Rr. 299, Erstes Blatt. Mittwoch den 23. December
188»
i eßen er Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
*"«<•«• - 64u(ftca6« 7. ®W mit M Montag».
Amtlicher Iheik.
Betreffend: Die Herstellung eines Sachregisters zum Großh. Regierungsblatt. Gießen, am 18. December 1885.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Grotzherzoglichen DMgermeiftereien des KretseS.
Unter Bezugnahme auf unser Ausschreiben vom 11. Juli l. I. (Anzeiger Nr. 161) empfehlen wir derjenigen Großh. Bürgermeisterei, welcher das fragliche Sachregister aus Versehen doppelt zugesandt worden ist, ein Exemplar an unsere Registratur zurück zu geben.
________________________________________________Dr. Boekmann._______________________________________
Bekanntmachung.
Die Einträge in das Handelsregister des hiesigen Gerichts sollen im Jahre 1886 in der „Darmstädter Zeitung", in dem „Gießener Anzeiger" und in dem „Licher Anzeiger" veröffentlicht werden.
Lich, den 19. December 1885. Großherzogliches Amtsgericht Lich.
Langermann.
'M——WEM
Deutschland.
Darmstadt, 21. December. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben 'Allergnädigst geruht:
Am 19. December den Gerichtsaffeffor Theodor Kolb in Darmstadt zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Seligenstadt,
an dems. Tage den Gerichtsaffeffor Theodor Seeger in Gießen zum Staatsanwalt bei dem Landgericht der Provinz Oberheffen, sowie
den Gerichtsaffeffor Dr. Georg Best in Mainz zum Staatsanwalt bei dem Landgericht der Provinz Rheinheffen zu ernennen.
Kesternich.
Wien, 20. December. Wie die „Polit. Corresp." aus Konstantinopel erfahren haben will, drückte der Sultan wiederholt seinen Entschluß aus, die türkische Politik aus der gesammteuropäischen Grundlage zu erhalten, da er überzeugt sei, daß eine gedeihliche Lösung der Schwierigkeiten nur auf dieser Grundlage zu erzielen sei. Die türkische Diplomatie ist bemüht, aus Fortsetzung der Conserenz-Berathungen hinzuwirken, auch der veränderten Grundlage Rechnung zu tragen, welche die Möglichkeit einer Einigung aller Mächte biete. Der türkische Wunsch wäre, daß eine Vermittelung der Mächte dazu Anstoß gäbe. Das letzte Rundschreiben der Psorte weist auf, etwaige Unbotmäßigleit der Ost- Rumelioten gegen den osmanischen Bevollmächtigten hin, welche die Pforte zum Einmarsch zwingen würde, wozu die Truppen verfügbar seien, welchen bedauerlichen Fall aber die Pforte zu vermeiden wünsche.
Pesth, 20. December. Der Unterrichtsminister Tresort, dem der österreichische Reichsraths-Abgeordnete Piquet eine von ihm über den Unterricht in den Mittelschulen gehaltene Rede brieflich mitgethellt hatte, constatirt in seiner Erwiderung die Thatsache, daß der Gymnasial-Unterricht auch im Westen nicht die Erfolge erziele, welche erwartet würden, und sagt, indem er hieraus die Mothwendigkeit von Reformen folgert: „Wollen wir aus Erfolge rechnen, so müssen die Kardinalpunkte des Bildungs- und Schulwesens, in erster Reihe die Reorganisation der Mittelschulen aus internationalem Wege, im Einverständniffe wenigstens mit den Nachbarstaaten, untersucht und einer verbesserten Einrichtung zugeführt werden. Die Freizügigkeit der Studirenden der Universitäten läßt -eine solche Behandlung der Mittelschulfrage zwischen Oesterreich und Deutschland nothwendig erscheinen."
Telegraphische Depeschen.
Wolff'» telegr. Correspondenz • Bureau.
Berlin, 21. December. Die Feier des 90. Geburtstages Leopold Rauke's ist unter äußerst zahlreicher Betheiligung begangen worden. Se. K. und K. Hoheit der Kronprinz gralultrte persönlich. Se. Majestät der Kaiser übersandte mit einem huldvollen Handschreiben sein Portrait, Ihre Majestät die Kaiserin übersandte ein Glückwunschschreiben durch General Strnbberg. Die Minister gratulirten in einem von allen Mitgliedern unterzeichneten Schreiben. Namens der Akademie gratulirte Professor Auwers, Rector Kleinert für die Universität. Von auswärtigen Universitäten gratulirten Straßburg durch Professor Waizsäcker, Leipzig durch Maurenbrecher und Jena durch Professor Lorenz. Im Namen der Stadt Berlin gratulirte Oberbürgermeister Forckenbeck. Ranke sprach in längerer Rede den Dank für die ihm dargebrachten Huldigungen aus.
Berlin, 21. December. Das Glückwunschschreiben des Kaisers an Ranke lautet: „Wenn ich Ihren heutigen Geburtstag, an dem Sie unter Gottes gesegnetem Beistand das neunzigste Jahr frisch und rüstig vollenden, dazu benutze, um Ihnen von neuem meine aufrichtige Theilnahme zu bezeugen, fühle ich mich dazu vor allem durch die Gesinnungen der Freundschaft gedrungen, welche ich Ihnen als Ihr König und Altersgenosse seit einer langen Reihe von Jahren widme. Weit länger, als es sonst die den Menschen fördernde Thätigkeit vergönnt, haben Sie auf dem Gebiete der Geschichtsschreibung mit unermüdlicher Forschungs- und Schaffenskraft und mit großem Erfolge gearbeitet und haben durch Ihre Werke sich selbst für alle Zeiten ein unvergäügliches Denkmal errichtet, lieber die Grenzen des Vaterlandes hinaus geht der Ruhm Ihres Namens und die deutsche Nation kann stolz darauf sein, einen solchen Mann der Wissenschaft den ihrigen zu nennen. Was mich besonders bewegt, ist die Erinnerung an die bewährte Treue und Hingebung, mit welcher Sie die Geschichte meiner Monarchie zum Gegenstände Ihrer eingehenden Forschung gemacht; Ihrer Forschung, Ihrem strengen, aber gerechten Urtheile ist es gelungen, sie für die Mit- und Nachwelt in das
gebührende Licht zu stellen. Eingedenk solcher hervorragender Verdienste, durch welche Sie sich die dauernde Dankbarkeit meines Hauses erworben, ist es mir Bedürfniß, Ihnen zu Ihrem heutigen Ehrentage die herzlichsten Glückwünsche auszusprechen, welche ich Ihnen besonders dadurch zu bethätigen hoffe, daß ich Ihnen beifolgend mein Bild verleihe. Möge.Ihnen dasselbe stets das Wohlwollen und die Anerkennung vergegenwärtigen, mit welchem Sie auch ferner auf Ihrem Lebenswege begleiten wird Ihr dankbarer König Wilhelm." — Das Schreiben des Staatsministeriums lautet: In dankbarem Hinblicke auf das, was Ew. Excellenz dem Vatcrlande und der Wissenschaft in treuer Hingebung an unser erlauchtes Herrscherhaus und in vorbildlicher? Erfüllung Ihres Berufes geleistet, sendet das Königliche Staatsministerium seine wärmsten Glück- und Segenswünsche. Möge es Ihnen nach Gottes Rathschlusse vergönnt sein, mit der Weisheit des höchsten Alters und der gestaltenden Kraft unversiegbarer Jugend die Aufgabe, welche Sie sich gestellt haben, zu vollenden, vor allem das Werk, worin Sie die Thaten der ersten Kaiser aus dem. sächsischen Stamme schilderten, sort- zvfüh.vtz, bis zur Wiederherstellung des deutschen Reiches und unter Führung unseres Kaisers und Königs.
Leipzig, 21. December. In dem Patentstreit der Swan Company gegen die Edison-Gesellfchaft, in welchem es sich um Anfechtung der Priorität der Edison'schen Glühlampe handelt, zog die Swan Compagnie unmittelbar vor dem heutigen Termin beim Reichsgericht, nachdem der eingehende Bericht des Referenten, Reichsgerichtsrath Hambrock, dem Gerichtshof und den Parteien mitgetheilt war, ihre Berufung zurück, wodurch das vor fast zwei Jahren zu Gunsten der Edison-Gesellschaft gefällte Erkennt- niß des kaiserlichen Patentamts rechtskräftig geworden ist. Da hiernach für eine Entscheinung über die Edison'schen Gegenanträge keine Veranlassung vorlag, wurden diese fallen gelassen, worauf das Gericht die Kosten der Berufungsinstanz compensirte. Trotz dieses Ausganges erklärte die Swan Company, die beim Berliner Gericht anhängigen Civllprocesse fortzusetzen.
Bremerhaven, 21. December. In der vergangenen Nacht brach on Bord des im neuen Hafen liegenden Norddeutschen Lloyddampfers „Hohenzo.llern" Feuer aus, welches bald gelöscht wurde. Gegen fünfzig Ballen Baumwolle sind'beschädigt.
Bern. 21. December. Auch der Ständerath genehmigte einstimmig die lateinische Münzccmvention, sowie den Auslieferungsvertrag mit Monaco. Der Bundesrath erklärte, daß er sich über die Frage der Kündigung des Handelsvertrages mit Deutschland noch nicht definitiv aussprechen könne.
Paris, 21. December. Die conseroativen Deputirten des Departements Tarne et Garonne, deren Wahl die Kammer für ungiltig erklärt hatten, wurden gestern wiedergewählt.
London, 21. December. Die Morgenblätter veröffentlichen ein Schreiben Lord Hartington's an den Vorsitzenden seines WahlcomitS's, worin er erklärt, daß er (Hartington) dem Gladstone zugeschriebenen Homerule-Project gänzlich fern stehe und an seinen früher über die Politik Parnell's ausgesprochenen Ansichten festhalte.
— Del „Times" zufolge beabsichtigt das Cabinet nicht, eine Vertagung des Parlaments bis zum Februar zu beantragen; es würde vielmehr nach der Verlesung der Thronrede und noch vor der Adreßdebatte ein Vertrauensvotum vom Unterhause verlangen.
— Die „Saint Games Gazette" will gleichfalls wissen, das Cabinet werde sofort nach dem Zusammentritt des Parlaments ein Vertrauensvotum verlangen. Das Cabinet sei bereit, das System der administtatioen und localen Autonomie Irlands zu erweitern, keinenfalls aber dem Projecte eines irischen Parlaments zuzustimmen, gleichviel, welche Garantien geboten werden.
Zürich, 21. December. Der Augenarzt Horner ist heute gestorben.
Charkow, 21. December. Der Congreß der Montan-Industriellen nahm eine Resolution an, die Regierung um Erhöhung des Einfuhrzolles auf Steinkohlen in den baltischen Häfen bis zu 2 Goldkopeken und in den Schwarze Meer - Häfen bis zu 3*/2 Kopeke anzugehen.
Potsdam, 22. December. [Privat-Depesche.j Prinz Wilhelm ist an beit Masern erkrankt.
Belgrad, 22. December. Die Militär-Commission fertigte am Sonntag das. Schlußprotokoll, wonach bei gegenseitiger Räumung der besetzten Gebiete die Demarkationslinie zwei Kilometer von der Landesgrenze festgesetzt wird. Außer diesem soll eine neutrale Zone von vier Kilometer Breite längs der ganzen Grenze gezogen werden.
Darmstadt, 22. December. [Privat - Depesche.j Ein Telegramm an Prinz Alexander ans Pirot vom 21. December, Abends, meldet Abschluß des Waffenstillstandes bis 1. März 1886. Die Serben räumen das bulgarische Gebiet bis zum 24. December, darauf die Bulgaren das serbische innerhalb drei Tagen.
8 p f a l e
Gießen, 22. December. [13. Sitzung der Großh. Handelskammer vom 24. Novbr. 1885] Gegenwärtig waren die Herren E. Silbereisen, Katz, Klingspor. Kraatz, Schirmer.
Es wurde der Termin zur Ergänzungswahl der Großh. Handelskammer vrc» 1885 bestimmt, der Wahlcommissär aus den Mitgliedern der Handelskammer erwähld und die zur Wahl znzuziehenden Urkundspersonen vsrgeschlagen.


