Uli
ä LL
N" Arbeit r-S'A
Miiite
!ervorlagen besorgt 1341 ingmann. M fmilidliche Kft Wie bet ihren EA'- itMnfamiTre. W- b. U.
bma.
tit unzmeiselhastem ten Heilmittel gegen bisher von Herrn
>on Tchlieffen auf /M. abgegeben mur- ur allein aus der Hof-Apotheke in i beziehen. 1711 »dt, Hosapotheker.
\x*t\
bei jeder »w LüMWm, M Mgm bis W- -n Preisen und bester
G. Mook, Photograph, Wode's Nachfolger, NeumBäuen.____
Ostern suche i* Uugwitgutt" [en und erbitt« Offerten.
SinKrttroM
istn bl-br- ich mch
-80 PiS' 17$
tlC**’* fi, fl#«1' ih ** iS
Mteria^M
Rv. 67. Freitag den 20. März 1885
Cnießeucr Anzeigcr
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
'Ä*ttreatt t Schulstraße 7. Erscheint 136*114) mit Ausnahme be8 Mo«t«aS. ?^^^.?^Eljührlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.
* Durch bie Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Politische Ueberficht.
Gießen, 19. März.
Der diesjährige Geburtstag Kaiser Wilhelm- wird wiederum einen glänzenden Kreis deutscher und auswärtiger fürstlicher Persönlichkeiten am Berliner Hose versammeln. Unter ihnen wird sich auch der englische Thronfolger, der Prinz von Wales, befinden, welchen sein ältester Sohn, Prinz Albert Bictor, und sein Bruder, der Herzog von Edinburgh, begleiten. Es siegt nahe, nach den Eretgniffen der letzten Zeit in diesem Besuche des Berliner Hofes durch so hervorragende Mitglreder Der englischen Königsfamilie ein politisches Stimmungs-Symptom zu erblicken und die Londoner Blätter, voran die „Times", bezeichnen denn auch den Besuch des Prinzen von Wales in der deutschen Reichshauptstadt als eine markante Bestätigung der That, daß zwischen Deutschland und England keinerlei Differenzen mehr bestehen, die zu nationalen Feindseligkeiten oder auch nur zu diplomatischen Schwierigkeiten führen könnten. In diesem Sinne wird man auch in Deutschland die Reise des englischen Thronfolgers auffassen und die erfreuliche Thatsache, daß es gelungen ist, obschwebende Irrungen zwischen den beiden verwandten Nationen zu beseitigen, mit allgemeiner Genugthuung begrüßen.
Nach viertägigen, unsere Colonialpolitik nach allen Seiten hin erschöpfenden Verhandlungen ist endlich die Postdampser-Vorlage am Montag im Reichstage zur Abstimmung gelangt. Dieselbe ist in ihren Hauptpunkten so ausgefallen, wie man es nach dem Gange der Debatten erwarten mußte: Die australische Linie ist mit 170 gegen 159 Stimmen angenommen, die afrikanische dagegen mit 166 gegen 157 Stimmen abgelehnt worden. Für die australische Linie stimmten geschlossen die Nationalliberalen, die Conservativen und die Freiconservativen, Gras Hacke von den Freisinnigen, mehrere Elsässer und „Wiloe" und 17 Centrums-Abgeordnete, für die afrikanische Linie stimmten wiederum die brei erstgenannten Fraktionen, die Elsässer Zorn v. Bulach und Grad, der Pole v. Wolszlegter, ferner der „wilde" Abg. Bertram und der Welfe Langwerth v. Simmern, sowie 8 Centrums-Abgeordnete. Als jährliche Subvention wird nach einem Anträge des Abg. Voiel der Betrag von 4,000,000 J-t. bewilligt. Angenommen wurde ferner die Zweiglinie von Trieft über Brindisi nach Alexandrien nebst der hierzu ausgesetzten jährlichen Subvention von 100,000 «X Die Anträge des Centrums, nur die ostasiatische Linie zu bewilligen, der Socialdemokraten, die australische Linie blos nach dem australischen Festlande zu bewilligen, und der Freiconservativen, die Linie Aden- Port Elizabeth (Ostafrika) einzuschalten, wurden abgelehnt. Da neben der australischen Linie auch die ostasiatische Linie fast einstimmig Annahme gesunden hat, so erscheint das Resultat der Abstimmung des Reichstages über die Postdampfer-Vorlage als ein relativ günstiges, Denn von den von der Regierung beantragten Linien ist nur die afrikanische abgelehnt worden und selbst diese nur mit 9 Stimmen Mehrheit. Man knüpft in Regierungskreisen an letzteren Umstand die Hoffnung, daß auch Die afrikanische Linie in dritter Lesung bewilligt werden wird, indessen dürften in dritter Lesung die Beschlüsse vom Montag schwerlich nach irgend einer Seite hin eine Abänderung erfahren. Bedauerlich bleibt es ja, daß in Anbetracht der mannigfachen colonial-politischen Unternehmungen Deutschlands im „schwarzen Continent" und namentlich in Westafrika Die afrikanische Linie die Zustimmung des Parlaments nicht erhalten hat.
Dem preußischen Landtage wird noch ein Gesetzentwurf, betr. den Ausgleich zwischen der Krone Preußen und dem Herzoglichen Hause von Schleswig-Holstein, zugehen.
Das österreichische kronprinzliche Paar ist auf seiner Orient- reife am Sonntag in der griechischen Hauptstadt eingetroffen, wo den hohen Reisenden von Seiten des Königshofes wie der Bevölkerung ein warmer herz- ucher Empfang bereitet wurde. Der Besuch des künftigen Beherrschers des Donau«Kaiserstaates am Hofe von Athen wird jedenfalls eine engere Annäherung ärotjqjett Oesterreich und Griechenland herbeiführen, wenngleich die Wiener Offi- ^?n oen politischen Charakter der Kronprinzen-Neise leugnen. Der Umstand, daß sich das hohe Paar von Athen nach Cettinje, der Residenz des Fürsten von Montenegro, begiebt, verleiht der Reise entschieden einen politischen Beigeschmack.
Ueber die blutigen Kämpfe, welche in Tongking dem Entsatz von Tuyenquan durch Die Franzosen vorangegangen sind, geben jetzt die von der franzojrfchen Regierung veröffentlichten Verlustlisten einen bemerkenswerthen Aufschluß ES erhellt aus denselben, daß den Franzosen dieser Sieg teer genug ju stehen gekommen ist, denn sie haben in den zweitägigen Kämpfen vor Tuyen- quan zusammen 463 Mann an Tobten und Verwundeten verloren; hierzu fonv E «och die Verluste der Garnison von Tuyenquan während der Belagerung, die sich auf 185 Mann beziffern, so daß den Franzosen diese Maire insge- srmmt 648 Mann gekostet hat, eine im Vergleich zu der Zahl der hierbei fran- zöstschersetts beseitigt gewesenen Kombattanten sehr hohe Verlustziffer. Erwägt man ferner, daß die Operationen auf Formosa saft den dritten Theil des dort engagirten französischen Expeditions-Corps hinweggerafft oder außer Gefecht gesetzt haben, so wird immer klarer, daß die französischen Corps aus dem ostasiatischen Kriegsschauplätze trotz aller ihrer Erfolge viel zu schwach find, um Die Campagne zu Ende führen zu können. Es heißt Denn auch, daß der französi- sihen Deputirtenkammer eine neue Creditforderung behufs Absendung eines | Expeditions-Corps von 25,00.0 Mann nach Dftaften zugehen soll. Mittlerwelle I "rohen in den chinesischen Gewässern Schwierigkeiten zwischen Frankreich und I
England. Nachdem erst kürzlich sranzösische Kreuzer bei Hongkong einen englischen Dampfer, weil er Blei als Kriegscontrebanve führte, aufgebracht hatten, der aber später wieder freigegeben wurde, hat neuerdings ein französischer Kreuzer wieder einen englischen Dampfer, den „Surat", nach KriegScontrebande durchsucht. In Folge dessen ist das englische Geschwader an der chinesischen Küste nach Hongkong beordert worden.
In dem Meinungsaustausch zwischen den Cabineten von London und St. Petersburg wegen des afghanischen Grenz-Conflictes scheint jetzt eine Kunstpause eingetreten zu fein. Dieselbe wird von beiden Seiten offenbar dazu benutzt, die gegenseitigen Stärkeverhältnisse an Der afghanischen Grenze nochmals eingehend zu prüfen und es ist Grund zu der Annahme vorhanden, daß man in Petersburg wie in London froh fein wird, wenn der neueste englifch-russische Streitfall seine friedliche Beilegung erfährt. Freilich wird jedes UebereinEommen zwischen England und Rußland in Centralasien nur den Charakter eines Provisoriums tragen, eine definitive Lösung Der afghanischen Frage dürfte wohl nur durch das Schwert erfolgen.
Die Nachrichten aus Albanien lauten fortgesetzt höchst beunruhigend. Der blutige Zusammenstoß im Paschalik Prizrend zwischen den ausstän- difchen Arnauten und den türkischen Truppen, wobei bie Stadt Prizrend thell- weise zerstört wurde, bestätigt sich und nicht mit Unrecht befürchtet man eine Fortpflanzung des Aufstandes durch ganz Albanien. Die türkische Regierung hat zwar bei Prizrend 5000 Mann regulärer Truppen concentrirt, ob aber diese Truppenmacht genügt, um die mit Martiny-Gewehren und Munition hinreichend versehenen Rebellen aus dm starken Stellungen, die sie nach dem Kampfe in Prizrend in der Umgebung dieses Platzes eingenommen haben, zu vertreiben, ist noch, sehr fraglich. Höchst wahrscheinlich wird man in Konstantinopel zur Entfaltung einer noch größeren Truppenmacht genöthigt werden, wenn man den Amauten-Ausstand localisiren will.
Darmstadt, 48. März. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:
Am 11. März den zweiten Assistenzarzt bei Der Landes-Irrenanstalt, Dr. Eugen Wittich, zum zweiten Arzte bei dieser Anstalt zu ernennen.
—1 Darmstadt, 18- März, fZweite Kammer der Laudstänoe.j Der Aba. WolfSkehl hat Namens deS 1. Ausschusses Bericht erstattet über die Vorlage Großh. Ministeriums der Finanzen, den Entwurf deS Finanzgesetzes für die EtatSjahre 1885/86, 1886/87 und 1887/88 betreffend, zugleich über Hauptabtheilung in, Kap. 4 der ordentlichen Einnahmen des Hauptvoranschlags für 1885/88 „btrecte Steuern".
Der Ausschuß beantragt in seiner Gesammthett unveränderte Annahme deS FinanzgesetzeS und setzt im Etnoerständnttz mit Großh. Regierung noch den Zusatz fest: Gegenwärtiges Gesetz tritt mit dem 1- April 1885 in Kraft- Außerdem stellt er m die Hauptabtheilung in, Kap. 4 der ordentlichen Einnahmen des Hauptvoranschlags „directe Steuern" die Summe von 8 200186 JL ein. Der I. Ausschuß der I. Kammer hat sich nach stattgehabter gemeinschaftlicher Berathung mit säwmtlichen Anträgen de- dieSseitigen Ausschusses einverstanden erklärt.
Von dem 1 April an wird die erstmalige Anwendung der neuen Steuergesetze stattfinden und sei kurz hingewiesen auf das mit dem Beginne der bevorstehenden Finauz- periode in Kraft tretende Kapitalrentevsteuergesetz, die neue auf Progression und engerer Klassenbegrenzung beruhende Scala bet der Einkommensteuer unter Heranziehung des Einkommens der Actiengesellschaften zu derselben, sowie unter gleichzeitiger Freigabe der Einkommen unter 500 JL von dieser Steuer, endlich auf die in verschiedener Hinsicht wichtigen Abänderungen deS Gewerbesteuergesetzes. Der Ertrag an Renten- steuerkapttalien wird nunmehr von Großh. Regierung auf 2 064192 «AL veranschlagt, gegenüber der auf dem vorigen Landtag gegebenen Schätzung auf 1561000 Man hatte somit ein? halbe Million Mark weniger erwartet-
Im Bericht ist des Weiteren auSgeführt, wie eine sehr erhebliche, alle früheren Schätzungen übetreffende Steigerung in den Einkommensteuerkapitalten eingetreten sei, welche gegen das Vorjahr trotz des Wegfalls der Einkommen unter 500 JL um 4 446551 Jü höher veranschlagt werden-
Bet der Gewerbesteververanlagung ergab sich ein Ausfall von 74975 Jt, was in den zur Erleichterung insbesondere der kleineren und kleinsten Gewerbetreibenden getroffenen Aenderungen des früheren Gesetzes seinen Grund hat und tm Interesse der Bezeichneten nur freudig zu begrüßen ist.
Bet Berathung deS Kapttalrentensteuergesetzrs wurde vielfach die Absicht geäußert und insbesondere in einem Anträge der Abgeordneten Schade und Genossen ausgesprochen, daß daS ganze Erträgntß jener Steuer nur zur Herabminderung der Grund- und Gewerbstmer verwendet werden solle.
Der Bericht weist nun durch die folgende Berechnung nach, inwieweit diesem Antrag entsprochen wurde-
Die Kapitalrentensteuerkapktalten betragen 2064 192 JL, waS eine JahreSsteuer von 350 912 d*L ergibt bet Berechnung von 17 H auf die Mark Steuerkapttal. Dte Grundsteuer wird erleichtert um 2% gibt aus 20 615 768 «X Kapital 515394 «X Steuer. Die Gewerbsteuer, erleichtert um 2 H, gibt aus 4 948 601 JL Kapital 98 972 «AL Steuer. Zusammen 614366 JL Steuer. D'e Kapktalrerttensteuer beträgt 350912\AL; es sind somit 263454 JL mehr, als der Ertrag der Kapttalrentensteuer und zwar nahezu 40p6t. des gelammten Ertrags der Progression bet der Einkommensteuer zur Erleichterung von Grundbesitz und Gewerbe verwandt werden.
St. Johann, 18. März. Auf der Grube Camphausen fand Nachts 12 Uhr eine Explosion schlagender Wetter statt, die große Zerstörung anrichtete. Es arbeiteten 219 Bergleute in der Grube, davon sind gerettet 16. Die übrigen find wahrscheinlich sämmtlich tobt. Berginspector Dr. Sättig und Fahrsteiger Kirscht find bei den Rettungsarbeiten beinahe erstickt. Die Aufräumungsarbeiten dauern voraussichtlich Monate lang. Die Grube liegt tief und ist die schwierigste im ganzen Bezirk. Die Ursache des Unglücks ist unbekannt. Mittags um 12 Uhr waren 14 Tobte zu Tage geförbert. Flötz Nr. 3, Grundstrecke und Bremsschachte sinb zerstört. (Fr. Ztg.)


