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resultiren, die den europäischen Frieden ernstlich bedrohen." Diese Auffassung des leider ungenannten italienischen Staatsmannes muß man ganz -gewiß als zutreffend für die gegenwärtige Lage auf der Balkan-Halbinsel bezeichnen. Und nimal, wenn man die klägliche Rolle in Betracht zieht, welche die europäische Diplomatie bei ihren BeschwichtigungS-Bersuchen in Athen und Belgrad spielt! Charakteristisch hierfür ist eine Depesche aus Athen, welche besagt:Der fran­zösische Gesandte, Graf Mouy, hatte neuerdings eine Besprechung mit dem Ministerpräsidenten DelyanniS, wobei er ihm (dem Ministerpräsidenten natür­lich) eine vorsichtige Haltung anempfahl, um die Lage Griechenlands nicht zu compromittiren. Die Rüstungen dauern fort." Also die Rüstungen dauern fort wenigstens im Lande der Hellenen trotz dieser sehr eindringlichen Vermahnung dies bedarf wohl keines Commentars! Dafür meldet freilich eine Depesche aus Belgrad, daßdas Verhalten der (serbischen) Regierung, wie- man aus einzelnen Maßnahmen schließen könne, von dem Bestreben getragen fei, keine Verwickelungen zu schaffen, welche die Ausgabe der Mächte erschweren tonnten." Sollte man wenigstens in Serbien endlich zur Vernunft gelangen?

Hriechenlauv.

Athen, 18. October. Gestern fand ein Ministerrath statt, in Folge dessen der Ministerpräsident Delyanms längere Zeit mit dem Secretär des Königs conjerirte.

Türkei.

Konstantinopel, 19. October. Die türkische Antwort auf die Dekla­ration dankt für die Dispositionen der Mächte der Pforte gegenüber und ersucht Dieselben, den Fürsten von Bulgarien zur Rückkehr nach Bulgarien auszusorderr. Die Pforte hoffc im Hinblick auf die Achtung der Mächte für die Verträge, die Mächte werden dem Wunsche willfahren.

Konstantinopel, 19. October. (Reuter-Meldung.) Die Pforte erkennt in ihrer Antwort auf die Deklaration der Mächte die freundschaftliche Haltung derselben ihr gegenüber an und ersucht die Mächte, in Anbetracht Griechenlands und Serbiens, um ihre Mitwirkung zur Lösung der, schwebenden Frage.

Ostindien.

Siwla, 18. Octvber. In Folge oer Differenzen mit dem Könige von Birma sandte die indische Regierung demselben ein Ultimatum und traf Vor­kehrungen, um die Truppen in Brilisch-Birma zu verstärken.

Telegraphische Depeschen.

Wolff S telegr. Korrespondenz - Brrrearr.

Berlin, 19. October. Die landesherrliche Anerkennung für Krementz als Erz­bischof von Köln ist mittelst Allerhöchster Urkunde vom 16. d. M. erfolgt.

Berlin, 19. October. Generalsynode. Der Antrag Bornstedt-Wedell-Piesdorf, wonach bei zweifelhaften Abstimmungen der sogenannte Hammelsprung einzuführen ist, wird angenommen. Meyeren berichtete Namens der Vcrfassungscommission über den Gesetzentwurf betr. Diensteinkommen der Geistlichen, welcher dasselbe für die Landes­kirche der älteren Provinzen bestimmt. Alle Paragraphen außer dem sechsten wurden unverändert nach dem Commissionsantrag angenommen. Der Paragraph 6, betr. den für gewisse Altersstufen zulässigen Maximalgehalt, erhielt veränderte Fassung; außerdem wurde eine Resolution, welche die Heranziehung der Pfarrer mit Pfründen von über 6000 v*L Einkommen zum kirchlichen Hülfsfonds vorschlägt, angenommen; die von Maltzalm oorgeschlagenc Resolution über Publikation dieses Gesetzes wurde abgelehnt, lieber das Gesetz im Ganzen soll bei der zweiten Lesung abgestimmt werden. Die Denkschrift des Oberkirchenraths über Remunerirung der Superintendenten wurde nochmals an die Finanzcommission verwiesen. Die Anträge mehrerer Provinzial­synoden, welche ein selteneres Zusammentreten der Kreissynoden bezwecken, wurde durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt.

Zufolge Magistratsbeschlusses wird die Begrüßungsrede an die Mitglieder des Schriftstellerverbandes am 26. d. Mts. im Rathhause von dem Oberbürgermeister v. Forckenbeck gehalten.

Wien, 19. Oetober. Gegenüber der Meldung, die Pforte beabsichtige nunmehr, activ gegen Bulgarien oorzugehen, erfährt diePol. Corr." von competenter Seite, die Pforte sei entschlossen, ihre bisher beobachtete reservirte Haltung weiter zu bewahren. Die Nachricht, das; die Dardanellenfrage angeregt sei, ist vollständig unbegründet.

Wien, 19. October. Abgeordnetenhaus. Minister-Präsident Graf Taaffe be­antwortete die Interpellationen in Betreff der in Böhmen stattgehabten Exzesse dahin: die Negierung mißbillige auf's Schärfste die jüngst vorgekommenen Ausschreitungen, an welchen Angehörige beider Nationalitäten betheiligt seien. Die Behörden, die Ge­richte und die Gensdarmerie hätten überall ihre volle Schuldigkeit gethan. Die Re­gierung könne daher die Behauptung, daß den Deutschen in Böhmen kein ausreichender Schutz gewährt würde, mit aller Entschiedenheit zurückweisen. Die Vorfälle in Trautenau und Reichenberg seien von untergeordneter Bedeutung gewesen, die schuldigen Indi­viduen bereits verurtheilt worden. Die neuesten Vorfälle in Dux und Reichenberg seien bisher weder rücksichtlich der Thäter noch der Motive aufgeklärt. In Betreff der Vorfälle in Königinhof sei gegen 75 Personen, darunter der Bürgermeister und zwei Stadtvertreter, Anklage erhoben, die Stadtoertretung sei aufgelöst worden. In den meisten Fällen habe es sich um vereinzelte Ausbrüche nationaler Aufregung gehandelt, welche mit gesetzlichen Mitteln unterdrückt werden konnten. Die Negierung müsse ins­besondere die Behauptung, daß ein Eindringen des Nationalitätenhaders in die Armee zu Tage getreten sei, als vollständig unbegründet bezeichnen. Die Behörden in Böhmen seien zu verdoppelter Wachsamkeit angewiesen worden. Im Falle, daß neuerliche Aus­schreitungen Vorkommen sollten, werde die Negierung, von welcher Seite dieselben auch ausgehen möchten, rücksichtslos mit der ganzen Strenge des Gesetzes vorgehen. Die Regierung hoffe aber, daß die Erkenntniß von der Ersprießlichkeit eines friedlichen Zusammenlebens beider Polksstämme immer weiter Platz greifen werde.

Im Laufe der Adrcßdebatte ergriff der Ministerpräsident Graf Taaffe das Wort, um den Statthalter von Böhmen energisch zu verteidigen und den Vorwurf zurückzuweisen, daß er nur die Czcchen gegen die Deutschen schütze. Sodann erklärte Graf Taaffe, er halte es für sein.e Pflicht, für die angegriffene Armee einzutreten. Es sei uilpatriolisch, mit Gewalt nationale Zwistigkeiten in die Armee hineinzutragen. Von Seiten der Linken wurde mehrfach stürmisch dagegen protestirt, daß sie die Armee angegriffen habe. Die wiederholten Zwischenrufe riefen eine lebhafte Aufregung her­vor, die sich nur allmählich legte.

Paris, 19. Oetober. Gewählt sind bis jetzt 12 Republikaner und 7 Conser- oative. Goblet (Cultus- und Unterrichtsminister), Keller (ein Hauptführer der Klerikalen) sind gewählt., Der Herzog von Broglie ist unterlegen.

Bisher sind die Resultate von 115 Stichwahlen bekannt. Gewählt sind 107 Republikaner, darunter 51 Radieale und 8 Conservative. Gewählt sind Brisson, Floquet, Andrieux und Larochefoueauld. Die Departements Aisne, Euse, Oran, Pyrennes-Orientalcs, Haute-Marne, Meuse, Pancluse, Haute-Vienne, Indre-et-Loire, Cher, Deux-Sevres, Haute-Saone, Eure-et-Loire, Bouches-du-Rhone, Var, Lot-et- Garonne. Ärdennes, Aube, Jserc, Jll-et-Vilaine, Jura, 2)onne, Hautes-Alpes, Ariäge, Saone-et-Loire, Ande und Creuse wählten republikanisch. In den Departements Oise, Sorte und Belfort siegten die Conservativen; das Departement Somme wählte zwei Republikaner und 2 Conservative.

Paris, 19. October, Mittags. Jetzt sind 214 Wahlresultate bekannt. Gewählt sind 199 Republikaner oder Radicale und 15 Conservative. Unter den Gewählten be­finden sich Rouvier, Cochery, Raynal, Clemenceau, Sadi - Carnot und Spuller. Die Resultate der Departements Seine, Corsica, Seine - et - Oise, Orne und Lot fehlen noch.

DerTemps" sagt, die gestrigen Wahlen seien das Gegenstück zu denen vom 4. dss. Mts. An diesem Tage erhielten die Republikaner, welche zu schnell zu weit gehen wollten, eine Lection. Die zweiten Wahlen ertheilten den Monarchisten eine Lection und bestätigten die republikanischen Gesinnungen des Landes.

Kopenhagen, 19. October. sReuter - Meldung.^ Die Abreise Sir H. D. Wolffs nach Kairo ist verschoben, weil die mit der Pforte abgeschlossene Convention noch nicht unterzeichnet ist. Die aus 6 Artikeln bestehende Convention besagt im Wesentlichen, ein türkischer Coinmissar werde gemeinsam mit Wolff und dem Khedive über die Pacisicirung des Sudan, die Reorganisation der Armee, der Civil- und Finanzverwaltung berathen; die englische Occupation Egyptens solle nur so lange dauern, bis alle aus den Berathungen hervorgehenden Arrangements getroffen sind und deren Ausführung in gutem Zuge ist. Die Rechtsverbindlichkeit aller internationalen Verträge und aller Firmans wird in der Convention ausdrücklich anerkannt.

Rom, 19. October. In der Provinz Palermo erkrankten, resp. starben an der Cholera 65, resp. 37 Personen, wovon 53, resp. 28 in der Stadt Palermo; in Parma 5 Erkrankungen.

Petersburg, 19. October. DerNowosti" zufolge ist im Finanzministerium eine Special-Commission aus Repräsentanten verschiedener Ministerien eingesetzt be­hufs Berathung über die Heranziehung der Eisenbahn - Unternehmungen zur Zahlung von Handelssteuern, sowie über einen Modus der Besteuerung der Einkünfte aus Eisenbahn-Actien.

Nisch, 16. October. Die Nachricht von einem angeblichen Proteste Serbiens gegen die Declaration der Botschafter ist gänzlich unbegründet. Vielmehr hätte nach derP. C." die serbische Regierung die vom Fürsten von Bulgarien angekündigte Mission Grekow's abgelehnt, weil sie erachtete, daß eine derartige Communication bei der dermaligen Situation nur den Zweck einer gemeinsamen Action gegen die Türkei haben könne, wozu Serbien, welches auf dem Boden des Vertrags stehe, seine Zu­stimmung nicht geben würde.

Nisch, 19. October. Die Negierung wies alle Zeitungsberichterstatter von hier aus.

Sofia, 19. October. Fürst Alexander reiste heute nach Küstendje ab, kehrte jedoch in Folge eingegangener Nachrichten alsbald hierher zurück. Heute Nachmittag findet Minifterrath statt. Nach der serbischen Grenze sind Truppensendungen ab­gegangen.

Die Negierung machte den Vertretern der Mächte abermals eine Mittheilung, worin sie die Versicherung wiederholt, daß Bulgarien dem in der Declaration der Bot­schafter ausgesprochenen Wunsche der Mächte Folge leistet.

Simla, 19. October. Die indische Regierung beschloß definitiv, ein Expeditions­corps nach Birma zu senden, falls der König sich weigert, den Forderungen der Ne­gierung nachzukommen.

Athen, 19. October. Ein russisches Geschwader ist im Piräus eingetroffen.

Tanger, 19. October. Der neue deutsche Ministerresident Testa ist mit seinem Amtsvorgänger Weber hier eingetroffen.

Lokales.

Gießen, 20. October. Tagesordnung für die Stadtverordneten-Sitzung am Donnerstag den 22. Oktober 1885, Nachmittags 4 Uhr.

1. Ausbau der Westanlage.

2. Die Erbauung eines Steighauses.

3. Gesuch des Architecten Ludwig Huhn um Erlaubniß zur Herstellung eines Ueberganges über den Schoorgraben.

4. Planirarbeiten auf dem Kirchhofe.

5. Den Gießener Eisverein betr.

6. Festsetzung des Preises für Abgabe von. Sand aus der Sandgrube im Stadtwald.

7. Vergebung von Waldwegbauarbeiten.

Gießen, 20. October. Rach der gestrigen genußreichen Vorstellung hat die Direction, den dringenden Wünschen des Publikums Rechnung tragend, ein erneutes Gastspiel mit Frau Charlotte Lange abgeschlossen und wird dieselbe somit noch einmal und zwar Freitag den 23. d. M. als Maria Stuart auftreten.

sConcert-Vereins Das erste Concert wird Sonntag den 1. November stattfinden. In demselben wird das in letzterer Zeit so^vielgenannte und hochgepriesene Trio Schrattenholz, gebildet von Herrn Joseph Schrattenholz in Bonn mit seinen beiden jugendlichen Söhnen, in Verbindung mit der Sängerin Frl. Hedwig von Rechenberg in Erfurt, auftreten. Daß diesmal gegen seine Gewohnheit der Verein nicht mit einem Symphonie-Concerte beginnt, hat seinen Grund nur darin, daß das genannte Trio nur jetzt noch zu gewinnen ist, da dasselbe im Anfänge des November eine Kunstreise nach Englano unternimmt.

Theater.

*** Gießen, 19. October 1885.

Erwartungsvoll saß die Menge am Montag Abend und harrte der Dinge, die da kommen sollten. Es galt einen lieben Gast wieder zu begrüßen, der uns im ver­gangenen Winter so manchen schönen Genuß verschafft hatte.

Daß unsere neue Direction durch diesen Wurf wenigstens in die Fußstapfen der vorigen getreten ist, wird ihr manche Dankbarkeit eintragen und diese Dankbarkeit würde sich gewiß steigern, wenn noch für möglichst kurze Zwischenacte und möglichst präcisen Anfang gesorgt werden könnte; denn nachdem uns die Musik mit derbe­kannten wunderbaren" Gavotte, die wir nun bald genug gehört haben, erfreut hatte, war es bereits lange nach 8 Uhr und endlich öffnete sich der Vorhang.

Herr Halm und Herr Flachs land begannen ihren Dialog; wenn auch mit einiger Unsicherheit, einem gewissen Mißbehagen, so konnte man doch bald gute Besserung constatiren. Der Perin wurde immer flotter und lebhafter und bewegte sich bald im richtigen Fahrwasser; ebenso gelang es dem Don Cesar, bald aufzuthauen und das Interesse zu gewinnen.

Moreto-West's LustspielDonna Diana" ist uns schon recht oft im Leben begegnet und immer haben wir gefunden, daß es nie so ganz vollendet zur Wiedergabe gelangt; selbst größere Bühnen kämpfen mit gewissen Schwierigkeiten, da das Stück äußerst fein, pikant und mit Verve gespielt werden muß.

Wir wollen damit keineswegs sagen, daß die Mitwirkenden sich nicht die beste Mühe gegeben hätten, im Gegenteil, es bot jeder seine ganzen Kräfte auf und trug somit zum Gelingen des Ganzen bei.

Frau Charlotte Lange aus Frankfurt a. M. wußte natürlich in erster Linie das Feld zu behaupten und vergegenwärtigte die ganze Scala von Haß, Leidenschaft und Liebe. Nur zuweilen ließ sie den Dämon allzusehr durchblicken, wenigstens war dies nicht dem Lustspielton gemäß; aufrichttg gesagt, sie ist uns lieber als Deborah, Iphigenie, Medea re. Das Fach der Heroinen ist für sie geschaffen; als Donna Diana war sie uns oft zu heldenhaft. Recht gut gelang ihr jedoch der Umschwung, wo das liebende Herz sprach und sie den Stolz überwand.

Nun wären wir eigentlich fertig; denn Vieles entzog sich unseren Blicken, da es uns manche Anstrengung kostet, über den Wald von hohen Damenhüten hinwegzusehen und müssen deshalb gestehen, daß es schön märe, wenn die Damen es den Herren gleich thäten und die Hüte ablegten. Wir wollen Niemand zu nahe treten, aber Hand aufs Herz; wir glauben, daß es den Trägerinnen der hohen Kopfbedeckungen selbst lästig ist, wenn sie gerade so ein thurmhohes Gebäude vor sich haben. a

Handel und Verkehr.

Gießen, 20. October. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund JL 0.95-1.00, Hühnereier 2 Stck. 13-15 H, Enteneier (St 0-0 H, Käse pr. St. 58 Kasematte 2-3 H, Erbsen pr. Liter 20 Linsen 30 H, Tauben per Paar 0,45 bis 0,60 H, Hühner per Stück JL 0.901.00, Hahnen pr. Stück JL 0.450.70, Enten per Stück JL 1.401.70, Ochsenfleisch per Pfund 6264 H, Kuh- und Rindfleisch 5456 H, Schweinefleisch 5060 H, Hammelfleisch 56-64 H, Kalbfleisch 4850 L, Kartoffeln per 100 Kilo JC. 3.004.00, Milch per Liter 1216 H, Zwiebeln per Gentner 4.00-0,00. Weißkraut pr. St 3-6 A-