Berlin, 18. März. (Reichstag.) Im Reichstage wurde heute die zweite Be- lathung Ser Zollkartfnovelle bet der Pofttton Holz- und andere Schnittstone, sowie Maaren daraus fortgisetzt-
Die Commission yat unter die zollfreien Hölzer außer dem Brennholz auch noch das Schleifhvlz zur Cellulosefabrikatton angenommen.
Von verschiedenen Setten sind Anträge eingebracht, welche daS Cederu-, Bux- bäum-, Bruvöre-, Ebenholz, Mahagoni u. s. w. mit niedrigerem Zollsätze belegt wissen wollen, alS das Bau- und Nutzholz, in dessen Kategorie sie ihrer vorläufigen Bearbeitung nach gehören würden. Nach der Vorlage würden diese Hölzer meist mtt 0,60 oder 1,50 vH pro 100 Kilogramm belegt, während die Antragsteller einen Zoll von 0,10 oder 0,25 vH Vorschlägen.
Von verschiedenen Seiten wurde darauf aufmerksam gewacht, daß es sich nicht hierbei um einen Schutz des nationalen WaldeS handeln könne, weil die betreffenden Hölzer m Deutschland überhaupt nicht wüchsen. Wohl aber bildeten sie das Rohmaterial für große cxporttrende Fabrikattonszwetge, namentlich auch für die Bleistifr- rabrtkation, die durch den Zolltarif von 1879 schon sehr geschädigt sei. Als FinanzzoU sei dreier Zoll aber, wie aus den einschlägiges Zohlen nochgewiesen wurde, absolut ohne jede Bedeutung. Die hier in Frage stehenden Hölzer sind für die Jadustr-e geradezu unentbehrlich; eine Vertheuerung deS Rohmaterials würde zu Fälschungen führen und eine Schwindeltudustrte großztehen.
Den Nagel auf den Kops traf der Abg. Wind hör st mit der Bemerkung, daß eS wohl die Absicht der Gesetzgebung sei, der nationalen Industrie Schutz zu verschaffen. Gegen Holz aber, daS in Deutschland Überhaupt nicht existirt, kann doch kein Schutzzoll festgesetzt und Schutz der deutschen Industrie ist eS wahrlich nicht, wenn man die ihr unentbehrlichen auswärtigen Hölzer oertheuert.
Nach langwierigen Debatten entschied sich dann das Haus mit 138 Stimmen gegen 132 Stimmen für die neuerdings etngebrachten Anttäge, so daß bte seiner Zeit mit einer Stimme Majorität beschlossene Verweisung tn die Commission den Erfolg gehabt hat, daß die schutzzöllnertschen Anttäge der freien wirthschaffltchen Vereinigung keine Annahme gefunden haben.
ES beträgt nunmehr nach den heutigen Bestimmungen der Zollsatz für Rohholz von BuchSbaum, Erdern, KokoS, Ebenholz, Mahagoni
für 100 Kilogramm 0,10 vH oder pro Festmeter 0,60 vH geschnittenes Holz von Cedern für 100 Kilogramm 0,25 vH, Bruyöre (Erika-) Holz in geschnittenen Stücken bleibt zollfrei.
Morgen w»rd bie Berothung der Holzzollpofltion wettergeführt.
Telegraphische Depeschen.
Wolffs telegr. Correspondenz-Brrrearr.
Kaiserslautern, 18. März. In der Grube „Camphausen" bei Saarbrücken sind, wie die „Pfälzische Preffe" meldet, 217 Bergleute durch schlagende Wetter verunglückt. Bis jetzt sind nur 17 gerettet.
Saarbrücken, 18. März. Die Bergwerks - Explosion hat sich in Flötz 3 der Grube „Camphausen" bei Dudweiler zugetragen. Von 219 Mann, welche zur Nachtschicht eingefahren waren, sollen nach der „Saarbr. Zeitung" 30 gerettet sein, darunter 16, die vor der Katastrophe zu Tage gefahren waren. Der vielen Brüche wegen erscheinen die Rettungsarbeiten ziemlich aussichtslos.
Frankfurt a. M., 18. März. Das „Frkftr. Journ." meldet aus St. Johann: Die im Schachte „Camphausen" stattgehabte Explosion schlagen der Wetter erfolgte in vergangener Nacht kurz vor 1 Uhr; 17 Bergleuten gelang es, sich zu retten, gegen 200 aber sind verschüttet. Der Schacht ist zusammengestürzt, dabei wurden auch die Windthüren zerstört. Die Rettungs arbeiten sind in vollem Gange.
St. Johann, 18. März. Aus der Grube „Camphausen" wurden bis heute Abend 92 Todte zu Tage gefördert.
Nom, 18. März. Der Kapitän der Artillerie, Gioppi, ist zum AttachS bei dem Hauptquartier des Generals Graham ernannt und wird demnächst nach Suakim abretsen.
Hamburg, 18. März. Wie die „Hamb. Börsenhalle" aus London erfährt, wären von einem in Lagos etablirten Hamburger Hause große Landstriche östlich und nördlich von Lagos erworben worden.
Washington, 18. März. Der Senat nahm gestern eine Resolution an, in welcher ausgesprochen wird, man müsse es verhindern, daß der Präsident von Guatemala, Barrios, seinen Plan, die central-amerikanischen Staaten zu einer Republik zu vereinigen, ausführe. — Der Staatssecretär des Auswärtigen, Bayard, erklärte in einem Briefe an den Präsidenten der Commission sür auswärtige Angelegenheiten, die Vereinigten Staaten würden keine Maßnahme treffen, welche der freien Autonomie der Staaten Central-Amerikas hinderlich fein könnte.
London, 18. März. Unterhaus. Der Kanzler der Schatzkammer, ChtlderS, erwiderte auf eine Anfrage Northcote's, er hoffe, tm Laufe des Nachmittags tn allgemeinen Umrissen Mtttbeilungen über die egyptische Finanzbeclaratton und Finanz- convent'on machen zu können, bie Vorlegung beS bar auf bezüglichen Schriftenwechsels werbe voraussichtlich nächsten Freitag erfolgen.
London, 18. März. Im Unterhause theilte Chilbers mit, daS egyptische Finanzabkommen enthalte bte Declaration der Großmächte und der Türket, ferner bie Convention der Mächte und ber Türkei, enblich den Entwurf eineS DecretS deS Khedive. Alle Mächte, ausgenommen die Türke», unterzeichneten gestern bte Declaration. Die Vollmachten deS türkischen Vertreters find unterwegs. Die Convention würbe heute unterzeichnet. Der Khedive oervflichtet sich, daS Decret zu vollziehen. Diese drei Instrumente werben morgen veröffentlicht, die beglettenbe Correspondenz nächsten Montag vertheilt werben. — Weiterhin gibt ChilberS einen geschichtlichen Rückblick auf die Unterhandlungen seit dem Bombardement von Alexandrien und sagt hinsichtlich der Resultate der letzten Monate: Die Mächte waren einig über die Verwaltungskosten Egyptens, die auf 5,237,000 Pfund jährlich angenommen wurden, einschließlich der Kosten der OccupationSarmee mit höchstens 200,000 Pfund. Die Anleihen wurdm auf 9 Millionen festgestellt, daS gegenwärtige Steuersystem auf die Fremden in Egypten ausgedehnt. (Beifall.) Zwei Jahre wurden für eine sorgfältige Enquete hinsichtlich der Feststellung der eigentlichen Ziffer der Grundsteuer und anderer Einnahmequellen bewilligt. DaS Verlangen Englands nach ZtnSreduction solle durch einen bprocemtgen Abzug von allen Coupons und Abzug von einem halben Procent von den Zinsen ber
englischen Sueczanal-Aciken ersetzt werden. Die Wiedererstattung dieser Abzüge soll erfolgen, wenn nach Ablauf drr beiden Jahre das Resultat der Enquete zeigt, baß die Einnahmen dieselben vertragen können. Wenn nach Ablauf von zwei Jahren eine weitere Reduclion des Coupons erforderlich sei, soll der Khedive eine internatisnale Commission einbcrufen, welche eine allgemeine Erquete über die egyvttschen Finanzen veranstaltet. Die Mächte schlugen vor, baß die Aalrihe eine interuattonale Garantie erhält. Wir baden keine Garantie verlangt, da wir bereit sind, sie zu übernehmen: jedoch wibersprachen wir dem Vorschläge nicht, vorauSsetzend, derselbe involoire nicht eine internationale Einmischung in bte Leitung der Angelegenheiten EgyptenS. Wir würden also der internationalen Garantie zust'mmen, wenn dieselbe nach Alt der englisch französischen Garantie für bte türk-sche Anleihe von 1855 ist, welche em retneS Finanzabkommen war. Alle sechs Großmächte willigten mit bem Vorbehalt Rußlands ein, welcher jedoch ohne vraktische Bedeutung ist. Darnach erstreckt sich btt Garantie nur auf die Z nsenanleihe im Betrage von 315,000 Pfund. Die Verzinsung soll 3Vr P'ocenl nicht überschreiten; außerdem wird ein besonderer Amort'sationSfond eingerichtet. Chilbers theilte ferner Mit, noch vor Ende März würben sich bie Vertreter ber Mächte in PariS versammeln, um auf der BastS von Granville'- Circular vom 3. Januar 1883, bett, den freien Verkehr beS SuezcanalS, zu berathen unb eine internationale Acte hierüber zu vereinbaren. Diese Acte werbe jedoch, da es sich nicht um Finanzsraaen handle, ber Sanction befi Parlaments nicht unterbreitet werben.
Bukarest, 18. März. Der Chef ber politischen Äbtheilung deS Mimsterinms bes Aeußern, Beibimanu, ist zum diplomatischen Agenten und Grneralconsul in Sofia ernannt worben.
— Die Deputirtenkammer hat die Vorlage, bett, die Wieberherstellung beS Freihafens von Galatz und Brailt, mit 61 gegen 29 Stimmen verworfen.
Lokale-.
Gieße«, 19. März. Schwurgerichtsverhandlung am 18. März gegen Christian Klein von Heisters wegen Meineids und'Betrugs.
Derselbe war beschuldigt:
1. daß er am 24. October 1884 in ber Fo-ststraffache gegen Valentin Döring von Heisters unb Consorten wegen HolzfrevelS vor einer zur Abnahme von Eiben zuständigen Behörde, nämlich dem Großh. Amtsgericht Herbstein, den vor feiner Vernehmung als Zeuge geleisteten Eid wiffeutlich durch ein falsches Zeugniß verletzt habe;
2. daß er an demselben Tage in der Absicht, sich einen rechtswidrigen Ber- mögenSoortheil zu verschaffen, daS Vermögen eines Anderen, nämlich de« Großh. FiScuS, dadurch beschädigt habe, daß er durcb Vorspiegelung gtaer falschen Thatsache Jrrthum erregte, indem er tn der eub 1 erwähnten Forststraffache deS Großh. Amtsgerichts Herbstein durch das unwahre Vorbringen, er wolle nach Hohenlimburg, woher er gekommen, zurückkehren, zur Anweisung einer viel höheren Zeugengebühr, als ihm ohne bieS Vorbringen angewiesen worden wäre, bestimmte.
Die Geschworenen erkannten den Angeklagten bezüglich deS Meineids, unter Annahme mildernder Umstände, für schuldig, bezüglich deS Betrugs verneinten tnbeffen dieselben die ihnen vorgelegte Schuldfrage. Klein wurde daher wegen Meineids tn eine Gefängnißfttafe von 1 Jahr verurthetlt, dagegen wegen deS Betrugs freigesprochen.
Gießen, 19. März. Freitag und SamStag findet im Gymnasium die öffentliche Schlußprüfung und Schlußfeter statt. — Nach dem soeben ausgegebcnm Programm besuchten im verflossenen Schuljahre tm Ganzen 427 Schüler diese Anstalt. Der Confession nach vertheilen sich solche mit 326 auf Evangelische, 26 Katholiken und 54 Israeliten. Die Maturitätsprüfung bestanden 24 Schüler. — Da ber tn diesem Jahre hier stattfindenden 38. Versammlung deutscher Philologen unb Schulmänner eine Festschrift überreicht werden soll, so ist bte gewohnte Abhandlung zum Programm in Wegfall gekommen.
Gießen, 19. März. In der außerordentlichen Generalversammlung de« Eis- Vereins am 18. b. M- wurde kein Widerspruch gegen die vom Vorstände beantragten Statutenänderungen erhoben, einfach deßhalb, weil die Versammlung nur ouS Mitgliedern des Vorstandes zusammengesetzt war.
Der jährliche Beitrag der Mitglieder wird demnach vom nächsten Winter an nur 1 vH. für eine Person, für jede weitere, derselben Familie angehörige Person 50 steigend biS zum Maximalbetttag von 3 vH, betragen. Neu eintretenbe Mitglieder zahlen jedoch IvH Eintrittsgeld. Der letzte Termin für AuStttttSerklärungen ist etwa« früher als seither gelegt, nämlich auf den 15. October. Bet rechtzeitiger imb gehörig motioirter Abmeldung wird tm Falle späteren Wiedereintritt« von der Zahlung deS Eintrittsgeldes abgesehen.
Vermischtes.
Darmstadt, 17. März. Zur BiSmarck - Stiftung sind biS jetzt beim Central» Comtte hier eingeltefert: Von Darmstadt 5314, Offenbach 2751, Beffungen 540, Bensheim 510, Groß-Gerau 378, Pfungstadt 291, Michelstadt 252, Zwingenberg 199, Badenhausen 151, Reinheim 142, Auerbach 140, Eberstadt 113, Seligenstadt HO u. s- w, in der ganzen Provinz Starkenburg 12,760 vH, vom Provinzial - Comite Gießen 5455, Büdesheim 519, AlSfeld 270 u. f. w-, in der ganzen Provinz Oberheffen 6435 Jt. Sodann von Oppenheim 376, Alzey 322, Bingen 277, Nierstein 170 u. f. au« der Provinz Rheinhessen tm Ganzen 1780 Jk. Man glaubt, daß ca- 30,000 vH au- unserem Großherzogthum tm Ganzen etngehen.
Beerfelden, 14 März. Dieser Tage haben der Wirkt. Gehetmerath Dr. Goldmann von Darmstadt, Regierungspräsident Strauß von Wiesbaden und Herr Pfarrer Stromberger von Zwingenberg den Gräfl Erbach-Fürftenauischen Hof zu Etzean besichtigt und dem Vernehmen nach die Localttäten zur Errichtung einer Arbestercolonte für geeignet befunden.
— Wir machen hierdurch auf die tn unserem heutigen Blatte befindliche Annonce des Herrn I. A- Baer tn Frankfurt a. M- aufmerksam. Die von diesem Hause empfohlenen Türkischen Loose sind so chancenreich und billig, daß deren Ankauf zu empfehlen ist.
Handel und Deekede.
Limburg, 18. März. Roiher Weizen vH 15.90, weißer, Weizen vH 15.80-, Korn vH. 11.50, Gerste vH. 10.70, Hafer Jt 7.75, Kartoffeln * 10U Pfund vH. 0.00, Erbsen ä 100 Pfund vH 00.00.
Frankfurt, 18. März. Auf dem heutigen Markt kostete der Gentner Heu vH 2./d—3.20, Stroh vH 1.80—2.10, Eier das Hundert vH 5.00—7.00, Butter 1. Qualität vH 0.90, 2. Qualität ,H 1.10, Kartoffeln per Centner vH 2.00—2.25, Kohlrabi 3-0 H pr. St-, Erbsen 100 Ka. 22.00—30.00 Rothkraut pr. St. 20—30 X Huhn vH 1.50—2.00, 1 Ente vH 2.00—3.50, 1 Taube 40—60 X Hahn jH 1.90—2.50, Gans vH 6—10.00, Welsche vH 5.00—10.00.
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Allgemeiner Anzeiger.
Verein der deutschen freisinnigen Partei.
Montag den 23. Mär?, Abends 8V2 Uhr, tm Frankfurter Hof
Generalversammlung.
Tagesordnung: Geschäftsbericht.
Rechnungsablage.
Vorstandswahl.
2008 Der Vorstand.
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