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Wir wollen nicht verfehlen, eine für Reservisten und Wehrleute wich­tige Bestimmung in Erinnerung zu bringen. Dieselben sind nämlich für die Zeit einer militärischen Hebung steuerfrei. Der Nachlaß der Steuern wird dabei nur nach Monaten bestimmt und jeder Theil eines Monats, sei es auch nur ein einziger Tag, als voller Monat mitgerechnet. '

Darmstadt, 20. Mai. Das Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 14 enthält:

Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, die Verleihung neuer oder Wiederverleihung heimgefallener Apotheken'Conces fronen betreffend.

BerSin, 20. Mai. In Preußen werden die Seitens der Bezirks- Regierungen erlassenen Verordnungen, betr. das Tödten, Einfangen, Verkaufen und Feilhalten gewisser nützlicher Vogelarten, wiederum in Erinnerung gebracht. Auch soll der Unsitte des Wegfangens der nützlichen, das Ungeziefer vertilgenden Vogel und insbesondere dem Plündern der Nester derselben von Seiten der Schuljugend möglichst entgegengewirkt werden. Die Erreichung dieses Zweckes wird wesentlich durch wiederholte und eingehende Belehrungen in den Elementarschulen über die Verheerungen der Saaten und Gärten durch pflanzenfressende Jn- secten, über den Nutzen der Vogelarten, die von solchen Znsecten leben, sowie durch eindringliche Ermahnungen zur Schonung der nützlichen Vögel erstrebt. Vor Allem muß auch den Kindern Abscheu vor jeder Störung eines Vogelnestes und des Vogellebens überhaupt eingeflößt, in ihnen Liebe und Sorge für die Singvögel erweckt und ihnen Anleitung gegeben werden, diese Liebe und Sorge zu bethätigen durch Beförderung der Brut und ihres Gedeihens, sowie durch Fernhaltung der Feinde der Vögel unter den Thieren. Ueberdies ist darauf hinzuweisen, daß das Reichsstrafgesetzbuch (§ 368 sub 11) Demjenigen Geld­strafe bis zu 60 Jt. oder Haft bis zu 14 Tagen androht, der unbefugt Eier oder Junge von jagdbarem Federwild oder von Singvögeln ausnimmt.

Telegraphische Depeschen.

Wolff's telegr. Correspondenz - Bureau.

Berlin, 21. Mai. Der Erkältungszustand des Kaisers nimmt einen normalen günstigen Verlauf, die Genesung ist jedoch noch nicht so weit vorgeschritten, um das Verlassen des Zimmers zu gestatten. Der Kaiser ist daher verhindert, die Frühjahrs­paraden in Berlin und Potsdanr abzuhalten und hat damit ben Kronprinzen beauf­tragt. Der Kaiser empfing Nachmittags das kronprinzliche Paar.

Der Bundesrath genehmigte den Börsensteuer - Entwurf und die Zoll- tarifnovelle.

Der Kaiser verlieh am 17. Mai der Neu - Guinea - Compagnie, vertreten durch Geheimerath Hansemann, einen Schutzbrief, welcher die Oberhoheit des Kaisers über die betreffenden Gebiete bestätigt. Diese Gebiete umfassen den nicht unter eng­lischer oder niederländischer Oberhoheit stehenden Theil des Festlandes, Kaiser Wilhelms- land benannt, ferner die vor der Küste liegenden Inseln, sowie die Inseln des Archipels, welche bisher als Neu-Britannien bezeichnet wurden, nunmehr aber Bismarck-Archipel genannt werden. Die Grenzen werden nach Graden genau angeführt. Gegen die Verpflichtung, staatliche Einrichtungen zu treffen und zu erhalten, sowie,die Kosten für- ausreichende Rechtspflege zu bestreiten, werden der Coinpagnie die entsprechenden Rechte der Landeshoheit verliehen, mit dem ausschließlichen Rechte, in dem Schutzgebiet herrenloses Land in Besitz zu nehmen und darüber zu verfügen und Verträge mit den Eingeborenen über Land- und Grundberechtigung abzuschließen alles unter Ober­aufsicht der Regierung. Die Ordnung der Rechtspflege, sowie die Regelung und Leitung der Beziehungen zwischen dem Schutzgebiet und den fremden Regierungen bleibt der kaiserlichen Negierung vorbehalten.

In der heutigen Plenarsitzung des Bundesraths wurde den Gesetzentwürfen wegen Abänderung des Zolltarifgesetzes, sowie wegen Abänderung des Reichsstempel- gesetzes vom 1. Juli 1881 die Zustimmung ertheilt. Die Vorlage, betreffend<bte all­gemeine deutsche Volkszählung im December 1885, wurde den Ausschüssen überwiesen, die Vorlage wegen Bildung von Berufsgenossenschaften auf Grund des Unfallversicher- nngsgesetzes wurde nach den Anträgen der Ausschüsse genehmigt.

Die heutige Schwurgerichtsverhandlung gegen den Raubmörder Zwiebler, welcher den Knaben Anderkast in der elterlichen Wohnung überfiel, schwer verletzte und Geld und Geldeswerth raubte, mußte ausgehoben werden, da sich Zwiebler unmittelbar vor Abholung aus dem Gefängnisse erhängt hatte. Den anwesenden ärztlichen Sach­verständigen, Professor Dr. Liman, Geheimerath Dr. Lewin gelang es, Zwiebler wieder in's Bewußtsein zurückzurufen; dieselben glauben, Zwiebler am Leben zu erhalten.

Braunschweig, 21. Mai. In der heutigen Landtagssitzung verlas Staats­minister v. Görtz-Wrisberg den Wortlaut des Antrages Preußens beim Bundesrathe, betreffend die Thronfolgetrage. Die Verlesung wurde mit Beifall ausgenommen. Der- Minister hielt eine Aeußerung der Versammlung über den Gegenstand augen­blicklich noch nicht für angezeigt. Die Mittheilungen wurden der staatsrechtlichen Com­mission überwiesen.

Die Erklärung des Ministers v. Görtz - Wrisberg nach der Verlesung des preußischen Antrags über die Thronfolgefrage lautet: Aus dem Anträge sei deutlich zu entnehmen, welche Auffassung die preußische Regierung von der das Land tief be­wegenden Thronfolgefrage habe. Es werde nun Aufgabe des Bundesraths sein, zu dem Anträge Stellung zu nehmen. Man werde zu erwarten haben, welche Beschlüsse gefaßt, sowie ob und in welcher Weise die Landesregierung in die Lagen kommen werde, dem Anträge der preußischen Regierung gegenüber auch ihrerseits eine bestimmte Stellung zu nehmen und Schritte zu thun. Darüber schon jetzt eine bestimmte Ansicht auszusprechen, möchte zur Zeit noch nicht geboten erscheinen. Die Landesregierung habe aber die bestimmte Absicht, keinen entscheidenden Schritt in der Angelegenheit weiter zu thun, ohne zuvor sich mit der Landesversammlung in's Einvernehmen gesetzt zu haben. Ob solche Schritte in allernächster Zeit erforderlich würden, sei noch nicht übersehbar, doch erscheine die Nothwendigkeit der baldigen desfallsigen Wiedereinberufung des Landtags möglich. Der Antrag, heute schon eine Aeußerung der staatsrechtlichen Commission des Landtags herbeizuführen, wurde abgelehnt, nachdem der Minister dem Anträge widersprochen und ausgeführt hatte, daß die Sache zu wichtig sei, um so schnell erledigt zu werden.

Braunschweig, 21. Mai. Der Landtag ist heute bis auf Weiteres vertagt worden.

Stuttgart, 21. Mai. Der König ist nach sechsmonatlicher Abwesenheit hier eingctroffen und von der Bevölkerung sehr enthusiastisch empfangen worden.

Morgen findet der Schluß des Landtags statt.

Paris, 21. Mai. DerPatrie" zufolge würde der Polizeipräfekt wegen der für Sonntag als Jahrestags des Sturzes der Commune geplanten Kundgebungen besondere Instructionen erhalten. Das Entfalten rother und schwarzer Fahnen würde absolut verboten.

Petersburg, 21. Mai. Die Eröffnungsfeier des Seekanals im Beisein des Kaisers ist auf den 27. d. Mts. festgesetzt. Die kaiserlichen Yachten und mehrere Kron­städter Kriegsfahrzeuge werden den Kanal entlang bis Petersburg fahren.

In Archangel ist die Schifffahrt wieder eröffnet.

Athen, 21. Mai. Die Kammer wurde heute mit einer Botschaft des Königs eröffnet, welche hervorhebt, daß die Beziehungen zu allen Mächten freundschaftliche seien chnd Griechenland, welches des Friedens bedürfe, die Aufrechterhaltung des statua quo im Orient wünsche. Sonst berühre die Botschaft nur innere Fragen.

London, 21. Mai. Heute Vormittag fand ehre längere Conferenz zwischen Staal und Lessar statt, welche sich darauf zu Granville begaben. Es heißt, daß die Verhandlungen über die afghanische Grenzfrage fich bis über den Juni hinausziehen werden, da Lumsden, welcher daran Theil nehmen dürfte, erst am 16. Juni hier erwartet wird.

Iw Oberhaus erklärte Granville: Die Pariser Declaration ist nicht bindend für England den Vereinigten Staaten und Spanien gegenüber, die derselben nie bei­

getreten sind, ncherlich auch nicht bindend für uns, falls einer der ihr beigetrcteneir Staaten es geeignet findet, sie zu verletzen, aber in jeder anderen Hinsicht bindet sie uns. Kimberley dementirt, daß Rußland diplomatische Vertretung in Kabul verlangt habe und erklärt, ein Wiener Blatt habe seine jüngste Aeußerung mißverstanden, er habe nie ein völliges Aufgeben der englischen Stellung in Afghanistan angekündigr, sondern im Gegentheil gesagt, die Regierung habe stets Afghanistan als außerhalb der russischen Einflußsphäre angesehen. Englands Defensiv- und Offensiv-Linie werde so gewählt, daß die Interessen Englands dadurch am besten gefördert würden. Die Grenzlinie muß eine solche sein, daß sie uns eine gute Defensivposition und auch eine gute Stellung giebt, uns nach jedweder Richtung hin, die die Interessen Indiens und Englands erheischen, bewegen zu können. Das Oberhaus wird bis zum 5. Juni vertagt.

Unterhaus. Hartington antwortet Northcote, cs sei nicht wünschenswerth, in den Einzelheiten die Gründe für die Zurückhaltung der Garde auf kurze Zeit in' Alexandrien anzugcben. Das Haus kenne die Gründe für die vor einiger Zeit mit: getheilte Absicht, die Truppen im Sudan für Dienste in anderen Welttheilen zu con- centriren, Gründe, die eine Creditforderung für specielle Vorbereitungen nöthig machten; jene Vorbereitungen seien nicht suspendirt worden, die Regierung erachte als wünschens­werth, daß die Garde vorläufig am Mittelmeer bleibe, aber nicht als wünschenswerth, genau anzugeben, wie lange und aus welchen Gründen. Gladstone befindet sich im Hause und antwortet auf Anfragen, das Gerücht von seinem Unwohlsein sei un­begründet. Croß erklärt, im Staatsinteresse sei die Veröffentlichung der Schriftstücke, betreffend die Unterredung des Emirs mit Lord Dufferin vor dem Abschluß der Unter­handlungen mit Rußland unerwünscht. Dufferin schätzt die Extra-Heereskosten von April bis Juni auf 306 Lackhs Rupien, außerdem 385,000 Pfd. Sterling für eine gewisse Forderung für Kanonen. Fitzmaurice theilt mit, Frankreich habe vor dem Wiedererscheinen desBosphore Egypt." erklärt, der Redactcur habe positiv versichert, der Ton der Artikel solle keine Schwierigkeiten veranlassen; wo ein gerechter Grund zu einem Vorgehen gegen das Blatt vorhanden sei, werde der französische Consui zur Unterdrückung des Blattes Beistand leisten. Gladstone: Während der Unterhand­lungen mit Rußland betreffend Afghanistans sei es unmöglich zu sagen, was er hin­sichtlich der im Budget angekündigten erhöhten Sprit- und Biersteuer zu thun beab­sichtige. Der Schiedsrichter in dem Pendjeh-Zwischenfall sei noch nicht absolut ernannt. Nur mit der Pforte, aber mit keiner anderen Regierung habe ein Meinungsaustausch betreffs der Besetzung Suakims beim Rückzug der englischen Truppen stattgefunden. Croß weiß nichts von einem Handelsvertrag Deutschlands mit Birma. Dilke erklärt es für absolut unbegründet, daß in England die Cholera ausgebrochen sei.

Teheran, 21. Mai. sTelegramm des Neuter'schen Bureaus.j Der Gouverneur von Serakhs (Provinz Khorassan) hat auf Ersuchen des russischen Commandanten von Merw den Marsch russischer Truppen auf dem linken Ufer des Tejen-Flusses auf persischem Gebiete und die Ueberschreitung der Brücke unterhalb Serakhs gestattet. Der Gouverneur genehmigte den Durchmarsch von zwei Bataillonen, welche die Garnison von Merw zu verstärken bestimmt sind.

Lokale-.

Gießen, 22. Mai. Se. Königliche Hoheit Priirz^ Heinrich von Hessen, sowie der commandirende General des XI. Armeecorps, v. Schlotheim, trafen gestern behufs Besichtigung des hiesigen Regiments in Gießen ein. Sc. Königliche Hoheit nahmen Absteige-Quartier imEinhorn", während General v. Schlotheim im Hotel Kühne wohnt.

Gießen, 22. Mai. Am Mittwoch Abend fand im Saale des Herrn L. Lenz eine Versammlung behufs Bildung von Ausschüssen zur Vorbereitung der in den Tagen vom 30. September bis 3. October dahier stattfindenden Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner statt. Die letzte, 37. Versammlung war in Dessau und dort hat man Gießen als Sitz der nächsten Versammlung in Aussicht genommen und Herrn Director Dr. Schiller dahier zum Präsidenten der­selben gewählt.

In der Versammlung, an der auf Einladung des Präsidiums angesehene Männer aus allen Kreisen der Gießener Bevölkerung theilnahmen, constituirten sich 4 Ausschüsse, ein Finanz-, Empfangs-, Wohnungs- und Fest-Ausschuß. Aufgabe des Wohnungs- Ausschusses ist es, für die auswärtigen Festtheilnebmer -- und Deren werden bei der centralen Lage Gießens nicht wenige sein die nöthigen Quartiere zu ermitteln. Da die große Zahl von Gästen in den Hotels allein sicher nicht unterzubringen sein wird, so sind die Herren vom Wohnungs-Ausschuß wesentlich auf freundliches Entgegen­kommen seitens der Bewohner Gießens angewiesen. Hoffen wir, daß ihnen ebenso bereitwillige Unterstützung zu Theil wird, wie sie selbst sich gerne zur Uebernahme ihres. Amtes bereit finden ließen.

Leichter dürfte bei der schönen Lage unserer Stadt und dem anerkannt gast­freundlichen «Linn ihrer Bewohner die Aufgabe des Fest-Ausschusses werden und mir sind überzeugt, daß alle Gießener sich bemühen werden, die 9)immer der Wissenschaft würdig zu empfangen und ihnen den Aufenthalt dahier so angenehm wie möglich. zu machen.

uttfc Berkes«.

Limburg, 20. Mai. Rother Weizen 16.20, weißer Weizen JC 16.10, Korn cA 12.00, Gerste X 10.65, Hafer JL 7.50, Kartoffeln a 100 Pfund 0.00,. Erbsen ä 100 Pfund JL 00.00.

Kirchliche Anzeigen der Stadt Gießen.

Evangelische Gemeinde.

Gottesdienst.

Samstag den 23. Mai.

Nachmittags 2 Uhr: Beichte, Pfarrer Schlosser.

1. Pfingstfeiertag, 24. Mai.

Vormittags 9*/r Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.

Nachmittags 2 Uhr: Pfarrer Dingeldey.

Nach beiden Gottesdiensten Kollekte für die Lutherstiftung. Kinderkirche, Vormittags 11 Uhr: Pfarrer Schlosser.

2. Pfingstfeiertag, 25. Mai.

Vormittags 9V2 Uhr: Pfarrer Schlosser.

Confirmation der Mädchen und Feier des heiligen Abendmahls.

Es wird gebeten, die ersten zehn Bankreihen von dem Altar der Kirche aus für die Angehörigen der Consirmandinnen frei zu lassen.

Nachmittags 20a Uhr: Pfarrer Dingeldey.

Nach beiden Gottesdiensten Kollekte für die Armen unserer Gemeinde.

Von Sonntag, den 31. Mai, an wird bis auf Weiteres der Nachmittags­gottesdienst um 2*/2 Uhr gehalten werden.

Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 24. bis 30. Mai besorgt Pfarrer Dr. Naumann.

Katholische Gemeinde.

Pfingstfest.

J.

Von 6 Uhr an Beichte. Um 7 Uhr: Frühmesse und Austheilung der h. Com- munion. VzlO Uhr: Hochamt und Festpredigr. Um 2 Uhr: Vesper.

II.

Von 6 Uhr an: Beichte. Um 7 Uhr: Frühmesse und Austheilung der hl. Commu- nion. Um V2IO Uhr: Hochamt und Predigt. Um 2 Uhr: Maigebet.

Mittwoch, Freitag und Samstag sind Quatemberfafttage.

Freitag um 6 Uhr: Maigebet.

Gottesdienst in der Synagoge.

Freitag Abend 716 Uhr, Samstag Morgen 8 Uhr, Samstag Mittag 4 Uhr, Samstag Abend 815 Uhr.

W0chenfest. Gesetzgebung auf Sinai.

Dienstag Abend 715 Uhr, Mittwoch Morgen 8 Uhr, Mittwoch Mittag 4 Uhr, Mittwoch Abend 8<5 Uhr, Donnerstag Morgen 8 Uhr, Donnerstag Mittag 4 Uhr, Donnerstag Abend 8" Uhr.

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