nicht zusammenziehen kann.
zuziehen, heißt,, sie als Strafe verdienen.
UuLverfitiits- Chronik.
Marburg, 16. Juli. Wie wir aus sicherer Quelle vernehmen, ist der bisherige ordentliche Professor der Rechte in Halle, Dr. Rudolf Leonhard, in gleicher Eigenschaft an die hiesige Universität verseht worden. (O. Z.)
— Wie verlautet, soll an Stelle des nach Berlin berufenen Professors Dr. v. Gerhardt der Professor Dr. Leube in Erlangen nach Würzburg berufen werden.
— Der bisherige außerordentliche Professor an der Universität Breslau, Dr. Robert Vischer, ist zum ordentlichen Professor an der Kgl. technischen Hochschule zu Aachen ernannt worden.
Der bisherige Professor am Kgl. bayerischen Lyceum zu Dillingen, Dr. Aloysius Schäfer, ist zum ordentlichen Professor in der theologischen Fakultät der Kgl. Akademie zu Münster ernannt morden.
genauer eingehen. Rur diejenigen sollen beleuchtet werden, welche dircct in die Augen springen und dem Laien verständlich sind. _,r . .
Der Brustkorb besteht aus der Brustwirbelsäule, die von zwölf ringförmig gestalteten Wirbeln, welche durch knorpelige, elastische Zwischensubstanz fest miteinander vereinigt sind, gebildet wird. Zu beiden Seiten dieser Wirbel legen sich die zwölf reifähnlich gestalteten Rippen beweglich an, welche sich nach unten und vorn biegen, um daselbst mit elastischen Knorpeln zu endigen. Das Brustbein schließt vorn den Brustkorb ab. Man nennt die oberen sieben Rippen wahre, da dieselben mrect an das Brustbein herantreten, während die fünf anderen falsche heißen, da sie das Brustbein nicht mehr erreichen, sondern sich aneinander und an die siebente Rippe anlegen. — Den Boden des Brustkorbs bildet das Zwergfell, ein großer Muskel, welcher nicht eben gespannt, sondern kuvpelartig in die Brusthöhle hinaufgewolbt, mit Lochern versehen ist und die Scheidewand zwischen Brust- und Bauchhöhle bildet. An der Athmung nimmt der untere Abschnitt des Brustkorbes am lebhaftesten Antheil. In der -Brusthöhle selbst befinden sich die Centralorgane des Athmungs- und Kreislaufssystems, das Herz und die beiden Lungen. Unmittelbar unterhalb des Zwergfelles liegen rechts die Leber, links die Milz und zwischen beiden Organen der Magen, die Bauchspeichel
drüse und Darmschlingen. „ r , r._ .
Beim starken Schnüren drängen sich zunächst die stark bewegliche» unteren Rippen schief nach abwärts und gegen die Mittellinie hin; sie nähern sich miter dem Bruft- bein und können eine Verkrümmung und Verkrüppelung der Knorpelstücke herbeifuhren. In Folge der starken Zusammenschnürung werden alle Durchmefier an der Basis des Brustkorbes verkleinert und die Beweglichkeit der unteren Rippen beschränkt. Hierdurch wird die freie Entwicklung und die Athmungsfähigkeit der unteren Lungenlappen vermindert, indem sich dieselben nicht mehr so ausdehnen können, wie es nothwendtg ist. Wird aber die Ausdehnungsfähigkeit, die Beweglichkeit unb somit die Athmungsfahig- ckeit der Brustwand behindert, so wird auch, da der Körper <Ü1 Complex rneinaader- greifeuder und von einander abhängender Organe ist, die Leiftrurgsfähigkeit des ganzen «Organismus herabgesetzt. v
Die Baucheingeweide, besonders der obere Theil Äer Leber, werden so» W gegen das Zwergfell gedrängt, daß dieses sich für den Zweck des Einathmens wenig ober gar nicht zusammenziehen kann. „Solche, welche stark geschnürt sind", sagt Professor Meyer in Zürich, „sind deswegen auch genöthigt, die mangelnde Thätigkeit des Zwergfelles dadurch zu ersetzen, daß sie durch Heben der oberen, freier gelegenen Rippen athmen, daß sie also eine Form des Athmens annehmen, welche sonst nur bei Personen gefunden wird, die „außer Athem" sind, oder bei denen Athmungsnoth vorhanden ist". Am meisten leidet die Leber; diese wird nicht allein in ihrer Form verändert, sondern gewöhnlich auch in ihrer Lage unb Stellung. Durch das Schnuren wirb ein Theil des rechten, meistens auch des linken Lappens abgeschnürt; die so gebildete Furche greift oft tief in die Substanz der Leber ein, so bah nicht viel von derselben übrig bleibt. Hierdurch entstehen Circulattonsstörungen, die sich uothwendtger- weise auch dort geltend machen werden, wo die Wurzeln der Lebergefäße liegen, besonders im Magen unb Darm. Die Folgen werben sich äußern in: Druck und Spannung im Bauchraume, gestörte Verbauung, Uebelkeit, unregelmäßigem Stuhlgänge, Appetitmangel, mangelhafter Blutbereitung und Ernährung, blassem Aussehen, Bleichsucht u. s. w. Aber auch die Muskeln des Rumpfes und der Brust erfahren eine Schwächung; denn für die Haltung des Köepers in gerader Stellung ist ein gewisser Grad von Anspannung aller Rumpfmuskeln erforderlich; wird der Brustkorb ober von einem Corset umschlungen, so vermindert sich diese Muskelthätigkeit, weil das Eorset daun den Körper stützen hilft und einen Theil der Rumpfmuskel übernimmt. Ein zur Unthatigkeit verurtheilter Muskel aber verkommt mit der Zeit.
Rach dem Gesagten darf der Schluß gezogen werden, daß das zu starke Schnüren die Gesundheit in hohem Grade zu schädigen geeignet ist. Hosten wir, daß auch bei der Bekleidungsfrage in Zukunft den Regeln der Gesundheitslehre Rechnung getragen werde. — Von Leiden frei zu bleiben, ist ja Alles, was sich die Menschen auf^ihrer schnellen unb kurzen Lebensreise wünschen, aber die Leiden sich durch eigene Schuld
— Der Privatdocent Dr. Adolf Koch an der Universität zu Heidelberg, tritt im Auftrage der badischen historischen Commission eine größere Reise im archivarischen Interesse an.
— Or. Polacky, ein Sohn des böhmischen Historiographen, ist zum auyer- ordentlichcn Professor für Geographie an Der böhmischen philosophischen Fakultät in Prag ernannt worden. .
— Der außeroroentliche Professor in der philosophischen Fakultät der Akademie zu Münster, Dr. I. B. Rordhoff, ist zum ordentlichen Professor ernannt worden,
Vermisste*.
Mainz, 11. Juli. In welcher Weise Nahrungsmittel verfälscht werden, dafür lieferte die heutige Sitzung der hiesigen (Strafkammer wieder eine nette Illustration- Dem Bezirks-Gensdarmen von Pfeddersheim war von verschiedenen Seiten zu Gehör gebracht worben, daß ber Müller Werntz in Oststein (bei Worms) in seiner Mühle unter Nahrungsmittel Producte mische, durch welche die Nahrungsmittel gefälscht würden. Auf erhobene Anzeige hin fand bei Werntz eine Haussuchung statt und wurden eine Anzahl Säcke mit gemahlenen Substanzen confiscirt, welche sich bei der chemischen Untersuchung als mit Lehm vermischten Kleien zeigten. Werntz und dessen in der Mühle beschäftigter Sohn, in's Verhör genommen, gaben unverhohlen zu, unter die Kleien Lehm gemahlen zu haben, doch führten sie zu ihrer Entschuldigung an, daß sie dies nur für einen bestimmten Kunden, den Handelsmann Klein in Heppenheim an der Wiese, mit dessen Wissen gethan und seien sie um deßwillen zu ber Fälschung genöthigt gewesen, weil Klein für das Mahlen nur einen Preis bezahlt, bei welchem nicht zu bestehen sei. In Folge dieser Angabe wurde die Untersuchung auch gegen Klein ausgedehnt unb gegen benfelbeu, wie auch gegen Werntz Vater' und Sohn ttie- Anklage aus Betrug erhoben. Das Gesetz wegen Verfälschung von Lebensmitteln konnte hier nicht in Anwendung gebracht werden, da nur Nahrungsmittel iär das Vieh gefälscht waren. Das Schöffengericht in Pfeddersheim »erurthellte darr -Pater Werntz zu 2 Monaten Gefängniß uno 600 den Jungen Derutz zu 300 JL iihe Klein zu 6 Wochen Gefängniß und 300 JL. Die Strafe ist um deßwillen so hoch gegriffen worden, weil ermittelt worden, daß mehr wie 50 Proeent Lehm unter die Kleien gemischt war. Gegen dieses Urtheil haben sowohl ber Amtsanwalt wie auch die Verurtheilten Berufung ergriffen, in deren Folge die Sache vor die Strafkammer kam. Das Landgericht änderte bas Urtheil dahin ab, daß es gegen Werntz Vater eine Geldstrafe von 800 JL, gegen Werntz Sohn von 20unb gegen Klein von 300 v*. erkannte. .
Frankfurt a. M., 12. Juli. Gestern turnte ber 12 ^:.tne alte Sohn eines in ber Albusgasse wohnhaften Schuhmachers an den Stangen eines in der 9iäbe der neuen Zeil stehenden Wagens; er gerieth bei seinen Schwingungen mit dem Unterleib in einen ber an den Fahrbäumen angebrachten spitzen Haken unb riß sich den ganzen Unterleib auf. Derselbe wurde in das Bürgerspital verbracht.
— Die schnellste Reise von New - Dort nach England, die man kennt, legte jüngst ber Cunarddampfer „Eturira" zurück, nämlich in 6 Tagen, 7 Stunden unb 40 Minuten.
— Von den Sinnsprüchen, welche die Riesenhalle auf dem Festturnplatz m Dresden schmücken, heben wir folgende hervor:
Dem Hessen eignet strenger Fleiß Unb zäher Treue hoher Preis! Aus würz'gen Weines lichter Gluth Quillt froher Franken freier Muth. Thüringen, beutscher Dichtung Hort, An Liedern reich und weisem Wort! Wie Felsen steil, von Glanz umglüht, Ist starker Bayern froh Gemüth. Wie knorr'ge Eichen, trotz'ge Riesen, Steht ungebeugt der Stamm ber Friesen. Des Rheinlands Mannen sind fleißig und frei, Sie scherzen und singen unb zechen babei. Auf märkischem Sande fröhlich lebt Ein schneidig Volk, das vorwärts strebt. Ein fröhlich Land, das Schlesierland, Durch Biedersinn und Geist bekannt. Ernst, fest und schlicht steh'n Alemannen Wie ihres Schwarzwalds kräst'ge Tannen.
Den deutschen Oststrand, von Stürmen umbrauft, Schützt po mm erlebe Treue und pommersche Faust.
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