eingeathmeten freien Sauerstoff der Luft vor sich gegangenen Oxydation von Kohlenstoff, — welche die Luft unserer Wohnräume zum Leben untauglich macht. Wie solche Luft beschaffen ist, hat gewiß ein Jeder bereits erfahren, wenn er Räume betreten, die stundenlang von vielen Personen besetzt und abgeschlossen waren vom Zutritt frischer Luft; zu diesen gehören schlecht oder gar nicht ventilirtc Schulräume, Sitzungssäle, Restaurationslokalitäten, Theater u. a. m.
Eine Reinigung solcher ungesunder Luft läßt sich nun schlechterdings nicht mit künstlichen Mitteln vornehmen, etwa durch Waschen derselben mit Kalkmilch, welch' letzterer Prozeß wohl der Lust die Kohlensäure entzieht, aber den freien Sauerstoff nicht zu ersetzen vermag, oder durch Räuchern und Parfümiren. Diese letzteren Mittel verdrängen zwar den schlechten Geruch, den solche aufgeathmete Luft trägt, durch einen anderen und angenehmeren, tragen aber im Gefolge, daß sie den ungesunden Zustand der Luft noch vermehren.
Tas allein Richtige, schlechte Lust in den Wohn- und Schlafzimmern zu verbessern, geschieht durch das Oeffnen der Fenster, durch eine gute und anhaltende Lüftung.
Leider will dies die große Mehrzahl der Menschen und zumal der ärmeren Elassen nicht cinsehen und alle darauf zielenden Mahnungen haben noch wenig mehr als nichts genützt. Wie wäre es sonst erklärlich, was wir täglich allenthalben bemerken können, daß die Sorge für unverbrauchten, unverathmeten und unverdorbenen Athem- stoff allem anderen hintenangesetzt wird, selbst da, wo so leicht wenigstens das Roth- wendigste geschehen könnte! Hier fann nicht, wie bereits bemerkt, blos Ersparnis; an Miethgeld und an Brennmaterial einwirken, es müssen Gedankenlosigkeit, Trägheit und Faulheit, Unkenntniß und Unverstand ihre Rolle spielen. Der maßlosen Erkältungsfurcht, ferner dem Aberglauben vieler Handwerker, Arbeiter und Dienstboten, daß die leiseste Luftbewegung oder eine mäßige Zimmertemperatur gleichbedeutend ist mit Zahnschmerzen, Rheumatismus und Lungenschwindsucht, muß vor allem entgegengearbeitet werden. Es muß fort und fort jenen Personen vorgehalten werden, daß unverkümmerte Athemluft ein Nahrmigs- und Genußmittct ersten Ranges ist, so unerläßlich nothwendig wie das tägliche Brod!
Wenn nun auch in den Sommermonaten in Hinsicht des Nichtlüftens der Wohn- und Schlafräume nicht soviel gesündigt wird, so geschieht dies in der herannahenden kälteren Jahreszeit umsomehr, und all die Wohlthaten, welche durch öfteres Lüsten im Sommer dem Körper angethan worden sind, werden durch das Unterlassen von Luftzuführung im Winter doppelt und dreifach zu Grunde gerichtet. Ganze Tage, wochen-, oft monatelang kommt Kn manche Wohn- und Schlafräume keine andere Luft, als die durch das Oeffnen der Thür hineinschlüpfende. Und dann sollen nicht Krankheiten aller Art einziehen in solche Pesthöhlen, in welchen die Luft ähnlich ist mit der der Aborte!
Gute frische Luft und immer wieder frische Luft, auch im Winter, ist halbes Leben!
Wenn doch diese Erkenntniß allgemein würde, namentlich bei den ärmeren und ärmsten Elassen. Dann würde auch bald immöglich werden, was heute noch von gewissenlosen Fabrikherren, Handwerksmeistern und Hausbesitzern gefrevelt wird.
Unsere Gesetzgebung und Verwaltung geht auf den bereits eingeschlagenen Wegen, besonders in der Sorge für gute Luft in den Fabriken, rüstig weiter, sodaß auch von den Gemeindebehörden zu erhoffen ist, daß sie Versäumtes bald nachholen werden. Aber wenn auch alles Rothlvendige und Nützliche von diesen Seiten geschieht, wenn Gesetze auf Gesetze für das Wohl der arbeitenden Elassen erlassen und gehandhabt werden, ist dennoch die auf richtiger Einsicht beruhende Selbsthilfe und Nachhilfe von der arbeitenden Classe selbst ganz unerläßlich. Wäre diese Einsicht vorhanden, so stände es schon jetzt besser um das Allgemeinwohl. Diejenigen Wohnräume, deren Fenster nach stinkigen Höfen führen, in denen nie das Sonnenlicht dringen kann, würden sicher leer stehen, anstatt daß gerade in solchen Höhlen oft die Menschen dutzendweise zusammengepfercht sind, ähnlich den berüchtigten Ehinesenquartieren von San Francisco.
Gegen das Aufhalten in engen, niedrigen, dumpfigen und oft überheizten Rauch- spelunken, Restaurants genannt, lediglich weil es dorr einen „guten Schluck" giebt und einer den andern hinzieht, soll hier nicht gesprochen werden, das zu ändern ist keine Macht der Welt im Stande. Nur könnten manche Gemeindebehörden mit der Abgabe der Schank-Eoncession vorsichtiger sein, dieselbe dürste auf thatsächlich niedrige und enge Räume niemals ertheilt werden.
Verdorbene oder verfälschte Lebensmittel sind mit vollem Rechte verboten und doch haben diese insgesammt schwerlich so viel Unheil angerichtet, so viel Krankheiten und was noch schlimmer ist, so viele dauernde Kränklichkeiten verursacht, als die Vernachlässigung der Sorge für Nahrung und Nothdurft der Lunge.
Es ist und bleibt die erste Hauptbedingung im Leben, gesund zu wohnen und gesund zu schlafen und das läßt sich nur erreichen, wenn fortgesetzt unseren Aufenthaltsräumen frische Lust zugeführt wird. Der Mehrverbrauch im Winter von Heizungsmaterial, welcher durch öfteres Lüften entsteht, wird sicher paralysirt durch Wenigerbedarf von Arzt und Apotheke.
Hierbei sei noch erwähnt, daß auch in Krankenzimmern reine und frische Luft ein Hauptbedarfsartikel ist. Jeder Heilprozeß wird in gutgelüfteten Zimmern rascher und besser vor sich gehen, als in ungelüfteten. Selbstverständlich erheischt das Zufuhren von frischer Luft nach Zimmern, in welchen sich schwerkranke Personen befinden, größte Vorsicht und man wird gut thun, über die Art und Weise des Lüftens den Arzt zu Horen.
Möchten doch alle, denen das Wohl unseres Volkes am Herzen liegt, mit Schrift und Wort dazu beitragen, daß mehr Aufklärung über den ungeheueren Werth reiner und frischer Luft in den Häusern werde. Es ist eine alte Wahrheit und sie bleibt ewig neu: Gute Luft ist halbes Leben. Vielleicht gelingt es, daß die Wahrheit dieser fünf Worte bald Allgemeingut wird. E. W.
Vermischte».
— Fürst Bismarck ist bekanntlich ein entschiedener Gegner des Gebrauchs lateinischer Buchstaben für Druckwerke in deutscher Sprache. Es ist deshalb das amtliche „Handbuch für das deutsche Reich" neuerdings mit deutschen Lettern gedruckt worden, während früher in Preußen und im Reich für derartige Publicationcn meist lateinische Lettern gewählt wurden. Nunmehr hat sich auch der „Reichsanzeiger" definitiv von dem lateinischen Druck losgesagt, indem er jetzt auch für die Börsenbeilage, die er seither mit lateinischen Lettern drucken ließ, deutsche Buchstaben verwendet.
— Die Sprengung des Flood-Felsen an der Höllenthor - Einfahrt zum Nem- Norker Hafen fand, wie telegraphisch bereits gemeldet, am 10. ds. Mts. mittelst eines electrischen Drahtes von dem Gestade von Loug-Jsland statt. Die Explosion hat den Felsen augenscheinlich vollständig zerstört. Für die Sprengung wurden 300.000 Pfund Dynamit und Rackarock verwendet. Man glaubt , daß nach Beendigung der noth- wendigen Baggerarbeiten dieses größte Hinderniß für die Schifffahrt im Flusse East beseitigt wird. An den Ufern hatte sich eine ungeheure Volksmenge eingefunden, um die Wirkung der furchtbaren Explosion zu sehen. Als dieselbe stattfand, war das Wasser unnüttelbar in der Nähe des Felsens heftig erregt. Eine ungeheure Wasser- masse mit Gestein und Holz thürmte sich bis zu einer Höhe von 150 bis 300 Fuß auf, zitterte schwebend eine Secunde und sank dann in den Fluß. Die Erschütterung wurde an den Ufern nur wenig verspürt, desto mehr aber in der ganzen Stadt und auf Meilen in der Runde. General 9?eroton'§ elfjährige Tochter drückte auf den Knopf, der die electrische Strömung hervorrief und dadurch die Explosion verursachte.
Aufruf.
Der nunmehr zur traurigen Gewißheit gewordene Untergang S. M. Corvette ,.Augusta" mit einer Besatzung von 9 Offizieren und 214 Mann hat zahlreiche Familien in tiefsten Kummer versetzt, und wird vielfache Noth Hervorrufen.
Die nach Maßgabe der bestehenden gesetzlichen Bestimmungen aus Neichs- fonds zu gewährenden Unterstützungen werden nicht ausreichen, um die Hinterbliebenen derjenigen Männer, welche in treuer Pflichterfüllung im Dienste des Vaterlandes ihr Leben verloren haben, vor Bedrängniß uud Sorge zu schützen. Um so mehr ist es Pflicht aller Deutschen, hier helfend einzutreten und, soweit dies durch materielle Hülfe angänglich, beizutragen, den Schmerz zu lindern, welchen ein herbes Geschick über die Trost und Hülfe bedürftigen Familien der Verunglückten verhängt hat.
Als bie unheilvolle Katastrophe, welche am 31. Mai 1878 über S. M. Panzerschiff „Großer Kurfürst" hereingebrochen, die nationalen Sympathien für die Hinterbliebenen der auf diesem Schiffe Verunglückten anregte, wandten wir uns vertrauensvoll an die verbündeten Deutschen Landes- und an alle Zweig-Vereine mit der Bitte, sich der Sammlung von Beiträgen für die Hinterbliebenen zu unterziehen. Dieses Vertrauen ist damals nach jeder Richtung hin gerechtfertigt worden; es konnten der zu besagtem Zwecke gegründeten „Deutschen Marinestistung 1878" durch uns namhafte Beträge überwiesen, und die Stiftung dadurch in die Lage versetzt werden, ihre segensreiche Wirksamkeit auszuüben bis zum heutigen Tage und so Gott will, noch viele fernere Jahre.
Vertrauensvoll wenden wir uns auch heute, wo ein gleiches Unglück wie damals die Deutsche Nation betroffen, an die verbündeten Deutschen Landesund an alle Zweig-Vereine, indem wir heute bitten, wie damals, innerhalb ihres Vereinsgebietes schleunigst mit der Sammlung von Beiträgen zu Gunsten der Hinterbliebenen der auf S. M. Corvette „Augusta" Verunglückten vorzugehen und uns das Ergebniß dieser Sammlung seiner Zeit zu übermitteln, damit dasselbe an das in der Bildung begriffene Hülfscomitü abgeführt werden kann.
Berlin, den 5. Oktober 1885.
Das Central-Comite der Deutschen Vereine vom rothen Kreuz.
(Folgen die Unterschriften.)
Vorstehenden Aufruf bringen wir hiermit zur öffentlichen Kenntniß, mit dem Anfügen, daß die Unterzeichneten sich zur Entgegennahme von Gaben bereit erklären.
Der Borstand des Zweig-Vereins zu Gießen.
Dr. Stammler, Landgerichts-Direktor. Dr. Boekmann, Provinzial-Direktor. Dr. Haberkorn, Geh. Regierungsrath. Jockel, Staatsanwalt.
Dr. Wilbrand, Professor.
Ieikgeöolenes.
Als Kleiderbefatz empfehle zu besonders billigen Preisen
Peluche, Sammete und Wollspitzen
in allen Farben.
7083 A. Fangmann.
7336] Waschbütten in allen Größen mpfiehlt billigst L. Kohlenmann, Bleichstraße 12, Küferei, Holz- und Bürsten- waarenhandlung.______________________
Feinster,
Mcinal-Lebertlra
;u haben in der Drogerie von
Ferd. Drebea,
7280 vorm. Gg. Wilh. Weidig.
Sauerkrautsaft
in großer Auswahl, werden billig abgegeben bei 7189
Carl Heil, Schloßgasse.
Allgemeiner Anzeiger. Ausverkauf.
Die Restbestände meines Weistwaarenlagers sollen bis zum 1. Januar vollständig geräumt sein und werden fämmtliche Artikel zu Fabrikpreisen verkauft. 7309._________________M» RAfl.it , Lindenplatz.
Den (Empfang aller Neuheiten in W intermituteln
zeige hiermit ergebenst an und empfehle solche in großer Auswahl zu billigsten Preisen. 7081
August Montamis. Prima Strick- und Rock-Wolle.
Führe nur das beste deutsche Fabrikat, keine Kunst- und Zupfel- Wolle. 7366
Carl Sticher, Msrktstrsße 18.
Siegel’a Hühneraugen Tod frisch eingetroffen.
C. Fr. Conrad, Friseur, 5158 Mäusburg 15.
Specialität
in Herrenwäsche als: Hemden, Kragen, Manschetten, Chemisetts, Taschentücher, Hemden-Einsätze, sowie Glace-, Wildleder- und Bux- kin-Handschuhe, stets das Neueste in allen Arten Shlipsen empfiehlt zu billigen Preisen 7269
H. Rübsamen.
Große schlanke Leinölfässer ungefähr 2 Va Ohm haltend, für Dungfäffer geeignet, preiswerch abzugeben.
Wilhelm Zurbuch, 7311 Seltersweg, im Hofe-
G. 1
"i Amtch fllM ffl. Iran frisch eingett»!
Wafserd (LederMz^ decken m preisen-
Lei s
Smarten mein Flal Aktien-Br
. Cqq
Atz
bes««^fc ."'owitzer *edlcl"al-Toka) do, ,
:i35rierl,e= in
uni bei
Cxpor Neri
Gütige! frei in die !
Ban 2405 <
^eine gebran
Kal
W 98 Nenn lch hiermit in e


