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Donnerstag den 23 Juli
Mr. 16S
lehcner Anzerger
Auits- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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Zu
R a u t e n b u s ch-
Das nachstehend abaedruckte höchste Ausschreiben wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht. Gießen, am 22. Juli 1885. Grobherzogliches Kreisamt Gießen.
Dr. Boekmann-
Politische Ueberficht.
Gießen, 22. Juli.
Das nationale Fest, welches man gegenwärtig in Dresden feiert und welches Tausende von Turnern aus allen Gauen unseres Vaterlandes und noch von jenseits der Grenzen deffelben nach der schonen Residenzstadt an der -Elbe geführt hat, wird jedenfalls eine herrliche bleibende Erinnerung für Alle bilden, denen es vergönnt war, an dem VI. allgemeinen deutschen Turnfeste theilzunehmen. Die Turnergäste haben in Dresdens gastlichen Mauern eme ebenso glänzende wie herzliche Ausnahme gesunden und so oft ein ^ug neue Turnerschaaren brachte, wiederholten sich immer wieder die begeisterten Ova- Honen, welche den Ankommenden von dem dichtgedrängten Publikum an den Bahnhöfen und in den Straßen zu Theil wurden. Einen oer hauptsächlichsten Glanzpunkte bildete der am Sonntag stattgesundene Festzug, an welchem wohl ceaen 20000 bis 25,000 Personen theilgenommen haben mögen. In all den aus's Herrlichste geschmückten Straßen, welche der Festzug passirte, ward derselbe von dem in dichten Reihen auf dem ganzen langen Wege bis zum Festplatze ausgestellten Publikum mit lautem Jubel begrüßt. Besonders warm gestaltete sich allenthalben die Begrüßung der deutsch-österreichischen Turnbrüder. Aus den Häusern, sowie von den zahlreichen Tribünen ergoß sich fortwährend ein sörmlicher Blumenregen über die Zug-Theilnehmer. Eine erhebende Ovation wurde dem sächsischen Königshaus dargebracht; als die deutschen Turner vor dem nach der alten Brücke zu belegenen Portale des Residenzschlosses oorbev En, begrüßten sie den König und die Königin mit stürmischen, nicht enden- wollenden Hochrufen. Am Sonntag Nachmittag hatten sich der König und die Königin, Prinz Friedrich August von Sachsen uno Prinz Albert von Sachsen- Altenburq auf Den Festplatz begeben, wo die hohen Herrschaften von den Mmi- Item Graf Fabrice, v. Nostiz-Wallwitz und v. Gerber empfangen wurden. Der Jtöniq und die Königin ließen sich die Vorstände des F-stauSlchuffes vorstellen, wohnten den von 5000 Turnern ausgesührten Freiübungen bet und verweilten über 17, Stunden auf dein Festplatz-. Von einer Deputation der Erfurter Turner wurde der Königin ein prachtvolles Bouquet überreicht.
ES bestätigt sich, daß Herr Travers, der deutsche Conful in Canton. ;um deutschen G-n-ral-Consul in Zanzibar an Stelle Rohlf's ernannt werden ist. Herr Travers war früher Vice-Consul in London, dann Conful rn Alexandrien und hat während feines Aufenthaltes in Alexandrien und Canton eingehend Gelegenheit gehabt, sich mit Wesen und Eigenart des englischen Em- fluss-s in fremden Gebieten zu beschäftigen. Se-n-Versetzung nach Zanzibar .st darum auch hauptsächlich erfolgt, um dem englischen Emflusse in Zanzibar nt- g-g-nzuwiik-n, unter welchem Sultan Bargasch ben Said offenbar sicht u diesem Einflüsse ist auch die gegenwärtige beuffchf-lndliche Haltung des Sult von Zanzibar zuzuschreiben. Der schon öfters bewahrten diplomatischen G < wandtheit des Herrn Travers wird es hoffentlich gelingen, dem englischen Em- fluffe in Zanzibar wirksam entgegenzutreten.
In den Wiener parlamentarischen Kreisen befchaftigt man sich eifrigst mit dem ausgetauchten Projecte -inet kathol.fchen C-ntrumS. Patte,. Auch die Preßorgane der Rechten widmen dem Gegenstände lange Artikel, be ffonders warm tritt sür das Project die „Salzburger Chronik , das Orsan bekannten klerikalen Reichsraths-Abgeordnetm für Salzburg, Dr. L'-nbachet, ■ein, welches immer wieder darauf hinweist, wie nothrg -s fei, daß die deutsch katholischen Abgeordneten sich zu einem unabhängigen Club verbanden , um ich vor Allem den Prätensionen der slavischen Bundesgenossen zu entziehen.. »e greiflicher Weise sind die Regierungs^Organe über den Zwiespalt im klerikalen
. t m . Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit »ringeri-Pt.
Erscheint tckHlich mit »*»n«hme M SRenUf». §urch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
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p Dr. Soecmann. ------------- ---
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Das Großherzogliche Ministerium des Innern und der Justiz
an die Großherzogliehen Kreisämter.
Mit Allerhöchster Ermächtigung Seiner Königlichen Hoheit d-S Großh-rzogs geben wir Ihnen zur Nachachtung davon Kenntniß , daß die in der B-ilage zu dem Ausschreiben des früheren Großherzoglichen Ministeriums des Innern vom 1. Juli 18c>7 zu Nr. M- d. I- 0355 - Amtsblatt Nr. la 1857 - ^«-fetzte Schreibweise: ^11.«-Bnseck", „Großen-Bus.ck" und „Großen-Linden"
für die betreffenden Ortsnamen fortwährend die ofsiciell gültige ist.
__ S t it r.
Laaer nicht erbaut, und ebensowenig über die hierdurch drohende Sprengung tot bisherigen Reichsraths-Majorität. Besonders das „Wiener Fremdend att liest dem Herrn Dr. Lienbacher, welcher der eifrigste Vorkämpfer der zu bildenden katholischen Centrums-Partei ist, gehörig den Text, doch scheinen die offtciösen Ettnaynmigen bis jetzt aus den Abgeordneten sür Salzburg noch nicht sonderlich eingewirkt zu haben. Im Uebrigen ist das Centrums.Proj-ct.Lienbach-r S nur als eine der vielen Confequenzen zu betrachten, die sich aus der unnatürlichen Koalition der Parteien der Rechten ergeben-
c>n Pari« ist am Montag die französisch-italienische Müni-Conferenz zusammengetreten; man glaubt, daß nur wenige Sitzungen erforderlich fein wer- den und daß eine vollständige Verständigung erzielt werden wird. Am Sonntag hatte eine Vorbesprechung zwischen den beiderseitigen Delegirten wobei es sich um die Erörterung einiger besonderer, speciell Italien angehender Punkte gehandelt haben soll. — Ein Telegramm der „Agence Havas aus Zanzibar dementirt di- Nachricht, daß sranzösisch-rs-itS nut benSom«^au Madagaskar Verhandlungen eingeleitet worden seien und daß Admiral Mwi 4000 Mann Verstärkungen erwarte, derselbe habe nur 1200 Mann verlang..
Aus London wird berichtet, daß nunmehr auch die allein noch ausständige Zustimmung des Petersburger Cabinets zur Auflegung der -gypti. fchen N-un'Dtillionen-Anleihe eingetroffen ist. — Ein Kaufmann aus ©ennaar bet kürzlich in Khartum war, berichtet darüber dem in ^a-ro erscheinenden arabischen Journal „Achbar": „Khartum ist verödet und men chenleer da sich die Bevölkerung daselbst theilS aus Furcht vor den Mahdisten, the> S wegen.der dort herrschenden Hungersnoth geflüchtet hat. Der ehemalige Rkgierungspala,i liegt gänzlich in Trümmern und in den Sälen und Corrldoren daselbit braten bie9 Rebellen jetzt Schafe und Ziegen und haben auch von allen lenen Hausern, in d-n-n friiher Ebristen ober Anhänger Gorbon s wohnten, Besitz genommen ’u"b^ZÄ bafÄ in bS%auber&fteften Weise. Aus der Missionskirche rourbe9 ein Stall gemacht unb der herrliche Garten b-i derselben °-r^ wüstet, ba bie Rebellen öie Bäume als Feu-rungSmaterial benutzten. Als Gcu> verneur ber Stadt fungirt der Emir Ibrahim aus Hendl, der früher Sclaven- hänbler war An seiner Seite amlirt em aus ben Notabeln ber Stadt zusammengesetztes Medschliß, oas sür die Verpflegung der Rebellen und für Eintreibung der Steuern zu sorgen hat. Als Richter fungirt wieder der Ulema Juffuf Firhi, der auch Todesurtheile fällen darf. Derf-ibe lnaugurirte ferne Amtsthätigkeit damit, daß er fämmtliche von der -gpptischen Regierung errichteten Schulen schließen ließ mit der Motivirung , für den ech en ©laubigen genüge schon der Koran allein, in dem ja alle Wiffenfchaften enthalten ,.nd. D-r Mahdi pflegt jeden Freitag, Morgens, nach Khartum zu kommen, um hier das Selamlik-Gebet in der Mitte feiner Emire abzuhalten. Rach dem Gebet ladt er die Armen der Stadt verfammeln und händigt ^nen dann ein Almosen ein Früher wehte immer von den Regi-rungSgebauDen und Mofcheen die Fahn- ves Khalifen, was der Mahdi jetzt nicht mehr gestattet. Auch verbot er streng- st-ns, die Chutba (Gebet für den Khalifen) zu verrichten, da cs für letzt k-men Khalifen mehr gebe. Das Siegel Mahomed Achmet s tragt b'e ^nschnff. „Mahomed Achmet, Diener Gottes und beS Propheten, und Fürst der Glaub.gen.
Darmstadt, 21. Juli. Se. Röntgt. Hoheit bet Großherzog mit Höbet Familie trafen, wie ein Telegramm ber Darmst. Ztg- meldet, am 2 ^u , Nachmittags 2 Nhc, nach ruhiger Ueberfahrt wohlbehalten auf Schloß Osborn-, Insel Whigt, ein.


