Ausgabe 
18.10.1885 Erstes Blatt
 
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Bunden ist, für die Pflege der Leibesübungen Propaganda machen will. Er tritt darum nirgendwo öffentlich auf, wenn ihm nicht Turnvereine oder öffentliche, gemeinnützige Institute die Hand dazu bieten. Sein Auftreten in Berlin, Wien, Dresden, Leipzig, Hanau, Offenbach, gegenwärtig in Mainz, und anderen großen Städten hat allenthalben Erstaunen hervorgerufen, da solch eine Kraftentwickelung, vereint mit Ruhe, Sicherheit und Eleganz, noch nie beobachtet wurde in unserer Zeit. Aerzte, Professoren der bildenden Künste, Directoren der Turnlehrer - Bildungsanstalten u. s. w. haben ihm die glänzendsten Zeugnisse über sein Auftreten ausgestellt. Alle anerkennen die Bedeut­samkeit seiner Vorführung als ein Beweis, welch ein wichtiger Theil bei der turnerischen körperlichen Ausbildung das sogenannte volksthümliche Turnen, das Hantelstemmen, ist. Für Aerzte, Lehrer, Schüler, Turner, und für Jeden, der noch Sinn hat für rationelle Körperpflege, wird demgemäß das Auftreten des Herrn Bohlig von größtem Interesse sein. Wir lassen hier noch ein gewiß maßgebendes Unheil über ihn folgen:

Herr Ernst Bohlig aus Newyork, geboren in der Rheinpfalz, hat am 2. Novem­ber d. I. in der Königlichen Turnlehrer-Bildungsanstalt in Gegenwart Sr. Excellenz des Herrn Eultusministers Dr. v. Goßler, mehrerer Räthe des Ministeriums der geistlichen :c. Angelegenheiten, bezw. des Provinzial - Schul - Collegiums, der Vertreter der beiden hiesigen Turnvereine, des Lehrer-Collegiums und der Eleven der Königlichen Turnlehrer-Bildungsanstalt eine turnerische Vorstellung gegeben.

Neber zwei stunden wußte Herr Bohlig die Anwesenden zu fesseln; er erregte durch das, was er vorführte, ganz allgemeines Erstaunen und Bewunderung.

Herr Bohlig entwickelte überaus klar und mit vollster turnerischer Sachkenntniß in gewandter, den gebildeten Mann bekundender Sprache, wie er auf seine besondere Specwlität im Turnen, nämlich zu Stemmübungen mit immer schwerer wiegenden Hanteln geführt worden sei, wie mit der sich steigernden Leistungsfähigkeit die auch in den äußeren Contoureu gewaltig hervortretcnde Muskelentwickelung gleichen Schritt hielt, so daß er schließlich in der Tbat das Außerordentlichste in Kraft und Körper­bildung erreicht hat und in dieser Beziehung den berühmtesten Athleten des Alter- thums, soweit dieselben aus plastischen Darstellungen bekannt sind, ebenbürtig sich zur Seite stellen darf.

Herr Bohlig ist aber nicht blos Krastturncr, er hat sich auch die nöthige Elasticität bewahrt und würde sofort in jeden Turnverein als sog. Gipfelturner ein­treten können.

Besondere Anerkennung verdient die vollendete Ruhe, mit der Herr Bohlig seine Uebungeil ausführte. In festem, sicherem Grätschstände, mit den Füßen gleichsam in der Erde wurzelnd, hob er ohne Ruck, ohne sichtliche Anstrengung zwei 75 Pfund schwere Hanteln von der Erde auf und stemmte sie ganz allmählich in die Höhe, machte dann dieselbe Uebung mit einem 103pfündigen und mit einem 75pfündigen, mit denen er auch ein wechselförmiges Hochstemmen ausführte. Nachdem Herr Bohlig noch ver­schiedene Hebungen, jede eine gewaltige Leistung, gezeigt, stemmte er mit der rechten Hand einen 155 Pfund, mit der linken Hand einen 75 Pfund schweren Hantel langsam in die Höhe und senkte dieselben ebenso langsam abwärts.

Wenn auch vielleicht ein von der Natur mit großer Kraft Begabter im Stemmen eines schweren Gewichtes Annäherndes leisten mag, in dieser plastischen Ruhe und Sicherheit, die nur durch rationelle Uebung erlangt sein kann, wird er schwerlich er­reicht, gewiß von Niemand übertroffen werden.

So tritt Herr Bohlig dem Zuschauer ganz eigenartig entgegen. Er kann in keiner Weise etwa mit den im Circus sich präsentirenden Athleten und Kraftmenschen zusammengestellt werden; er ist ein vollendeter, zielbewußter Turner, der die Summe seiner Erfahrungen auch für Andere nutzbringend machen will, der überall belehrend und anregend wirkt. Es ist deßhalb sehr zu wünschen, daß er ohne jegliche äußere Hemmnisse seine Leistungen und Belehrungen in sich dafür interessirenden Kreisen vor­führen könne. Er stiftet damit entschiedenen Nutzen.

Herr Minister v. Goßler sprach, nachdem er selbst noch eine Reihe von Fragen an Herrn Bohlig gestellt hatte, diesem seine volle Anerkennung aus.

Berlin, den 8. November 1884.

Königlich Preußische Turnlehrer-Bildungsanstalt. Prof. Dr. E. Euler, Unterrichts-Dirigent.

Dr. Hoffmann, Geheimer Sanitätsrath und vortragender Anstaltsarzt.

G. Eckler, Oberlehrer.

Wir sind dem Vorstande des hiesigen Turnvereins großen Dank schuldig dafür, daß er uns Gelegenheit gibt, diesen Wundermann hier zu sehen. Möge eilt recht zahlreicher Besuch des Vortrages die Erwartungen des Vorstandes des Turnvereins -rechtfertigen.

Wie wir vernehmen, schweben auch zwischen unserer neuen Direction und Frau Charlotte Lange-Praetorius von Frankfurt a. M. Gastspielunrerhand- lungen, die womöglich schon Ansangs der kommenden Woche zu einem Auftreten führen dürften. Wir wollen es nicht versäumen, unsere besondere Genugthuung über den Entschluß der Direction, die hier so hochgefeierte liebenswürdige Künstlerin uns wieder zuzuführen, auszusprechen und brauchen wir wohl kaum hinzuzufügen, daß unsere Gießener Theaterfreunde alles aufbieten werden, die geniale Darstellerin, mit deren Schaffen alle im vorigen Jahre vertraut wurden, gebührend zu empfangen.

Gießen, 17. October. Gestern feierten die Arbeiter des Bauunternehmers I. Hoch ein hübsches Fest: die Vollendung des zwölften Wohnhauses. Bei diesem Anlaß wurden den beiden ältesten Gehülsen I. Fett und I. Sommer, beide von Watzenborn, welche 25 Jahre in demselben Geschäft thätig sind, als Anerkennung für die langjährige Dienstleistung je eine Uhr überreicht. Es verdient dieses harmonische Verhalten zwischen Arbeitgeber und -Nehmer alle Anerkennung.

Verwischtes.

Darmstadt, 15. October. Mit dem heutigen Tage ist im Gebäude des ehe­maligen Jägerthors eine Naturalverpflegungsstation in's Leben getreten und werden die Bewohner der Stadt ersucht, Handwerksburschen, welche um Unterstützung bitten, fowie Bettler dorthin zu verweisen. Mit der hier neuen Institution ist zugleich ein Arbeitsnachweise-Bureau verbunden.

Mainz, 14. October. Eine eigenthümliche Erscheinung konnte man gestern in unserer Stadt wahrnehmen. Gegen 2 Uhr Nachmittags bei ziemlich heiterem Himmel zog es plötzlich wie starkes Schneegestöber von Nord-Westen kommend über unsere Stadt, über den Schillerplatz zog eine ganze Wolke, die sich später lichtete und durch alle Straßen und Gassen verbreitete. Diese dem Schnee ähnliche Erscheinung waren MiMarden von winzig kleinen Mücken mit weißen Flügeln und dünnen Leibern; vor den Thoren der Stadt flogen diese Mücken an manchen Stellen so dicht, daß man das Taschentuch vor den Mund und die Nase halten mutzte, um keine dieser Thiercheu beim Athmcn zu verschlucken.

Cassels, 14. October. Gestern wurde hier ein Mann aus Zierenberg, an Händen und Füßen gefesselt, auf einem Bauernwagen durch einen Gendarm in das hiesige Gerichtsgefängmß eingeliefert. Wie wir in Erfahrung gebracht, hatte der Gefangene eine vierzehntägige Haft zu verbüßen und da er sich nicht freiwillig dem Gericht gestellt halte, wurde seitens des Gendarmen zu seiner Verhaftung geschritten. Hierbei gab er auf letzteren einen Schuß ab und verwundete ihn bei der Ergreifung am Gesicht, auch brachte er ihm durch Beißen eine erhebliche Wunde am kleinen Finger bei.

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Harrdet und Verkehr.

Gießen, 17. October. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund 0.900 95, Hühnereier 2 Stck. 150 H, Enteneier St. 00 Käse pr. St. 58 -H, Kasematte 30 H, Erbsen pr. Liter 22 Linsen 32 H, Tauben per Paar 0,50 bis 0,60 H, Hühner per Stück aL 0.851.30, Hahnen pr. Stück JL 0.450.80, Enten per Stück «X 1501.70, Ochsenfleisch per Pfund 6800 H, Kuh- und Rindfleisch 5660 H, Schweinefleisch 5060 H, Hammelfleisch 6070 H, Kalbfleisch 4850 Kartoffeln per 100 Kilo JL 3.004.00, Milch per Liter 1216 Zwiebeln per Centner JL 4.00-4.50. Zwetschen ai 6.50-8.00.

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Auszug aus bett Kirchenbüchern der Stadt Gießen.

Evangelische Gemeinde.

Getraute.

Den 10. October. Emil Schneider, Dreher und Wilhelmine Jakobine Eimer, Tochter des verstorbenen Schneiders Ludwig Eimer.

Den 11. October. Ludwig Schneider, Maurer und Luise Gräf, Tochter des Arbeiters Georg Gräf.

Denselben. Peter Drechsler, Fuhrmann und Elisabeth Schmitt, Tochter des ver­storbenen Bauaufsehers Johannes Schmidt.

Den 12. October. Karl Ludwig Theodor Knöpfe!, Reallehrer zu Oppenheim und Marie Anna Johanna Thekla Kreuter, Tochter des Majors z. D. Franz Jakob Kreuter.

Den 14. October. Heinrich Kuhl, Bürstenbinder und Marie Noll, Tochter des verstorbenen Sandgießers Konrad Nöll zu Hirzenhain.

Denselben. Georg Heinrich Menke, Hilfsheizer an der Main-Weser-Bahn und Margarethe Mank, Tochter des Heizers Philipp Mank.

Denselben. Karl Friedrich Max Weller, Bureaugehilse an der Main-Weser- Bahn und Wilhelmine Margarethe Stephany, Tochter des Stationsassistenten Jakob Stephany.

Getaufte.

Den 11. Octo der. Dem Kaufmann Emil Fischbach Zwillingskinder, ein Sohn, Louis Friedrich Wilhelm Eugen und eine Tochter, Wilhelmine Hannchen Johanna', geboren den 28. Juli.

Denselben. Dem Posthilfsboten Johannes Schmalz ein Sohn, Lorenz Heinrich, geboren den 30. September.

Denselben. Dem Schneidermeister Johann Heinrich Leib ein Sohn, Adolf Karl, geboren den 10. September.

Denselben. Dem Hoboisten Gottlieb Richter eine Tochter, Friederike, geboren den 10. August.

Denselben. Dem Kutscher Heinrich Hofmann eine Tochter, Johanna Maria, geboren den 26. August.

Denselben. Dem Gärtner Jean Schwegler eine Tochter, Johanna Josefine Elisabeth Elsa, geboren den 1. September.

Denselben.^ Dem Schlosser Franz Rathenow ein ^-ohn, Karl Wilhelm Max,, geboren den 11. September.

Beerdigte.

Den 10. October. Ernst Moos, Eisendreher, alt 32 Jahre, starb den 8. October.

Den 11. October. Adolf Heyer, cand. med., Sohn des Oberförsters Theodor Heyer, alt 22 Jahre, starb den 9. October zu Gera.

Den 16. October. Wernhard Dietz, Rentner, alt 84 Jahre, starb den 14. October^

Denselben. Georg Bürbach, Landmann aus Bürbach, alt 77 Jahre, starb den 13. October.

Brodpreise

vom 18. October bis 1. November 1885.

der Bäcker H

1 Kgr. (2 Pfd.) Weißbrod .... 27

2 (4 Pfd.) Weißbrod .... 54

1 (2 Pfd.) Schwarzbrot) 1. Sorte 24

2 (4 Pfd.) Schwarzbrod 1. Sorte 48

1 (2 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte 21

2 (4 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte 42

3 (6 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte

bei K. Haas, Johs. Lein, L- Keil 63

Gießen, den 17. Oktober 1881

Großherzogliches Fres

der Brodverkäuser $

1 Kgr. (2 Pfd.) Weißbrod . ... 27

2 ,, (4 ) .....54

1 (2 ) Schwarzbrod 1. Sorte 24

2 r (4 Pfd.) Schwarzbrod 1. Sorte 48 bei I. Blitz, Kornbrod 42:

3 (6 Pfd.) Schwarzbrod 1. Sorte

1 (2 ) Schwarzbrod 2. Sorte 21

2 (4 ) Schwarzbrod 2. Sorte 42

3 n (6 ) Schwarzbrod 2. Sorte 6L

Polizeiamt Gießen.

enius.

Allgemeiner Anzeiger.

Zur Saison.

Dem geehrten Publikum zur gefälligen Nachricht, daß ich Anzüge, nach Maß angefertigt, von Mk 36 an liefere und höher, Überzieher von Mk 36 an und höher, Kaiser-Mäntel von Mk. 24 an und höher, Joppen von Mk. 12 an. Für gutes Passen wird garantirt.

Wilhelm Stumpf,

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Einladung.

Der Grünberger Zweigverein der Gustav-Adolf-Stiftung feiert Diens­tag, den 20. d. M., Bormittags V2IO Uhr, in hiesiger Kirche sein Jahresfest. Recht herzlich laden wir hiermit alle Freunde des Vereins zu dieser Feier ein und theilen zugleich mit, daß Herr Pfarrer von Seyde- witz aus Frankfurt a. M die Festpredigt übernommen hat.

Londorf, am 15. October 1885.

Für den Kirchenvorstand:

7445 Weber, Pfarrer. V. Laubinger.

Jelbstgeftrtigtc lsckirte Möbel aller Art sind stets vorräthig und zu billigen Preisen zu haben bei 258 Carl Steller, Schillerstraße 9.

7462] Lohnende und dauernde Beschäf­tigung finden mehrere tüchtige Maschinen­näherinnen; die, welche im Schirm­nähen bewandert, erhalten den Vorzug bei M. Levi, Schirmfabrik, Seltersweg 25.

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