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Gießen, 22. Mai.

Kur Wahlagitation in Oefierreich wird geschrieben: Dis österr. , Wahlbewegung, welche ihren Höhepunkt bereits überschritten haben dürfte, war aleichsam zu einer Sündfluth geworden. Alle Ströme, alle Muffe, aUe Bäche, die dünnsten Wasseradern schwollen bedenklich an und traten aus. Manche Leichte Candidatengestait warf die gewaltige Strömung launenhaft zu emet üaer> ragenden Stellung empor, manchen großen Parteimann schwemmte sie hinweg ttnö stürmte machtvoll gegen die Wälle, welche zum Schutzs der ^te^ffung und Kes einheitlichen Staatsgedankens ausgerichtet worden sind. Das ZerstörungS' wett nimmt unaufhaltsam feinen weiteren Verlauf. Der Kampf für und wider di? Verfassung ist ja schon so gut wie übgethan; dägegen wüthet nun der Kampf der Nationalität durch alle österreichischen Lande und dann kündigt sich der verhängnißvolle Fortschritt des Zersetzungs-Proceffes an. Denn wie he ig jener erste Streit auch geführt werden mochte und welche Wirrjal er auch her- aufbeschworen, so war er doch begrenzt durch da« Kampfgebiet selbst und in Sieg und Niederlage konnte doch nur von Berfa,sungssormen die Rede sem. Das war, wenn wir so sagen dürfen, der localistrte constltut-.onelle Parteikrieg. Heute jedoch ist es die nationale Anarchie, die Alles in ihre verderblichen Kreise zieht, und in dem Maße, als sie sich ausbreitet , stehen Nicht allein dre Garam tuen der Verfaffung, sondern auch die Bürgschaften der Existenz Oesterreichs Ms dem Spiels. In dürren und trockenen Ziffern wird dieser Sachverhalt kurz unb treffend von der PragerPolitik", einem czechischen Blatte, gekennzeichnet: Auch jetzt", - so schreibt dasselbe -auch jetzt wollen weder d>° Führer, noch das von ihnen geführte Volk an die Thatsache glauben, daß O-ster. reich von 14 Millionen Slaven und nur von 8 Millionen Deutschen bewohnt wird. Das Resultat dieses höchst -"stachen Rechem Exempels liegt aus der flachen Hand. Die Deutschen Oesterreichs haben sich in das Schicksal zu finden, für alle Zeit zu -in-r untergeordneten Minorität herabgedrückt zu sein, welcher die flavische Mehrheit Gesetze drctirt l Das specifische Gewicht hat aufzugehen in das Volumen, d. Jj., der historische Ge- banke, welcher die erhaltende Seele des österreichischen Staates war, har Der nationalen Revolution zu weichen." . x

Ist es zu verwundern, wenn Angesichts dieser maßlosen Ansprüche des Slaventhnms sich im Lager der Deutschen der nationale Kamps «ans phrase zur Geltung emporgearbeitet hat? Gewiß, die Männerder verschärften Don- art" dürften schwerlich allgemeine Sympathieen finden; der nationale Raditaus- mus der Deutschen ist um nichts vernünftiger, als jener der Slaven; aber wer mag mit dem Volks-Jnstinct rechten, der sich .in kritischer Zeit aus neue Fahrten begiebt? Ebensowenig hat es etwas Anmuthendes, wenn die Deutschen m den Reihen der Majorität über den Zerfall der vereinigten Linken und über den Rückzug mancher bedeutenden Persönlichkeit der deutschen Partei schadenfroh Jubelkänge an stimmen. Wäre die vereinigte Linke mit ihren gemäßigten Füh­rern nicht vorhanden, die czechisch-polnische Verbindung müßte Alles daran setzen, eine solche deutsche Partei zu schaffen. Denn nur die Existenz dieser Gemein­schaft kann es möglich machen, daß das gegenwärtige Regierungs-System zu Jahren kommt. Der Bestand der vereinigten Linken allein bietet einige Bürgschaft dafür, daß der Kampf auch weiterhin auf parlamentarischem Boden gekämpft wird. Diese Partei, indem sie einen großen Theil der nationalen Oppo­sition der Deutschen in gemäßigter Richtung festbannt und einen beträchtlichen Opportunismus in die gesetzgebenden Körperschaften mitbrmgt, bildet eine leben­dige Assecuranz für die Herrschaft der jetzigen Majorität, welche sich doch nur behaupten kann, so lange sie nicht als exclusiv czechisch - polnische Herrschaft erscheint. Diese Partei, indem sie unentwegt aus dem Boden des Parlamenta­rismus ausharrt, bildet zugleich eine Sicherstellung für das A^^rium Taaffe, welches für sein Programm der Versöhnung der Parteien selbst bett imaginären Anhaltspunkt in dem Augenblicke verlieren würde, als der Reichsrath das idyllische Schauspiel eines Hirten und einer slavischen Heerde bieten sollte.

(siebener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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LialkS '

Schul^raße 7.

Bekanntmachung.

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Gießen, am 21. Mai 1885. Großherzoglrches Kreisamt Gießen.

M Dr. Boekmann.___________________------.

setreIIenb . Die Ertheilung von Tanzconcefsionen- (Sieben, am 22. Mai -

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an di- Großh-rzoglich-M Bürgermeist-rei-n des Kreises, mit Ausnahme Äon Gießen.

Wir finden uns veranlaßt, auf die bestehende Vorschrift, wonach, wenn

hin aber die nachträgliche Abhaltung eines versäumten ganzes St."unW , « fff Nr.^ vom 22. September 1835) aufmerksam zu

Wer vermag sich aber über die Consequenzen einer Verdrängung dieser gemäßig­ten Fraktion zu täuschen? Von solcher Wandlung bis zur völligen Enthaltung der Deutschen ist nur ein Schritt, und dieser Schritt wird so sicher gethan werben, als der Wahlsieg der Slaven nicht geeignet sein kann, die ehrgeizigen Ansprüche der Letzteren zu dämpfen. .

Allerdings wäre die Politik der Passivität der Deutschen eine verhang- nißoolle Politik, verhängnißvoll für den Constitutionalismutz, verhäugnißvoll für die Entwicklung Oesterreichs, aber eben deswegen nicht am wenigsten verhäng- nißvoll für die heutige österreichische Regierung. Ein österreichisches Parlament, in welchem das deutsche Volk einzig und allein durch die Herren Lienbacher und Fürst Iaechtenstein vertreten wäre, eine österreichische Verfaffung, welcher der Stamm, der den Constitutionalismus geschaffen, den Rücken kehrte, em Reichs- ratb, in welchem in deutscher Sprache verhandelt wurde, ohne die Deutschen unb gegen sie, Wien, die deutsche Hauptstadt Oesterreichs, als Rahmen für ein exclusiv slavisches Abgeordnetenhaus das wäre einfach eine Carricatur, und mächtigere unb folibere und bessere Gebilde, als die Herrlichkeit der jetzigen Majorität sind untergegangen, sobald sie lächerlich geworden. Ober es wirklich darauf abgesehen, dieses Parlament unmöglich zu machen, um die Par- zellirung Oesterreichs durchzuführen und Länder-Parlamente in S Leben zu rufen . Man muß wohl auf diesen Gedanken gerathen, will man nicht annehmen, daß das Walten der österreichischen Regierung von einem Gedanken überhaupt nicht adeltet werde. Sollte dabei der einheitliche österreichische Parlamentarismus in Frage gestellt werden und auf eine solche Krise drängen die Dinge unauf­haltsam in Oesterreich hin, wenn man die Entwickelung nicht mit den Augen des Ministeriums Taaffe betrachtet -, so würden dadurch die Deutschen in den birect zum Widerspruch herausgeforderten Ungarn eine Stütze erhalten, worauf sie gewiß nicht im Voraus rechnen konnten. In gleicher Weise würde die sich beständig mehr in den Vordergrund drängende Rothwendigkeit einer Zollannahe- rung zwischen uns unb Oesterreich-Ungarn für die Deutschen bedeutend in die Wa^<W^ bann nichts sehnlicher, als daß diese beiden helfenden Fak­toren sich mächtig genug erweisen mögen, um den schwer bedrängten Deutschen in Oesterreich zu einer siegreichen Ueberwindung der schwebenden Krisis die Wege zu ebnen, zu ihrem eigenen unb zum Wohle der österreichisch - ungarischen Monarchie. _

Darmstadts21. Mai. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Qr r.

Am 20. Mai dem Präsidenten des Ministeriums der Finanzen, August Weber, bas Comthurkreuz 2. Klaffe des Verdienst-Ordens Philipps des Groß, müthigen zu verleihen.

Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht.

Am 9. Mai den Hauptkassier bei den Oberhesfiichen Eisenbahnen, JW nungsrath Philipp Burger, zum Vorstand des Central-Bureaus bei der Direction dieser Bahnen,

den Telegraphisten bei der Main-Neckar-Eisenbahn, Karl Pfannmuller, zum Expeditor bei dieser Bahn,

den Expeditions-Gehülfen bei der Main-Neckar-Ersenbahn, Adam Georg aus Semd, zum Telegraphisten bei dieser Bahn,

am 15. Mai den Kreisbaumeister des Kreisbauamts Nidda, Georg Pfarrer, zum vortragenden Rath bei der Abtheilung für Bauwesen des Mini­steriums der Finanzen mit dem Amtstitel O^rbaurath M ernennen.

Darmstadt, 20. Mai. Von den hessischen Reichstags-Abgeordneten stimmten für die Erhöhung des Roggenzolles auf 3 JL Kalle, dkarqua rd- sen, Scipio unb Ulrich; dagegen Bamberger, Hinze, - iebknecht unb Rack6. Krank war Buderus. Für unb gegen bte Erhöhung des Ger­stenzolles auf 1 50 stimmten dieselben mit Ausnahme von Ulrich, dec

hier zu den Gegnern des Zolles übertrat,