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Nr. 16

Dienstag den 20. Zanuar

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Meßmer Anzeiger

Amts- und AnzkSgeblatt für den Kreis Gießen.

Sr cteint mit Ausnahme beo Montag».

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Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brinaer^hn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mart 50 *4 \

feit waren, da- französische Kriegsschiff seinen Gegner stark mit seinem Sporn streifte, sodaß die Seitenboote zersplittert und die Geschütze aus ihren Lagen gehoben wurden. Zugleich riß die Fockrahe desBouvet" den Großmast des Kanonenbootes durch die Wucht des Zusammenstoßes um Der Capitän Knorr dachte trotz der erlittenen Beschädigung nicht im Entferntesten daran, das Gefecht abzubrechen, sondern verfolgte den Feind energisch und licß aus unmittelbarer Mhe aus schnell wieder eingerichtetem 24psündtgen Geschütz einen Granatschuß auf denDouvet" abseuern, welcher so wohlgezielt war, daß er in den Damp" kessel desielben einschlug. Der Franzose, hierdurch wehrlos gemacht, nahm nm den Curs mit vollen Segeln nach dem Hafen von Havannah. Obgleich der Meteor" bei dem Zusammenstoß das Steuerreep gebrochen und seine Schraube dadurch unklar geworden war, setzte er dennoch die Verfolgung des Gegners io lange fort, bis sich ihm eine spanische Corvette in den Weg stellte, die ihn daran erinnerte, daß er aus neutrales Gebiet gelangt sei. DerMeteor" mußte halten. Ein Boot des spanischen SchiffesCortez" bot ihm ärztliche Hülfe an, die aber dankend abgelehnt wurde. In nicht minder ehrenvoller Werse zeichnete sich Capitän Knorr als Commandant der CorvetteHertha" aus deren großer Weltreise in den Jahren 187577 aus. Das genannte Schiff nahm damals auf Grund der kurze Zeit vorher stattgefundenen Expedition derGazelle" (unter Capitän, jetzt Admiral Frhrn. o. Schleinitz) eine nähere Durchforschung derjeni­gen Theile des indischen und Südsee-Archipels vor, auf welchen deutsche In- tereffen ihre Ausbreitung gefunden hatten, und gewährte durch fein Erscheinen und dadurch, daß es auch an den Küsten der abgelegenen Inselgruppen seine Flagge zeigte, dem deutschen Ansiedlerthum einen tüchtigen Rückhalt. Rach der Rückkehr von jener Reise übernahm Capitän Knorr den Posten als Ober- Werstoirector in Wilhelmshaven, ein Wirkungskreis, der ihm Gelegenheit gab, sich mit wichtigen Verwaltungsfragen der Marme zu beschäftigen und den reichen Schatz seiner praktischen Erfahrungen auf dem Gebiet des Schiffsbaues und der Schiffsausrüstung entsprechend zu verwerthen. In den schmierigen und ver­wickelten Fragen, welche der dem nautischen Apparat dienstbaren Technik heut­zutage gestellt sind, hat Knorr damals vielfach einzugreifen und nützliche Anregung zu geben gewußt. Im Jahre 1881 wurde er zum Ches des Stabes vrr Admiralität ernannt, eine Instanz, von welcher bekanntlich Alles, was sich auf die Organisation und den Gebrauch der Flotte in Krieg und Fneben, dw Mobilmachung, sowie das Bildungs- und ErziehungSwesen derselben bezieht, reffortirt. Diese Stellung, in welcher er im August 1883 vom Capitän zur See zum Contre-Admiral befördert ward, hat er im October vorigen Jahres mit dem Oberbefehl über das nach Westafrika entsandte Geschwader vertauscht, von dem so eben die Kunde eines siegreich bestandenen Kampfes gegen wohlbe- waffnete und an Zahl bedeutend überlegene Negerstämme hier eingetroffen ift-

Berlin, 15. Januar. Der Kaiser begab sich Nachmittags 1 Uhr m das Schloß, nm die kapitelfähigen Ritter des Schwarzen Adlerordens zur Auf­nahme einiger Mitglieder und Abhaltung des Kapitels um sich zu versammeln. Nachmittags findet im kaiserlichen Palais ein Diner statt, woran die Ritter des Schwarzen Adlerordens, welche dem Kapitel beigewohnt haben, theilnehmen.

Bezüglich der heutigen Zeitungs-Nachricht. daß die Regierung Brindist als Ausgangspunkt der subventionirten Dampferlinien gewählt habe, wird von bestunterrichteter Seite bemerkt, daß nichts beschlossen fei, auch nichts beschlossen werde, bevor das Gesetz fertig fei.

Hesterreich.

Wien, 17. Januar. DiePolit. Correfp." meldet aus Paris: Hassan Fchmi's Unterredung mit Ferry soll auch der Frage der Absetzung des Khedives gegolten haben, wobei die Pforte die Candidatur Halim Pascha's für Den egyp- tischen Thron in Aussicht genommen und befürwortet haben soll.

Aranüreich.

Paris, 17. Januar. Der Ministerrath beschloß als Grundlagen der Budgets für 1886 die von der Budget-Commission beschlossenen Reduktionen und Einnahmen des letzten Jahres anzunehmen, die außerordentlichen Ausgaben zu beschränken und keine neuen Stenern einzuführen.

Der Schriftsteller Edmond About ist gestorben.

Paris, 17. Januar. DerAgence Havas" zufolge wurde in Den Eanpten betreffenden Gegenvorschlägen Der Mächte unter Anderem verlangt, oatz unter bet Controle der Mächte eine Untersuchung angeftUlt werde, um die HMfS- quellen Egyptens genau festzustellen. Nach den Ergebniffen dieser Untersuchung würden die den Gläubigern aufzuerlegenden Leistungen mb e messen sein. Be­züglich der provisorischen Conponsteuer ist es Die Ansicht der mefelde

sei nicht nur von der unificirten Schuld, sondern von allen egyptischen Schulden 4u erbeben.

Toulon, 17. Januar. Die Abfahrt der Schiffe, welche in Algier Truppen für Tongking an Bord nehmen sollten, ist der ungünfhgen Witterung wegen verschoben.

ßngkaud.

Loudon, 17. Januar. Lord Granville trifft heute hier ein, um von Waddington die französischen Gegenvorschläge, bett. Egy^en, m Empfang zu nehmen. Man glaubt, der Cabmetsrath werde m der nächsten Woche Die Vor­schläge in Erwägung ziehe«.

FeuLschtand.

_i DarmflaDt, 17. Januar. (Zweite Kammer der Lavdstände.j lieber die fBabl i3>ci<r LonviagSavgeorbneten für bl< Prooinzialhauptstadt Mainz liegt nunmehr 8txhbt 3 im Drucke vor. «egen diese Wahl wurde sewerz^t

Rrklamavon erhoben unb bat, rvaS man seither schon al8 sicher angenommen, der Au«' schub^ach Erwägung aller Verhältnisse sich zur Verweisung der Wahl geetuigt. Der AuSschutz-antrog lautet:

^ca'omr 24° Juli v. I. ersolgle Wahl der Wahlmänrer, sowie die von diesen vollzogene Wahl zweier LandtagSadgeordneten wegen der naher bezeichneten Kehlerhostigket! der Urwählerliste und der dadurch vramaßten Lheilnahme von zehn nicht stimmberechtigten Personen an der Wahl für 2) Gr oßh^ Regierung ersuchen: Die mit Aufstellung der Wählerliste be­traute Gemeindebehörde zu einer erneuten sorgfältigen Prüfung der Liften der Wahlberechtigten und der alS Wahlmänner Wählbaren in dem Sinne anzuweifen, daß «ersomn welche nicht hessische Staatsbürger sind, in dieselben nicht ausgenommen, b,zw. daraus entfernt werden, worauf bann erneutr Offenlegung nach Maßgabe des Gesetzes zu erfolgen

-tür bl? «ba.orbnetm Johann Ralf HI . Buchbruck-rklb-sttzkr, unb »rofeffor Jakob SLlen ger wird also voraussichtlich eine Neuwahl stattfinden.

Berlin, 17. Januar. lReichStag.) D-r Reichstag setzte heute die zweite Be- raihung dcS M'litäretatS fort. Bezüglich der Einschränkung der A^ür-Werkstätten erklärte der KriegSminifter, den Versuch gemacht zu haben in Potsdam die Arbeiten für da« Lehrbataillon dem Zuchthause in Magdeburg zu übertragen. - Wegen deS öffentlichen LranSportS vou Militärg fangenen am Tage durch belebte Straßen, den «da- Richter rügte, versprach der Minister Abhülfe.

Einige von der Budget»Eommission an daS Plenum zurückgekommenen Etats- posit'onen wurden dem Vorschläge derselben gemäß adgrlehnt, Darunter der Neubau eines Maga-wS in Allenstein und in Riesenburg. ,

^ür den Antrag des Adg. v. Huene, eine Revision ber in ben Motiven zum KasernirungSplan angeführten KostrvÜberschläge auf Grund Der notorisch billiger ge­wordenen Preise vornehmen zu lassen, sprachen sich die Redner aller Parteien aus. Der Bau einer GarnisonSkirche in Spanbau wurde abgelehnt, ebenso ber «NN solchen tn Reisie. L-tzttre Position wurde der Ausgangspunkt einer lebhaften mehrstündigen Debatte über den Kirchenbesuch ber Soldaten, die sich im weiteren Verlaufe durch baS Rebeduell zwilchen der R'chten unb fiirf n deS HaufeS, alftfitrt vom Herrn KrtegS- mivister unb bem Centrum. zu einem Wortgefechte der Abgeordneten Stöcker und^ Richter zufp'tzte, welch' öfterer sogar durch den schlecht gewählten Ausdruck:J>te da drüben raifonntren nurJ sich eine Rect'fication drS Präsidenten zuzog. ,^^,deran- laffung zu diesem Intermezzo gab die alljährlich bet der EtatSberaihung wiederkehrende Debatte über die Berechtigung der Militärverwaltung, Soldaten zum Kirchendesuch zu commandircn, wie die« itwa, nach den heutigen Ausführungen deS Herrn KriegS- min stirS, vterwöchenilich peichihe. DaS R.cht hierzu, so erkärte derselbe, besitze die Militärverwaltung kraft Königlichen Verordnung und der Abgeordnete v. Maltzahn fügte hinzu, daß, wenn dieses Recht nicht erfreulicher Weise bestände, eS geschaffen rjirben^möfetc n^t sinken, Abg. Richter, Prof. Möller und Dirichlet. führten auS, daß das militärische Commando zum Kirchendesuch die Andacht und daS religiöse Be­wußtsein tn feiner Welse fördern könne; Gottesdienst solle dem Menschen und somit auch nicht bem Soldaten zucommandirt werden; baS müsse vielmehr eine freie, selbst, willige Ausführung fein. Drr Soldat möge freiwillig, sobalb es ihm HerzenSdedürfniß s das Gotteshaus aufsuchen, daS ihm zusage, inmitten der Gemeinde und inmitten deS Volkes beten, aus dem er filbst stamme. DaS Recht, von dem der Minister gc sprachen, entstamme keinem Gesetze, sondern nur einer königl- Verordnung unb bc- schlänke sich überbtefl auf bie alten Provinzen tn Preußen. Soweit habe auch nur d.e Stellung Seiner Majestät deS König« von Prcußeu als LaubeSbifchof Geltung.

Dies war der Punkt, an dem Abg. S'öcker feine oben erwähnten Ausfälle gegen die Linken anfetzte und die bisher rein sachliche Erörterung auf daS Gebiet deS Re­ligiösen zu verschieben versuchte. Daher mußte er auch von oppositioneller Seite die Entgegnung hören, daß er den Begriff ber Heiligkeit herabziehe, wenn er sich bemühe, unter Verschleierung ber wahren Veranlassung solche ganz einfache diSciplinarische An, aclegenheiten zu Streitfragen von religiöser Bedeutung aufzubauschen. Gegenüber der Bemerkung, daß der Soldat durch daS Commando, relig'öS und andächtig fein zu tollen unmöglich sich dies« Empfindungen, die. wenn sie wahre sein sollen, von Herzen kommen müßten, gleichsam durch RsgimentSbefeh! aneignen kann, gab der KrtegS- minister die kurz- Ecklärung ab: ,Jn der preußischen Armee ist der Gehorsam um beschränkt" und wiederholte dieselbe mit der an ihm, namentlich wenn eS sich um preußische Verhältnisse und sp.ciell um bie HoheitSrechte der Krone handelt, bekannten Schneidigk^it im Anläufe der Diskussion.

Von einem Mitgliede des Centrums, Graf Ballestrem, darauf hingewiesen, daß über ben Gehorsam gegen den Kriegsherrn der Gehorsam gegen Gott gehe, gab der Kriegsminister dics alS selbstverständlich zu.

Dem Vorwurf deS Abg. Stöcker, der einen besonderen Trumpf damit auß> zufpielen glaubte, daß er der Linken, d. h. im vorliegenden Falle, ihre Wahlflugblätter vorführt.', t i:für Kaiser und Reich", aber nicht »mit Gott" unterzeichnet gewesen seien, d g?gn.t Adg. R chter, daß Gott nicht tn den Kamps der Parteien hineingezogen zu werden brauche, noch dem Gesetze, ben Namcn GotteS nicht unnütz zu führen.

Am Montag wirb die Berathung fortgesetzt.

Berlin, 16. Januar. Dem Contre-Admiral Knorr, dem Oberbefehls' -baber des westafrikanischen Geschwaders (Commandant desBismarck" ist Capitän zur See, Karcher, Commandant derOlga", Corvetten-Capitän Bende- mann), 'ist es derRordd. Allg. Ztg." zufolge in seiner bisherigen Laufbahn vergönnt gewesen, unter den verschiedensten Verhaltniffen hervorragende Beweise von praktisch seemännischer Thätigkeit, von mstitärischem Führertalent und glän­zender persönlicher Tapferkeit und Unerschrockenheit abzugeben. In letzterer Beziehung ist namentlich in die Annalen unserer Kriegsgeschichte das Helden- muthige Auftreten des genannten Officiers verzeichnet, daß derselbe als Capitän- Lieutenant und Commandant des KanonenbootesMeteor" während des Jahres 1870 betätigte, in welchem er mit dem französischen AvisoBouvet" nahe der Havannah in Westindien zusammentraf. Die Besatzung desMeteor" be­stand aus 64 Mann und 9 Geschützen, die desBouvet" aus 100 Mann unb 9 Geschützen. Das Gefecht begann damit, daß, nachdem einige Schüffe gewech-