Nr. is Donnerstag den 22 Januar 188»
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den .Ureis Gießen.
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Aeußerungen des Ministers über die Sulusrage; derselbe meinte, die Unterznch- nunfl der auf die Sulusrage bezüglichen Conoenlion verzögere sich, da zwische« England und Deutschland Meinnngs-Verschiedenheite» wegen der Handels-Änye- legercheiten auf Borneo bestünden. EL scheint, daß die deutjchrn und die englischen Jntcriffen adiangen, sich überall zu kreuzen.
Die französischen Gegenvorschläge zu den von England gemachten Vorschlägen behufs Lösung der egypttschen Finanzfrage sind nunmehr in London überreicht worden. Der Inhalt derselben läßt sich in folgend?« Punkten zusammenfassen: 1) Eine von allen Mächten garantirte Anleihe im Betrage von 9 Mill. Psd. Steil, zu 3'/r P^t. verzinslich, soll zur Deckung der schwebenden Schuld, zur Herstellung des Budget-Gleichgewichtes und zur Entschädigung der Opfer des Bombardements von Alexandrien dienen. 2) Die Coupons der unificirten Schuld sollen provisorisch mit einer Steuer von 5 yCt< belegt werden. 3) Die Deleguten Deutschlands und Rußlands sollen Sitz und Stimme in der Stagisschulden-Commission erhalten. 4) Die Daira- und DvmäneN'Verwaltung bleiben getrennt. Das Einkommen aus beiden soll nicht zusammengeworfen und an die Bank von England abgeführt werden. Im Uebriaen schließen sich die Gegenvorschläge den englischen Propositionen an und leisten ÄLbesondere der projectirten Einführung von Personalsteuern für Au», länder keinen Widerstand.
Der in der südamerikanischen Föderativ.Republik Columbien ausgebrochene Bürgerkrieg nimmt für die Central-Regierung eine immer bedrohlichere Gestalt an. Der Aufstand erstreckt sich bereits auf ö Staaten und halten die Insurgenten Baramquilla besitzt, doch ist es den Regierungs- Truppen gelungen, die Stadt Cartbagena von den Insurgenten zurückzuerobern.
Politische Ueberficht.
Giefien, 21. Januar.
Aus den Mittheilungen klerikaler Blätter aus Limburg über hi» Uacanz des dortigen bischöflichen Stuhles scheint, wie die „Rat.-^tg. meint, bervorzugchen, daß man behuss Vermeidung der durch dcn gesetzlichen Eio der Vislbuwsverwefer sich ergebenden Schwierigkeiten von der Wahl eines solchen absihen und alsbald die Einigung über die Person eines neuen Bischofs ver- suchen will. Ob Mcfdbe durch directe Verhandlung zwischen der Regierung und der Curie ober vermittelst der üblichen Vorschlagsliste des Dom-Captte!« erfolgen soll, darüber gehen die Angaben auseinander. Reben dem Domherrn Dr Keysir in Breslau werden als Candidaten jetzt auch die Herren Prälat Weylano in Wiesbaden und Sladtpfarrer Münzenberger in Frankfurt a. M. bezeichnet.
Allerorten rüstet man sich zur Rcalisirung des Gedankens, dem Fürsten Bismarck zu dessen 70. Geburtstage ein nationale« Ehrengeschenk darziibrii gen. Sehr wünschentzwerth erscheint e« aber, daß hierbei möglichst einheitlich vorgcgangen wird, da nur hierdurch die angeregte Idee in einer der Ration würdigen Weise zur Ausführung gebracht werden kann und ist auch zu diesem Zwecke Die Bildung eine« CenttabCornitö« in Berlin erfolgt.
Am Sonntag Nachmittag ist in der königlichen Familiengruft der Ludwigsburger Schloßkirche die feierliche Beisetzung der Leiche des Prinzen August von Württemberg erfolgt.
Hassan Fehmi Pascha, der türkische Justizminister, der bekanntlich in London ein Abkommen der Pforte mit England bezüglich der egyptischen Frage erzielen soll, hat in Paris eine lange Unterredung mit dem Conseil- Präsidenten Feny gehabt, der man große Wichtigkeit beimißt. Eö soll Nch hierher um nicht« Geringere«, als um die Frage der Absetzung des Khedive Tewsik Pascha gehandelt haben; eß heißt, die Pforte befürworte die Candidatur Halim Pascha'« um den egyptischen Thron. Bon der Entthronung des gegen- madigen Dicelönigs von Egypten ist schon öfter« die Rede gewesen und die Beweise, die derselbe bislang von seiner Regierungskunst gegeben hat, würden eine solche Maßregel auch erklärlich erscheinen lasten. Für die Engländer, die Herren im Pharaonenlar.de, ist aber der energielose, unselbstständige Tewsik Pascha gerat); der geeignete Mann, den sie nicht ohne zwingende Umstände fallen lasten werden und es ist daher nicht sehr wahrscheinlich, daß der Ver- trauensmann des Sultan« — fall« sich seine Mission wirklich mit aus die Frage der Absetzung Tewsik Pascha « erstreckt — damit beim Londoner Cabinet Glück haben wird. Ob c« Hassan Fehmi Pascha dasür eher gelingen wird, die englische Regierung bezüglich der von der Türkei angeblich ausgestellten Forderung, türkische Truppen als Besatzung in Alexandrien zuzulassin, derselben günstig zu stimmen, ist ebenfalls noch sehr zweifelhaft.
Die italienifd)e Depntirtenkammer hat am Samstag in wiederholter namentlicher Abstimmung hie Eisenbahn-Conventionen mit 162 gegen 73 Stimmen definitiv angenommen, was einen entscheidenden Erfolg des Cabi- nct Depretis in besten innerer Politik bedeutet. Der Versuch der von CriSpi, Ricotera u. s. w. geführten Opposition, der Regierung in dieser wichtigen Fruge Verlegenheiten zu bereiten, ist somit vollständig gescheitert und die Opposition wird sich daher ein andere« Feld für ihre Angriffe suchen müsten. Verschiedene Anzeichen beuten daraus hin, daß sie nunmehr Die Colonialpolitik des Cabinets DepretiS zu ihrem AngriffSobjcct machen will, aber auch hier dürsten die parlamentarischen Gegner Depretis' schwerlich viel Glück haben, zumal Die lebhafte Theilnahme, welche die italienische Bevölkerung der Affab-Expedition widmet, beweist, daß Herr Depretts gerade mit seiner Colonialpolitik das Land hinter sich hat.
In der spanischen Deputirtenkammer ist vorige Woche die auswärtige Politik de« Cabinet« Canova« del Castillo sehr eingehend erörtert wurden. Hierbei gelangten namentlich die Frage der Erhebung der deutschen Gesandtschaft in Madrid und der spanischen Gesandtschaft in Berlin zu Bot- schäften und die Sulusrage zur DiScussion. Bezüglich ersterer Angelegenheit wies her Minister des Auswärtigen auf die Schwierigkeiten hin, welche sich durch die Haltung de« deutschen Reichstages Der Erhebung entgegenstellten — ein Beweis, mit welchem Interesse man auch in Madrid die Vorgänge im deutschen Reichstage verfolgt; fraglich bleibt es indessen, ob eine Etats-Forderung für die Umwandlung der deittfchen Gesandtschaft in Madrid in eine Botschaft vom Reichstage abgelehnt worden wäre. Recht bemerkenswerth erscheinen die
Einla-ung zur Mahl des Vorstandes dcr israrl. ReUgionsgemeiude gi Gicsten.
,mrü hiermit tur Kenntniß der Interessenten gebracht, daß, da die Dienstzeu des Vorstandsmitglied, Herrn Isaak Hanau abgelausen ifl »em* »<« Vorschriften der Wahlordnung vom 4. August 1871 die Wahl eine« Vorstandsmitglieds der israelitischen Rcligionsgemeinde;u Gießen
Mittwoch deu 28. Januar l. I.
IN dem Saale des allen NathhauseS dahier stattfinden soll. , , . . .. „
Sämmtliche nach S 2 der genannten Wahloronung Stimmberechtigte werden »ur Wahl nut dem Bemerken eingeloden, daß die Abstimmung 8.x* »üttan« von 9-12 und'Nachmittag« von 3 bi« 5 Uhr stattfinden wird und da» austretende Vorstandsmitglied wieder wahlbar ist.
Gießen, den 16. Januar 1885. a, Der WahlcominHär:
RÖmheld, Regleruqgsaccesstst. ___________________________________________________
Darmstadt, 18. Jar.uar. Auf Gründ der Allerhöchsten Verordnungen vom 6. Dccemaer 1884, dte Voroerettung für den Staatsdienst 'm Justiz- und Verwaltung«- fache und bezw. die Vorbereitung zum Staatsdienste In drm Ftnanzfach und dcn technischen Fächern betr., wurden die nachdt-eichneten Acc-ssisten zu Assessonn, bcza>. Ban- meistern ernannt:; ,r ,,
1) Zu RegterungS-Assessoren:
Die RegteruuaSaccrssisten Christian Eckha-d, Ernst Braun, Eduard Wollau, Heinrich Jrle, Ludwig Nebel, August Hatkemar, Pkter WUrich. Giorg Hörle, W lh lm Best, Avam Franz Wick. rp
2) Zu Gerichts-Assessoren:
Die GrrtchtSaccessisten Adolph M'tz Ludwig Bötticher, Ludwig Schudt, Dr. Karl Meise!, Theodor Kolb, Dr. Max Mryrr, Theodor Seeger, Karl Günther, Richard Stephan, Dr Eduard Löwe, Ludwig Gottwerth, Karl TaschS, W lhclm Bücking, Johanne« Wagner, Georg G ünewald, Ka,l Psannmüller, W'thelm Sander, Dr. Gg. Best, Gustav Wallenstein, Georg Dteffenbach, Otto Schwarz, Geo g Olt. Joseph Philipp Blllhardt, Georg Kolb, Heinrich Nec«, Rudolpb Prälortu«, Wilhelm Salzer, Em-l Schlapp. Karl Kolb, Franz ??ufe, Dr. Johann Nuß. Dr. Franz Vogel Karl Theobald, Gottlieb Clement, Rudolpb Keiber, R chard N Spel, Kail Welsch, Frch Kreitz, Vhil pp H'll. August Schmcckenbrcher, Heinrich Anschütz, Karl Warthoist, August Blum, Dr. Friedrich Buff, Heinrich Giller, Mox ü. Bi g'leden, Karl Schwe'Sgut, Eduard König, Dr. Ludw g Bruch, Fr'tz Brill, Ludw g F scher, Hermann Schlich, Julius Göring, Heinrich P-ter Wctnel Daniel Lorbacher. August Ruch, Dr. Georg Schmidt, Friedrich Bicrau. Hermann Jäger, Johann G-org Jrhle, Dno KUederger.
3) Zu Steuer - Assessoren:
Die Finanzaccrssisten Heinrich Nicklas, Friedrich Schmitt.
4) Zu Forst,Assessoren:
Die Forstacc-ssiflen Eduard Hallwachs, Friedrich Bücking, Eduard Douiweto, Ernst Emil Hoffmann. Heinrich Grün-wald, Philipp Wolther, Augustl Diefenbach, Christian Müller, August Lang, Franz Hofmann, Moritz EsU, Friedrich 3o.^>v, Her mann Kutsch, Johann Bop ist Schwarzmann, Karl Schneider, Ludwig Sp-ngler, Wilhelm Schaller«.
5) !Zu Baumeistern:
Die Bauaccessisten Dr. Esmuud Hcffe, Wilhelm o. Ri.ffe., «rorg -^neiber, Moritz Reinhardt, Hermann Doudt, Gustav Neuling, Paul Lucius 'Friedrich Z mmer, Reinhard Klingelhöffer, G-org Schneller, Hetortch S'mon, Rudolph ^tevhan Otto Schmandt, Franz Frenay, Burckhardt Äaibtl, Friedrich J2ger, Rudolph Schm.dt. sowie der Maschineningenieur Friedrich Heß- . e .
Berlin, 19. Januar. Das heute erichwne Weißbuch trägt den Titel. Deutsche Land-Reclamationen aus Ftdji und umfaßt 33 Aktenstücke vom 31. Octo» der 1874 bi» 16. September 1884. Daffelbe stellt eine zehnjährige außerft mühevolle Action der deutschen Diplomatie dar und ist um w^emerkenSwerlher, al« die englischer seit« angefochtenen Besitzansprüche deutscher Staatsangehöriger aus Fidji mit in erster Linie der Reich-regierung tu ihrer gejammten gegen, «artigen actinen Colonialpolitik Veranlaffunz gab. Der Ausgangspunkt ist die Besitzergreifung der Jidji-Jnseln durch England im Oetober 18i4 Im Ve olg deffelben wird bemerkt, daß Schuldsorderungen, die vor 18.1 eon rah.rt waren nicht einklagbar erklärt «erden, dte,er Termin wird spater aus 10. October


