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Pari-, 21. Juni. Einem in Hanoi umlaufenden Gerüchte zufolge soll Liu-Vin- Phuoc, der Ehef der Schwarzflaggen, von den Chinesen gefangen genommen und er­drosselt worden sein.

Simla, 21. Juni. Der Verlust an Menschenleben in Folge des Erdbebens in Kaschmir ist jetzt amtlich auf 3081 angeschlagen; außerdem sind etwa 70,000 Häuser zerstört worden.

Lokale-.

Gießen, 22. Juni. Se. Majestät der Kaiser trafen mittelst Extrazug heute Morgen 780 Uhr, von Berlin kommend, auf hiesiger Station ein. Nach einem Aufent­halt von 30 Minuten erfolgte die Weiterreise nach Ems.

Gießen, 22. Juni. ^Turnerisches.^ Gerade nicht vom Wetter sehr be­günstigt, beging der Turnverein Wieseck gestern unter großer Betheiligung sein 23. Stiftungsfest in Schau- und Preisturnen. Das Preisturnen, welches um 4 Uhr seinen Anfang nahm und woran sich 35 Turner betheiligten (18 Turner aus Gießen, 6 aus Lollar und 11 aus Wieseck), bestand aus Reck, Barren und Pferd (je eine Pflicht­übung und je eine freigewählte Hebung), sowie Freihoch-, Freiweitsprung und Klimmen. Unter dem jubelnden Zuruf aller Festgenossen nahmen Abends gegen 8 Uhr nach­folgende Turner das wohlverdiente Diplom entgegen.

1. A. Groß, Gießen, 49 Va Punkte

2. L. Unverzagt II., Gießen, 49 Punkte.

3. C. Marx, 46

4. M. Günther, 40V,

5. F. Köhler. Gießen und H. Reidel, Wieseck, 40 Punkte.

6. PH. Rohrbach, Wieseck und Carl Häuser, Gießen, 39Vr Punkte.

7. Carl Gutbub, Gießen, 39 Punkte.

8. Rudolf Loos, Gießen und Carl Rodenhausen, Wieseck, 38Ve Punkte.

9. Joh. Kreiling, Wieseck, L. Mank, Wieseck und Hugo Krieb, Gießen, 38 Punkte.

10. L. Schäfer, Wieseck, 37 Va Punkte.

Hiermit hatte der turnerische Theil des Festes seinen Abschluß gesunden. An dem Mittags stattgehabten Festzuge hatten sich auch die Gesangvereine und der Krieger­verein von Wieseck betheiligt, welch' erstere durch den Vortrag recht schöner Lieder im Laufe des Nachmittags das Fest verherrlichen halfen. Der den Schluß bildende Tanz gab dem Feste einen hübschen Abschluß.

Gießen, 21. Juni. [3um Dresdener Turnfest.^ Bis zum Beginne dieser Woche hatten sich aus über 800 Vereinen bereits mehr als 13,000 auswärtige Turngenossen unter Einsendung des Festbeitrags zum Feste formell angemeldet, darunter eine Anzahl aus Amerika (1150), Belgien, Holland, Paris, Moskau, Ungarn u. s. w. Be­sonders zahlreiche Betheiligung bekunden diesmal die Oesterreicher. Die Abbrennung eines Feuerwerks ist mit Rücksicht auf den Kostenpunkt sowohl als auch deshalb vom Programm abgesetzt, damit nicht die Erinnerung an die unerquicklichen Erlebnisse gelegentlich des Frankfurter Schauspiels die Feststimmung trübe. Dafür soll Mittwoch Abend eine Illumination des Festplatzes stattsinden. Auch hat der Turnausschuß eine Turngerätheausstellung beschlossen; das Nähere hierüber theilt Director Bier, Carus- straße 1 in Dresden mit.

Jeder, der am Wettturnen in Dresden sich betheiligen will, hat eine Karte ab­zugeben, auf welcher deutlich Name, Vereinsname, der Wohnort, der Turnkreis und die beglaubigende Unterschrift des betreffenden Vereins- oder Gauvorstandes enthalten sind. Formulare zu diesen Karten sind bei dem Geschäftsführer Herrn Dr. Götz zu haben zuletzt noch am Festorte. Ohne Abgabe einer derartigen beglaubigten Karte wird Niemand zum Wettturnen zugelassen. Die Pflichtübungen an den Geräthen für das Wettturnen am 6. deutschen Snirnfefte zu Dresden sind soeben vom Ausschuß bekannt gemacht worden. Reck, Barren und Pferd je 4 Hebungen, von denen bet dem Feste das Kmpfgericht je zwei auszuscheiden hat.

Der Ectrazug des 9. (Mittelrhein-) Kreises, welcher am Freitag den 17. Juli, Abends 93/< Hhr von Frankfurt abgeht, wird in Eisenach zur Besichtigung der Wart­burg 3Va Stunde Aufenthalt nehmen und wird ungefähr am Samstag Nachmittag 4 Hhr, über Leipzig kommend in Dresden mit der Bundesfahne eintreffen. Nach den neuesten Nachrichten soll der Extrazug nur noch Turner in Offenbach und Hanau auf­nehmen, es sind aber bereits weitere Verhandlungen im Gange, daß derselbe, wie schon mitgetheilt, auch in Gelnhausen und Fulda zum Aufnehmen von Turnern anhält. Das Resultat hierüber wird den Vereinen, speciell denen des Gaues Hessen, sofort noch mitgetheilt. Wie schon mitgetheilt, beträgt der Fahrpreis bis Dresden-Altstadt 2. Classe ca. 35,40 X, 3. Classe ca. 24,70 X Dafür wird die Fahrt nach Dresden mit dem Extrazuge und zurück mit jedem fahrplanmäßigen Zuge, der die den Billeten ent­sprechende Station und Wagenklasse führt, bei vierzehntägiger Giltigkeit des Billets gewährt. Den Turnern des Gaues Hessen, welche, bevor sie den Extrazug benutzen können, entweder mit der Main-Weser-Bahn bis Friedberg und von da nach Hanau oder Mainweser-Bahn bis Gießen und von da mit den Oberhessischen Bahnen nach Gelnhausen oder Fulda reisen müssen, sei noch bekannt gegeben: Königlich Preußische Staatseisenbahnen: Geltungsdauer der zur Reise nach Dresden frühestens am 17. Juli gelösten Netourbillets wird verlängert vom 17. bis incl. 26, Juli. Großherzogliche Oberhessische Eisenbahn: Giltigkeitsdauer der auf Oberhessischen Stationen gelösten Netourbillets auf 15 Tage ausgedehnt, vom 17. bis incl. 31. Juli er. Alle diese Billete sind vor Antritt der Rückfahrt vom Empfangsausschusse auf dem Festplatze in Dresden abzustemveln. Die im gebrochenen Verkehr gelösten Retottrbillets sind vor Antritt der Rückfahrt auch noch der Billetexpedition zur Abstempelung vorzulegen. Selbstverständlich alles gegen Vorzeigung der Festkarten. Hm sich die Plätze im Extra­zug zu sichern, ist die Anmeldung unter Beifügung des Fahrpreises bis zum 11. Juli bei Turninspector Herrn G. Danneberg in Frankfurt a. M. benöthigt.

Gießen, 22. Juni. Wie bereits an dieser Stelle erwähnt wurde, fand am 19. er. die eonstttuirende Generalversammlung der kaufmännischen Kranken- und Begräbnißkasse Gießen, E. H., imFrankfurter Hof" statt.

Der Vorsitzende des geschäftsführenden Ausschusses, Herr Will). Köser, eröffnete dieselbe mit einer kurzen Begrüßung und dem Bemerken, daß wegen zttfälliger schwacher Betheiligung die Generalversammlung in Anbetracht der Wichtigkeit der Tagesordnung vertagt worden wäre und freue er sich heute ob der regen Betheiligung. Er ermahnte dringend, nicht das Interesse der Sache fallen zu lassen, sondern zu bedenken, daß man es hier nicht mit einer Gründung zu thun habe, die heute entstehen und morgen wieder von der Bildfläche verschwinden dürfe, sondern daß Erhaltung uni) Weiter- cntwickelung derselben Pflicht und Ehrensache oer Gründer sei.

Nach einem hierauf folgenden Bericht des Vorsitzenden über die Thätigkeit des Ausschusses wurde das vom Kreisausschuß genehmigte Statut behufs Anerkennung zur Unterfdwift vorgelegt, von jedem Anwesenden unterzeichnet und sodann zur Wahl des

Vorstandes geschritten, wobei der Vorsitzende die gesetzlichen und statutarischen Bestimm­ungen zur Kenntniß der Anwesenden brachte.

Es gingen aus der Wahl hervor: Als Vorsitzender Wilh. Köser, als Oassirer Jac. Jung, als Schriftführer Andr. Lauder, als Beisitzer die Herren G. Mino- prio, Carl Heil.sr., Franz Fischer, Emil Noll, als Revisoren die Herren Ava Noll II., Fritz Roth, Hch. Hof. " S*

Die in Folge Punkt 3 der Tagesordnung vom Ausschüsse, sowie einzelnen Am wesenden gestellten Anträge wurden theils durch Hinweis auf gesetzliche und statutarische Bestimmungen erledigt, theils dem Vorstände zur endgültigen Erledigung anheim gegeben.

Nach der nunmehr erledigten Tagesordnung nahm der Vorsitzende nochmals das Wort, wies auf das bei Eröffnung der Versammlung von ihm Gesagte hin und be= merkte weiter, wie nur durch reges Interesse jedes Einzelnen an der Sache und ein einiges Zusammenwirken die gedeihliche Entwickelung des Unternehmens gefordert und auf die Höhe gebracht würde, auf welcher es jeder Einzelne sehen mochte. Er führte an, daß, wie auf dem Gebiete der Industrie, des Handels und Gewerbes der Fori: schritt nur gefördert würde durch gemeinsame Thätigkeit, ebenso könne auch das vor Augen habende Ziel nur erreicht werden durch gemeinsames Zusammenwirken. Nie dürfe man auf die Thätigkeit des Vorstandes allein bauen, dieser könne nur erfolgreich wirken, wenn derselbe alle Mitglieder als treue Mitarbeiter habe u. s. w.

Derselbe schloß mit den Worten: Treten wir deshalb ein für unsere Sacke, treten wir für dieselbe ein mit aller Energie. Betrachten wir die Erfolge auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens, der Wissenschaft u. s. w., betrachten wir die Errungen schäften der Jahre 187071, sie sind neben einigem Zusammenwirken nur erjielt worben durch Energie, durch exactes Handeln, Zug um Zug, und, meine Herren, wenn wir in gleichem Sinne handeln, werden auch wir unsere Aufgabe lösen, manches In teresse wecken, was uns heute noch fern steht, manches Vorurtheil beseitigen, was Henn noch obwaltet, und mit frohem Bewußtsein und Stolz können wir dann später auf da; Institut zurückblicken, welches wir ins Leben gerufen haben zu Nutz und Frommen bei jungen Kaufmannschaft Gießens. (Stürmischer Beifall.)

9iad)bem nun die Kasse gegründet ist, walten wir hoffen, daß den vorwiegend älteren Herren, die dieselbe ins Leben gerufen haben, die jüngeren folgen werben und die sperren Geschäftsinhaber und Prinzipale die Sache in erster Linie dadurch unterstützen, daß sie ihre Lehrlinge und jungen Leute zum Eintritt in die Kasse veranlassen.

Liegen auch hier in Gießen für den jungen Kaufmann die Verhältnisse nicht so ungünstig, wie in größeren Städten, z. B. Berlin, wo bei den Hanblungsgehülsen eine Kündigungsfrist von 148 Tagen fast Ufance geworden ist, ja sogar von einem Zage, und gibt es hier auch edeldenkende Firmen, welche, was hier lobend erwähnt werben soll, nicht blos dem § 60 des Handelsgesetzbuches genügen, sondern für die Dauer bei Krankheit den vollen Gehalt weiterzahlen, so ist doch nicht zu verkennen, daß die Selbst- Versicherung der Handelsbeflissenen gegen .Krankheit und Tod eine Pflicht gegen sich selbst und seine Angehörigen erfüllen heißt und in jedem Fall dazu beiträgt, die sittliche und materielle Lage des ganzen Standes zu heben.

(6. Concert des Coneertvereins.) Zur leichten Drientirung bei '-8r nutzung der Sperrsitze sei bemerkt, daß von der Orgel aus gelungen wirb und von ba aus auch bie rechte unb linke Seite für bie Zuhörer gegeben ist. Die vorderste Reihe beginnt erst an dem Quergang der dem Altar zugewanblen, umgebrehten Bänke. (Die Estrabeplätze sind, wie in früheren Concerten, in btr Nähe bes Querganges angeorbnet.)

Handel und Verkehr.

Grünberg, 20. Juni. (Frachtpreise.) Weizen X 18.20, Korn X 17.40, Gerste X 16.00, Hafer X 15.10, Erbsen X 00.00, Linsen X 00.00, Lein X 22.00, Samen X 24.00, Kartoffeln X 4.60, Wicken 00.00.

Frankfurt, 20. Juni. Auf dem heutigen Markt kostete der Gentner Heu X 2.503.10, Stroh X 1.902.40, Eier das Hundert X 4104.30, Butter 1. Qualität X 0.90, 2. Qualität X 1.05, Kartoffeln per Gentner X 2.502.75, Kohlrabi 610H pr. St-, Erbsen 0,50 Kg. 0.180.22 X, Rothkraut pr. <5L 00Oo 4, Huhn^L 1.502.00, 1 Ente X 2.003.50, 1 Taube 4060H, £abn X 1.90-250, Gans X 610.00, Welsche X 5.00-10.00.

SchissSnachrichten.

Bremen, 20. Juni. (Per transatlantischen Telegraph.j Der Postdampser Rhein, Capt. Th. Jüngst, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 7. Juni von Bremen und am 9. Juni von Southampton abgegangen war, ist gestern 7 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen.

Bremen, 20. Juni. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampser Eider, Capt. H. Hellmers, vom biorbdeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 10. Juni von Bremen und am 11. Juni von Southampton abgegangen war, ist gestern 8 Uhr Abends wohlbehalten in Newyork angekommen.

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Temperatur der Lahn und der Luft

nach Reaumur gemessen am 22. Juni, zwischen 11 unb 12 Hhr Mittags. Wasser I41/a°, Luft im Schatten 11°.

L. Chr. Rübsamen, Turn- unb Schwimmlehrer.

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