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ihrem Besuch überraschten, haben hier gcweilr und voll freudiger Bewunderung den Erzählungen und Erläuterungen des Feldmarschalls gelauscht. Neben dem Eapellen- berge steht das vom Grafen auf seine eigenen Kosten errichtete Kriegerdenkmal, das in Pvramidenform auf einem Sandsteinsockel ruht. Auf diesen Ntorgenspaziergängen geht Graf Moltke aber niemals ohne Gartenscheere und Säge; bald ist es ein kleiner j^roeig, der sich zu weit vorgeivagt hat und unter der Schecre fällt, bald ein trockener Ast, welcher das Auge beleidigt hat. Die Bäume sind, wie der Besitzer seinen Gästen erzählt, aus aller Herren Ländern hierher verpflanzt, unter ihnen Blutbuchen und Blutbirken in den seltensten Exemplaren, die verschiedenartigsten Lärchenbäume, mehrerlei Fichten n. a. m. Tie Wege durch den Park sind mit den Büsten des Kaisers und des Kronprinzen geziert. Nach dem zweiten Frühstück beaufsichtigt Moltke die arbeiten­den Leute, denn wenn auch sein Weffe Verwalter der Herrschaft ist, so gibt der Be­sitzer bei seiner jedesmaligen Anwesenheit stets selbst die Befehle zur Ausführung der ländlichen Arbeiten. Nach dem Mahle wird um 6 Uhr angespannt und eine längere Fahrt durch das Feld gemacht; den Abend widmet Moltke ausschließlich seinen Ange­hörigen, von denen auch der Hauptmann v. Moltke vom großen Generalstabe mit seiner Gemahlin, einer geborenen Schwedin, gegenwärtig in Ereisau zum Besuche weilt. Für die Erziehung der ländlichen Jugend ist der Graf ganz besonders be­dacht und hat außer der Torfschule noch eine Spielschule für Kinder von zwei bis sechs Jahren errichtet, welche eine Dame aus dem Diakonissenhause in Schweid­nitz leitet.

Frankfurt a. M., 18. August. Eine interessante Verlobung hat dieser Woche in der kleinen Fischergasse stattgefunden. Eine daselbst wohnhafte 65 Jahre alte vcr- wittwetc kinderlose Hausbesitzerin verlobte sich mit einem verwittweten 71jährigen Porte- feuillcr aus Offenbach, Vater von 9 Kindern, welche sämmtlich oerheirathet sind, und Großvater von 48 Enkeln.

Berlin, 18. August. Gestern Abend flog ein zwischen Neinickcndorf und Tegel gelegenes, einem hiesiacn Feuerwerker gehöriges Laboratorium in die Luft. Ein Arbeiter ist getödlel, Drei wuroen schwer verletzt.

Der Nheinfall bei Schaffhausen wird jetzt, derEonst. Ztg." zufolge, tag­täglich eleetrisch beleuchtet. JnZ>er Regel kurz vor 10 Uhr, ohne Rücksichtnahme auf die Witterung, steigt im Hotel Schweizerhof als Signal für den Dirigenten der elec- trischen Leitung eine Rakete auf. Die Erwiderung dieses Signalschusses erfolgt sofort vom Schlosse Lausfen in Gestalt eines feurigen Geschosses, Tann nochmals ein Feuer­strahl vom Hotel Schweizerhof und die electrischen Drähte beginnen ihre Thätigkeit, indem sie zunächst eine Anzahl von Raketen entzünden, die, versteckt auf den Felsen mitten im Rheinfall, auf beiden Seiten desselben und beim Schlosse Laufen ihrer Ent­ladung harren. Unmittelbar nach diesem Bombardement beginnt die Beleuchtung des Rheinfalles. Der electrische Strom entzündet auf einen Schlag etwa 12 schlummernde Farbenseuer und das Auge des staunenden Zuschauers wird durch deren stets wechselnde Farbenpracht etwa 2 Minuten lang in Bewunderung und in Entzücken verseht, ^aum daß diese Feuer fast gemeinsam erlöschen, so steht auch schon urplötzlich das Schloß Lausfen auf der Spitze des Bergkegels taghell erleuchtet und es wechselt das Farben- sviel ähnlich wie bei der Beleuchtung des tobenden Wasserfalles, bis zuletzt das Schloß in einem durchdringenden feurigen Roth erglänzt. Damit schließt das Schau­spiel, das immerhin zehn Minuten hindurch allgemeines Staunen und Bewunderung erweckt.

Villach, 16. August. Um 8 Uhr früh ereignete sich zwischen Villach und Förderlach ein großes Eisenbahnunglück. Zwei Lastzüge mit doppelten Loeomotiven stießen hinter der Draubrücke aufeinander. Vierzig Waggons wurden gänzlich zer­trümmert und über die Böschung herabgeschleudert. Das Zugpersonal konnte sich rechtzeitig durch Abspringen retten und kam mit leichten Verletzungen davon.

sEin Petroleumstrom.] Eines der außerordentlichsten Ereignisse, die je in den Jahrbüchern des Oellaudes (Pennsylvanien) verzeichnet wurden, ereignete sich jungst in Titusville. Ter Armstrongbrunnen war durch eine sehr t/ockene Lage von Schieferstein getrieben worden, als seine Eigenthümcr die Idee hatten, eine Sprengung in diesem Schacht zu versuchen und 50 Quart Nitroglycerin darin verbrannten. Augen­blicklich antwortete der Schacht auf die Explosion mit einer riesigen Oelsäule, die sich

über die Böschung des Brunnens ergoß und einen ganzen Oclstrom bildete, der eine zcitlang nutzlos in den Sand floß. Bald aber dirigirte ihn ein Bataillon von Arbeitern in Behälter, in die er sich mit einem Erträglich von 9000 Barrells per Tag ergießt, eine Quantität, welche das günstigste bisher erzielte Erträgniß um 2300 Barrels überschreitet.

Aus Schlesien, Mitte August. sGeständniß eines Mörders.j Vor ungefähr 30 Jahren wurde in der Nähe von Primkenau cm Handelsmann aus der Gegend von Löwenberg erschlagen und beraubt gefunden. Trotz der umfassendsten Recherchen vermochte man dem Thäter nicht auf die Spur zu kommen. Jetzt hat das Gewissen den Mörder getrieben, seine Untbat zu gestehen. Kurz vor dem Tode hat nämlich der Armenhäusler Herrmann in Wolfersdorf bei Primkenau seinem Bruder das Gcständ- uiß gemacht, daß er jenen Mann mit der Art erschlagen und beraubt habe. Zn den letzten Jahren scheint er die Gewissensbisse dadurch bekämpft zu haben, daß er sich dem Trunk ergab. Seine schon früher verstorbene Frau, die Mitwisserin der unseligen That, hat die Last des bösen Gewissens auch nicht ertragen können. Sie verfiel dem Wahnsinn, in welchem Zustande sie allerdings aus den Mord bezügliche Aussagen gemacht haben soll; mit Rücksicht auf ihre Krankheit fanden dieselben indessen keine Beachtung.

Systematisch ist ein bayerischer Gauner zu Werk gegangen. Einem Bauern in Wankirchen stahl er ein Kummet, einem Bauern in Kauerloh ein Pferd; auf diesem ritt er nach Otterfing und stahl einen Fuhrwagen, fuhr mit dem nach Sauerbach, lud eine Klafter Holz aus, fuhr diese zum Verkauf nach München und wurde dort dingfest gemacht.

sEin ärztliches Honorar.j Ein interessanter Proceß ist kürzlich in Paris zwischen dem Homöpathen Dr. Anastasia Alvarez und der Herzogin von Medinaceli entschieden morden. Der Arzt hatte für eine Kur von der Herzogin ein Honorar von 600,000 Fr. verlangt und seinen Anspruch mit dem bekannten unermeßlichen Reichthum der Patientin begründet. Die Herzogin hatte die Forderung etwas phantastisch ge­funden und der Arzt war zur Klage geschritten. Der Gerichtshof erkannte dem Kläger ein Honorar von 84,000 Fr. zu und legte ihm auch die Proeeßkosteir auf. Dieser Ausfall wird für Dr. Alvarez um so ärgerlicher fein, als die Herzogin von Medi­naceli, um dem Aufsehen erregenden Processe zu entgehen, ihm ein bedeutend höheres Honorar freiwillig angeboten hatte, als ihm gerichtlich zugesprochen wurde.

Handel und Verkehr.

sZur BeacktungJ Mit dem 15. September d. I. verfallen die im Jahre 1871 zur Ausgabe gelangten Reichskassenscheine von 100 at

Limburg, 19. August. Rother Weizen at 1465, weißer Weizen at 00 00, Korn at 11.00, Gerste at 000, Hafer at 7.50, Kartoffeln ä 100 Pfund at 0.00, Erbsen ä 100 Pfund JL 00.00.

Frankfurt, 19. August. Auf dem heutigen Markt kostete der Gentner Heu at 2.503.00, Stroh at 1.702.10, Gier das Hundert at 4.205.00, Butter 1. Qualität at 1.10, 2. Qualität at 0.90, Kartoffeln per Malter at 5.006.00, Kohlrabi 3- 5 H pr. St-, Erbsen 0,50 Kg. 0.160.22 at-, Rothkraut pr. St. 2530 Huhn^L 1.502.00, 1 Ente at 2.003.50, 1 Taube 4060 H, Habn at 1.902.50, Gans at 510.00, Welsche at 5.00-10.00.

Für die Abgebrannten in Appenrod gingen ferner bei uns ein : K. 3 at, St. 3 at, Kellner in Eafö Ebel 1 at Summa 7 at Jnsgesammt 15 at

Weitere Gaben werden von der Exped. d. Bl. gerne entgegengenommen.

Temperatur der Lahn und der Luft

nach Reaumur gemessen am 20. August, zwischen 11 und 12 Uhr Mittags. Wasser 139, Luft im Schatten 12°.

L. Ehr. Rübsamen, Turn- und Schwimmlehrer.

Allgemeiner Anzeiger.

Bekanntmachung.

Der Plan über die von Großherzoglichem Kreisamt Gießen genehmigten Baufluchtlinien für die Mäusburg und Waagengaffe liegt 14 Tage auf dem Bureau des Stadtbaumeisters zur Einsicht offen.

Gießen, den 19. August 1885.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

5983 A. Heß, Beigeordneter.

WerheWe Eisenbahnen.

Mit dem 1. September er. aelangt der IV. Nachtrag zum Oberhessisch-Hessischen Gütertarif zur Einführung.

lieber dessen Inhalt erteilen die Ver­bandsexpeditionen nähere Auskunft.

Gießen, den 17. August 1885. 5969

_______Großherzogliche Direktion._______

OberWsche Eisenbahnen.

Zum deutschen Eisenbahn - Gütertarif, Thcil I, ist der Nachtrag VIII herausge­geben worden.

lieber dessen Inhalt ertheilen sämmt- liche Güterexpeditionen nähere Auskunft.

Gießen, den 18. August 1885. 5982

______Großherzogliche Direktion._______

Arbettsvergrbung.

Die zur Consolidation und Drai- nirung der Flur VI. der Gemarkung Staufenberg erforderlichen Ar­beiten und Lieferungen, und zwar:

veranfchl. zu

1. Grabenarbeit 204,50 a-L

2. Erdtranspott 154,45

3. Erbauung zweier

Durchlässe 249,25 at.

4. Herstellung vonDrain-

gräbenund Zuwerfen 638,22

5. Lieferung von Drain­röhren 786,77

6. Anfahren von Bahn­

hof Lollar 77,04

sollen

Dienstag den 28. August,

Vormittags 9 Uhr, auf dem Nathhaufe zu Staufen­berg im Wege schriftlicher Sub­mission vergeben werden.

Kostenvoranschläge, Pläne und Be­dingungen liegen auf der unterzeich- neten Bürgermeisterei zur Einsicht offen.

Staufenberg, am 18. August 1885.

Großh. Bürgermeisterei Staufenberg.

Vogel. 5975

In der Privalklagesache des Martin Scheel, Kaufmann von Gießen, vertreten durch Gr. Rechtsanwalt Steinberger dahier, Privatklägers, gegen

den Kaufmann Ludwig Plank in Gießen, vertreten durch Gr. Rechts­anwalt Hirschhorn in Gießen, An­geklagten, wegen Beleidigung,

hat das Gr. Schöffengericht zu Gießen am 24. Juli 1885 für Recht er­kannt :

Angeklagter wird in eine Geld­strafe von zwanzig Mark, even­tuell in vier Tage Haft und in die Kosten des Verfahrens, ttn- schließlich der dem Privatkläger erwachsenen nothwendigen Aus­lagen verurtheilt.

Der Antrag auf Zuerkennung einer Buße wird zurückgewiesen. Zugleich wird dem Beleidigten die Befugniß zugesprochen, den entscheidenden Theil dieses Urtheils binnen 8 Tagen, von Zustellung an gerechnet, auf Kosten des An­geklagten imGießener Anzeiger" zu veröffentlichen.

Die Nichtigkeit der Abschrift der Urtheilsformel wird beglaubigt und die Vollstreckbarkeit des Urtheils be­scheinigt.

Gießen, den 17. August 1885.

(L. S.) Neidhart, Gerichtsschreiber des Gr. Amtsgerichts.

Für die Abschrift Steinberger,

Rechtsanwalt- 5976

Neue Häringe per Stuck 6

5988 PH. Boh, Bahnhofstraße 11.

1

Bekanntmachung.

Die Birnen und Frühäpfel von den Bäumen am Krofdorser-, Wiesecker- und alten Steinbacherweg, sowie 13 Lindenbäuwe (Schnitt­holz) und einige Haufen Reiflg von der Schoor an der Westanlage sollen

Freitag den 21. ds. Mts.,

Nachmittags von 4 Uhr an, öffentlich versteigert werden.

Die Zusainmenkunft ist auf der Lahnbrücke.

Gießen, den 20. August 1885. Großherzogl. Bürgermeisterei Gießen.

A. Heß, Beigeordneter. 5992

Ieikgeöotenes.

5963 Eine noch fast neue 2 schläfrige Bettstelle mit doppelter Matratze zu ver­kaufen. Teufelslustgärtchen 26.

Bad Nauheim.

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Näh. i. d. Erp. d. Bl. 5636

re T Jetzt ist entschieden die beste Zeit, Hi meine vorzügl. singenden vorjährigen re aitarienvSgeJ, weil kräftig u. MN.fest im Gesänge, pr. Post zu beziehen.

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