Dienstag den 21. Juli
1865
Nr. 166
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(siebener Anzeiger
Amts- und Anzeigtblatt für den Kreis Gießen.
Preis vierteljährlich 2 3Warf 20 Pf. mit Bringertes» Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf
Erscheint itOlich mit Mchnehm« fcrt MO«iOO».
SBtTM«: SchulOrabe 7.
•Vjbe fühlt sich in Varzin, das er bih vorigen Jahre nicht besuchen ■an, es zu verlassen. Jnsbeson- Friedrichsruhe übersiedeln wird, Mm Jahre den Versuch gemacht, «heben; sie mußte indessen von Wstand sämmtlicher Großmächte, Mastanstalten besitzen, die Durch-
Reichskanzlers ist sehr rege. Alles, wäs Bismarck gemeldet wird, ist verfrüht. Sb wegen umfassender baulicher Aenderungen konnte, sehr wohl und denkt vorläufig nlchi dere ist die Frage, ob und wann^P^ noch offtn.
— Bekanntlich hatte bi^| die fremden Postäm^^M diesem auch tdfl
Aeulschland.
][ Darmstadt, 19. Juli. Der Großherzog ist heute Vormittag um 10 Uhr 45 Mm. nach Osborne in England abgerelst, um der Verrnählungs- feter seiner Schwägerin, der Prinzessin Beatrice von England, mit dem Prinzen Heinrich von Battenberg, drittem Sohne des Prinzen Alexander von Hessen, beizmvohnen, welche in Osborne am 23. d. Mts. stattfindet. Mit dem Großherzog sind auch der Erbgroßherzog, die Prinzessinnen Irene und Alix, welche mit acht anderen Cousinen als Brautjungsern ihrer Tante fungiren werden, der Prinz Alexander, dessen morganatische Gemahlin die Prinzessin von Battenberg, dessen drei Söhne der Fürst Alexander von Bulgarien, welcher feit einigen Tagen als Besuch seiner Eltern auf Schloß Heiligenberg bei Jugenheim a. d. B. verweilte, die. Prinzen Heinrich und Franz Joseph von Battenberg, der Graf und die Gräfin zu Erbach-Schönberg, die einzige Tochter des Prmzen Alexander, nach England abgereist. Auch der Herzog von Edinburgh, der de- kanntlM deutschfeindlich gesinnte präsumtive Thronfolger des Herzogtbums SachseN'Coburg'Gotha, welcher gestern Nachmittag von Kissingen, wo er mehrere Wochen die Kur gebraucht, mit seinem unmündigen Sohne zu Besuch der Großb. Familie hier eingetroffen mar, ist in Gesellschaft der erwähnten Herrschaften «ach England zmückgereist. So war es denn nicht nur eine hohe, sondern auch eine zahlreiche Gesellschaft, welche der von der hessischen Ludwigsbahn bereitgc- stellte Extrazug via Mamz nach Vlissingen sührte, wo der Zug heute Abend 10 Uhr ankommen soll. Die Königin Victoria, welche sich zur Zeit bereits mit ihrer Tochter Beatrice in Osborne aushält, hat ihre zwei Yachten „Victoria und Albert" und „Encbantreß" nach Vlissingen gesendet, um die Herrschaften sofort nach Osborne überzusahren, woselbst die Ankunft morgen zu später Nach- nuttagSstunde siattsinden dürfte. Aus der Yacht „Victoria und Albert" fungirt der Schwiegersohn des Großherzogs Prinz Ludwig von Battenberg als zweiter Osficier. Der Großherzog, dessen Abwesenheit von hier etwa 3 Wochen dauern wird, hat als Gefolge für sich und seine Familie den Flügeladjutant Oberst- Lieutenant Werrcher, den Erzieher dlS Erbgroßherzog-Heft. Mucher und die Gou- venmnte der jüngsten Prinzessin Miß Jackson mitgenommen. Nach der Rückkehr von England nimmt die Großh. Familie ihren Aufenthalt im Jagdschloß Wolfsgarten.
Darmstadt, 18. Juli. Das Grobherzogliche Regierungsblatt (Beilage Rr. 17) enthält:
1. Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, die Bestätigung von Stiftungen und Vermächtnissen betreffend.
2. Bekanntmachung Großh. Kreisamts Offenbach, die Umlagen zur Bestreitung der Bedürfnisse für die israelitische Religions-Gemeinde Dietzenbach, im Kreise Off-nbach, für 1885/86 betreffend.
3. Uebersicht der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz für das Rechnungsjahr 1885/86 zur Bestreitung der Communal-Bedürfnisse der israelitischen Religwns-Gemeinden des Kreises Offenbach genehmigten Umlagen.
4. Uebersicht der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz für das Jahr 1885/86 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Bedürfnisse der israelitischen Religions-Gemeinden des Kreises Bingen.
5. Uebersicht der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Bedürfnisse der israelitischen Gemeinden des Kreises Erbach pro 1885.
5. Uebersicht der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz pro 1. April 1885/86 zur Bestreitung der Communal-Bedürfnisse in den israelitischen Religions-Gemeinden des Kreises Groß-Gerau genehmigten Umlagen.
6. Ermächtigung zur Annahme und zum Tragen eines fremden Ordens.
Se. Königl. Hoheit der Grobherzog haben Allergnädigst geruht: Am 16. Juni dem Besitzer des Schloß-Hütels zu Heidelberg, Großh. Hess. Hoflieferanten und Großh. Sächsischen Hoftraiteur Heinrich Albert zu Heidelberg, die Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des ihm von Sr. K. K. Apost. Maj. dem Kaiser von Oesterreich verliehenen goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone, am 28. Juni dem kath. Pfarrer Joseph Körner zu Mainz die Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des ihm von Sr. Maj. dem König von Spanien verliehenen Commandeur - Kreuzes des Ordens Isabel der Katholischen zu
ertheilen.
8. Namensveränderung.
9. AbwesenheitSerklärung. (Schluß folgt.)
Berlin, 18. Juli. Zwischen VarM ulL-Berlin ist gegenwärtig ein regelmäßiger Kurierdienst eingerichtet. Täglich räst ein Bote mit Schriftstücken -es hiesigen auswärtigen Amtes nach Vakzin. Auch der telegraphische Verkehr zwischen der Reichshauptstadt und dem augenblicklichen Aufenthaltsorte des über weitere Reisepläne des Fürsten
Flrrßland.
Petersburg. 18. IM Das „Journal de St Petersb-urg» äußert sich über die Sensations-Nachrichten in der ausländischen Presse und sagt, .iach den Londoner Depeschen soll eine gewisse militäriscye Thatigkelt unter den Afghanen in den westlichen Districten, namentlich w der Richtung auf Herat herrschen; ein Londoner Telegramm spricht auch von Verstärkungen der russischen Truppen in der Richtung auf Zulficar. Wir sind in der Lage zu erklären, daß, wenn einige Bewegungen der russischen Truppen stattgesunden haben, diese ganz unbedeutend gewesen sind. Jedenfalls ist die russische Regierung feu e..r»
England.
London. 18. Juli. Der Gesandte Morier ist von Madrid hier angekommen und geht unverzüglich nach Petersburg zur Uebernahme der dortige» britischen Botschaft, während Thornton sich sofort als Botschafter bei der Psorte nach Konstantinopel begiebt.
— Wie die „Timer" erfährt, habe nunmehr auch Rußland zur Emission der egyptischen Anleihe seine Zustimmung ertheilt.
London, 18. Juli. Heute sand ein CabiuetSrath statt, demnächst confenrtpi Lord Salisbury, Lord Jddesleigh und ber Kahler Gtoai
im auswärtige» Amte mit einander,' daran, hatte der ruist che Botscharter von Staat eine längere Besprechung mit Lord Salisbury. Die Verhandlungen mit Rn«land dauern fort, dieselben werden, wie verlautet, in durchaus freundschaftlichem Weifte weitergeführt.
führung dieser Maßregel vereitelte. Neuerdings versuchte die Pforte aus einem Umwege zu diesem Ziel zu gelangen, indem sie an die Mächte das Ansinnen stellte, sammtliche bei den fremden Postämtern eingehenden Drucksachen der Censur der türkischen Behörden zu unterbreiten. Nach einem kürzer« Meinung^- Austausche unter den beseitigten Mächten ist dieses Verlangen nunmehr, wie vorauszusehen war, rundweg abgeschlagen worden. Es ist nicht recht abzusehen, was die Psorte mit derartigen aussichtslosen Forderungen zu erreichen gedenkt. Daß sich die Mächte unter keinen Umständen dazu verstehen werden, ihre Postanstalten in der Türkei auszugeben, so lange sich die türkischen Post- einrichtungen in dem gegenwärtigen erbärmlichen Zustande befinden, liegt auf der Hand und ist wiederholt in aller Deutl chkeit ausgesprochen worden.
Konstanz, 18. Juli. Gestern sand um 2 Uhr Nachmittags aus der Mainau ein Diner statt, zu welchem die Königin von Württemberg und der Großfürst Michael von Rußland nebst Gemahlin erschienen waren. Später traf Prinz Ludwig von Baden ein, und machten sodann die Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften eine Fahrt zu Wagen nach Litzelstetten, worauf um 6 Uhr Abends die Königin von Württemberg, sowie der Großfürst und die Großfürstin Michael nach Friedrichshafen zurückkehrten. Heute um 10 Uhr Vormittags' unternahm Se. Maj. der Kaiser dieselbe Spazierfahrt. Zu dem Diner wird die Prinzessin Wilhelm von Baden nebst Tochter aus Kirchberg erwartet, Die Officiere der deutschen ur.b österreichischen Garnisonen am Bodensee veranstalten heute das alljährlich stattfindende Freundschafts-Diner in Konstanz; dieselben werden auf dLr Rückkehr die Mainau berühren.
Konstanz, 18. Juli. Die Offiziere der deutschen und österreichnchen Garnisonen in Konstanz, Bregenz, Lindau und Weingarten, welche heute hier das alljährlich wiederkehrende sogenannte Bodenseefest gefeiert hatten, begaben sich heute Abend mit 8 Musikcorps zu Schiff nach Mainau und nahmen dort Aufstellung, um Seiner Maiestat dem Kaiser Wilhelm ihre Huldigung darzubringen. Her Kaiser fuhr im Wagen die Front der Ofsiziercorps entlang. Auf eine Ansprache de§ Obersten des hier garmsonirenden Regiments, der dabei einen Becher mit Wein credenzte und auf die Bedeutung des Bodenseefestes,'„die Kameradschaft und Waffenbrüderschaft zu pflegen", hinwies, erwiderte Se. Majestät der Kaiser: „Darauf trinke auch Ich." Der Großherzog von ^Lden, welcher Se. Majestät den-Kaiser begleitete, brachte ein Hoch auf den Alliirten des deutschen Kaisers, den Kaiser von Oesterreich, aus.
Dresden, 18. Juli. Zu dem morgen hier beginnenden sechsten deutschen Turnfeste trafen im Kaufe des Rachmittags und Abends von allen Seiten Extrazuge mit Turnern und Festgästen hier ein, drei Extradampfer brachten heute Abend die Tllrncr aus Wien und Deutsch-Oesterreich. Die Ankommenden wurden an den Bahnhöfen resp. an dem Landungsplätze seitens des Eomitäs festlich empfangen und von der in den Straßen versammelten Bevölkerung mit jubelnden Zurufen begrüßt. Die ^tabt ist mit Flaggen, Gnirlanden und Ehrenpforten auf das Reichste geschmückt, in den Straßen und auf dem Festplatze herrscht ein seitlich bewegtes Leben.
Straßburg, 18. Juli. Die „Landes-Ztg? für Elsaß-Lothr. veröffentlicht eine Kaiser!. Verordnung, welche die Beschlüsse verschiedener Gemeinderäthe, betr. die Erhöhung des OctroiS auf Alkohol, und zwar für Mühlhausen auf 50 Jl., für Markirch auf 100 für Straßburg auf 60 X, für Thann auf 30 JL. für Rappoltsweiler auf 10 «X, für Weißenburg auf 40 uno für Neubreisach auf 10 X per Hektoliter reinen Alkohol genehmigt.
* Arankreich.
Paris, 18. Juli. In dem heute Vormittag abgehaltenen Ministerrathe theilte der Marineminister Galider die von dem Senegal eingelroffenen Nach- richten mit, nach welchen es der Kolonne Combes geglückt ist, um oer Kolonne Louvel zu Hülfe zu kommen und dieselbe mit Proviant zu versehen. Galiber glaubt, daß die Ausgaben für die Ergänzung des Marinematenals 30 Millionen übersteigen werden. Es bestätigt sich, daß der Gesandte Chinas zu Anfang August in Paris eintreffen werde, um sein Beglaubigungs-Schreiben dem Prän- deuten Grövy noch vor dessen Abreise nach dem Jura zu überreichen. Wahrscheinlich wird der chinesische Gesandte in Berlin gleichzeitig mit der Führung der Gesandtschaft in Paris betraut werden.
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