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Mr» 114 Dienstag den 19. Mai 1885

Gießener Anzeiger

Amts- unb Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

iS**t**t Schulstraß- 7. Erschein! tLgltch mit LuSuahm- d-s «»ntaas. Prei» riert-ljährlich L Mart 20 Pf. mit Bring-rlich»

ö Durch die Poft bezogen viertchährllch 2 Mark 50 Pf.

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Amtlicher Thei5.

Nr. 14 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 15- L M., enthält:

(Nr. 1601.) Gesetz, betreffend die Steuervergütung für Zucker, sowie die Verlängerung der Frist für die Entrichtung der im Betriebsjahre 1884/85. kreditirten Mbensteue. Vom 13. Mai 1885.

(Nr. 1602.) Bekanntmachung, betreffend eine Abänderung des Verzeichnisses der gewerblichen Anlagen, welche einer besonderen Genehmigung bebürfen- Vom 24. April 1885.

Gießen, am 18. Mai 1885. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Boekmann.

AmLsHtQNd.

Darusstadt, 16. Mai. Se. Königl. Hoheit der Großherzog empfingen heute Vormittag den Staatsmimster Finger, den Mintsterial-Prästdenten Weber, sowie den Oderstkammecherrn v. Grolman zum Vortrag.

Um 1 y2 Uhr empfingen Se. König!. Hoheit eine Deputation des Comitös der 26. Allgemeinen deutschen Lehrer-Versammlung, bestehend aus den Herren Ober-Bürgermeister Ohly, Stadtverordneter Bergsträßer, Instituts-Vorsteher Reineck und Lehrer Erckmann.

WsEu, 16. Mai. In der heutigen Sitzung des Bundesraths wurde der Börsensteuer-Gesetzentwurf den Ausschüssen überwiesen und der Gesetzent­wurf, betr. die Ausdehnung der Kranken- und Unfallversicherung, genehmigt.

Der Kaiser empfing Nachmittags den Fürsten Bismarck. Prinz Friedrich von Hohenzollern verabschiedete sich Mittags vom Kaiser; er reist zu seinem erkrankten Vater.

KesterrciH.

Wien, 16. Mai. Durch den gestrigen Sturm sind, soweit behördlich sestgestellt, vier Personen umgekommen.

Krankreich.

Paris, 16. Mai. (Deputirtenkammer.) Hugues brachte den Amnestie- Antrag ein. Minister Allain Targö bekämpfte denselben, erklärte aber gleich­zeitig, die Regierung sei geneigt, von dem Gnadenrechte Gebrauch zu machen. Der Amnestie-Antrag wuroe mit 270 gegen 122 Stimmen abgelehnt.

Eine Depesche Briöre's aus Hanoi von heute meldet, er habe, um die Räumung Tuyenquans zu beschleunigen, alle disponiblen Dschonken nach Honghoa geschickt, der niedrige Wafferstand mache die Verbindungen indeß schwierig. Chinesische Boten versichern, die Räumung Tuyenquans werde eifrig fortge­setzt; die Piratenbanden würden vom Oberst Aussion unausgesetzt verfolgt und zerstreut, zwei Piratenführer hätten sich unterworfen.

England.

London, 16. Mai. Gestern Abend traf ein außerordentlicher Cabinets- Kurier mit Depeschen des englischen Botschafters in Petersburg, Sir Eduard Thornton, über die afghanische Frage ein.Daily News" sagt, die Art, wie Rußland den Entwurf eines englisch-russischen Abkommens ausgenommen, habe weitere Erörterungen einiger Punkte und Meinungs-Verschiedenheiten zwischen England und Rußland veranlaßt, doch werde durch letztere das Wesen des Ab­kommens nicht betroffen.

Der Schrauben-DampferMessina", vom Mittelmeer nach Hamburg unterwegs, collidirte Donnerstag Abend um IOV2 Uhr 16 Meilen südlich von Durleston Head mit dem Londoner DampferNumida" und sank. 10 Per­sonen der Mannschaft, meist Heizer und Maschinisten, ertranken. Die übrigen sind bei Cowes gelandet.

Der heute veröffentlichte diplomatische Schriftwechsel bezüglich der afghanischen Frage umfaßt den Zeitraum vom 31. December 1883 bis 7. April 1885. Ueber die neuesten Zwischenfälle ist nichts darin enthalten.

London. Die Verhandlungen über die afghanische Frage mögen sich roohl so lange hinschleppen, bis sie durch einen neuen Zwischenfall auf eine neue Grundlage gestellt werden. Die innere Hohlheit der englischen Kriegsdrohungen ist inzwischen so gründlich an's Tageslicht gekommen, daß man es den Russen kaum verdenken könnte, wenn die Empfindung in ihnen aufstiege, daß sie Eng­land gar zu leichten Kaufes haben entwischen lassen. Die russische Regierung hat zu dem in London v reinbarten Grenzentwurf einige Bemerkungen gemacht, welche nach Ansicht desStandard" den Entwurf fast von Punkt zu Punkt beanstanden, nach derDaily News" dagegen nur ein oder zwei Einzelheiten berühren. Wie dem auch sei, die Verhandlungen find nicht nur aller Jährlich - keiten, sondern auch aller aufregenden Elemente entkleidet. Die englische Staats- kunst hat durch ihren jüngsten Versuch, Rußland und Europa durch Theater- Effecte zu schrecken, dem Machtansehen Englands einen so gründlichen Stoß ver­setzt, daß sie unmöglich Lust haben kann, das unheilvolle Experiment noch einmal z« wiederholen. Die englische Regierung hat zudenb mit anerkennenswerther Offenheit der Welt kund gethan, daß sie erst an der indischen Grenze wirklich starndzuhalten gedenkt. Sie würde Afghanistan gern durch Tinte und Papier, durch Leitartikel und Säbelgeraffel dem russischen entziehen, aber sie wird sich hüten, das grausame Spiel wieder so weit zu treiben, als in den letzten Mo- nciten. Sehr aufschlußreich für die Rolle, welche Afghanistan nach englischer I Auffassung in der nächsten Zukunft spielen wird, ist ein Artikel derTimes". I

Das englische Blatt warnt die Briten davor, sich durch Phrasen zu dem Glau­ben verleiten zu lassen, daß die Einbildungen britischer Staatsmänner die that- sächliche Lage ändern könnten.Wenn wir eine bestimmte Definition für das Gebiet des Emirs suchen, so werden wir finden, daß dasselbe in Allem, was die Vertheidigung Indiens berührt, praktisch eine neutrale Zone darstellt. Wenn zwei Großmächte auf der einen Seite unb ein locker organifirter Staat aus der andern Seite wie Afghanistan in Frage kommen, so muß alles Land, welches nicht unter der unbedingten Aufsicht der einen Macht steht, praktisch als eine neutrale Zone angesehen werden, welche jede Macht nach ihren Zwecken zuzu- bereiten versuchen wird. Es wäre thöricht, vergessen, daß Afghanistan eine bedeutende Lebens- und Widerstandskraft besitzt, welche durch eine weise englische Politik entwickelt werden sollte. SBir können lediglich durch die thatsächliche Probe feststellen, inwieweit die Afghanen einer innern Consolidirung fähig sind, und von dem Ausfall biefer Probe wird unsere zukünftige Politik abhängen. Wir werben versuchen, Afghanistan zu organisiren, Rußland wird dahin streben, es zu zersetzen. Wenn Afghanistan feine Unabhängigkeit behaupten und eine feste und geordnete Regierung ausrichten kann, um so besser für Afghanistan und Indien. Wenn nicht, so müssen wir eine so starke indische Grenze behaupten, daß selbst der vollständige Zusammenbruch der afghanischen Nationalität uns nicht zu schrecken braucht." Hätte das englische Volk sich stets an die klare An­schauung gehalten, welche aus diesen Sätzen spricht, so würbe" es sich die Auf­regungen und Demüthigungen der letzten Monate erspart haben. Es wäre Wahnwitz, wegen Pendjeh und Herat mit Rußland die Waffen zu kreuzen, d. h. Die indische Frage aufzurollen, die ruhen zu lassen, England allen Grund hat. (K.Z.)

Italien.

Wom, 16. Mai. DemAmtsblatt" zufolge ist nach einem Notenwechsel zwischen der österreichischen Regierung und der italienischen Botschaft die Con­vention betreffs Gewährleistung des literarischen und artistischen Eigenthums bis zum 31. December 1885 verlängert worden.

Spanien.

Madrid, 16. Mai. Der Minister des Auswärtigen brachte in der Kammer heute einen Gesetzentwurf ein, ihn zu ermächtigen, die Abänderung des spanisch-Deutschen Handelsvertrags bezüglich des Roggenzolls zu ratificiren.

Wnßland.

Petersburg, 16. Mai. Ein kaiserliches Handschreiben verleiht Ge­neral Komaroff für dessen vorzügliche Dispositionen bei der Refehligung des Murghab-Detachements und für feine einsichtsvolle Entschlossenheit den Afghanen gegenüber gleichwie für dessen mannhafte Tapferkeit, dargelegt im Gefecht bei Taschkepri, einen goldenen mit Brillanten geschmückten Ehrensäbel. Auch Zakrschewsky erhielt einen goldenen Ehrensäbel.

Charkow, 16. Mai. Gelegentlich einer Haussuchung in der Nacht vom Donnerstag aus Freitag leistete ein Mann, dessen Verhaftung angeordnet war, den betr. Polizeibeamten durch mehrere Schüsse Widerstand. Der Polizei­revier-Aufseher Fessenko würbe getödtet, der Gensd'armerie-Unterosficier Bul- pakoff verwundet. Fessenko wuroe heute unter dem Geleite seiner Vorgesetzten und Collegen, sowie zahlreicher Theilnahme des Publikums beerdigt.

Amerika.

_ Ottawa, 16. Mai. (Reuter-Meldung.") Die canadische Regierung empfing eine Depesche von General Middlecon, worin derselbe meldet, daß das Gefecht vom 11. Mai mit einem glänzenden Siege der canadischen Truppen geendet habe. Middleton übersandte dem Führer der Aufständischen, L. Riel, ein Schreiben, worin er sich bereit erklärt, ihn zu schützen, bis die weitere Ent­scheidung der canadischen Regierung eingegangen fei; bisher habe Riel noch nicht geantwortet. Bei Battleford erbeuteten die Indianer dreißig Pack- unb Munitionswagen.

Ottawa, 16. Mai. Riel wurde gestern Abend als Gefangener in General Middleton's Zelt gebracht.

Telegraphische Depeschen.

Wolffs telegr. Correspondenr - Barea«.

Berlin, 17. Mai. Die Erbgroßherzogin von Baden hat sich heute Mittag nach Potsdam begeben, um den an den Masern erkraittten Erbgroßherzog von Baden zu besuchen.

Die Gesellschaften für Erdkunde und für Anthropologie hielten heute deur Andenken Dr. Nachtigal's zu Ehren eine gemeinsaine Sitzung in der Singakademie ab. Professor Dr. Virchow und Dr, Güßfeldt hielten nach der Emleitlmg der Feier burd^ .