Ausgabe 
19.4.1885 Zweites Blatt
 
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Nationaldenkmals), 12 Flaschen 1868er ^Rüdesheimer Berg. Riesling,Prinz-Wilhelm- Wein", von welchem seiner Zeit Prinz Wilhelm von Preußen bei Gelegenhei: der Ver mählungsfeier von dem Wiesbadener Communalverein ein Ehrengeschenk von 300 Flaschen erhalten hat, ferner 12 Flaschen 1883 Schiersteiner Schaumwein vom Grasen Bismarck in Schierstein und endlich 6 Flaschen 1868er Steinberger, sowie 6 Flaschen 1868er Gräfenberger von derKöniglichen Domäne".

Mainz, 13. April. In der Ehristophskirche kam gestern ein Unfall vor, bei leicht die traurigsten Folgen hätte haben können. Beim AuSlöschen der Kerzen fiel einem jungen Mädchen, welches die erste Eommunion empfangen hatte, ein Funke auf das Kleid und fing Feuer. Ein in der Rähe stehender Maim, welcher den Unfall bemerkt hatte, eilte herzu und erstickte noch rechtzeitig den Brand, wodurch größeres Unglück verhütet wurde.

Der gleiche Unfall ist, wie wir hören, gestern in Hechts heim vorge- konimen, wo dem betteffenden Mädchen Kleid und Unterröcke verbrannten und endlich durch Ueberwersen eines Teppichs dem Weitergreifen deS Feuers Einhalt gethan wurde.

Durch Vereinbarung zwischen der Köln-Düsseldorfer DampfschifffahrtS-Gesell- schaft und einer Reihe von Eisenbahn-Verwaltungen tritt vom 1. Mai er. ab vorerst allerdings nur auf Probe eine Einrichtung ins Leben, welche namentlich von Ver- gnügungsreisenden lebhaft begrüßt werden wird. Den Besitzern von Rundreisebilletten nach dem Rhein wird nämlich die Möglichkeit geboten, die Coupons Mainz-Köln entweder für die Reise zu Land per Eisenbahn oder zu Wasser per Dampfboot zurückzulegen, je nach Wunsch, Leit und Wetter. Die EisenbahnbilletS I. und II. Elasse berechtigen auf den Dampfbooten zum Salon, jene III. Elasse zur Vorkajüte, doch können auch letztere dnrch ein ZuschlagSbillet für den Salon benutzbar gemacht werden.

Diez, 13. April. Gestern Vormittag 9 Uhr wurde in Folge Begnadigung durch Seine Majestät den Kaiser der Strafgefangene Johann Horn auS Frickhofen auS dem Zuchthaus dahier entlassen. Der Begnadigte war wegen MordeS, verübt an seiner Frau, zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe verurtheilt worden, von der er 26 Jahre abgebüßt hat.

Weilburg, 13. April. Das kriegsgerichtliche Erkenntniß des König!. Gerichtes der 21. Division zu Frankfurt vom 13. December 1884 ist nunmehr vom commandirenden General des 11. Armee-Corps unverändert bestätigt. Dasselbe lautet:Die Reservisten deS 2. Bataillons (Weilburg) 2. Nass. Landwehr-Regimems Rr. 88, von Elkerhausen, Amts Weilburg, Friedrich Wilhelm Lupus, wegen militärischen Aufruhrs, Widersetzung und versuchter Gefangenenbefreiung mit 5 Jahren und 1 Monat Zuchthaus und Ent­fernung auS dem Heere, August Lupus, wegen militärischen Aufruhrs und Wider­setzung, Gehorsamsverweigerung, wiederholter Achtungsverletzung und Vergreifens an einem Vorgesetzten mit 5 Jahren und 4 Monaten Zuchthaus und Entfernung auS dem Heere, Heinrich Bernhardt, wegen militärischen Aufruhrs, wiederholter Gehorsams­verweigerung, wiederholten Ungehorsams und Widersetzung mit ö Jahren und 2 Monaten Zuchthaus und Entfernung aus bem Heere, Heinrich May, wegen militärischen Auf­ruhrs und Widersetzung mit 5 Jahren und 2 Monaten Zuchthaus und Entfernung aus dem Heere". Möge daS Erkenntniß für ewige Zeiten zur Warnung dienen. Wie namenlos unglücklich haben die Reservisten sich und ihre Angehörigen gemacht, ihr ganzes LebenSglück zerstört durch ihre nach der Controlversanimlung im trunkenen Zustande verübten Ausschreitungen.

Paris, 12. April. Auf dem Lebkuchenmarkt, welcher gegenwärtig auf der Place du Trbne gehalten wird, faj gestern ein Tiger über den Bändiger Agul her, als dieser in den Zwinger trat und schlug ihm die Tatze tief in die Schulter. In der Bude herrschte lautlose Stille, während die übrigen Bestien sich mit gierigen Blicken dem Mißhandelten näherten, bereit, eine Beute zu erhaschen. Agul sah aber dem An­greifer, seinen Schmerz verbeißend, tief in die Augen und holte zu einem Schlage mit dem Bleiknopfe auS, der den Tiger betäubt zurücktaumeln ließ. Kaum vor der Thüre angelangt, verlor der Mann die Besinnung; Ströme Blutes rannen über seinen linken Arm hinunter und bei einer näheren Untersuchung ergab es sich, daß die MuSkeln so schwer verletzt sind, das das Glied wahrscheinlich lahm bleiben wird.

Kassels 11. April, lieber eine lustige Jagdgeschichte schreibt unS unser Bericht­erstatter von ^pangenberg folgendes: Heute, den 9. April, machte ich mit drei Mann, darunter Herr Förster Scheurer, einen Gang in den Wald. In der Nähe eines Sau- janges angekommen, wollten wir denselben beaugenscheinigen. Einige Schritte noch entfernt, gewahrten wir die Falle zuschlagen. Der Förster brummte schon halb unwillig: DaS hat wieder ein Dachs gethan! Aber welches freudige, unbeschreibliche Staunen vier große schwarze Bachen starrten uns entgegen; eine um die andere nahm einen Anlauf gegen uns, mußte jedoch ebenso schnell wieder Kehrt machen, da ihr Gefängniß zu gut verwahrt. Jetzt erst rief ein Begleiter: Ah! Junge! Frischlinge! Wir zählten und stellten 10 Stück fest. Diese munteren Thierchen, eine Lust, ca. 3 Wochen alt,

gelbe Köpfe, schwarze Augen, braune und gelbe Längsstreifen Im nahen flalten betb wurde ein Bote verschafft, Oer die Kunde nach Spangenberg zum Herrn £ berf irfar v. Marschall brachte. Rach kurzer Zeit war ein Wagen da mit dem zu diesem Zweck bestimmten Kasten^ Der letztere wurde vor die Falle geschoben, diese m die Höt'k gezogen, und die Schweine dachten da einen Ausweg ober ein Versteck zu finben, denn sie rannten blind hinein. Von oben senkte man eine Ibür und vierzehn Stück waren im Kasten. Dieser kam auf den Wagen, wurde mit Ketten omuabrt und so gings nach Spangenberg auf den Schloßberg. Hier wurden sie in den Wallgraben gelassen. Eine große Menschenmenge hatte sich inzwischen hier oben eingefunden. Wer solche Thiere noch nicht gesehen, der komme. Es ist eine kleine Reise wertb. Gaftwinb Bertram (Goldener Löwe), bei dem man sich reftauriren kann, wird die Sache ebenso erzählen, denn er war auch dabei. (ft. Z.)

(Ueberaü BiSmarck.j Zwei Pariser Bürger (eben einem vorüberfahrenden Straßendampfwagen nach.Auch darin," tagte der Eine,sieht man die Hand Bismarcks!"Sie glaubenNatürlich! Die kleinen Locomotiven werden in kurzer Zeit allen Fuhrwerken angepaßt werden. Was haben wir aber während der Belagerung gegessen ? Pferde. Wenn nun die Preußen wieder kommen und dies ist doch augenscheinlich ihre Absicht so können wir uns dann keine 2 Monate halten außer wir nähren uns von Locomotiven."

sZum Schreibunterricht.j Besondere Beachtung verdienen die Ergebnisse der Beobachtungen, welche zwei Aerzte, Professor Dr. Berlin und Mebicinal Assessor Dr. Rembold in Stuttgart, im Auftrage der roürttem berg neben Regierung an ;we, tausend Schülern der Stuttgarter Schulanftalten in Bezug auf die nachtheilige Wirkung des Schreibens auf das Auge und auf die richtige Körperhaltung beim Schreiben an gestellt haben. Rückhaltlose Verurtheilung findet die noch jetzt in vielen Schulen auf gestellte Forderung, daß der Schüler beim Schreiben das Heft gradlinig vor sich haben muffe. Vielmehr wird gefordert, daß daS Heft möglichst genau vor die Mitte des Körpers und zwar so schief gelegt werde, daß der untere Rand des Heftes mit den, Tischrande einen Winkel von 30 bis 40 Grad bildet. Wie viele schwere Stunden hatten Lehrern und Schülern, welch' Letztere instinctmäßig diese Vage beim Schreibe,! einzunehmen suchten, erspart werden können, wenn man früher mit dem Vorunheilc. daß daS Buch gerade liegen müsse, gebrochen hätte! (Die deutsche Currentschrift dan so schief fein, daß der Grundstrich von der senkrechten Richtung um 30 bi» 40 Grad abweicht.) Ferner wird gefordert, daß der Oberkörper möglichst aufrecht sich halte, während der Rücken im unteren T hei le einen Stützpunkt an einer L'ebne findet, welche am besten an einer verstellbaren Schulbank sich anbringen läßt. Die schiefe Haltung deS Oberkörpers, welche von manchem Schreiblehrer zur Erziehung einer gefälligen, geneigten Schrift empfohlen wird, ist nicht gerechtfertigt. Der Kopf senkt sich nur so weit gegen den Tisch, als zur Gewinnung eines geeigneten Neigungswinkels nöthig ifl Die Ellbogen halten sich etwas tiefer als der Tischrand und in gleich weitem Abstand vom Körper. Nur die Vorderarme kommen auf die Tischplatte zu liegen. Die Be roegung beim Schreiben ist nur mit dem Handgelenk, nicht aber durch Fortbewegen bev Armes auszuführen. Besonders eindringlich wird gewarnt, die Kinder in zartem Alter nicht mit zu kleinen Gegenständen, mit Näharbeiten, wie sie häufig von den Kleinen in den Kindergärten gefordert werden, zu beschäftigen. Im ersten Schuljahre soll möglichst wenig geschrieben und das Lesen möglichst an von den Schülern ent fernten Gegenständen, an der Wandtafel, geübt werden. In den ersten Jahren soll der Schreibunterricht höchstens eine halbe Stunde dauern und auch da noch durch minutenlange Pausen unterbrochen werden, dabei soll weniger auf Gleichheit und Correctheit der Schrift als auf möglichst große Formen gesehen werden. Aus dem Liniennetze der Tafeln und Hefte sollen die schrägen Richtungslinien fortfallen. Te Schreiben beim Unterricht und namentlich die schriftlichen Hausaufgaben sind möglickn zu beschränken.

Die Harzer Käsefabrik, Eingetragene Genossenschaft zu Wernigerode hat sich durch Lieferung von nur achtem und sauberem Fabrikat einen Wettrus erworben. Wir können daher nicht umhin, unsere Leser zu bitten, sich durch einen Versuch von der Vorzüglichkeit dieser Waare zu überzeugen und machen auf daS sich in dieser Nummer befindliche Inserat besonders aufmerksam. 96

DaS durch diese Firma beschäftigte Personal zählt schon nabe an 150 Personen.

(teil Uttb (JüfOttb. Bei der großen Anzahl von geringroertbr^rn Hustenmitteln und BonbonS darf daS Publikum wiederholt darauf hingewiesen werden, daß daS L o e f l u n b 'sche Malz-Extract und die ächten MalzExtracl BonbonS von @ b- ß o e f I u n b in Stuttgart als reelle und vorzüglich nnrt same Präparate in den meisten Apotheken in O r i g i n a l - P a ck u n g oov räthig gehalten werden- 2234

Dienstag den 21. d. Mts., von Vormittags 9 Uhr an, sollen im alten Rathhaussaale ver­steigert werden: veranschl. zu

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Gießen, den 17. April 1885. Großh- Bürgermeisterei Gießen. 2859 A. Bramm.

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