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Erstes Blatt. Sonntag den 20. September
Nr. 219
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Gießen, am 19. September 1885.
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•uiö Vereine bildeten Spalier auf den Strafen, durch welche die Allerhöchsten Herr- ^aften, von der versammelten Menge enthusiastisch begrüßt, fuhren. Der Großherzog ■ ■ X k« A / XX e A H lt.1t* > A t tt .X A I» .1 ** /"i »• (1T) A t A l ♦ A i k A r* i U .1 f .1 e ♦ 3 • > — V- r < V • f
w die Großherzogin gaben Sr. Majestät das Geleit. Zur Verabschiedung auf dem Äabnhofe hatten sich die Generalität, das Ministerium und die Spitzen der städtischen Nchörden eingefunden.
Telegraphische Depeschen.
Wolff's tclegr. Korrespondenz «Bureau.
Lokale-.
Gießen, 19. September. Oeftentliche Sitzungen des Provinzialausschusses der Provinz Oberhefsen finden statt und kommt zur Verhandlung:
Dienstag den 29. l. M.:
1. Klage des Ortsarmenverbandes Bisses gegeik den Ortsarmenverband Dauern- beim für Hof-Schleifeld wegen Unterstützung des M. Polzer.
2. Unterstützung der Wachtmeister Wilhelm Schneider Wittwe dahier.
3. Abtretung von Grundeigenthum der Jo Hs. Pauls Wittwe zu Groß-Eichen für den Bergbaubetrieb der Grube Luse.
4. Beschwerde des Jo Hs. Bellinger und Genossen von Rirseld gegen den Beschluß des Gemeinderathes, die Gemeindehutweiden bett'.
Mittwoch den 30. l. M.:
5. Die Zutheilung der Gemeinde Rimlos zur Schulgemeinde Lauterbach.
Gießen, 19. September. sStadtoerordnetensitzung vom 17. September, Nachmittags 4 Uhr.j In der stark besetzten Versammlung waren erschienen: Herr Bürgermeister Bramm, Herr Beigeordneter Keller, sowie die Herren Stadtverordneten Baist, Gail, Georgi, Grüneberg, Dr. Gutfleisch, Hanstein, Hornberger, Kauf, Lüdeking, Ad.Noll, Aug.Noll, Petri, Sckeel, Schopbach, Simon Bogt und Wortmann.
Als 1. Punkt der Tagesordnung wurde über die Erbauung eines Steig- bau ses in Verhandlung getteten, wobei der nach Beschluß der Sitzung vom 20. August, durch den Stadtbaumeister entworfene Plan vorgelegt wurde: die in demselben ,;u Grunde gelegten Dimensionen sind jedoch nicht zweckentsprechend und wird daher diese Angelegenheit zu einer eingehenderen Prüfung an die Commission für Feuerlöschwesen, zurückoerwiesen.
Arankreich.
Pari-, 18. September. Der Marineminister erhielt eine Depesche des Admirals Miot aus Tamatave vom 12. d. Mts., welche lautet: Miot unternahm am 10. d. Mts. gewaltsam eine Recognoscirung, um Näheres über die Arbeiten der Hamas in ihren Positionen bei Farafat zu erfahren und führte dir Recognoscirungs-Colonne gegen Esmas. Auf der rechten Flanke des Feindes stellte er oie Anwesenheit starker, hinter vier regelrechten anscheinend gut con- struirten Befestigung-welke verschanzter Abtheilungen fest und verlor bei dem (Srfecht 31 Verwundete (darunter 4 Osficiere) uno 2 Tobte.
England.
London, 18. September. Gladstone erließ heute von Hawarden ein D ahlmanisest. Er avpellirt darin an das Land, ihm das seit 1830 geschenkte Vertrauen zu erneuern. Es sei ihm augenscheinlich unmöglich, an der Arbeit des neuen Parlaments denselben Antheil zu nehmen, welcher ihm im letzten Parlamente zugesallen sei, glaube aber dennoch, sich dem Urtheile nicht entziehen 3u dürfen, welches zu fällen das Land im Begriffe sei. Aus die auswärtigen Angelegenheiten übergehend, vertheidigt Gladstone die Politik seines Cabinets bezüglich Montenegros, Griechenlands, Afghanistans, Indiens, Süd-Afrikas und Egyptens. Hinsichtlich Egyptens spricht Gladstone nach einem Hinweis auf die Rtpelung der Finanzen Egyptens und die Räumung des Sudan die lebhafte Hoffnung auf em völliges Zurückziehen der Engländer aus Egypten aus, sobald solches mit Ehren möglich sei. Gladstone bekennt sich als entschiedener Gegner ter Annexion Egyptens und des englischen Protektorats oder auch nur einer ter (fingerten englischen Occupation und tritt auch dem Gedanken irgendwelcher Eiieschädigung für die von England getragenen Opfer der Anstrengungen entgegen. Die englische Politik beruhe aus einem Jrrlhum, das Beste sei, derselben schnell ein Ende zu setzen. England sei, bis es Egypten verlaffe, Erniedrigungen hun- teiterlei Art ausgesetzt und durch die Rechte anderer Nationen gehindert, welche er als internationale Rechte respectiren muffe. Sobald England der undankbaren Aufgabe enthoben sei, werde es seine bewundernswerthe Stellung völliger Unabhängigkeit und heilsamen Einfluffes wieder einnehmen. Gladstone hofft, tiefer Einfluß werde stets der cordialen Anerkennung der internationalen Gleich- ieil unterworfen sein und bei jeder legitimen Gelegenheit zur Stütze kleiner Staaten, der ausblühenden Freiheiten des Orients und im Allgemeinen zu Gunsten einer billigen Freiheit, des Friedens und des öffentlichen Rechts aus- 06t werden. Am Schluß des Manifestes wendet er sich den inneren Ange- legenheilen zu. Gladstone weist darin aus die Nothwendigkeit einer Reform der Boden-Gesetze hin, ferner der gerechteren Vertheilung der Steuern, Reform tir Pairskammer, Entwickelung der Vermaltungs-Decentralisation; bezüglich Alands erklärt Gladstone, er sei gerne bereit, demselben wie allen Theilen ta Königreichs jede mit der Oberhoheit der Krone und der Einheit des Reiches And der Autorität des Parlaments verträgliche Autonomie zu gewähren.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen. _______ Fresenius. _____
Karlsruhe, 18. September. Der Kaiser, der Kronprinz und die Prinzen firwttn um 11 Uhr nach Stuttgart ab. Die Stadt war festlich geschmückt. Schulen
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Hießmer Anzeiger
Amts- und Anzeigrblatt für den Kreis Gießen.
— Der Großherzog und die Großherzogin von Baden, sowie das schwedische Kirn prinzenpaar reisen heute Nacht nach Hohenburg zur Vermählung des Erb- tzleßherzogs.
Stuttgart, 18. September. Der Empfang des Kaisers war überaus herzlich. H.innttliche Prinzen des württembergischcn Hauses waren am Bahnhofe anwesend. Ar „Staatsanzeiger" sagt: „Die pattiorischc Begeisterung geht durch die gesammte tliirvohnerschaft. Tausende und,Abertausende strömen herbei, ihren Kaiser zu schauen, indessen starker Hand Deutschlands Ehrenschild makellos ruht, der im.Krieg und ficden des Vaterlands Macht und Größe mannhaft und erfolgreich gewahrt, in freier Zeil Deutschlands Heere zu unvergleichlichen liegen geführt, das Deutsche Bikich als Hort des Friedens glanzvoll auferweckt hat. Alle Herzen schlagen einrnütbig
Unterschied dem 88jährigen Helden entgegen. Begeistert grüßt ihn Schwabens Agend, Heil Kaiser, hochwillkommen im Schwabenland!"
Stuttgart, 18. September. Der Kaiser ist um 1 Uhr im besten Wohlsein hilf eingetroffen. Auf dem Wege bildeten die Geistlichkeit, städtische Beamten, zahl- JW Eoi'porationen, die Feuerwehren, Kriegervereine, Schützengilde, Turnvereine und Ä:igergesellschasten Spalier. Auf dem Schloßhofe war eine Kompagnie des 120. Re- M tuts aufgestellt. Ihn 5 Uhr findet ein Familicndiner, Abends um halb 9 Uhr ein Wi Fackelzug unter Betheckigung der gesummten Bevölkerung statt.
Berlin, 18. September. Die Mittheilung der „Times" vom 13. d. M., be- ftrtnb die angebliche Erklärung des egyptischen Vertreters auf der Telegraphen-Eon- sowie die Aeußerung des Vertreters der Eastern-Eompanv wird von unter;
ridjteter öette für unrichtig erklärt mit dem Bemerken, daß ein Vertreter der Easlcnr- Eompany das Wort nahm bezüglich des Vorschlags Egyptens, seine Terminaltare für ben Landweg um 50 pEt. zu redueiren, für den Kabelweg aber um 300 pEt. zu er- hohen. Bezüglich des Vorschlags Egyptens, sich unter Umständen dem europäischen System anzuschließen, enthielt sich der Vertreter der Eastern-Eompany jeder Bemerkung Dte von der Times" demselben in den Mund gelegten Worte sind gar nicht gesprochni worden und die Erzäl-lung, was vorgekommen sein soll, ist ein Phantasiegebilde. Der ganze Zwischenfall ereignete sich übrigens nicht in der Plenarsitzung, sondern in der Eommlsnonssitzung.
— Ein Erlaß des Ministers des Innern vom 11. d. M. ordnet an, mit den Vorbereitungen für die Neuwahlen 3um Landtag linoerzüglich vorzugehen, da beab- fiwttgt wird, unmittelbar nach dem Ablauf der Legislaturperiode die ^ttuwablen vor' zunehinen. Die definitive Festsetzung des Wabltermms bleibt Vorbehalten.
“ Der Bundesrath stimmte dem Anträge Preußens wegen Verlängerung des klemen Belagerungszustandes für Berlin auf 1 Jahr zu, fetzte aber die Verhandlung über einen analogen Antrag Hamburgs aus.
Mannheim, 18. September. In dem Proceß gegen die Firma Poltz und Lichtenberger in Ludwigshafen, welche im Laufe des Monats März eine Anzahl Säckchen mit Sprengstoff unter der Declaration „Waldsamen" nach Temesvar sendete, wo ein Theil derselben im Postlocale explodirte und mehrere Postbeamte verletzte, sind Friedrich Lichtenberger und Voltz wegen fahrlässiger Körperverletzung zu je 200 x Earl Lichtenberger zu 100 JL Geldstrafe oerurtheitt worden.
Wien, 18. September. Die sicilianischcn Provenienzen ans Triest und Fiume werden einer lOtägigen Observations-Reserve unterworfen.
Bern, 18. September. Literarischer Eongretz. In dem Eonventionsentwurs ist ein internationales Bureau mit dem Sitz in Bern vorgesehen. Auch Amerikaner und Engländer erklärten den Entwurf für annehmbar. "
Bern, 18. September. Das Schlubvrotokoll betreffs der internationalen Konvention zum Schutze des litercknschen und lünstlerischen Eigentbums wurve yeuir »o» den noch anwesenden Delegirten unterzeichnet und der Bundesrath ersucht, die Beitrittserklärung möglichst vieler Staaten innerhalb des Jahres einznholen. Die beitretenden Staaten bilden eine bezügliche Union.
— Der Bundesrath dehnte angesichts der Ausbreitung der Eholera in Oberitalien die für die französische Grenze getroffenen cholerapolizeilichen Maßregeln auf die italienische Grenze aus und verbot die Einfuhr und Durchfuhr von Hadem, gebrauchtem Bettzeug, ungewaschenen Kleidern (ausgenommen Gepäck von Reisenden).
Rom, 18. September. Nach dem Eholcrabulletin wurden gestern in der Stadt Palermo 132 Erkrankungen und 60 Todesfälle, in der Umgebung 1 Erkrankungs- und 1 Todesfall, in der Provinz Parma 5 Erkrankungen und 4 Todesfälle conftatirt.
Petersburg, 18. September. Die zwischen Deutschland und Rußland am 18. September abgeschlossene Uebereinkunft, betreffend die gegenseitige Anerkennimg und Inschutznahme der Rechte der Actiengesellschaften ist veröffentlicht worden und tritt am 30. August neuen Stils in Kraft.
Kopenhagen, 18. September. Der Reichstag wurde auf den 5. October einberufen.
— Die Grundsteinlegung der englischen Kirche findet morgen Mittag um 12 Uhr durch den Prinzen von Wales statt. An der Feier sollen theilnehmen das Königshaus, die fürstlichen Gäste, das Ministerium, das diplamatische Eorps und die Behörden. Die Besatzung der 2)acht „Osborne" bildet die Ehrenwache.
Petersburg, 18. September. Die „Deutsche St. Petersburger Ztg." schreibt: Der Gesundheitszuftand des Ministers des Innern, Tolstoi, ist ein so günstiger, daß Tolstoi auf seinem Gute im Rjäsan'schen täglich wenigstens 6 stunden arbeiten kann. Besondere Aufmerksamkeit wende Tolstoi den Gouvernements und Kreisinstitutionen zu, und er hgbe behufs eingehender Erörterung eines diesbezüglichen, von der sogen. Kochanow'schen Konimission ausgearbeiteten Entwurfs verschiedene Sachverständige zu sich geladen. Wie verlautet, werde dieser Entwurf demnächst dem Reichsrathe unterbreitet werden. — Bezüglich des vor längerer Zeit in Warschau zwischen dem deutschen Generalkonsul Rechen berg und dem Kanzleivenveser des Oberpolizeimeisters Müller vorgekommenen Zwischenfalls schreibt der „Regierungs-Anzeiger": Die Angelegenheit sei durch abgegebene Erklärungen völlig ausgeglichen.
,, , G-fund-n: 2 SttoMte 2 ^cnfleröortaflen, 2 Safdjentü^er, t Spazier-Stöckchen, 1 Gummi-Puppe, mebrere Stempelmarken, 13 JL haare» Gelb, 1 Portemonnaie ohne Inhalt, 1 Halstuch, 1 Kmderspielzeug
Zugeflogen: 1 Canarienvogel.
nkrMhcitkn Ä’ Schwächlings selbst ui den verzw.» rofp. flratl§. F.y.Baun ■asel-Binningen (Schweiz, ’fflkmta ch Maass r Garantie des giilui Nfter 3eit geliefert.
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IV. in
vorzügliche aschine!i,W- IauchcpuM ischnkiSer ctc.
) ist derselbe befugt, 3<- ir mich entgegen zu nch rträge abzuschlietzen. im September 1885.
C. LÜbeim, Mchimfabn^
. den Schulen gute Pech: 'allein, auch Mibe-
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