angenommen worden, daß sie den ottomantschen Besitzen unterworfen werden. Das Commun quä fügt hinzu, daß die Differenzen zwischen der Regierung einerseits und dem Baron Hirsch sowie der Eisenbahnbetriebs-Gesellschaft andererseits einem Schiedsgerichte anhetmgegebeu werden sollen. Zu Mitgliedern desselben find seitens der Regierung der UnterstaatSsecretär im Justizministerium, Vahan Effendt und Riza Bry, Mitglied des CaffattonShofeS ernannt worden. Gleichzeitig fordert die Pforte den Baron Hirsch und die Etsenbahn- betrtebSgesellschaft auf, innerhalb eines Monats ihre Vertreter für das Schiedsgericht zu ernennen.

Lokales.

Bietzen, 23. Februar. Der 3. Vortrag des Alice-VereinsEinleitung fn Shakespeares Sommernachistraum und Vorlesung einzelner Stellen bt ff eiben" von Hern Kreisschultnspector Büchner fand am 20. d. M. statt.

Derselbe führte in dem ersten Theil deS Vortrag« auS, daß dieses Stück, wie auch einzelne andere des großen Britten, an einem argen dramatischen Fehler zu leiden scheinen. Es fehle demselben, wenn man seine äußere Form betrachte, an dem ersten Erforderniß für den Aufbau eines Dramas, an der ^Einheit der Handlung." ES find, führt der Vortragende auS, vier selbstständige Handlungen in demselben enthalte«, nämlich: Die Hochzeit des TheseuS und der Hypoltta, die Geschichte zweier Liebes­paare, die Darstellung des ElfenretchS mit dem Streite des Elfenkönigs Oberon und feiner Königin Tttanta und daS Fest dec Handwerker, die ihrem Herzog ThefeuS zu Ehren ihre klägliche Tragödie PyramuS und ThiSbe an feinem Hochzeitstage zur Auf­führung bringen. Diese vier Handlungen find nur lose äußerlich mit einander verbunden. Wer glaubt, wegen dieses Mangels an Einheit der Handlung, die Ehre des Dichters retten zu mfiffen, mag dies mit den meisten Auslegern dadurch thun, daß er betont, das Stück fcr seiner ganzen Anlage nach ein G legenheitsgedtcht, ein Festspiel zur Ver­herrlichung einer HochzettSfeier, und sei an ein solches zu jener Zeit nicht die strenge Anforderung wie an daS etzentliche Drama gestellt worden, da eS nur der Unterhaltung dienen sollte.

Der Vortragende gibt zu, daß das Stück ein HochzeitSgedtcht sei und mit großer Wahrscheinlichkeit auf die Vermählungßfeter deS dem Dichter sehr befreundeten Grafen Essex, bekannt durch sein tragisches Ende, gedeutet werde. Er führt darauf eine Stelle aus dem Stücke an, woraus sich daS fast mit Gewißheit folgern lasse, allein es fei nicht nöthig zur Rettung des Dichters, ihn damit zu entschuldigen, er habe sich in seinem Werk der damals gebräuchlichen, nicht streng dramatischen Form bedient, weil eS eben ein Festspiel gewesen. Was, fährt der Vortragende fort, vielen Auslegern eint Schwäche des Stücks zu stin scheint, ist nach meiner Ansicht e'ne große Schönheit in einer von dem Dichter absichtlich gewählten Form.

Er will einenTraum" darstellen, darum verknüpft er Handlungen und Personen nur lose mit einander, in wirrem Durcheinander läßt er sie an unserem Auge vorüber­ziehen, aber in dem Allem ist doch Methode wie in Hamlets Wahnsinn, doch ist ein einheitlicher Gedanke durchgeführt, eine Houpthandlung vorhanden.

Das führt zum zweiten Theil zur Beantwortung der Frage nach dem /»inneren Gehalt" des Stücks. Der Vortragende führt nun eine Reihe verschiedener Auslegungen vor, unterzieht dieselben seiner Kritik und weist sie als unhaltbar zurück. Nach seiner Ansicht ist die Tendenz des Stückes die Darstellung des Wesens der Jugendliebe mit den Hindernissen, welche äußere Verhältnisse ihr entgegsnstellen, und mit den Leiden und Irrungen, die durch die blinde Leidenschaft von den Liebenden sich selbst bereitet werden. Dieses Wesen der Jugendliebe schildern alle in dem Stück austrctenden Haupt­personen, am meisten und eingehendsten die beiden Liebespaare, deren Geschichte un­zweifelhaft die Haupthandluvg des Stücks darstellt.

Am Schluffe wurde noch darauf hingewtesen, wie Humor und Komik ganr besonders in dem Stücke zur Geltung kommen.

Darauf las Herr Büchner die drei ersten Akte und Einiges aus dem vierten und fünften Akte vor.

Der Vortrag, dem ein zahlreiches Publikum beiwohnte, war ausgezeichnet burdj lichtvolle Heberfichtlichk-it der Gruppirung und durch wohlthuende HerzenSwärme; auch die Recltatton einzelner Scenen, denen der Herr Redner dramatisches Leben etnzuflößen verstand, gereichte den Zuhörern, auch den mit dem Text bekannten, zum wahren Genuß

Wie wir hören, wird Herr Realgymnafiallehrer Dr. Mensch den nächster Vortrag und zwar überHeinrich Heine" halten.

Gietze«, 23. Februar. Der hiesige Turnverein feierte am verflossenen SamSta« Abend sein diesjähriges Winterfest im Leib'schen Saale. Wenn durch die Ungunst der Localverhältnisse diese Feier erst Ende Februar abgehalten werden konnte und dir zur Verfügung stehenden Localttäten als zu klein betrachtet werden müssen, so Haber, diese unvorhergesehenen Fälle durchaus keinen Abtrag der Gemüthltchkeit und bt5 fröhlichen Zusammenseins gethan.

Die Feier wurde durch den Gießener Turnermarsch (von Krausse) et offne! und brachte der 2. Sprecher des Vereins, Herr Rentier Carl Vogt in kurzer Ansprochi den Willkomm deS Vorstandes den so äußerst zahlreich erschienenen Mitgliedern wt! Familien und den eingeladenen Gästen dar.

Nachdem daS Programm, in welchem Gesangsvorträge mit Musikpt^cen ab- wechselten, beendet war, wurde von dem 1. Turnwart, Herrn Gg. Stoffer, elr Reigen von 16 Turnern mit 16 Damen in dem einfachen, aber sehr geschmackvoller Turnercoftüm vorgeführt und kann diese Aufführung in jeder Beziehung als eine fehl gelungene und gediegene bezeichnet werden.

Allgemeiner, nicht enden wollender Beifall wurde btn Thetlnehmern und den Jnstructor deS Reigens zu Theil. Die Leistungen der GesangSabthetlung, unter bc; Leitung des Dirigenten Herrn Franz Bauer, sind einer lobenden Erwähnung jeder Beziehung werth.

Bis zum frühen Morgen vereinigte der Tanz die nach Hunderten zählenden Herren und Damen und kann dec Turnverein diese Frier würdig an dieselben frühere- Jahre reihen. X.

Gießen, 23.Februar. Der Schubgefangrne Victor Wob! auS Cossl, welche wegen Dtebstadls tu eine Zuchthausstrafe von 3 Jahren und 8 Monate verurthdi! und beute zwecks Verbüßung dieser Strafe noch Marienschloß verbracht werben sollte, ist gestern Abend auS hiesigem Haftlocal entsprungen. Signalement: Religio» jüdisch, 26 Jahre alt, Statur schlank, schwarzes Haar und Schnurrbärtchen, gebogen« Nase, trug braunen Tuchrock, do. Hose, blaur Weste, gestreiften Kittel, braune Tuck' mütze und Schube.

Uuiverfitäts- Chronik.

Der außerordentliche Professor an der Berliner Universität, Dr. Adolf Ermann, ist zum Director der egyptischrn Abthellung der königlichen Museen ev nannt worden.

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Die Lieferung vor Werkstattemaienal Dom 1. Avril » bi imSubmstMsvnM

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