Telegraphische Depeschen.
Wolff s telegr. Correspondenz - Bureau.
Berlin, 19. Januar. Die Commission des Reichstags für Vorberathung der Anträge der Abgeordneten Munckel und Reicher.sperger wegen Wiedereinführung der Berufung in Strossachrn Hst eine von den Conservativm und Nationalliberalen beantragte Resolution angenommen, durch welche e8 für inopportun erklärt wirb, wenn daS HauS sich mit diesem Anträge beschästigen wollte, nachdem die ReichSregieruag einen hierauf bezüglichen Entwurf autzarbeiten lasse und den Wunsch ausspricht, daß die Vor- leauno dieses Entwurfs an den Reichstag bald erfolgen möge.
— In der Budget - Commission deS Reichstags erklärte der Staatssecretär Stephan, daß er es nicht für unmöglich halte, die Gebühren für den Telephon- und Telegraphenverkehr herabzusetzen; er lehne dies ober entschieden für die nächste Zeit mit Rücksicht auf die allgemeine Finanzlage ab. Er fügte hinzu, Deutschland habe den billigste« Tarif von allen Ländern. „ n p c o
— In dem Abgeordnetenhause fand die erste Lesung des Etats statt. Der Finanzmtnister führte hierbei aus, daß der Etat pro 1883—84 die gehegten E-wartungen um 3 Millionen übirtrosfin habe. Der Gesammtüberschuß, der namentlich aus dm
Lokales.
Gießen, 20. Januar. Gestern Abend wurde ein se<t dem letzten SamStag vermißter hiesiger Taglöhner tobt in seiner Stube liegend aufgefunden. Derselbe war am Samstag Abend von einem anderen Arbeiter in betrunkenem Zustande auf sein Zimmer gebracht wordm und ist dort jedenfalls bei der herrschenden Kälte erfroren.
— DaS diesjährige Winterfest deS Turnvereins kann in den bis jetzt bestimmten Loealitäten nicht abgehalten werben, sondern wird am SamStag den 21. Februar im Leib'schen Saale statifinden. ________
Vermischtes.
Darmstadt, 17. Januar. sMtlitärdtenstnachrichten) Graf und Edler Herr zur Lippe-Biesterfeld, Premierlieutenant vom 1. Garde-Regiment z.F., in seinem Commando als Adjutant von der 50. Jnf.-Brigade (2. Großh. Hess.) zur 31. Division übergetreten; W erner, Premierlieutenant vom 4. Rhein. Jnf.-Regt. Rr. 30, unter Stellung ä la suite dieses Regiments, als Adjutant zur 50. Jnf.-Brig. (2. Großh. Hess.') commandirt; Seitz, Second-Lieutenant vom 2 Hess. Jnf.-Regt. (G-oßherzog) Nr. 116, Harfe im, Second-Lieut. vom 4. HOs. Jnf.-R'gt. (Prinz Karl) Nr. 118, zu Premier- Lieutenants, Osann, Hahn, Welcker, Fritz, Vicefeldweb-l vom 1. Bat. (Darmstadt 1)1 Großh. Landw -Regts Nr. 115, als Scc.-Lieuts. der Reserve des 1. Großh. Inf.- (Leibgarde-) Regis. Nr. 115, Selz am, Vicewachtmeister von demselben Bataillon, zum Sec-Lieut. der Reserve des 2 Großh- Drag.-Regts. (Leib-Trag.-Rgts.) N>. 24, Jungk, Kayser, Vicefeldweb-l vom 1. Bst. (Mainz) 4- Großh. Landw.- Regts. Nr. 118, zu Sec.-LicutS. der Reserve des 3. Großh. Jnf.-RegtS. (Leib-Regts.) Nr. 117 — befördert.
Frankfurt a. M, 17. Januar. Heute Morgen veranstaltete die Polizei eine genaue Durchsuchung der Gärten an den Häusern im Sachsenlog<r, Gärtnerweg und vermuthlich auch anderen Straßen, welche in der Nähe des Schauplatzes der Ermordung deS Polizeiraths Rumpfs gelegen sind. Es betheistgten sich an dieser Durchsuchung wohl über ein Dutzend in C oll gekleideter und mit Rechen versehener Schutzleute.
M«t Bezug aus eine f) Obere Mittheilung, daß einem Herrn, her am Tage vor der Ermordung deS Polizeirarhs Rumpff diesen begleitete, e'n verdächtiger Mensch im Sachsenlager ausgefallen sei, erläßt der Polizeipräsident fofgenbe Bekanntmachung: „Der Herr — angeblich mit dunklem Vollbart — welcher Montag den 12. d. Mts, Abends gegen 7 Uhr, in Gesellschaft des Polizeiraths Dr. Rumpff gewesen und mit demselben sich unterhaltend, vom Eschenheimer Thore nach dem Sachsenlager gehend bemerkt worden ist, wird hierdurch dringend ersucht, drn Herrn Polizeipräsidenten behufs einer für die Untersuchung wichtigen Ermittelung gefälligst ungesäumt aufsuchen zu wollen."
Der „Hrss. Morgenztg." telegraphirt man von hier: .Es hat sich bei der Polizei ein Mann gemeldet, der den Mörder des Dr. Rumpfs kurz nach dem Attentat gesehen haben will. Nach seiner Angabe trug der Mörder ein Jaqurt und eine dunkle Mütze. Auch sagt der Mann aus, er habe eine Thür aufschlagen höcen und einen Schrei gehört."
Aus Mainz berichtet das „Mainzer Journ.": „Unter polizeilicher Bedeckung wurde gestern Vormittag ein in Singen vrrhaftcter Mann hierhergebracht, welcher sich nicht genügend legitimiren konnte und als Mitschuldiger an dem Morde in Frankfurt verhaftet worden war. Nach genauer Untersuchung wurde der Verhaftete als unschuldig wieder entlasten. Auch gestern Abend wurde hier ein fremder Mann verhaftet, welcher
Eisenbahnen, herrühre, betrage 20 Millionen, welche zur Tilgung für die Eisenbahn- schuld zu verwenden seien. Für dos iaufenbe EtatL^hr sei ein Nebelschütz mm 10 M-llionen zu erwarten, darunter 3 Millionen aus der Forst Verwaltung welcher Betrag ft* bei der dringend zu wünschenden Erhöhung der Holzsteuer noch steigern würde. Bezüglich der Höhe der Matrikularbeiträge des Etats pro 1885—86 bemerkte der Minister, daß d es kein Fiasko der gegenwärtigen WirthschaftSpolttik sei. sondern nur die Nothwendigkeit der weiteren Ausbildung der cnbirecten Steuern durch das Reich Jaguar. Wie di- „Pol. Corr.- meldet,sprach der Kaiser dem
spanischen Kön'gspaor anläßlich der Elcmentarereign'str in Spanien telegraphisch sein Bedauern aus und spendete den Opfern derselben 20,000 F'cs. ~
Rom, 19. Januar. Kammersitzung. Bei d e r f o r tg e fitzt en S v "i alb er athun g d er Eisenbahnconventionen beantragt Billia die einfache Tagesordnung bezüglich aller Sitze der Centralstellen und der die Betriebsdirectionen betreffenden Anträge. DepretiS nimmt die Motion an. Billia stellt hierauf die Cabineisfrage. Bei ber namei-b liehen Abstimmung wirb die einfache Tagesotbnung mit 158 gegen 88 Stimmen angenommen 3anuar. „Monde" bementlrt bie vom „Figaro- gebrachten Gerüchte von einem B uche Frankreichs mit dem Vatikan und bebt hervor, daS nächste Konsistorium sei svcciell dazu anberaumt, einen neuen französischen Bischof zu präkonistrev. DaS Blatt hält es nicht für unmöglich, daß die Frage wegen 3 französischer Cardinale demnächst ^löst 6ourf)(t $a6e eine Niederlage erlitten, wird von der
„Agence Havas" als unbegrünbtt bezeichnet. .
— E.ne Depesche Bridre'S bezeichnet die Lage der Truppen in Tongking als eine gute, der GesundhestSzustand sei vorzüglich. Es heißt, der KriegSminister würde der Kammer einen Gesetzentwurf, betreffend eine Mobilistrung in kleinem Maßstäbe unterbreiten. Nach demselben sollen bie in Tongking stehenden Bataillone durch Freiwillige aus der ectioen Armee, welche mindestens ein Jahr gedient haben, completirt werden. Die auf diese Weise entstehenden Lücken in btr Armee sollen durch eine entsprechende Anzahl junger Leute aus der Kategorie der zur Disposition deS Kriegs- ministerS Gestellten ausgefüllt werden.
— Auf der italienstchen Grenze am Mont Cents liegt 2 Meter hoher Schnee. Die Eisenbabr.verbinbung fft in Folge dessen mehrere Tage unterbrochen.
London, 19. Januar. Nach einer Unterredung des Grafen Münster m;t Lord Granville begaben sich die Botschafter Rußlands und Oesterreichs zu Granville. Es heißt, dieselben hätten die Antworten ihrer Regierungen auf die Vorschläge Englands bezüglich Egyptens überbracht.
— Lord Granville empfing heute Nachmittag Fehmi Pascha, welcher ihm durch Musurus Pascha vorgestellt wurde; er conferirte darauf längere Zeit mit Fehmi. ' .
— Nach Malta erging gestern der Befehl, ein Regiment Infanterie nach Egypten zu senden, welches in Alexandrien landen soll.
Kairo, 19. Januar. Ein Bataillon Infanterie, eine Eskadron Husaren und zwei Geschütze sollen demnächst'nach Suakim abgehen.
Helsingfors, 19. Januar. Der Landtag wurde heute durch den Generalgouverneur Heyden Namens des Kaisers ojfieiell eröffnet. , Die russisch verfaßte Thronrede verlas Heyden, worauf ein Senator dieselbe in's Schwedische und Finische übersetzte. Hierauf ersuchten die Ständewortführer Heyden, dem Kaiser die Ergebenheit und Dankbarkeit der Stände anläßlich der Landtags- Eröffnung zu übermitteln. Schließlich verlas der Senator ein Verzeichniß der Vorlagen, welche dem Landtage im Namen des Kaisers zugehen, worauf der Landmarschall ein Hoch aus den Kaiser ausbrachte.
New-York, 19. Januar. Das Krankenhaus der Irrenanstalt in Kankakee (Illinois) ist niedergebrannt, wobei 17 Kranke umkamen.
Stockholm, 19. Januar. Die bei der heutigen Eröffnung des Reichstags vom König verlesene Thronrede kündigt u. A. solgende Gesetzentwürfe an: Betreffend Einsetzung eines neuen Staatsdepartements für Handel, Industrie und Ackerbau, betreffend Ausdehnung Der Verpflichtung zu den militärischen Uebun- gen, Entwickelung des Marinewesens, definitive Regelung der Gehälter für Volksschullehrer. Das Budget ist unter Voraussetzung einer Absetzung von 30 pCt- der Grundsteuer aufgestellt. Neue Steuern ober eine Steuer-Erhöhung find nicht beantragt.
gestrigen Montag — welchem der Gesetzentwurf über den Erwerb weiterer ' Privatbahnen und die erste Lesung des Etats auf der Tagesordnung standen feine regelmäßige Thätigkeit ausgenommen. . ’
Der im Bundeörathe eingebrachte Antrag Preußens auf Erhöhung i der Getreidezölle beschäftigt die parlamentarischen Kreise der Reichshauptstadt ' auf das Lebhafteste. Wenn man auch demselben schon seit längerer Zeit ent- i gegensah, so hat doch die Höhe der vorgeschlagenen Sätze überrascht, diejenigen der neuen Zölle für Holz, Oel, Mehl gar nicht gerechnet. Welches Schicksal ! die neue zollpolitische Vorlage im Reichstage haben wird, läßt sich noch nicht im Mindesten übersehen; wenn auch unstreitig eine schutzzöllnerische Mehrheit im Reichstag vorhanden ist, so spielen doch so viel parteipolitische Jntereffen m : diese Zollsragen hinein, daß das Ergebniß der Debatten hierüber nicht mit Sicherheit vorauszusehen ist. Bemerkenswerth erscheint der von der „freien wirthschaftlichen Vereinigung" des Reichstages gefaßte Beschluß, für Weizen 4 jl, für Roggen 3 Jl. Zoll pro Doppel« Centn er zu beantragen, was noch über die von der Regierung vorgeschlagenen Zollsätze hinausgeht.
Bezüglich der Frankfurter Mordafsaire ist nichts besonders Neues zu berichten. Die Polizeibehörden entfalten fortgesetzt die größte Thätig- keit, um den ober die Mörder des Polizeiraths Rumpfs zu entdecken, woran auch die ausländische Polizei Theil nimmt.
In Ungarn macht sich eine gewisse Opposition gegen das Zollbund- niß mit Oesterreich bemerklich. In einer der jüngsten Sitzungen des ungarischen Unterhauses erklärte Graf Appony gelegentlich Der Berathung des Budgets für das Handelsministerium, daß er nur versuchsweise und für weniger als 10 Jahre auf die Verlängerung des Zollbündniffes mit Oesterreich eingehen könne. ' Ministerpräsident Trsza bekämpfte entschieden diese Erklärung und wies daraus hin, daß die gegenwärtigen Zeiten nicht geeignet seien zu Versuchen, welche jede gesunde Bewegung des Handels und der Industrie lahm legen würden. Das Zollbündniß müffe unter Den von ihm angebeuteten Bedingungen entweder auf eine genügende Zeitdauer ober gar nicht abgeschlossen werden, eine kurze Übergangsperiode würde der verfehlteste aller Schritte sein. — Eine Auslösung des österreichisch-ungarischen Zollcartells würde das ohnehin nur lose Band zwischen den beiden Hälften der österreichischen Monarchie jedenfalls nur noch mehr lockern und offenbar ist man in den Pesther RegierungSkrersen nicht gesonnen, dahin zielende Schritte zu unterstützen. . ,
Das Vertrauens-Votum, welches die franzönlche Deputlrtenkammer dem Ministerium Ferry am vorigen Mittwoch vor ihrer Vertagung durch Annahme der vom Conseilpräsidenten beantragten einfachen TagesorDnung ertheick hatte, ist für Das gegenwärtige französische Cabinet ein Beweis, daß seine Ge- sammtpolitik nach wie vor den Beifall der Kammermehrheit findet. Um sich diese günstige Stimmung des Parlamentes zu erhalten, ist es freilich dringend nothwendig, daß die von Herrn Ferry . und fernem neuen Collegen im Kriegsministerium , Lewal, angekündigte energifche Action Frankreichs m Ostasien sich in Folgen bald zeige. Ein Anfang hierzu ist denn auch fchon gemacht; ein Telegramm des Admirals Combet meldet, daß er die reichen Kohlenbergwerke von Keelung auf Formofa besetzt habe, womit Frankreich ein neues „Faustpfand" gegenüber China erlangt habe; auch in Tongking steht einer Meldung des Generals Briore de l'Jsle zufolge Alles gut.__________
Berlin, 19. Januar. fRetchstag.) In der hcufgen Sitzung wurde die zweite Berathang des Mtlitäretats zu Ende geführt. D^e B.schlüfse der ComM'ssion, die meist in der Streichung von Forderungen für Neubauten, und zwar sp chU tn Ccss'.i, Habersleben rc. bestanden, wurden gutgche«ßm; fast die ganz-Zett der Sitzung, die sich bt8 in die siebente Stunde h<nzog, wurde von der DlSkuision über geiorderte . 289 000 X zur Errichtung einer Umerosficier - Vorschule in Neu - Breisach, die bereits tn früheren Sessionen zweimal vom Hause a'vgelehnt worden war, ausgesüllt.
In der Debatte, an der sich die Abgeordneten v. Massoro, Gras v. Moltke, Bürcklin. Dr. Sattler, Richter, Baumbach, v. Fischer und Dr. Windthorst betherligen, aina eS sehr lebhaft zu. - Während Abg. Bürckl-n (natlib.) zur Vertretung der Forderung anführte, daß diese Schule auch durch ihre D sc^plinen darauf Hinarve ten -olle die Soldaten vor den Gefahren der Soctaldemokratie zu schützen, macht Abg. v Fischer (natltb.) den Standpunkt geltend, daß es sich hier um em Stück National- lraae handele, aus nationalen Rücksichten müsse d ese Forderung bewilligt werden. - Von den Gegnern der Forderung wurde betont, daß von keiner Seite die Forderung als eine noihwendige hingestellt sei, allerdings wohl als nne nützliche. Dem stände aber die schwierige Finanzlage gegenüber, die ja nicht einmal die Bewilligung der bescheidenen Forderungen für Aufbesserung der Lehrergehälter zulasse. Dies war S-B. der Standpunkt der Abgcordnet-n Baumbach und Rickert, die in der vorigen Session noch für diesen Posten e ngetreten waren. Es sei leicht, wurde ferner betont, jeder Ford-rung für Kasernen oder für einen andern Titel des Militär-Etats einen nationalen Standpunkt abzugewinnen, aber den Steuerzahler vor erneuten Lasten zu bewahren, sei auch ein nationaler Gesichtspunkt. „ p
Die Abgeordneten Windthorst und Richter ließen Herrn v. Fischer (Bürgermeister von Augsburg) eine scharfe Zurechtweisung zu Theil werben, denn in der That war erst mit dem Eintreten dieses Redners die Debatte von dem sachlichen auf daß politische Gebiet verschoben worden. Herr v. Fischer, sagte Abg. Richter, scheine die Erbschaft des Herrn v. Treitschke angetreten zu haben, der nannte sich auch nationalliberal, mußte sich aber, als er einmal eine fast gleiche Rede gehalten, scharfe Zurechtweisungen der Herren v. Benda und v. Bennigsen gefallen lassen. Angesichts der Thaisache, daß diese Position doch wahrscheinlich abgelehnt werden wird, hätte sich Herr v. Fischer doppelt besinnen müssen, durch das Hineinwerfen der nationalen Frage Grund zu unliebsamen Erörterungen im Auslände zu geben. Die Ansicht des Grafen Moltke wegen Gewinnung eines tüchtigen Unterofsicierftandes, ist gewiß zutreffend, aber der Mangel an Unterofficieren, der noch vor zwei Jahren und beim letzten Etat gerügt wurde, ist nicht mkhr so groß. Was die Gegner dieser Forderung leite sei: Der Widerspruch gegen bie abgeschloffene Erziehung, ber durch die schwierige Finanzlage noch verstärkt werde.
Die Forderung wurde gegen die Stimmen der Conseroativen und Nationalliberalen abgelehnt.
Nächste Sitzung morgen, ____________________________
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