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1885

Samstag den 21. Februar

Nr. 11

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Prell vierteliLhrtich 2 Mars 20 Pf. nnt vrinqcrtohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags

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1. Darmstadt, 19 Februar. IZwe'te Kammer der Lavdstände.j ES dürfte ooa Interesse sein, zu erfahren, daß die Regierung Im Budget eine Altersversorgung für die KreiSamtS- und SteuercowmtssarlatS - Gehülfen durch widerruf! che Anst^Uuug derselben in Vorschlag gebracht hat. Für eine derartige Anstellung glaubte die Großh. Regierung eine lOjährtgr Dienstzeit bet den betr. Aemtern, während welcher flch der x--- ~ ~ - ' ' r*'t-i-K machen

befleißigt sich der osficiöse französische Telegraph über ein in der Rähe von Shanghai angeblich stattgesundenes Treffen zwischen der sranzöflschen und der chinesischen Flotte einer merkwürdigen Zurückhaltung. Zn welcher Weise nun die französische Heeresleitung in Tongking den ohne Zweifel bedeutenden Erfolg von Langson au-zubeuten gedenkt, ist noch nicht bekannt; wie es scheint, will man aber den Chinesen fortgesetzt energisch auf den Leib rucken, da die Fran­zosen nach der Einnahme von Langson wieder 3 Kilometer vorgerückt sind und somit hart an der chinesischen Grenze stehen.

Mit einem schier wunderbaren Eifer ist man in Petersburg bemüht, die Gerüchte über den Vormarsch der Russen aus Herat zu dementiren. ES mag sein, daß man es in diesen Gerüchten nur mit Börsen-Manöocrn zu thun hat, aber dasTrau, schau, wem!" können sich die Engländer in Central- Asien Rußland gegenüber nur gesagt sein lassen. Beharrlich erweitert der russisch; Koloß die Grenzen der centralasiatischen Besitzungen nach Indien hin und es wäre gar nicht jo unwahrscheinlich, daß sich Rußland die gegenwärtigen Verlegenheiten Englands im Sudan zu nutze machte und sich Herats, dieser alten Eingangspforte nach Indien, bemächtigte; England wenigstens könnte in diesem Augenblicke feinem Rebenbuhler in Central-Asien schwerlich mehr als einen papiernen Protest entgegensiellen.

In diesen Tagen ist die Dritte italienische Expedition nach dem Rothen Meere abgegangen, womit die Truppensendungen Italiens nach dem Rothen Meere ihr' vorläufiges Ende erreicht haben. Wie sich nun die Action Italiens in den von ihm occupirten Gebieten weiter entwickeln wird, muß abgewartet werden, namentlich, was die Stellung des römischen Cabinets gegenüber der Pforte anbelangt. Herr Mancini selbst scheint keine Lust zu spüren, über die italienisch-türkischen Verhandlungen wegen der Besetzung Masso- vahs durch die Italiener Aufklärung zu geben. Aus eine bezügliche Interpella­tion in der Dienstags-Sitzung der italienischen Deputirtenkammer antwortete Mancini in durchaus ausweichender Weise, was nur die Annahme bestätigt, daß sich die italienische Regierung bei ihrer Action am Rothen Meere nicht vorzeitig in die Karten sehen lassen will. .

kaOPis nut \x wollenen

Berlin, 19. Februar. [Drifttnalbedcbt.] Die Holzzoll-Commtssion begann gestern Abend die DiScussion mit einer Generaldebatte, die tn den weiteren Sitzungen fortgesetzt werden wird. So wie dle Sachen zur Zett liegen, ist eine Majorität für die beantragte Erhöhung von 3 Stimmen (12 zu 9) vorhanden, indessen schließt das nicht aus, daß dies Verhältmß besonder« durch die Stellung der CentrumSmttglieder noch eine Wandlung eriährt- , u m .

Von nationalliberoler Sette wurde darauf htngewiesen, daß Memel und Danzig, schon im Jnterrsse der Arbeiter, dte Einführung höherer Zölle erwünschten, da die Holzverardeitung die Errichtung neuer industrieller EtablijiementS tm Gefolge yaoen würden. Allerdings wurde dieser Ansicht lebhaft widersprochen.

Der Kommissar der preußischen Regierung, Landforstmeister.Donner^erklärte, daß Preußen für da« laufende Zahr aus den Forsten einen Überschuß von £ habe, der zumeist auS den Mehreinnahmen bei Holz benflfrre;

ein Schutzzoll nöthig, weil die Neltoetnnahmen mit den Bruttoeinnahmen nW g'J n Schritt hielten. Würde der Reinertrag kapttalisirt, so betrage der' Werth,^inclusive de4 HolzbeftandeS pro Hectar, 250 JC. pro Hcctar und daS fei zu ""bed ut -

Die Gegner der Vorlage machten demgegenüber geltend daß früher- al« der Werth des staatlichen Waldbesitzes noch ein geringerer gesehenl fei, von daran gedacht sei, nun deshalb einen Schutzzoll ZU fordern. NM zu unterschätzen fet übrigens das Culturinteresfe deS Landes an dem Waldbesitz des Staate..

Berlin 19 Februar fRckchStag.1 Zuerst verbandelte der Reichstag heute daS sTercatFrt in bdtkr ßefuna - Dte Sbwefenheit jeglicher Vertretung drr RetchSregterung veranlaßte den Abg. Richter, die- Dragunci des 1 ^ean-

rragen. Da sich die Majorität b'ersür entschied, fo war der Psäsident gerade dab.t, daS Resullat der Abstimmung zu verkünden, als der StaotSsecretär v. Burchard er- f»len' B» gft ÄÄ »Ä beantragt woraen. das 3ntraftrd.n b« SpemTür aor bem I gebruat -bg-scht-ü-n-A-f-nm,«--r,ri«-

dessen besteht Abg. o. Kardors aus d.r w zwerter Lesung angenommenen Bestimmunr.

Politische Uebersicht.

Gießen, 20. Februar.

Seit länger al« einer Woche steckt nunmehr her Reichstag in den zolldebatten und fast scheint eS, als ob auch die jetzige darüber hingegen soll. Die eigentliche Entscheidung in dem von der RclchSregierung eröffneten zoll- politischen Feldzüge ist indessen mit der vom Reichstage am Montag angenom* menen Erhöhung des Zolles auf Weizen und Roggen bereits gefallen und was die übrigen Zollerhöhungen, vornehmlich die noch Der commiflarischen Berathung unterliegenden Holzzölle. anbelangt, so ist es säst zweifellos, daß die schutzzöll- Herrsche Mehrheit oeS Reichstages auch diesen zustimmen wird. Am Dienstag beschäftigte sich her Reichstag in der Hauptsache mit dem von der sreiconserva- tiven Fraktion eingebrachten Entwürfe eines Sperrgesetzeü, welches den ReichS- km.fler ermächtigt, die Getreide- u. s. w. Zölle sofort nach Bewilligung in zweiter Lesung in Kraft treten zu lassen. Die General-Discussion hierüber ergab, daß inan sich auf allen Seiten über die Rothwendigkeit eines solchen Gesetze« klSr war, aber eine MemungS-Verschiedenheit zeigte sich bezüglich der Frage, ob und inwieweit den vor dem 1. Februar d. Js. abgeschlossenen LieferungS'Verträgen eine besondere Berücksichtigung enizuraumen sei. Vom Abg. Windthorst war beantragt worden, daß für Verträge, die noch vor dem 1. Februar hbge* schlössen seien, noch der bisherige Zolltarif zu gelten habe, welcher Atztrag schließlich in der sich an die General-Discussion sofort anschließenden zmerttn Lesung des Sperrgesetzes mit der Modification, daß für den 1. Februar der 15. Januar zu setzen fei, einstimmig angenommen wurde. Das Sperrgefetz wurde sodann im Ganzen nach einer sehr lebhaften, an persönlichen Auseinander­setzungen reichen Debatte zwischen den Abgg. Bebel, Richter, Hartwig (Dresden), Ackermann und Singer genehmigt. Am Mittwoch setzte das Haus die Berathung über die Zolltarif-Novelle, speciell über den Antrag Brömel, die Roggenzollerhöhung erst nach Ablauf des deutsch-spanischen Han- delsvertrages in Kraft treten zu lassen, fort. Der Antrag wurde abgelehnt.

Die Postsparkassen-Vorlage ist als gescheitert zu betrachten. In ihrer DienStagS-Litzung hat die betr. Commission $ 1 der Vorlage und somit letztere überhaupt abgelehnt, dagegen einen Antrag der Deutschfreisinnigen ange­nommen, die Regierung aufzufordern, einen verbesserten anderweitigen Entwurf einzubringen. Dazu wird es indessen in der gegenwärtigen Session schwerlich mehr kommen.

Die Genesung des erkrankten russischen Botschafters in Berlin, de« Fürsten Orlow, macdt erfreuliche Fortschritte und wird er Peters­burger Mitteilungen zufolge in Bälde seinen Berliner Posten wieder überneh­men können. Die Haltlosigkeit der Gerüchte über die angeblich bevorstehende Demission des Fürsten Orlow ergiebt sich hieraus von selbst.

Die Abstimmung des österreichischen Abgeordnetenhauses über die Gebühren-Novelle und der hierbei zu Tage getretene Riß in Der slavisch- feuhalen Majorität des Abgeordnetenhauses wird in der österreichischen Tages- prtffe noch lebhaft discutirt. Bekanntlich ist die genannte Vorlage an eme Com­mission verwiesen worden, was mit dem Scheitern derselben ziemlich gleichbedeutend ist, und diese« negative Resultat wurde dadurch ermöglicht, daß die klerikalen Abgeordneten aus den Alpenländern mit der Verweisung der Vorlage an eine Commission stimmten. In deutschliberalen Kreisen hat man aus diesem momen­tanen Erfolge sofort die Schlußfolgerung gezogen, daß nunmehr dereiferne Ring" der Reichsraths-Majorität gesprengt fei, da sich die klerikalen Deutschen aus den Alpenländern chren liberalen StammeSgenossen zugesellt hätten. In­dessen dürste man auf deutfchliberaler Seite wohl baldigst von dieser optimisti­schen Auffassung zurückkommendie Deutschklerikalen haben eben gegen das Gebührengesetz gestimmt, weil sie die bäuerische Wählerschaft in Hinblick auf die bevorstehenden ReichsrathS-Neuwahlen nicht gegen sich aufbringen wollten, aber hieraus auf ein ferneres Zusammengehen der Klerikalen mit den Deutsch- liberalen zu schließen, wäre geradezu unsinnig; beide Parteien haben eben nur gemeinsam, daß sie Deutsche sind. In der von Graf Taaffe zusammenge- schweißten österreichischen Parlaments-Majorität hat es schon manchmal gekracht, Ichließlich ist aber Das Gleichgewicht Der Partei-Interessen immer wieder herge- flellt worden und der Kaiserstaat Dürfte auch noch für fernere Zeiten unter dem Zeichen der flavisch-klerikalen Verbrüderung stehen.

Die Sieges Nachricht von Langfon hat in den Pariser Regierungs- lkreisen begreiflicher Weise eine sehr gehobene Stimmung heroorgerufen und um diese Stimmung auf ihren Gipfelpunkt zu bringen, bedarf es nur noch eines See-Sieges des Admirals Courbet. Letzterer ist, wie bekannt, mit feiner Haupt­macht auf der Suche nach der chinesischen Flotte, um ihr den Garaus zu machen; bi« jetzt scheint die« ihm aber noch nicht recht gelungen zu sein, wenigstens

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Regierung eine lOjährlgr Dienstzeit bet den vetr. Aemtern, wayreno i

Gchülfe zur vollen Zusrledenhesi feiner Vorgesetzten gehalten, zur Bedingung zu sollen. Dem Finanzausschuß erschien j.doch die Voraussetzung einer nur lOJi . D enstzelt zu niedrig bemessen, da derartige Gehülfen meist schon in noch jugendlichem Alter ihre Beschäftigung beginnen, und will, da er im Allgemeinen nicht gegen eine solche staatliche Versorgung ist, eine 15jährige Dienstzeit festgesetzt w.ssm. Er beantragt übrigens, die Zahl der anzustellenden KreiSamtSgehülfen auf 14 und die der St uer- commissariatSgrhülien auf 20 festzufetzen

Der Höchftbetrag des penfionSfähigen Einkommens der SteuercommistariatS- gehülfen soll 1200 JC. betragen, während bei den KreiSamtSgrhülsen ein JahreSgehslt von 900-1800 X bie PenfionSgrundlage bilden wird.

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Bekanntmachung.

c»n öeniäB^eit be« S 9 bes Gesetze« vom 13. Februar 1875 über die Naluralleiftuugeu für die bewaffnete Macht im Frieden werden hiermit nach stehende DurchschnittSmarttpreise von den Monaten December 1884 und Januar 1885 verönentlich!

9 Hafer Jt 14 refp. 15.40, Heu JL 5.25 resp. -X ->, Stroh X X per 100 Kilogramm.

Gieben, am 18. Februar 1885. Grobher;ogllche« KreiSaml Gießen.

Dr. Boekmann. _________

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

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