Ausgabe 
19.3.1885 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Gieße«, 18. März. Mittwoch dm 25. l. M1S. findet eine öffentliche Sitzung bt£ KrriSauS schussrS des Kreises Gießen statt, in welcher zur Verhandlung kommt:

1. Beschwerde des Heinrich Meyer von Groß-Buseck wegen Verweigerung deS GrweindenusenS.

2. RecurS bc§ Eh. Zimmer und Sons, dahier gegen einen Polizeibefehl bett. Maßregeln zur Verhütung ansteckender Kcankheitrn.

3. Reclamation des Hesstsch-Rheimschen Bergbauoereins wegen Ruitebuna an den Gemeindeumlagen in TraiS-Horloff.

4 RecurS des Eduard Pöschel dahier gegen einen Polizeibefehl bett, die Ausdünstungen aus dem Schoorgraben.

5. Desgl. des Bierbrauers Anton Klostermann dahier.

Gießen, 18. Mörz. SchwurgerichtSoerhandlung am 17. März gegen Heinrich Haister von Hain-Gründau wegen Meineids.

Derselbe war angeklagt:

daß er dm ihm in seinem mit Juda Heilmann von Lieblos geführten Rechts­streite über die Aechthelt der von Heilmann alS Beweismittel benannten Urkunde vom 12. Februar 1880 zugrschobenen Eid am 12. November 1884 vor Großh. Amtsgericht Büdingen wiffentlich falsch geschworen habe.

Die Geschworenen verneinten tadeffen die an sie gestellte Schuldfrage, in Folge dessen der Aageschuldigte von Strafe und Kosten freigesprochen wurde.

Universität-- Chronik.

Marburg, 16. Marz. Heute Nachmittag fand das Begräbvitz eines der ältesten Mitglieder deSLehrkörpers unserer Universität statt. Professor vr. W. Dunkei, Geh. Bergrath, war am 13. d. M., obgleich seit langer Zeit recht leidend, doch naw sehr kurzem Krankenlager sanft verschieden, eine recht schmerzliche Lücke in seinem Berufs- und großen Freundeskreise zurücklassend. Der Verblichene war am 21. Feb­ruar 1809 zu Eschwege geboren, widmete sich den BrrgwisstnsLaften und wurde 1837 ium Lehrer an der damaligen polytechnischen Schule in Kassel berufen. Dort wirkte er mit glänzendem Erfolge in Gemeinschaft mit einem Wöhler, Bunsen, Philippi und Winkrlblech bis 1854 und wurde dann als Professor der Mineralogie und Geologie »ach hiesiger Universität versetzt.

Vermischte-.

Nidda, 16. März. Gestern Abend gegen 6 Uhr starb der Großh. Oberförster Carl Rohr in Folge eines Herzschlags.

Schotten, 16. März. Nachdem die Pläne über die Nebenbahnen des VogelS- berges bet den Großh. KreiSamtkrn etngetroffen find, werden die Verhandlungen über Aufbringung der Kosten des Gelände-Erwerbs.alSbald beginnen.

Mainz, 13. März. Bet der gestern hier stottgehadten, in Folge Casfirung der ersten Wahl nothwendig gewordenen Landtagsneuwahl siegten die Soctaldemokratrn, und Mainz wird in Folge dessen während der nächsten 6 Jahre in der zweiten Kammer durch die Herren Schreiner Jöst von hier und Buchdrucker Ullrich von Offenbach vertreten sein. Die soc'alistische Wahlmännerliste brachte eS auf 1242, die Ultramontaner welche die Wiederwahl der Herren Falk und Schlenger in Aussicht genommen, aur 1077 Stimmen, die Nationalliberalrn nur auf 755.

R. Frankfurt a. M., 17. März. Ja den heutigen VerwaltungsratbSsitzungen derProvidentia, Frankfurter VersicherungS-Geftllschaft" und derRückverficheruvgs- Acticn-Gesellschaft Prootbinfta" wurden, nach erheblicher Verstärkung der ordnungs­mäßigen Reserve und Bildung neuer Reserven die Dividende pro 1884 auf 40 JL per Actie = 23VgpCt. und resp. 28 JL pro Actie 14pCt. festgesetzt. Es ist dies wiederum ein äußerst günstiges Resultat.

Kassel, 14. März. Vor dem Schwurgericht wurde heute einSensationsproccß verhandelt, zu dem sich ein sehr zahlreiches Publikum eingefunden hatte, das sich in seinen Erwartungen jedoch getäuscht sah, da die Verhandlung bei beschränkter Orffenl- lichkeit stattfand. Auf der Anklagebank nimmt die ledige Ludooica Hoffmann au<i Vosen Platz. Dieselbe ist des versuchten Mordes beschuldigt, begangen an dem Haupi- mann der Artillerie und damaligen Lehrer an der hiesigen Kriegsschule Paul o. W-ndeck. Die Oeffentlichkeit der Verhandlung dieser Sache wird auf Antrag der Kgl. Staats­anwaltschaft, im Einverftändniß mit dem Vertheidtger, während der Vernehmung der Angeklagten und deS Zeugen v. Windeck ausgeschlossen, doch war es den Vertretern der Presse gestattet, während dieser Vernehmungen anwesend zu bleiben. Die Ve^ nehmung ergibt folgendes: Die Angeklagte lernte den rc. v. Windeck im Jahre 1875 in ihrem 17. Lebensjahre kennen. Die Bekanntschaft wurde auf der Straße geschloffen. ES-entspann sich hieraus, ohne Wissen und Willen der Eltern der Angeklagten, ein Liebesoerhältniß, dem 3 Kinder entsprossen. Der rc. o. Windeck versorgte, wie An­geklagte selbst zugibt, sie mit dem nöthigen Taschengeld, das er ihr in kleinen Geschenken versteckt gab, hat auch zu den Kindbettkosten der Angeklagten beigetragen. Die An­geklagte, welche von anderen Kameraden deS v. Windeck diesem abwendig gemacht werden sollte, blieb diesem treu. Im März 1884 wurde v. Wtndeck nach hier als Lehrer an die Kriegsschule commanbirt und war dies Commando von längerer Dauer. Dieb war der Angeklagten, wie sie selbst zugibt, bekannt, es war auch zwischen ihr und dem o. Windeck die Rede davon. DaS Verhältniß zwischen Beiden dauerte nach wie vor fort. Plötzlich hübte sich dasselbe, v. Windeck schrieb der Angeklagten, er habe ein anderes Mädchen gefunden und wolle da« V-rhältniß mit ihr lösen, die gegen­seitigen Geschenke solle Jeder behalten. ES war dies nachdem die Angeklagte den v. Windeck hier einmal besucht hatte. Um Näheres zu erfahren, kam Angeklagte zum zweiten Male hierher. Beide Male hielt sie sich mehrere Tage hier auf. Nachdem sie die Mittheilung des v- Windeck bestätigt fand, kaufte sie in Posen von einer Hausirerin

Allgemeine

Herrn. Äug. Müller, Giessen, Seltersweg.

Leinen und Bauruwollcnwaaren,

Bettwaaren und Ans.erti'gung von Betten, Steppdecken, wollene Decken, Reisedecken, Großes Gardinenlager.

Alleinverkauf des Herforder Kettgarnleinen ;u Fabrikpreisen?

Billige solle Preise, belle Wsaren. 602

TÄPETEIL

Die neuesten Muster in grösster Auswahl empfiehlt Heinrich Hochstätter,

1622 Schloßqasse 19.

Reste und zurückgesetzte Tapeten, besonders in besseren Quali- täten, werden austerordcntlick billig abgegeben. 1622

pi-mino-. Ausverkauf. Maninas.

Meine» Vorrath von Pianinos der renommirtesten Firmen verkaufe unterm Fabrikpreis bei fünfjähriger Garantie

C. Stückrath,

Möbelfabrik.

einen Revolver, lud denselben und reiste im December v. I. zum dritten Male hierher wtt dem Ealschiuß, den ungetreuen v. Windeck und dann sich selbst tu töbten. Bor Haue schon nahm sie den in einem kleinen Handkoffer verwahrten Revolver heraus und steckte ihn in ihre ÄUtbertofae. Später bot sie angeblich weder Zett noch Se- legenhat gefunden, den Revolver wieder in den Koff-r zu pract'Ctren, da fi: bei den Mitteisenden kein Äuffchen habe erregen wollen. Hier angefoaameu, ließ fie dm Koffer am Bahnhof und begab sich bircct in die Wohnung des v Wmd.'ck. Wie Angeklagte angibt, w^.der Genannte nicht zu H-uS, als ft- gegen 3 Uhr Nachmittag, abermals ,n Wmdeck fche Wohnung trat. Auf ibr Schellen wu^de ihr von dem Herrn v Windeck selbst geöffnet und war der Empfang, wie Angeklagte selbst zugibt, ein aärtlj$er *nb so wie früher immer. Siehabe, angestrengt von der R:ise, dm v.Windlck u^.Effen gebeten, worauf dieser feinen Burschen mit entsprechendem Auftrag tn ba8 Militärcafino geschickt habe. Es sei hierüber eine längere Zelt oerstoffen, während welcher die Auflösung deS bisherigen Verhältnisses daS Hauptgesprächsthcma bildete. $^3ur-,?e brachte daS Essen und nahm die Angeklagte ihre Sp-is-n an einem kleinen xifcp, wahrend v. Windeck dieselben an dem gewöhnlichen Spetsetisch einnabm. Den Moment, wo o. Windeck ans einem Schrank etn Salzfaß hol-n wollte, hielt die An- geklagte für geeignet, um den von ihr gefaßt.n Entschluß, erst den o. Windeck und dann sich selbst zu tobten, zur Ausführung zu bringen. Sie schloß die Thür ab, zou den Revolver, zielte nach dem Herrn v. Windeck, feuerte einen Schuß ab und verletzte den Genannten am Bein. Der Verletzte flüchtete hierauf in daS Schlafzimmer, worauf die Angeklagte die Waffe gegm die eigene Brust richtete und sich nicht unerheblich verletzte. Trotzdem versuchte sie, nach ihren eigenen Angaben, auf den rc. o. Windeck durch die Glaöthür noch einen Schuß abzugeben. Auf den Hilferuf des :c. o. Windeck wurde diesem Hilfe und die Angeklagte von dem o. Windeck entwaffnet. Die Ang.- klagte gibt ihre Antworten in gebrochenem Deutsch in ruhiger aber bestimmter Sßeife ab. Die weitere Verhandlung fübttt zur Vermtheilung der Angeklagten. Die Ge­schworenen gaben nach nahezu einstündiger Berathung ihr Verbiet dahin ab, baß die Angeklagte versuchten TodtichlagS - nicht Mordes schuldig sei und zwar unter Zubilligung mildernder Umstände. Der Gerichtshof erkannte demgemäß auf daS mindeste zulSsfige Strafmaß von anderthalb Jahr Gefängniß. Abends 9 Uhr hatte dieser SensationSproceß fein Ende erreicht.

sKaiser Wilhelm als Modelleurs Betrachtet man genau die von Herrn Professor Keil vor einiger Zett in EmS mo* U^te Büste unftreS Kslsers, so fällt es auf, daß, abweichend von der sorgfältigen Ausführung der reichen OrdenSdecoration der große Stern zum Orden pour le m&ite auf der linken Brust in leicht hingeworfener Ausführung gehalten ist. Diesen Orden hat der Kaiser selbst modellirtl Während einer S'tzuvg prüfte der Kaiser etngehcnd an dem Modell die angebrachte Ordens- bccoratlon und fand, daß der auf der linken Brust befindliche (Stern zum Schwarzen Adlerorden zu tief saß und höher gerückt werden rnüffe. An der fre'gewordenen Stelle wünschte Se. Majestät jedoch den großen Stern zum Orden pour le mtrite unb nahm sofort persönlich daS Modellirstäbchen zur Hand, um tm weichen Thon diese Decoration selbst herzustellen. Herr Professor Keil erbat sich die Genehmigung, den Orden so wie er vom Kaiser mobeHtrt worden, zu belassen und daher besttzt nun diese an sich ausgezeichnete Büste auch noch ein besonders historisches Interesse.

Graubünden. Dem ^Bündner Tageblatt" wird auS Jlanz geschrieben: Vor einigen Tagen löste sich vom ste'lcn Berge gegenüber dem schönen Hofe St. Martin (im Lugnetzer Thale) eine Unmasse von Felsblöcken, klein unb groß, unb stürzte in die enge unb ttefe Schlucht. In Folge btffen rutschte auch ein bettächtl cheS Stück Wald (wohl einige 100 Tannen) tn bte schaurige Tt-fe. Die Felsblöcke häuften sich, eine geschlossene Masse bildend, in einer Lange von etwa 150 M. unb 40 M. Höhe Diese ungeheure Maffe vermochte ben jungen Rhein 30 Stunden lang vollkommen zu stauen so daß gegen ben Hof Lonschanta ein malerischer See entstand. Der Walb ist Eigen- thum der holzarmen Gemeinde Igels. Der Schaden ist ziemlich groß.

Heber Netter's Haarwasser.

Es kann nicht genug wiederholt werden, und ist auch darüber schon Vieles von 2(utontaten geschrieben worden, daß Oele und Pomaden die Hautporen nur verstopfen tu Folge Zutritts des Staubes sich eine Schichte bildet, welche die Hautausdünstung oerhrndert, bte Haarwurzeln erstickt und dadurch Koprleiden unb kahle Stellen erzeugt Unb bennoch gibt es noch eine Unzahl Leute, die im blinden Vertrauen auf schwindel­hafte Reclame unbedacht, ob das Versprochene zu erfüllen möglich sei Hundert­tausende für schädliche Haarmittel ausgeben und in dem Wahne leben, neue Haare auf kahlen Stellen zu erzeugen, während sie damit doch nur den Eharlatani^mny unter­stützen und ihrer Gesundheit schaden. Wäre es denn nicht viel vernünftiger, bei Seiten von deut unnatürlichen Dressiren der Kopfhaare abznlassen und dafür ein wirklich gutes conserotrendes Haarmittel statt der insgesammt schädlichen Oele unb Pomaden zu gebrauchen? Als ein solch' verläßliches und nnschädltches Mittel kann das

Haarwasser von Carl Netter in München

nicht genug empfohlen werden, da dasselbe taut Gutachten hervorragender Autoritäten, wie Professor Dr. v- Wittstein :c- :c-, Alles enthält, um das Haar feucht, weich, glän­zend und die Kopfhaut immer thätig und weich zu erhalten, sowie die lästigen Schuppen innerhalb acht Tagen gänzlich zu entfernen. Zn beziehen per Flacsn ä 40 H und Jl. 1.10 bei Herrn C Merkel, Marktstraße, Gießen.

Berichtigung.

In dem ArtikelTurnerisches" in letzter Nummer wolle man auf der 2. Spalte . der 2. Seite, Zeile 21 und 24 von oben, anstatt des Wortes Gaues.- US-GaueS lesen da die bett. Verhandlung sich nur. auf ben Us-Gau bezogen.

r Anzeiger.

Den Empfang sammtlicher Neuheiten in Damenklciderftoffen für die Früh­jahrs- und Sommcrfaison zeige ich hier- dnrch ergeben# an.

Zugleich empfehle schwarzen Uacleemire in besonder- guten Qualitäten, sowie schwarzen Crepe^ Grenadine, Vricotine :c. zu sehr billigen Preisen. 1919

J. Chr. Retter.

HoBzcenienidacSier!

Von Herrn C. F. Beer, Architekt und Generalbevollmächtigter von arl Samuel Haeusler, Erfinder der vielfach vramiirten und palen» tirten ächten

Holseenieniddcher

ist uns die Vertretung für den'hiesigen Platz und die Provinz Oberheffen übertragen und haltest wir uns zur Ausnthrung derselben und Abgabe von Material bestens empfohlen. 1857

Heinrich Moll, Spenglermstr., Peter Ruckstuhl, Dachdeckermstr.

Dli - P - ul

6®*'*«**t

S?S>!

fiontaß den -o.

octi SonnütaS

W im ® &ct=n Srub" Bieje imchoaWchuete ff-trbeir.

A. Zreiu

Zchtith-M Anitr. Ni ßiÄc'.ui-Wln * Sabtl ( j

l. So-, Weik- ui

2 fijen-Stainme

44 Fichten-StäML

Ml Mn-Stangen damter 1500 Tie ZusammM

MkgSivieie.

Gießen, den 18. 9 ^wtzherzozl. Bürger 1986 A. Bra

Montag den 2

Vormittags |oQ aus dem städti tin Loos

versteigert werben.

Gieße«, den 18.3

3- Ä. d. ev. j?irc Stief, Stabt.

l°> Mßlichen $p, reif« LangSdvk bin 23, M°rgW 9 IWiin obigen SijHi kichm-,Achen-M P wn 14-69 C Mir. Lch ' ^en-Ztangen = vuchen-Langwidden =

" «chchsi Qufr..

304 k

***, d«I 15. M fej 'surlL Syune.

r»

^kiben 11 isst

i, . i w '? EriJ, M

jDtz - Sff i I *l% Q., ' «Itl 2. -