Ausgabe 
19.3.1885 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Rr 66 Erstes Blatt. Donnerstag den 19. März ISS»

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

t Gchulstraße 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.

Prei» vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlvhn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Darmstadt, 1#. März, Schluß des Inhalts der Großh. Regie- rungsblattes (Beilage Nr. 4):

6. RuhestandsversstzungeN:

Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnadlgst geruht: Am 17. Januar den eoang. Pfarrer Georg Göhrs zu Wixhausen auf sein Nach­suchen in den Ruhestand zu verletzen. . . .. , R ,

Am 22, Januar wurde dec Schallehrer an der Gemerndefchule zu Hetz- bad), Ludwig Storck, auf fein Nachsuchen, am 11. Febr. wuroe der Schullehrer an der Gemeindeschule zu Mörlenbach, Peter Schweizer, aus sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienstsührung, am 12. Febr wurde der Schullehrer an der Gemeindeschule zu Osthoien, Joh. Quetsch, auf sein Nachsuchen, am 20. Febr. wurde der Schullehrer an der eoang. Schule zu Nierstein, Christian Mahr, auf sein Nachsuchen in den Ruhestand versetzt.

7. Concurrenzeröffnungen:

Erledigt sind: Eine (die erste) mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Gardernheim mit einem Gehalt von 900 M.; dem Herrn Grasen zu Erbach-Schönberg steht das Präsentationsrecht zu dieser Stelle zu. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeiudeschule zu Angersbach mit einem Gehalt von 900 .AL. und 38 «X Vergütung für kirchliche Dienste. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der G-meindeschule zu Köddingen mit einem Gehalt von 900 AL; mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Eine (die zweite) mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Rothenberg mit einem Gehalt von 900 M.; dem Herrn Grasen von Erbach-Fürstenau steht das Präsentationsrecht zu dieser Stelle zu. Die mit einem evang. Lehrer zu be­setzende Lchrerstelle an der Gemeindeschule zu Dintesheim mit einem Gehalt von 900 M. Eine (die erste) mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Rockenberg mit einem Gehalt von 900 M.; mit der Stelle ist Organistendienst verbunden; dem kath. Pfarrer und dein Gemeinderath zu Rockenberg steht das Prttsentationsrecht zu derselben zu. ©ine, (die zweite) mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Willingen mit einem Gehalt von 900 AL

'8. Sterbefälle: m _ r

Gestorben sind: Am 22. December 1884 der Reviwr i. P. Johs. Spamer in Darmstadt; am 24. Januar 1885 der Steuer-Commissär Steuer­rath Ludwig Repp zu Dieburg; am 26. Januar der Forstwart i. P. Förster Laurenz Werner zu Jugenheim; am 4. Februar der Forstwart i. P. Heinrich Gambs zu Richen; am 8. Februar der Landgerichtsrath August Haller zu Gießen; am 9. Februar der Schullehrer an der Gemeindeschule zu Ober-Mörlen, im Kreise Friedberg, Jakob König; am 13. Februar der Oberst ä la suite Giesebert Riedesel Frhr. zu Eisenbach in Lauterbach; am 14. Febr. der Großh. Kreisassessor i. P. Dr. Herrn. Momberger; am 17. Febr. der OberrechnungS- Kanzlist Gustav Hecht zu Darmstadt; an dems. Tage der Schullehrer Joseph Würth zu Dexheim. _____________________________

Berlin, 17. März. [fReidjÖtaß.] Nach den bewegten und aufregenden De­batten der letzten Tage war den Parlamentariern des Reichstags ein Tag der Ruhe, wie der heutige, wohl zu gönnen. Die Berathung der Dampfervorlage wurde fort­gesetzt, doch handelte es sich dabei nur um einige technische Punkte in den Para­graphen 1 und 3, die nunmehr folgende Fassung erhalten haben:Die Fahrten müssen in Zeitabschnitten von längstens vier Wochen stattfinden", und:Die Fahrgeschwindig­keit' ist auf mindestens HVr Knoten tm Durchschnitt festzusetzen. Die Zeitdauer der Reise ist nach diesem Verhältniß mit entsprechendem Zuschlag für den Aufenthalt in den anzulaufenden Häfen in Stunden mit einem Abschlag von einem Knoten pro Stunde für die Fahrt gegen den Monsun zu berechnen."

Rach der Vornahme einiger redactionellen Aenderungen war hiermit die zweite Berathung der Dampfervorlage erledigt.

Die Beschlüsse des Bundesraths, betreffend die Aufnahme von Anlagen zur Destillation oder zur Verarbeitung von Theer und Theerwasser in das Verzeichniß der genehmigungspflichtigen Anlagen, werden ohne Diskussion angenommen.

Der Gesetzentwurf, betreffend den Schutz des zur Anfertigung von Reichskassen- schetnen verwendeten Papiers gegen Nachahmung, wird an eine Commission verwiesen.

Vom Reichskanzler war ein Schreiben etugegangen, durch welches er<m In­teresse der Geschäfte des Hauses" eine vom Abg. v. Jagdzewskt gestern gemachte Aeußerung zmückweist. Gegen den Einwand des Abg. Richter, aus diesem Vor­gang keinen Präcedenzfall für die Zukunft zu machen, da den Bundcsdevollmächtigteu freisteht, zu jeder Zeit das Wott zu ergreifen, erklärt StaatSsecretär von Bötticher, daß der Reichskanzler gerade diesen Weg gewählt habe, um nicht die bereits geschlossene Diskussion auf's Neue zu eröffnen.

Nach Erledigung einiger Wahlprüfungen wurde die zweite Berathung deS Zoll­tarifs fortgesetzt. Dec Regierungsvoilage entsprechend sollen Gemüse zollfrei bleiben, die freie wttthschaftliche Vereinigung, v. Schorlemer-Alst, v. Kardorff und Ge­nossen hatten indessen hierfür, mit Ausnahme von Kraut, einen Zoll von 5 JL pro 100 Kg. vorgeschlagen, wozu Abg. v. Guftedt-Lablacken die gleich hohe Besteuerung für Zwiebeln vorschlug.

Nach sehr wirksamen Reden der Abgeordneten Buddeberg, Struckmann, Heine und Meyer (Halle), von denen der Letztere durch eine geist- und witzsprühende Rede die matte Stimmung erfolgreich auffrischte, wurden die Anträge mit großer Majorttät abgelehnt.

Auch seitens des Regierungsvertreters war die Zwecklosigkeit dieser Zölle betont worden.

Morgen stehen die Holzzölle zur Berathung.

Telegraphische Depeschen.

Wolff s telegr. Correspondenz-Bureau.

Harrrhurg, 17. März. DieHamb. Börsenhalle" veröffentlicht eine Mittheilung des hiesigen Syndikats für Westafrika, in welcher gegen eine vom

hiesigen englischen Generalkonsul Annesley gegebene und im Blaubuch abgedruckte Darstellung protestirt wird. Annesley hatte nämlich gesagt, das Syndikat erstrebe die Unterdrückung allen englischen Handels in den neuen deutschen Colo- nieen Westafrikas. Das Syndikat erklärt dagegen, es habe stets oaS Princip gleichmäßiger Zulassung und Behandlung aller handeltreibenden Nationen in den deutschen Besitzungen auf das Dringendste betont und befürwortet. Gleichzeitig veröffentlicht die Firma C. Woermann eine hauptsächlich gegen Annesley gerich­tete Erklärung gegen dessen Behauptung, die Woermannffchen Dampfschiffe ge­hörten nicht ausschließlich der Firma, sondern es seien auch die Norddeutsche Bank und August Bolten daran betheiligt. Die Firma erklärt sich für die aus- schließliche Eigenthumerin ihrer Dampfer, beschwert sich über die Weigerung Annesley's, feinen Jrrthum anders als durch Mittheilnng an den Staatsfecretär des Aeußern, Granville, zu berichtigen und theilt außerdem mit, Annesley habe einem Theilhaber der Firma Woermann anstatt der gewünfchten Berichtigung die Genugthuung mit den Waffen angeboten.

Kopenhagen, 17. Man. Da keine Wahrscheinlichkeit zur Erzielung einer Einigung betreffs des Budgets, welches am 1. April sertiggestellt fern muß, vorliegt, so brachte die Linke des Folkethings heute einen Adreß-Antrag an den König ein, in welchem sie es der Weisheit des Königs anheimstellt, eine definitive Lösung des gegenwärtigen Kampfes zwischen Negierung und Folkething zu finden.

Paris, 17. März. Eine Depesche Briere's meldet die Blokade Packoi's. Briöre trifft Vorbereitungen zu neuen Operationen. Aus Saigun wird vom 15. ds. gemeldet, daß in Cochinchina Ruhe herrsche. Die Lage in Cambodscha sei befriedigend, doch sei große Wachsamkeit nothwendig; mehrere Beamte in Cambodscha wurden abgesetzt.

London, 17. März. Im Unterhause verlas Gladstone ein Telegramm Thornton's, worin es heißt: Giers et Härte, daß die russischen Truppen an der afghani­schen Grenze von ihren jetzigen Positionen nicht vorrücken würden, vorausgesetzt, daß die afghanischen Truppen ebenfalls nicht vorrücken und daß nickt außerordentliche Ver­anlassungen, z. B. Unruhen in Pendschdeh, etntreten. Giers habe erklärt, er habe strikte Befehle an die russischen Osficirre an der Grenze Afghanistans gesandt, durch ^r^-Mttte! einen Confltct oder eine Aufreizung zum Corflict zu vermeiden. Diese Befehle seien wiederholt worden. Gladstone fügte hinzu, England accepttre diese Mtt- theilung als bona fide gemachte und als selbstredend auf beiden Seiten anwendbar. Er (Gladstone) und seine Collegen wfirbm bei der gegenwärtigen Sachlage jede Pression zum Zweck weiterer Erklärung perhorresciren. Gtbfon fragt an, ob das Haus dies so verstehen solle, daß die Regierung sich ebenfalls das Recht Vorbehalte, aus irgend welchem außerordentlichen Grunde Namens der Afghanen zu hanörln und ob das Ab­kommen die Arbeiten der Grenzcommtssion behindern werde. Gladstone erw.derte, die erste Frage sei schon durch die Antwort erledigt, daß das Arrangement auf beiden Setten anwendbar sei, das Arrangement könne die Arbeiten der Grenzcommifston nur erleichtern. Rußland habe die Ablehnung der früheren Forderung, sich von den Punkten jenseits Saraks zurückzuziehen, mit einem Rechtsanspruch auf das Gebiet begründet. Die englische Forderung sei in dem Glauben gestellt, daß es sich um afghanisches Ge­biet handle. Aus Vorsicht und mit Rücksicht auf die Interessen des Friedens hätte sich die englische Regierung auf Maßregeln zur Herbeiführung einer gehörigen Unter­suchung zur Entscheidung der rtvalisirenden Gebietsansprüche beschrankt. Die frühere englische Rückzugsforderung sei nicht formell zu^ckgenommen, aber als verfallen zu betrachten- - Sodann erklärte Gladstone: Die Declaration betnffend das finanzielle egyptische Arrangement, wurde im auswärtigen Amte heute von sämmtlichen Bot­schaftern unterzeichnet. Die Convention wird morgen unterzeichnet-

London, 17. März- Oberhaus. Lord Northbrook erklärte', die Gesuche um Unterstützung bei der Bildung einer Colovialflotte, die von Victoria, Südaustralten und Queensland an die Regierung gerichtet worden, seien stets erfüllt worden. Anlangend eine Föderation der Flottenmacht der Colonien, so sei zu wünswen, daß die Colonien die Initiative dazu selbst ergriffen, die Regierung werde einer solchen ihre Uvterstützung zu Thetl werden lassen, Colonial Kadetten würden auf der^ englischen Flotte bereits zugelassen. Lord Derby fügte hinzu, die Kostenfroge bei Errichtung einer Colonialflottr sei von der Art, daß England betreffs derselben keine großen Schwierigkeiten erheben werde, ein definitiver Plan für die Errichtung einer Colonialflotte werde von den Colonien voraussichtlick aber erst dann vorgenowmm werden, wenn etwas Weiteres zur Herstellung einer föderalen Autorität geschehen sei. Der Antrag des Lord Wimytz, den Colonien für ihre im Sudan angebotene militärische Hilfe den Dank deS Hauses auszusprechen, wurde einstimmig angenommen.

- Unterhaus. Der ParlamentSsecretär der Admiralität, Brossey. erläuterte daS Marinebudget, die Budgetposten, wonach die Flottenmannschaft aus 59,000 Matrosen und Schiffsjungen bestehen und deren Löhnung 2,728,100 Pfd. Sterl. betragen soll, wurden genehmigt.

New - Nork, 17. März. Ein Telegramm aus Panama meldet: Heute früh 4 Uhr machte ein aus etwa 250 Mann bestehender Trupp Aufständischer einen Angriff auf die Stadt, welche lebhaft vertheidigi wird.

- Meldungm aus La Clbertab betätigen, dah Präsident Barrias das D-cr-t wegen Vereinigung der centralamerikanischen Republiken zu einer Republik! ohn ^or wissen der andern Republiken erließ und daß letztere erst am 6. ds«. ^vondem Decrete erfuhren. Der Congreß von San Salvador ermächtigte unter«t 14. b. bte gterung, alle zur Verthetdtgung des Landes erforderliche Mittel zu ergreifen, in Folge dessen wurde der Belagerungszustand proklamirt.

Lokales

G. Gießen, 18. März. (Sterblichkeit in Gießens Die Zahl der Todesfälle in Gießen belief sich während der Woche vom 8. bis 14. März im Ganzen auf 11. Hiervon ereigneten sich 3 bei Kindern im ersten Lebensjahre, von denen eins an Bronchienentzündung, zwei an Krämpfen starben. Bei den 8 erwachsenen Personen wurde als Todesursache bezeichnet: Lungenschwindsucht zweimal, organische Herz­krankheit zweimal, Krebs, Altersschwäche, Schlagfluß des Gehirns, Brightische Nieren-, krankheit je einmal.