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Don den gewählten Präsidentschafts-Candidaten ernannte der König 'den früheren Finanzminister Pavlovic» zum Präsidenten, Uros und KnezewicS zu Bice-Präsidenten. ____________________________________________________

E. R. Berlin, 18. April. (Reichstag.) Im Reichstage wurde die Bcrathung der Zolltarifnovelle fortgesetzt. Ter Antrag des Abg. Racke (Centrum) auf Herab- setzung des Zolles auf Kaffee, roh, und Kaffeesurrogate von 40 auf 35 x und gebrannt von 50 auf* 42 X wurde ohne Debatte abgelehnt. Die jetzige Vorlage verlangt die Erhöhung des Zolles für gebrannten Cacao von 35 auf 45 X, sodann für Cacaomassc, gemahlenen Cacao, Chocolade und Chocoladensurrogate von 60 auf 80 X. Nachdem indessen von verschiedenen Seiten auf die Schwierigkeit der Bcrathung der Materie, besonders bezüglich des Schutzes der Crportfähigkeit von Confituren und Cacaofabrrkaten aufmerksam gemacht worden war, wurde die Position zur Vorberathung an d,e Zolltarif- Commission verwiesen. ,

Tie von derFreien Vereinigung" beantragte Erhöhung des Kavlarzollcs von 100 auf 150 X für 100 Kilogramm wurde genehmigt; für Austern, Hummern und Schildkröten, deren Zoll von 24 X auf 100 X erhöht werden sollte, fand sich jedoch nur für einen Zollsatz von 50 X pro 100 Kg. eine Majorität, nachdem sowohl von ft eihändlerischer Seite, wie von derjenigen der Reichsregierung darauf ausinerksam ge­macht worden war, daß diese bedeutende Erhöhung den Consurn erheblich verringern und die Staatskasse zu Schaden bringen würde. ,

Die Berathrmg der Position Steine und Steinwaaren nahm bet der Vtclsalttg- keit der Tarifpositionen und der aus dem Hause in zahlreichen Amendements geäußerten Specialwünsche einen großen Umfang an. Mit einigen Abänderungen gelangte dte Vorlage der Regierung dahin zur Annahme, daß rohe oder blos behauene, auch ge­mahlene Steine zollfrei eingehen; Mühlsteine, Flintensteine, Schleif- und Wetzsteine zahlen 0,25 X, gesägte Blöcke, grobe Steinmetzarbeiten, mit Ausnahme der groben Arbeiten aus Alabaster oder' Marmor, zu denen der sogenannte belgische Granit nicht gehört, 1 X pro 100 Kg. zahlen. Dachschiefer und rohe Schieferplatten, die bisher 0,50 X Holl zahlten und auf 1 X erhöht werden sollten, erfuhren dem Anträge des Grafen Stolberg-Wernigerode gemäß eine Steigerung auf 1 X 50 $ in nament­licher Abstimmung mit 128 gegen 95 Stimmen. Die Majorität hierbei bestand aus den Deutsch-Conservativen, der Reichspartei, dem Centrum, sowie einigen national­liberalen Mitgliedern. Für Dachschiefer und rohe Schieferplatten, seewärts eingehend, wurde ein Zoll von 0,50 pro 100 Kg. beschlossen, die Ausdehnung dieser Vergünstig­ung auf die Zollausschlußgebiete wurde jedoch abgelehnt; für rohen Tafelschiefer, für den die Vorlage eine Verdoppel»ng des bisherigen Zollsatzes forderte, gelang es indessen -ben Gegnern der Erhöhung, die Firirung des bestehenden Satzes von 0,50 X durch­zusetzen. Für geschnittene oder gespaltene Platten aus Steinen .aller Art in unge­schliffenem Zustande, sowie für ungeschliffene Steinmetzarbeiten wurde ein Zollsatz von 3 X pro 100 Kgr. festgesetzt.

Danach wurde die Berathung, die bereits beinahe sechs Stunden gedauert halte, auf Montag vertagt. Im Reichstage war das Gerücht verbreitet, daß das Plenum noch über Pfingsten hinaus Berathungsmaterial haben würde.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'S telegr. Eorrespondenz> Bureau.

Pari», 19. April. Die spanische Botschaft erklärt das von einer hiesigen Zeitung gebrachte Gerücht von Ruhestörungen in Spanien für gänzlich unbegründet.

Die Regierung ist amtlich informirt worden, daß die Pekinger Zeitung am 13. d. M. das Deeret publicirte, welches den Vertrag von Tientsin genehmigt und den chinesischen Truppen die Räumung von Tongking anbefiehlt. Die Blokade von For­mosa wurde am 16. ds. aufgehoben.

Loudon, 19. April, Morgens. Gestern Abend fand hier ein Bankett der zu Ehren Lord Beaconsfield's organisirten Vereinigung oon Wählern statt, an welchem zahlreiche conservattve Mitglieder des Parlaments theilnahmen. Der Deputirte Churchill hielt eine Ansprache, in welcher er nachzuweisen suchte, daß die unteren Eingeborenen in Indien entstandene Bewegung durch das böswillige Vorgehen Rußlands hervorgerufen sei. Der Redner meinte weiter, wenn die gegenwärttgen Verhandlungen mit Rußland nicht zu dem Resultate führen sollten, den feindseligen Plänen desselben ein für alle Mal ein Ziel zu setzen, so würde die englische Herrschaft einen tödl­ichen Schlag erhalten, und die Vernichtung der britischen Macht wäre nur noch eine Frage der Zeit. t .

In einem Schreiben von heute an den Verein für ein internationales Friedens- und Schiedsgericht nimmt Gladstone Act von einer Resolution, welche der Verein betreffs einer schiedsgerichtlichen Entscheidung beschlossen hatte, erklärt aber gleichzeitig, er wisse keinen Grund, meßhalb eine ehrenhafte Entscheidung nicht auf ge­wöhnlichem diploniatischem Wege solle erreicht werden können.

Petersburg, 19. April. Wie dieNordische Telegraphen - Agentur" meldet, schreitet die Ausrüstung der Kriegsschiffe in Kronstadt fort und ist Befehl gegeben, daß alle dortigen Kriegsschiffe sich bereif halten sollen, in See zu gehen.

Kairo, 19. April. Ein Telegramm des Reuter'schen Bureaus meldet: Tie französische Regierung verlangt, daß ihr innerhalb zweier Tage eine Antwort auf ihre Forderung in Betreff der Wiedereröffnung der Druckerei desBoSphore Egyptien" ge­geben, und daß der Polizeiofficier, welcher den diplomatischen Agenten gewaltsam aus der Druckerei entfernen ließ, abgesetzt werde. Diese Forderung werde dahin motivirt, daß der französischen Regierung die Jurisdiction über die beteiligten französischen Journale zustehe. Die egyptische Regierung habe noch nicht geantwortet.

Ncwyork, 19. April. Rach hier eingegangenen Meldungen beträgt der Verlust des Heeres von Guatemala in der Schlacht von Chalchuapa 1000 Mann; die Truppen von San Salvador hatten ca. 50 lobten und 150 Verwundete.

Lokale».

Gießen, 20. April. sPost- und Versendungs-Verkehr von Gießen.) Mach der Statistik der deutschen Reichspost-Verwaltung für das Kalenderjahr 1883 ist der Post- und Versendungs-Verkehr von Gießen im Verhältniß zur Einwohnerzahl sehr erheblich. Unter den Städten im deutschen Reichspostgebiet nimmt Gießen in Bezug auf die Einwohnerzahl nach der Zählung vom Jahr 1880 die 128. Stelle ein, während es hinsichtlich des Post- und Dersendungs-VerkehrS durchschnittlich die 86. Stelle einnimmt, sogar bezüglich der hier eingehenden Briefe, Postkarten, Drucksachen und Waarenproben an Empfänger im Orts- und Landbestellbezirk die 66. Stelle und bezüglich des Betrags der ausgezahlten Postanweisungen die 67. Stelle. In welchem Umfange der Post und Versendungs-Verkehr in Gießen in den letzten 10 Jahren zu- genommen bat, erhellt aus nachstehender Zusammenstellung:

Mithin Zunahme 1884 1874 in 10 Jahren

Stück Stück Stück

Eingegangcne Briefe, Postkarten, Drucksachen und

TLaarcnproben

1 185 390

;2';274

559 116

Aufgegebene do.

i 127814

'.I 816

865 998

Eingegangene gewöhnliche Packete

100350

45 378

54 972

Aufgegebene do.

99 720

46 944

*21

Eingegangene Postaufträge

6 232

2 034

4 198

Aufgegebene do.

8192

1 317

6 875

Eingegangene Postanweisungen

81 182

25 991

55 191

Aufgegebene do.

62 620 X

28154 X

X

Betrag der ausgezahlten Postanweisungen

5 713 197

931 632

4 781 565

Bettag der eingezahlten do.

4 036 360

853 212

3 183 148

Porto unb Telegrammgebühren

1811

104 409

77 194

Gieße«, 20. April. sTvroler-Concert.) Daß auch den echten Kindern der Natur die oalojiatmofpbäre nicht fremd geblieben ist, davon haben wir am Samstag im Concert des Herrn Ludwig Rainer sen. Beweise empfangen. Bei dem sicheren Auftreten der Sängerinnen und Säuger fühlte man sich ganz zu der Annahme be rechtigt, daß sich die wirklichen Tyroler inSalontvroler" umgewandelt hätten, ober der fesche und adrette Vortrag, gepaart mit wohlklingenden, umfangreichen

Stimmen, welche die Weisen aus der bergigen Heimath in ihrer ganzen Schönbei: enonen ließen, sagten deutlich, daß wir es mit natürlichen Töchtern und Söhnen der Alpen zu thun hatten. So muß man die hübschen Compositionen von Thomas Koschat hören, um sie richtig würdigen zu können; war doch der das Concert er öffnende Gailthaler Iägermarsch, der uns schon oft bei Gefangsfoiröen:c. begegnet ist, in solcher vollendeten Wiedergabe kaum wieder zu erkennen.

Es ist entschieden sehr interessant, den Eoncenen^er Familie Rainer be. zuwohnen; denn Alles, was dort geboten wird, das beimelt an und verletzt den Zuhörer unwillkürlich in jene anmulhigen Gegenden, wo die "Natur ihre ganzen üderwälttaenden Reize entfaltet und ihre Lieblinge mit tHaufrischen, spinpathischen Stimmen beschenkt. Wer sollte im ungekünstelten Volksgesangc mit jenen concurriren' Selbst der stimm begabteste Sänger, der nicht dem Lande Tyrol entstammt, wird nie im Stande sein, einen Jodler zu fingen, wie ihn Fräulein Pircher Rainer gesungen bat, ebenso muß das Farbenreiche jener Melodien bedenklich leiden, wenn Unberufene über dieselben herfallen.Auf der Alm da giebts koa Sund", darum sollte man ben Alpen finbern ihre eigenartigen Lieber lassen und dieselben nickt durck Imitation u. s. w. entweihen.

Weben dem Gesang ist das Zitherspiel in Jprol eine zärtlich gepflegte Kunst und wir bekennen freudig, daß das durch mangelhafte, meist sogar schlechte Handhabung verkannte Instrument durch Fräulein Therese Prantl's virtuosen Leistungen wieder einmal zu hohen Ehren kam. Leider gibt es viele Zitherspieler, aber wenige, die Zither spielen können; man kann diejenigen, die es verstehen, dem schwierigen Instrument gute Seiten abzugewinnen, gewissermaßen mit der Laterne suchen; um so mehr wußte uns Fräulein Prantl zu fesseln und hätten wir gern noch einen Solo oortrag von ihr gehört.

Zitherfteunde und besonders Zitherspieler aus Gießen waren im Saale reckt dünn gesät und hätten doch sicher manches profikiren können.

Von Seiten des Publikums war der Beifall ein überaus reicher und warme., so daß er vielfach zu Da Capo Zugaben Veranlassung gab.

Wir schließen mit dem Wunsch, daß uns Herr Rainer mit feiner Gesellschaft bald wieder solche unverfälschten, schönen Genüsse bereiten möge.

Gießen, 20. April. Die uns aufs Beste aus dem Winterhalbjahr 1883/84 bekannten ehemaligen Mitglieder der Theater-Gesellschaft des Herrn Tirector Braut lecht, welche für nächsten Freitag und Sonntag im Saale des Cafö Leib zwei Soiröen ankündigen (f. Inserat), haben überall in bedeutenden Städten die besten Erfolge erzielt, zuletzt noch in Dortmund.

Das Programm für nächsten Freitag wird voraussichtlich folgendes sein Chaisson-Polonaise von WilniawSki, Frublingslied von Mendelssohn, drei Lieder aus dem Rodenstein-Cyclus von Scheffel (a. das wilde Heer; b. der Ueberfall, c. die Fahndung), Klänge auS der Pußta oon Popp, der Strife der Schmiede (dramatische Scene), Gedichte von Gei del und Freiligrath, der Raritätensammler, Freie Recitation aus klassischen Dramen, Schwedisches Concert, Kommt ein Vogel geflogen (wie die verschiedenen Herren Poeten, alte und neue, das Thema dieses aller liebsten Volksliedes behandelt hatten).

Verwtsrdte».

Frankfurt a. M., 14. April. Ein im äußersten Nordende wohnendes älteres Ehepaar wurde durch ein Zeitungsinserat in sehr unangenehmer Weise in seiner Ruhe gestört. Ein Spaßvogel annoncirte neulich, daß die alten Leute unentgeltlich Kinder in Pflege nähmen und sie während des Tages beaufsichtigten. Die Leute wurden ir Folge dessen fortgesetzt herausgeschellt und mußten den mit ihren Sprößlingen er schienenen Müttern und Vätern erklären, daß die ganze Annonce nur ein Schwindel sei, darauf berechnet, sie zu utzen. Die Reflectanlen wurden über diese Aufklärung häufig so ungehalten, daß sie die Kinder da zu lassen drohten und nur der energische» Erklärung des alten Ehemanns, daß er ihnen die Hälse umdrehen würde, verhinderte eine Wahrmachung der Drohung.

Haag, 13. April. In Mastricht ist dieser Tage ein Doppelmord verübt worden. Ein gewisser Mathi Cesar Timmermans aus Heerlen, ehemals ein wohlhabender Mann, ist durch einen langwierigen Proceß ruinirt worden und mußte feine letzte Habe ver kaufen. Am Donnerstag Diorgen um 11 Uhr befand er fick in Mastricht in einem Wirthshaus und erzählte dort fein Mißgeschick, indem er yinzufügte, daß er jetzt nickt mehr nach seinem Dorfe (Heerlen) zurückkehren dürfe. Vom Wirthshause begab er fick nach dem Bureau seines Anwalts, eines Herrn van Oppen, ben er feit Jahren al­ben vornehmsten Urheber feines Unglücks betrachtete. Er würbe im Bureau von dem Sohne van Oppens, der gleichfalls Advokat ist, empfangen. Auf dessen Antwort, Mi sein Vater nicht zu sprechen sei, zog TimmermannS einen Dolch und brachte dem jungen van Oppen eine schwere Wunde im Unterleib bei; trotz dieser Wunde stürzte sich Da Getroffene auf ben Angreifer, entriß ihm feinen Dolch unb traf ihn mit bcmfelbcn. Auf bas Geschrei Beider kamen der alte van Oppen und feine Tochter herbei; bei Mörder holte nun einen Revolver hervor unb schoß auf Vater unb Tochter, welch? beibe tödtlich verwundet wurden; auch auf den Sohn schoß er noch. Vater und Tochter sind bereits gestorben, der Sohn ist noch nicht außer Lebensgefahr. Herr van Oppen ivar 53 Jahre alt und einer der angesehensten Anwälte am Mastrichter Gerichte seine Tochter war 19 und. der Mörder ist 57 Jahre alt.

Handel und JBcrftbt.

Grünberg, 18. April. (Fruchtpreise.) Weizen X 18.50, Korn X 16-80 Gerste X 16.50, Hafer X 15.00, Erbsen X 18.00, Linsen X 00.00, Lein X 00.00, Samen X 00.00, Kartoffeln X 4.40, Wicken 16.00.

Frankfurt, 18. April. Auf dem heutigen Markt kostete der Gentner Heu X 2.703.30, Stroh X 2.202.70, Eier das Hundert X 4.505.50, Butter 1. Qualität X 1.00, 2. Qualität X 1.20, Kartoffeln per Centn er X 2252.50, Kohlrabi 3-0 H pr. St., Erbsen 100 Ka. 22.0030.00 Rothkraut pr. Si. 20-30 X Huhn^L 1.502.00, 1 Ente X 2.003.50, 1 Taube 4060 4. Hahn X 1.90L50. Gans X 610.00, Welsche X 5.0010.00.

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Dienstag den 21. April : Einmaliges Gastspiel des K. K. Kammersängers Herrn Scaria aus Wien. Der fliegende Holländer. (Holländer: Herr Scaria.)

Mittwoch den 22. April geschlossen.

Donnerstag den 23. April: Hochzeit des Figaro.

Freitag den 24. April geschlossen.

Samstag ben 25. April: Afrikanerin.

Sonntag den 26. April: Martha.

Echa«spielhau».

Dienstag ben 21. April: Die Widerspänstige. Hierauf zum ersten Male wiederholt. Tie wilde Toni.

Mittwoch den 22. April: Harold.

Donnerstag den 23. April geschlossen.

Freitag ben 24. April: Viel Lärm um Nichts.

Samstag den 25. April: Zum ersten Male: In der Mark. Schauspiel ir 5 Akten von Hans Hopfen.

Sonntag ben 26. April: Freunb Fritz. Hierauf: Tie wilde Toni.

Montag den 27. April: Zum ersten Male: Tie oerhängnißvoll< Correspondenz. Lustspiel in 1 Akt von Döring. Hierauf: Neu einftubirt Frihchen unb Lieschen. Zum Schluß: Tie wilde Ioni.

Tienstag den 28. April: Zum eilten Male wiederholt In der Viark.

Kirchiichr An)kigen örr roangrl. Gemrindk.

Heute, Montag, Abend 6 Uhr, in her Kirche: Missions-GotteSdienst- Prediger Droh aus Berlin-