Ausgabe 
22.3.1885 Zweites Blatt
 
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B Statistik bezüglich de? auf dem Grundbesitze ruhenden, iu den öffentlichen Büchern eingetragenen Schuldenstandes.

1) Um den auf dem Grundbesitz ruhenden, in den öffentlichen Büchern einge- trageneu Schuldenstand, insbesondre besten EalstehungSursachen und besten Hu- und Abnahme bet land, und forstwtrthschaftltchem, städtischem und gewerbtich-m Grund- befitz, thunltchst zu ermitteln, find nach Gemeinden gesonderte und je auf den Zettraum eines Kalenderjahres berechnete Tabellen zu führen und biS zum 15. Januar deS auf daS Tabellevjahr folgenden Jahres kurzer Hand an die Ceutralstelle für LandeS- Statistik zu senden.

2) Die Führung der Tabellen erfolgt in den Provinzen Starkenburg und Ober- Hessen nach den beigefügten Musterformularten St L. 2, 3, 4. 5, 6, 7 durch die AmtS- gertchte, in der Provinz Rheinhessen (in welcher auf die Feststellung der Abnahme deS fraglichen Schuldenstandes wegen der Unsicherheit deS Ergebnisses und wegen des Mißverhältnisse« zwischen dem Werthe dieses Ergebn'ffeS und der zu seiner Herstellung erforderlichen Arbeit verzichtet werden muß) nach den beigefügten Musterformularen 8, 9, 10 durch die Hypothekenbewahrer (nach Maßgabe deS bet den bezeichneten Behörden der drei Provinzen vorhandenen Materials und nöthigenfallS mit Hilfe geeigneter Ermittelung).

3) Jeder zum Eintrag in eine der Tabellen sich eignende E'nzelfall ist sofort (d. h. gleichzeitig mit der betrrffcnden Eintragung oder Löschung im öffentl'cheu Buche beziehungsweise mit deren Anordnung) iu die entsprechende Tabelle etnzutragen.

Die Einträge der seit dem 1. Januar 1885 vorgekommeneu Fälle sind für die JahreS-Tabellen deS laufenden Kalenderjahres nachzuholen.

C. Gemeinschaftliche Bestimmungen.

1) Die vorstehenden Bestimmungen sind btS auf Weitere« auch für dle auf das Jahr 1885 folgenden Kalenderjahre zu befolgen.

2) Die Bezeichnung des Flächengchalts erfolgt in Hectar und Ar nach Anlettung der Bekanntmachung des Reichskanzlers vom 20. November 1877 (RetchScenttalblatt S- 565).

Ueberschteßende Quadratmeter find, wenn sie 50 oder mehr betragen, für 1 Ar ru rechnen, andernfalls Mcht zu berücksichtigen. ES find also betspiclwetse zu bezeichnen:

99 Ar 49 lH Meter = . . . . 0,99

99 Ar 51 OMtter = . ...

1 Hectar 99 Ar 49 QMeter . 1,99

9 Ar 47 lH Meter = . . . . 0,09

1 Hectar 9 Ar.....1,09

1 Hectar 9 Ar 50 IDMeter . 110

1 Hectar 9 Ar 49 m Meter . 1,09

3) Die Vorschrift deS $ 4 der Instruction für die Großh. Amtsgerichte, daS oypothekeuwefen betreffend, vom 1. December 1861, nach welcher in den Plovinzen Starkenburg und Oberhestm dem jährlich zu erstattenden Bericht über die Revision der Hypothekeubücher Uebersichten über die im letzten Geschäftsjahr errichteten und gelöschten Hypotheken bctzuschließen sind, bleibt nach wie vor in Kraft.

4) Die Gebrauchsformulare L. St. la. und 2-10 sind von der Hosbuchdruckeret von Ernst Bekker dah'er unmittelbar zu beziehen. Die erste Lieferung wird ohne Be­stellung durch uns bewirkt. Die wetteren Lieferungen sind unter Bezeichnung der Größe des Bedarfs (Zahl der Bogen oder halben Bogen mit oder ohne Titelblatt) zu bestellen. J

Die Anweisung der Kosten für die Gebrauchsformulare erfolgt durch unS, und ist in dieser Beziehung daS in unserem Autzschre'den vom 27. October 1879, die Her­stellung von Formularien betreffend, bezeichnete Verfahren einzuhalten.

vermischtes.

an ff ur t a. M., 17. März. Der in der Heddernheimer Mordaffalre ver­haftete F. Falkenhan ist, wie gemeldet wird, am Samstag wieder in Freiheit gesetzt worden, nachdem er eine Caution von 5000 JL hinterlegt hatte. In dieser Sache find tu der letzten Zeit eine Menge Zeugen aus Heddernheim. Praunheim und anderen Orten vernommen worden. Bei einer vorgenommenen Confrontation wurde von dem Bruder deS ermordeten Engemann auch dessen bei der Affaire verletzter Hund vorgeführt, der indeß gegen k.tne der vorgestellten Persönlichkeiten vorgegar.gen ist, sondern, die einzelnen Personen beschnüffelnd, sich ganz ruhig verhalten hot.

Kassel, 16. März. Nachdem der vom Schwurger cht wegen Todtschlags zu 5 Jahren Gefänguiß verurtheilte Commiö Albrecht am vergangenen Frettag einen Selbstmordversuch, der verhindert wurde, gemacht hatte, ist es demselben in vergangener Nacht doch noch gelungen, seinem Leben durch Erhängen ein Ende zu machen. Mit Bezug auf ihr Verdict in der Anklatzesache gegen die Polin Ludowika Hofmann auS Posen wegen des auf das Lebendes Arttlleriehouptmanns Paul Windeck unternommenen Revolverattentats haben die Geschworenen nachträglich eine Immediateingabe an den Kaiser zu richten beschlossen, in welcher die Verurtheilte der landesherrlichen Gnade empfohlen werden soll.

Neureichenau (bayer.-österr. Grenze), 13. März, tzln förmlich-« Gttecht sand »orgestern tn den fürstlich Echwarzenberg'sch^n Waldungen zurachst deS Plöckev, sik-oer SeeS »wischen dem österre-chiichen Forst- und Greujwachpersonale und einer sechs Mann starken Wlldererbande statt, wobei mindestens 50 Schüsse auS den gegen, fettigen Deckungen gewechselt wurden und Forftadjunct Fischer von Neuthel leicht, em Oberaussehcr und ein Gendarm schwer verwundet wurden, bitz dle Wilderer schließlich über die bay-rische Grenze flüchteten. Deren Spuren führten biS in die Nähe von Schimmelbach, und da sich Bluttropfen längs de« von ihnen eingtschlaameu Weges zeigten, so ist anzunehmev, daß auch einer oder der andere der Wilderer verletzt ist.

(Professor Dr. von Frerichs -j-.j Zu den bedeutenden Verlusten, welche die medttinuche Welt gerade in jüngster Zett erlitten, hat sich nun der deSj uigeu Meisters gesellt, welch.« die Berliner Klinik als ihren Nestor verehrte. Professor Frerichs ist am Samstag den 14- d. Mls. in Berlin einem Schlaganfall erlegen. Derselbe war am 24. März 1819 zu Aurich in Ostfriesland geboren. Er studirte in Göttingen und erwarb bereits nach 2«/sjährigem Studium (1840) die Doctorwürde

wettere Jahre arbeitete er in der Klinik Schönlein'S zu Berlin. Ehe er sich dann 1843 in Göttingen alS practifcher Arzt »iederlteß, widmete er sich noch einem Special, studium der Ehemie unter Wöhler; der chemischen Zusammensetzung der Knochen galt auch seine erste größere Arbeit. Trotzdem seine Praxis schnell aufblühte, unterbrach er tu den nächsten Jahren dieselbe wiederholt; zur Erweiterung seines W ssenS und Könnens arbeitete er längere Zelt in Wien unter Skoda und Rokitansky und ebersso in Par>S unter hervorragenden Klinikern und Physiologe« und sah sich 1848 von seinem wissenschaftlichen Esser bestimmt, seine Klientel dem Bruder Georg zu über- wessen, wahrend er selbst sich als Pnoatdocent und Asststent am physiologischen Institut zu Göttingen habtlitirte. Frerichs verwarf alles subjectioe Construtren auf dem Felde der Medicin; nur durch inductioeS Verfahren mit Benutzung der Behelfe, welche die patho, log sche Anatomie, die Chemie und die Physiologie an die Hand geben, könne an Stelle

vagen KrankheitSsystematik eine sichere pathologische Erkenntniß treten. Ji Liebig S, Poggevdorf's und Wöhlert's ,Handwörterbuch der Chemie« rühren Denn auch die meisten physiologisch-chemischen Artikel von F. her, welcher dazumal gerade im Begriffe stand, sich völlig der Chemie zu widme«, alS die dauernde Erkrankung Rudoss Wagner s, dessen Vorlesungen er übernahm, ihn der Medicin erhielt. Die Früchte dieser erweiterten Thätigkeit waren viele zu Wagncr'SHandwörterbuch der Physiologie* gelieferte physiologisch-anatomische Themrn, wohin auch feine epochemachende Arbeit über Verdauung gehört. Immer bestrebt, daS Bereich seines Wissens zu erweitern zog er auch die pathologische Anatomie in dasselbe, indem er sämmtliche klinischen Obductionen übernahm. Freudig ergriff er die Gelegenheit, die menschenfreundliche Mission deS Arzte« bei der damals unter den Bewohnern de« Harzgebirge« auSge- brochenen Cboleraepidemie, wie auch später auf dem Schlachtfelde. wohin er de« preußischen Truppen im Kriege gegen Dänemark gefolgt war, zu bethätigen, und einmal Kliniker geworden, kehrte er den Chirurgen beraus und übernahm im verlauf! des preußifch-dänischen FeldzugeS die Lazaretbe in Rendsburg. Nach seiner im Jahre 1851 auf Stromeyer's Anregung erfolgten Berufung alS Professor und Letter der medicinischen Klinik in Kiel erschien die berühmte MonographieDie Br'gth'sche Nieren- kravkbeit und deren Behandlung.« Unmittelbar darauf erfolgte seine Berufung von Kiel nach BreSlau, wo er zum ordentlichen Profissor der Pathologie und Therapie und zum Director der medicinischen Klinik ernannt wurde. Hier machte er fich zunächst durch die kühne Neuerung sehr verdient, daß er cS durchsetzte, daß bie biS dahin tn lateinischer Sprache üblichen Vorträge an der medicinischen Klinik fortan tn deutscher Sprache abgebalten wurden, ferner durch die Reform deS klinischen Unterricht« über, Haupt, durch die Einrichtung von chemischen und mikroskopischen Laboratorien, durch seine umfassende Thätigkeit bei den auf bie Ueberschwemmungen von 1854 folgenden Wechselfieberep'demien. AlS iw Jahre 1859 Schönlein starb, erkannte man sogleich einen ebenbürtigen Nachfolger für denselben tn FrerichS. Bald nach seinem Einzüge in Berlin erschien sein Hauptwerk.'Klinik der Leberkrarkheiten", daS auf dem speciellen, der Forschung schwer zugänglrchrn Gebiete daS ausführlichste in der wedicini- fchen Literatur ist und vorn Pariser Institute mit dem Monthyon'schen Preis gekrönt wurde. Außer ins Französische wurde dieses Werk ins Englische, ins Russische und Italienische übersetzt. In gleicher Weise erregte fein (m Avril v.J. erschienenes große« Werküber die Zuckerkrankheit- Aufsehen. Mit der franzöfischen Uebersetzuvg desselven war er in letzterer Zeit eifrig beschäftigt. Die Krankheit, welcher der große Arzt zum Opfer fiel, war eine Blutüberfüllung des Gehirns, welche am Mittwoch Abend einen Gebttnschlag verursachte und feinen Tod am SamStag Morgen zur Folge hatte. Seine groß n Verdienste hatte der deutsche Kaiser durch die Verleihung deS erblichen Adel«, charakters anerkannt- (F. Z)

[@fne PreiSaufgabe.j In dem auf dem Balle zum Besten der Berliner Bühnenangehöriaen ausgegebenen Autographen-Album stellt Herr Kadelburg folgende PreiSaufgabe: Während meiner Laufbahn habe ich an 3481 Abenden 3481 Damen 3481 Mal meine Liebe gestanden und fand 3481 Mal Erhörung. Angenommen nun, ich hätte diese 3481 Damen wirklich gehetrathct wie groß müßte mein Vermögen fein, um die Balltoiletten meiner Frau bezahlen zu können ?

KMstkinr.

Dienstag, den 31. d. MtS, Nachmittags 2 Uhr, läßt die Gemeinde Groß-Linden den ihr gehörenden Kalksteinbruch: Flur VI. Nr.1.---1381 Qm Steinbruch auf dem Osternfeld, Gemarkung Groß- Linden, erb- und eigenthünuich auf hiesigem Rathhause versteigern.

Groß-Linden, am 13. März 1885. Großh. OrtSgericht Groß-Linden.

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