London, 17. Januar. Waddington überreichte Granville heute Nachmittag die Gegenvorschläge Frankreichs über Egypten.
Norwegen.
Christiania, 17. Januar. Die zwischen dem Staatsminister Sverdrup und dem Kriegsminister Daae wegen der Heeresorganisation bestandenen Differenzen sind durch eine Uebereinkunst erledigt. Die Befürchtung einer Minister- krists ist beseitigt.
Italien.
Atom, 17. Januar. Die Kammer nahm nach wiederholter Namensabstimmung die EisenbahN'Conventionen mit 162 gegen 73 Stimmen und drei Stimmenenthaltungen an.
Neapel, 17. Januar. Der „Principe Amadeo" ging verfloffene Nacht nach Messina ab; heute folgt das Packetboot „Gottardo" nach Bersaglieri.
Spanien.
Madrid, 17. Januar. (Kammer). Auf Anfrage wegen der Erwerbung neuer Gebielstheile in Afrika unter spanischem Protectorat erwidert der Minister des Aeußern, das Protectorat sei aus Ersuchen der spanischen Handels- Gesellschaften jener Gegenden hergestellt und solle ebenso gehandhabt werden, wie das Seitens anderer Mächte dort geschieht. Die Frage wegen Abschaffung des Durchsuchungsrechts liege der Berliner Conferenz vor. England sei zu einer Reform geneigt.
— Bezüglich der Interpellation Vejas über die auswärtige Politik, namentlich die Erhebung der deutschen Gesandtschaft in Madrid und der spanischen in Berlin zu Botschaften und die Sulusrage, wies der Minister aus die Schwierigkeiten hin, die Seitens des deutschen Reichstags zu erwarten seien. Die Unterzeichnung den Convention bezüglich der Sulufrage sei durch Meinungsverschiedenheiten zwischen England und Deutschland bezüglich der Handels-Angelegenheiten in Borneo verzögert.
Serbien.
Belgrad, 17. Januar. Die Nachricht von einer Ministerkrisis ist unbegründet. Die serbische Commission ist von der Fixirung des Anschlußpunktes Vranja zurückgekehrt.
Kricchenlanv.
Athen, 17. Januar. Die Regierung ließ dem hiesigen englischen Gesandten wegen einer Ungebühr, deren sich ein griechischer Gensd'arm gegen denselben schuldig gemacht hat, sofort Entschuldigungen übermitteln und sichert volle Genugthuung zu.
Telegraphische Depeschen.
Wolffs telegr. Correspondeuz-Bureau.
Braunschweig, 18. Januar. In einer heute hier abgehaltenen, von Angehörigen aller Stände und Parteien zahlreich besuchten Versammlung wurde die Bildung eines Comitös beschloffen, welches für das Herzogthum Braunschweig die Angelegenheit der Darbringung einer Ehrengabe an den Reichskanzler, Fürsten v. Bismarck, bei Gelegenheit des 70. Geburtstages desselben in die Hasd nehmen soll.
Aachen, 18. Jan. Die Gebäude der Rheinischen Tuchfabrik (Actien- gesellschaft), welche mehrere Hunderte von Arbeitern beschäftigt, sind heule Nachmittag vollständig niedergebrannt, von den angrenzenden Fabriken und Wohnhäusern gelang es, das Feuer abzuhalten. Der Feuerschaden ist ein sehr großer, bei demselben sind 7 verschiedene Versicherungs-Gesellschaften betheiligt.
Ludwigsburg, 18. Januar. Heute Nachmittag 3 Uhr "hat in der hiesigen königlichen Familiengruft die feierliche Beisetzung der von Berlin hierher überführten Leiche des verstorbenen Prinzen August von Württemberg stattgefunden. Dem mit Blumen und Kränzen reich geschmückten königl. Leichenwagen, welcher den Sarg von dem Bahnhose nach der Schloßkirche überführte, ging eine Eskadron Kavallerie mit der RegimentSinusik voraus, zu jeder Seite des Leichenwagens schritten 4 Stabsosficiere, hinter dem Leichenwagen trugen 4 Osfi- ciere die Ordens-Insignien des Verstorbenen, darauf folgten die Wagen mit dem Commiffar des Königs und mit den Herren, welche die Leiche von Berlin hierher geleitet hatten, eine Eskadron Kavallerie beschloß den Zug. Während der Fahrt nach der Schloßkirche ertönte von den Schloßthürmen Trauergeläute. Vom Schloßhose bis zum Kirchenportal bildete die hiesige Garnison Spalier, vor der Kirche war eine Compagnie Infanterie als Ehrenwache ausgestellt. In der schwarz ausgeschlagenen Kirche hatte sich inzwischen Prinz Wilhelm, sowie die Herzöge Nicolaus und Albrecht von Württemberg und Prinz Hermann von Sachsen-Weimar mit der Generalität und den Ossicier-Corps aus Stuttgart und Ulm, sowie mit sämmtlichen Ministern, den Mitgliedern des diplomatischen Corps, den Hofstaaten und Standesherren eingefunden. Vor dem Kirchenportal wurde der mit Kränzen reich geschmückte Sarg von der Geistlichkeit beider Con- fessionen empfangen und unter Orgelklang nach dem in der Kirche errichteten, von 12 Kandelabern umgebenen Katafalke geleitet. Oberhosprediger Prälat Gerok hielt die Trauerrede. Hierauf wurde die Leiche in die Gruft versenkt, mit einem Gebete und einem Salut von 36 Kanonenschüssen schloß die erhebende Feier..
Pari-, 18. Januar. Ein Telegramm der „Agence Havas" aus Shanghai von heute meldet, es seien gestern zwölf chinesische Schiffe ausgelaufen, man glaube, dieselben würden nach Fuetschu gehen, um dort Truppen an Bord zu nehmen, und die Truppen dann in Formosa zu landen versuchen.
Konstantinopel, 18. Januar. Prinz Waldemar von Dänemark überreichte dem Sultan in feierlicher Audienz den Elepyanten-Orden.
GerwischteS.
— [®r kennt seine Leute 1] Man schreibt der „Fr. Z.": Wie gut es ist, wenn etn Bürgermeister seine Leute kennt, beweist ein heiteres Ereigmß, daS sich letzthin in dem Dorfe Englharding in Bayern zugetragen hat. Mit Schellengeläute und Peitschen- knall rückte eine lustige Schltttenpartte an, um tm Dorfwirthshause die frische Fahrt !ol/nne“ SchmauS zu beenden. Man war fidel, also fuhr alsbald der 1 ?"ter die Versammlung und mit Stuhlbeinen, Maßkrügen und sonstigen lltenstlien ging eS zu. wie man es eben dort oben erleben kann. Kaum war aber die ö"An Gang, so sprang die Saalthür auf, eine feste Stimme commandirte »LnJwA Wasserstrahlen, eisig kalte Wasserstrahlen herein,
^^ch war der Streit zu Ende und jeder Theiluehmer suchte pudelnaß ein Plätzchen auf, wo er sich trocknen könnte. Der Bürgermeister de« Orte« hatte nämlich, weil er .seine Leute kennt , die OrtSspritze gleich im Vorhinein bereit stellen lassen und bei
Eintritt der Katastrophe fofmt „Wasser* commandlrt. „DaS hilft* — so meinte er — „besser alS fünf PoUzrtdrener. Ja, eine gute Feuerspritze ist zu allen Dingen nütze.» Die Geschichte hat vor einer ähnlichen der „Flieg. Bl.* den Vorzug, wahr zu sein.
Madrid. 14. Januar. Die Statistik setzt ihre Erhebungen über die traurigen Wirkungen deS Erdbebens fort. In der Provinz Granada zählt man btS jetzt 695 Tobte und 1490 Verletzte, zerstörte Häuser 3240, beschädigte 749. Dir Städte, die am meisten
VUVIM, |ii Orte.
Zerstö te Häuser.
B schädigte Häuser.
Alhama
1302
260
AlbanuelaS
362
146
ArenaS
160
16
Santa^Cruz
164
46
Zafarraya
72
103
MurchaS
805
9
Jayena
100
18
Cactn
87
12
Turro
72
17
VentaS
96
53
Der König besuchte gestern Guevejar bei entsetzlichem Wetter; er mußte mit seinem Gefolge 5 Kilometer durch Schneegestöber auf fast ungangbaren W-gen zu Fuß zurückttg-n. Guemjar ist der Schauplatz einer merkwürdigen Effchetminz: Bon Nord nach Süd und dann um die ganze Stadt herum hat sich nämlich die Erde gespalten; 3 K-lometer weit ist der Spalt durchschnittlich 3 Meter breit und bis zu 20 Meter t'ef. Das lehmige Terrain, auf dem die Stadt sttht, hat sich in Bewegung gesetzt und diese Rutschung dauert immer noch fort und zwar in der Richtung nach dem etwa 1 Kilometer entfernt fließenden CogolloS. Die Bewohner erzählen, daß sie zuerst einen Stoß von unten nach oben verspürten und dann eine wellenförmige Bewegung, die so stark war. daß Leute von den Stühlen, auf denen sie saßen, herunter fielen. Die Häuser litten mehr durch die Rutschung detz Bodens als durch daS Erdbeben selbst.
GingeHandt.
Darmstadt, 14. Januar.
Die auße'ordentliche Delegirtenversammlung des Rhetn-Main-Gastwirthe-VerbandeS sand am 14. d. M. im Schwanen zu Darmstadt statt. Dieselbe war etnbenff.n, um die in der Weinsteuclfrage weiter zu unternehmenden Schritte zu berathen.
Die aus allen Städten und Olten Hessens erschienenen V.rtreter der Gastwirthe- vereine und V-rbandsmttglieder sprachen sich einmüthig für em kräftiges Eintreten in dieser Angelegenheit aus. Die Weinsteuer habe dazu geführt, daß der Weinconsum sich von der Gaststube entfernt habe und dadurch daS GastwtrthSgewerbe enorm schädige. Es bringt di-8 ja daS Gesetz mit sich, daß Jeder, der nur einigermaßen die Mittel dazu besitzt, sich seinen Wein in den Keller legt, um die 7 •£ pro 100 L ter Steuer zu ersparen, welche ihm der Staat abnimmt, wenn er seinen Wein tm WirthShaus trinkt. Deshalb stetiger Rückgang dieser Steuer. Der Wirth spielt gewissermaßen den Steuer- einnchmer des Staate«, der Staat erhebt von dem Wirthe die Weinsteuer und der muß sehen, wie er sie wieder bekommt. Weitere Folgen sind, daß Private Wein stückweise kaufen und an Freunde rc. verthetlen, nur um die Steuer zu umgehen. Eigenthümlich berührt eS, zu sehen, wie ein hessischer Wirth, wenn er 20 Flaschen Wein verkauft, dafür über 1 JL Weinsteuer entrichten muß, während Jeder außerhalb Hessens wohnende Wirth jedes Quantum Wein steuerfrei nach Hessen einführen kann. Wenn dieß so so tgebt wird schließlich die Steuer nur noch von denjenigen getragen, welche durch ihre Vermögenslage oder^GeschäftsrÜcksichten gezwungen sind, ihren Wein tm Wirthshaus zu trinken.
ES wurde ein das ganze Land repräsentirender Ausschuß gewählt, welcher mit allen gesetzlichen Mitteln dahin arbeiten soll, um eine gerechte Lösung dieser Froge herbeizuführen und soll derselbe in Audienz bet Seiner Königlichen Hoheit unserem Großherzog die durch diese Steuer herbeigeführteu Schäden und Bcnachtheiligungen darstellen und um die hohe Protection desselben gebeten werden. — Wir wünschen besten Erfolg.
Theater.
Gießen, 18. Januar.
Charlotte Birch-Pfeiffer's „Waise von Lowood", eine alte Bekannte deutscher Bühnen, die immer wieder freundliche Aufnahme findet, sie mag kommen, wann sie will, hatte am Sonntag auch bei unS ein andächtiges Auditorium versammelt und übte durch ihre rührenden Scenen einen tiefen Eindruck auf die Gemüther aus. Jane Eyre, die arme Verstoßene, deren gutes Herz und deren edle Tugend von ihrer hochmüthigen Tante Sarah Reed verkannt, oder besser gesagt mit Absicht vollständig übersehen worden, muß unbedingt die größten Sympathien erwecken, wenn ihre Interpretin mit tiefer Empfindung, Innigkeit und Wärme agttt und fomit der Rolle ihre ganzen Schönheiten abgewtnnt. Eine seelenvolle Auffassung ist die erste Bedingung, welche die Darstellerin der Waise zu erfüllen hat, dann kommen Natürlichkeit und Einfachheit al8 nachstwichtige Factoren hinzu. Wir freuen uns aufrichtig, daß Frau Dircctor Herrmann-Jhm in jeder Hinsicht unseren Erwartungen entsprach, ihre Jane Eyre mit den obengenannten Vorzügen ausstattete und dadurch recht ergreifende Wirkungen erzielte. Herr Schwarz secundirte aI8 Rochester vortrefflich er zeichnete den von Eigenthüml chkeiten aller Art eingenommenen Character mit klaren Farben und blieb seiner Aufgabe getr.u bis zum Schluß, wo der Umschwung von der Rauhheit zur Liebe stattfindet; auch hier ließ er keiner Weichlichkeit Raum, sondern legte sein Seelenbekenntniß mit warmen, aber männlich gesprochenen Worten an den^Tag.
Fräulein Sarnow gab den weiblichen Tyrann (Mistreß Sarah Reed) recht glaubwürdig und Fraulein Belgrad die hochmüthige Lady Georgine mit dem besten Geschick.
Von den übrigen Müwlrkenden nennen wir noch besonders Herrn Hendrick Fräulein Sommer und Herrn Voigt. A
Repertoir der vereinigten Ztadttheater zu Frankfurt a. M. Opernhaus.
Dienstag den 20. Januar: Gastspiel dec Frau L'allemand und des fim-n Perotti. Lucia. (Lucia: Frau L'allemand. Gbgatbo: ß^rtIßTrottn
Mittwoch den 20. Januar geschloffen. y 45 romj
3anUat: ®QftWeI H»rn D.- g-mrütn.
Freitag den 23. Januar geschloffen.
SamStag den 24. Januar: Afrikanerin.
Sonntag den 25. Januar: Gastspiel der Frau L'allemand. Der Barbier von Sevilla. (Rosine: Frau L'allemand.) Hierauf: Ballet.
Schauspielhaus.
„ . Dienstag den 20. Januar: Der vornehme Schwiegersohn. Hierauf Unter lorubern.
Mittwoch den 21. Januar: Angot.
Donnerstag den 22. Januar geschloffen.
Freitag den 23. Januar: Zum Gedächtnisse Lessina«: Nathan der Weise.
Unter@eӟbcrmn 3anUQr: ""nehme Schwiegersohn. Hierauf:
Sonntag den 25. Januar: Angot.
„„„ 2,6; J°"u°r: Zum erffen Mal«: Z-nobla. Trag-dl« in 5 Akt««
von Klein. Bearbeitet von Buchholz.
Handel «nd Verkehr.
Grünberg, 17. Januar. (Fruchtpreise.) Weizen 16.80, Korn 16.00
Gerste JL 14.80, Hafer JL 14.00, Erbsen Jt. 17.00, Linsen JL 16.00, Lein JL 00 00' Samen JL. 00.00, Kartoffeln JL 0.00, Wicken 0.00. '
Frankfurt, 17. Januar. Auf dem heutigen Markt kostete der Gentner Heu v*L 2.75—3.30, Stroh 2.30—2.50, Eier das Hundert Jt- 6.50—9.00 Butter 1. Qualität JL 0.90, 2. Qualität Ji. 1.10, Kartoffeln per Centner «X 2 00 2 25 Kohlrabi 3-0 H pr. St., Erbsen 100Kg. 22.00—30.00 Rothkraut pr St 1*2—20* Poularden <X 0—0, Huhn^L 1.50—2.00, 1 Ente JL 2.00—3.50, 1 Taube 40—60 Habn JL 1.90—2.50, Gans JL 6-10.00, Welsche JL 5.00-10.00


