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Rr. 1M2 Dienstag den 23. Juni L88S

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Wreis vierteljährlich 2 Marl 20 Pf. mit Bringerichk Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mar? 50 Ps.

Erscheint tebAttch mit «nsnihm- des MO«t«gs

Vsr-Ä»r Gchutstraße 7.

Nr. 24 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 19. d. M., enthält:

(Nr. 1618.) Vertrag zwischen dem Deutschen Reich und Spanien, betteffend einige Abänderungen des Tarifs rc. des deutsch-spanischen Handels- und Schifffahrtsvertrages vom 12. Juli 1883. Vom 10. Mai 1885.

Gießen, am 22. Hmi 1885. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Boekmann.

Min. ist hier ein kurzer

17

in

die

zweiter Lesung. mit 350 Freycinet beabsichtigt be- Arbeiten der Suezkanal-

Schwei,.

Bern, 20. Juni. Heute früh 5 Uhr zißnlich kräftiger Erdstoß verspürt worden.

Ararrkreich.

Paris, 20. Juni. Die Kammer nahm

Hesterreich.

Brünn, 20. Juni. Der heutige Tag ist ruhig verlaufen. Die Lohn- üUWhlung 0er Arbeiter in den Fabriken hat anstandslos stattgehabt. Heber dte Arbeitszeit wurde ein Hebereinkommen erzielt; Montag erfolgt voraussichtlich Mlweise Wiederaufnahme der Arbeit.

Die Gerüchte über Verbreitung von Jnfections-Krankhetten in und um Wehlerad sind amtlichen Ermittelungen zufolge bedeutend übertrieben, übri­gens sind alle Vorkehrungen getroffen. Das Hebernachten von Wallfahrern in den inficirten Ortschaften ist untersagt.

Triest, 20. Juni. Für die Provenienzen aus den spanischen Mittelmeer- Häfen ist eine zehntägige Observations-Reserve verfügt.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'S telegr. Correspondenz - Bureau.

Berlin, 21. Juni. Der Kriegsminister Generallieutenant Bronsart v. Schellen- dorst macht folgende Allerhöchste Cabinetsordre der Armee bekannt mit dem Hinzu- siigen, daß einer weiteren Allerhöchsten Bestimmung zufolge die Trauer um den General-Feldmarschall Freiherrn v. Manteuffel überall beginnen soll, sobald dre Trauer um den General-Feldmarschall Prinzen Friedrich Carl von Preußen, Königliche Hoheit, beendet ist: , . . , , ,

Gottes Fügung hat Mir, Meiner Armee und dem Vaterlande durch den Tod des General-Feldmarschalls Freiherrn v. Manteuffel wiederum einen sehr schweren Verlust auferlegt. Wir haben uns dem Willen, des allmächtigen Gottes zu beugen, aber unsere Herzen trauern tief und schwer um diesen in so vielen besonders wichtigen Stellungen hochverdienten und hochbewährten Mann, den Mein wärmster Dank zu seiner letzten Ruhestätte geleitet und dessen treue Dienste Ich wahrlich schmerzlich ver­missen werde. Es wird den Empfindungen der Armee voll und ganz entsprechen, für ihn, der so viel für die Armee gethan, Trauer anzulegen, welche wie Ich hierdurch bestimme von sämmtlichen Officieren der Armee und Marine acht Tage, von den Officieren des 15. Armeecorps, des 1. Garde-Dragoner-Regiments und des Rheinischen Dragoner-Regiments Rr. 5 aber vierzehn Tage Flor um den linken Unterarm getragen werden soll. Sie haben hiernach das Erforderliche bekannt zu machen.

Berlin, den 18. Juni 1885.

Wilhelm.

An den Kriegsminister.

gegen 89 Stimmen das RecrutirungS'Gesetz an. Ws Herbeiführung eines Meinungs-Austausches Commission den beseitigten Cabineten vorzulegen.

Deutschland.

Darmstadt, 20. Juni. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Mrgnädigst geruht:

Am 13. Juni dem Friedrich Gitter zu Hirzenhain, im Kreise Budm- ger, das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift:Für Verdienste" zu veMhen. , r L, ,

Berlin, 20. Juni. DerReichS-Anz." veröffentlicht heute auch die in dem englischen Blaubuch enthaltenen Aktenstücke, bett, das Hebereinkommen zwi- ihi n Deutschland und England wegen Der Abgrenzung der westafrikanischen Schutzgebiete am Golf von Guinea und wegen Gewährung gegenseitiger Han­dels- und Verkehrs'Freiheit daselbst. .

Potsdam, 21. Juni. Die Gedächtnißfeier für Se. Königl. Hoheit den verewigten Prinzen Friedrich Kart fand heute Vormittag in der St. Peters- imth Pauls-Kirche zu Nikolskoe statt. Unter Vorantritt des Hosmarschalls Grafen Kanitz betraten um 10 Uhr Se. Kaiser!, und Königl. Hoheit der Kronprinz, Ihre König!. Hoheit die Frau Prinzessin Friedrich Kart führend, Ihre König!. Weiten Prinz Wilhelm nebst Gemahlin, Prinz Friedrich Leopold, die Prin- Mnnen Victoria, Sophie und Margarethe, ferner der Herzog von Connaught, der Erbgroßherzog von Oldenburg, der Prinz von Sachsen-Altenburg nebst Ge- niaMnnen, und der Herzog Johann Albreckt von Mecklenburg-Schwerin die Kirche und nahmen in den Logen auf dem Chore Platz. Außerdem waren die Adjutanten Der Herrschaften, viele Osficiere der hiesigen Garnifon, der ganze Hojfstaat und sämmtliche Beamte des Verewigten, sowie viele Bewohner der llni:gegend in der Kirche anwesend. Nach dem Gesang des Chorals:Was Gott thut, das ist wohlgethan" durch die Gemeinde verlas Hofprediger Dr. Rogge die Epistel und das Evangelium. Der Kirchenchor, unter Leitung des Cantors Schur, sang:Wie sie so sanft ruh'n, alle die Seligen", die Gemeinde sodann den Choral:Wer weiß, wie nahe mir mein Ende!" Hierauf bestieg Hof­prediger Dr. Rogge die Kanzel und hielt die Gedächtnißrede, welcher er Den Meltext Samuelis 7, Vers 9Ich bin mit Dir gewesen, wo Du hinge­gangen bist" zu Grunde legte. Nach dem Schlußchora!:Wenn ich einmal I'oll scheiden" erfolgte Der Segen und das Gebet. Die hohen Herrschaften be­gab n sich hieraus nach der Gruft und verließen nach kurzem Aufenthalt daselbst die Kirche.

Posen, 20. Juni. Gerüchtweise verlautet, der Reichstags-Abgeordnete Lmdrath Müller sei zum königl. Commissar zur Verwaltung des Postens des diesigen Oberbürgermeisters ernannt.

Kiel,. Juni. Ein Kamerun-Dampfer ist soeben glücklich aus der Germania'Werft vom Stapel gelassen. Der Vice-Admiral Wickede taufte das Schiff aus Befehl des KaisersNachtigal", damit Der Name desjenigen Pioniers der Civilifation, der so Hervorragendes bei der Erwerbung unserer Colonieen zelkästet und der sein Leben dabei gelassen hat, auch in der Ferne auf dem Sch-auplatz seiner Thätigkeit nie vergessen werde.

KifsiNften, 20. Juni. Der Botschafter Fürst Hohenlohe machte gestern Mst Bismarck einen längeren Besuch und ist heule früh 5 Uhr abgereist.

Görlitz, 20. Juni. Der Staatsminister v. Bötticher, der Oberpräsident Seydervitz, der sächsische Gesandte am Berliner Höfe, Gras v. Hohenthal, Prinz Handjery besichtigten gestern Abend die Ausstellung bei electrischer Nelmchtung und sprachen sich außerordentlich anerkennend über dieselbe aus. pemte werden die Herren die Gebäude im Innern und die Ausstellungs-Gcgen- jfimbe in Augenschein nehmen.

Straßburg, 20. Juni. Aus Elsaß - Lothringen nehmen an der Be- Mmßfeier in Topper Theil: Staatssecretär Hoffmann, Hnterstaatssecretär Mayr, die Ministerialräthe Dursy und Payelt, der vortragende Rath des Statthalters Jordan, Regierungsrath Dupret, Oberstaatsanwalt Vacano, die BezirkSpräsi- berttien Back und Hammerstein, Bürgermeisterei-Verwalter der Stadt Straßburg, Tempel, als Vertreter der Kaiser-Wilhelms-Universität die Professoren Heitz «id. Holtzmann, als Stellvertretende Seitens des Landesausschuffes" Präsident Nürnberger, Vicepräsident Jannez, Abg. Massing und der erste Schriftführer Charpentier, die drei erstgenannten auch als Mitglieder des Staatsrathes. Mens des 15. Armee-Corps erscheint eine größere Deputation, an deren Epiitze der commanbirenbe General v. Heuduck und der Gouverneur von Straß- dmz Genera! Burg.

England.

London, 20. Juni. Das heute veröffentlichte Blaubuch über das Ab- kojmnen Englands mit Deutschland betreffs der beiderseitigen Actionssphären in Afrika umfaßt den Zeitraum vom 29. April bis 2. Juni d. Js. Am 7. Mai nottRcirte Graf Münster dem Lord Granville, daß die deutsche Regierung die englischen Vorschläge annehme, wonach England den zwischen den Flüssen Rio del Rey und Olcalabar gelegenen Theil der Küste des Golfes von Guinea an Deutschland sich..verpflichtet, in dem Theile der Küße des Golfes von Guinea, welcher sich von der Mündung des Rio del Rey aus dem rechten Ufer bis zur englischen Colonie Lagos erstreckt, weder Erwerbungen zu machen,-noch Protek­torate anzunehmen oder die Ausdehnung des englischen Einflusses zu beeinträch­tigen. Beide Mächte willigen ein, die Protektorate, welche sie innerhalb der ihnen zugewiesenen Grenze bereits hergestellt haben, rückgängig zu machen, wäh­rend Deutschland seinen Protest gegen die Aufhiffung der englischen Flagge an der Santa Lucia-Bay zurückzieht und von Gebietserwerbungen und der Herstellung von Protektoraten an der Küste zwischen Natal und der Delagoa-Bay absieht. Lord Granville beansprucht die Amlas-Bay für England mit dem Bemerken, daß, wenn die deutsche Regierung mit den Missionären Der Kolonie ein befrie­digendes Abkommen treffen könne, der schließlichen Abtretung dieser Bay an Deutschland englischerieits nichts im Wege stehe. Eine Depesche des Grafen Münster vom 2. d. Mts. zeigt den Beitritt Deutschlands zu dem Vorschläge Englands, in den resp. Protektoraten keine Differenzial-Zölle zu erheben, und die Zölle nicht höher festzufttzen, als zur Bestreitung des Bedürfnisses noth- wendig, an.

Gladstone stimmte bis heute Morgen den Forderungen Salisburys in Betreff Der Unterstützung des Cabinets nicht zu. DieSamte James- Gazette" räth den Führern Der Conservativen, Die Aufgabe der Cabinetsbildung den Liberalen zurückzugeben und ihnen zu überlassen, ob sie die Sachlage in's Klare bringen wollen. Können sie dies nicht thun, würden die Conservativen die Hände frei haben.Pall Mall Gazette" glaubt, es sei sehr wahrscheinlich, daß die Regierung wieder in die Hände der Liberalen Übergehe.

DemReutersschen Bureau" wird aus Bombay unter'm 20. Juni gemeldet, daß 2000 Afghanen als Verstärkung von Kandahar in Herat einge- troffen sind.