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ießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Rv» 243 Erstes Blatt. Sonntag den 18. October
Bureau: Schul st raße 7.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Amtlicher Hheik.
Lehrer-Couferenz
des Conferenz-Bezirkes Grünberg: Mittwoch, den 21. Oetober, Morgens 10 Uhr, in Grüuberg.
Lieder 3. 5. 79. 123.
Gießen, den 15. October 1885. Büchner, Kreisschulinspector.
Gefunden: 4 Portemonnais mit Inhalt, 1 Lesebuch, 1 Corallenarmband, 1 leinenes Frauenhemd, 2 Halstücher, 1 Gießkanne, 1 Gummiball, 1 Kopfkringen, mehrere Schlüssel, ein kath. Katechismus und 1 kath. biblische Geschichte.
Gießen, am 17. October 1885. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
Fresenius.__*__
England.
Brighton, 16. October. Aus einem gestern Abend abgehaltenen Meeting der Conservativen erklärte Lord Salisbury, die Regierung wünsche aufrichtig, den Frieden zu erhalten und sie glaube, das beste Mittel, den Frieden zu sichern, bestehe vor Allem darin, sortdauernd ein umsichtiges und maßvolles Auftreten zu bekunden, eine schwankende Politik zu vermeiden, auf rechtmäßigen Ansprüchen zu bestehen und jeden Streit zu vermeiden, welcher nicht durch die Verletzung solcher Ansprüche veranlaßt werde.
Nußland.
Petersburg, 16. October. Das „Petersb. Journal" weist auf die Bewegung in Griechenland und Serbien hin. Es sei Zeit, oaß diese Verirrung der Geister endige, wenn man brudermörderische Kämpfe zwischen den Völkern vermeiden wolle, zu deren Befreiung Niemand so viel beigetragen als Rußland. Die Auslassungen Karawelow's, Bulgarien sei zuerst bulgarisch, dann slavisch, brauche man nicht zurückzuweisen; aber man könne fragen, wo würde das Vaterland Karawelow's heute sein, wenn Rußland nur diesem Principe gefolgt wäre? Uebrigens folge aus dem Principe Karawelow's, daß Rußland sich nicht m'S Schlepptau nehmen lasse; es habe andere Interessen zu schützen, als die Revolution vom 18. September.
— Das „Journal de St. Pötersbourg" schreibt: Wenn die durch die Botschafter und Regierungen in Sofia und Philippopel ertheilten Rathschläge die Betreffenden nicht auf den Weg der Besonnenheit zurückführen sollten, werde eine neue Vereinigung der Botschafter unter der feierlicheren Form der Con- ferenz Mittel in's Auge fassen müssen zur Regelung der Situation aus derjenigen Basis, welche den Ausgangspunkt des gegenwärtigen Schrittes gebildet habe.
Serbien.
Nifch, 16. October. Der König hielt gestern eine Revue über die im Lager befindlichen Truppen ab. Aus Ungarn trafen 1500 Pferde ein.
Türkei.
Konstantinopel, 16. October. (Reuter-Meldung.) Der auf Bulgarien bezügliche Theil der von den Botschaftern sestgestellten Mittheilung enthält nutzer einer entschiedenen Mißbilligung des Vorgehens der Bulgaren die Erklärung, daß Bulgarien verantwortlich für alle Vorgänge sei, welche die Weiterverbreitung des Aufstandes herbeisühren könnte. Schließlich werden die Bulgaren oufgefordert, jede militärische Vorbereitung zu unterlassen.
— In der Deklaration der Mächte, welche eine Antwort aus die Aufforderung der Pforte betreffs Rumeliens ist, heißt es: In Folge des Antrags Rußlands sind die Botschafter zur Vereinbarung einer Deklaration darüber, wie der Frieden bewahrt und Blutvergießen vermieden werden könne, zusammen- getreren, bis die Mächte entsprechende Beschlüsse gefaßt. Die Deklaration lobt Lie Haltung des Sultans, welcher seine souveränen Rechte zu wahren bemüht lei. Die Botschafter hoffen, der Sultan werde in der versöhnlichen Haltung verharren, tadeln entschieden die Ereignisse in Rumelien und machen die Führer der Bewegung verantwortlich für jede Agitation. Bulgarien wird aufgesordert, keine Truppen an die Grenze zu concentriren, die Rüstungen einzustellen und Zur Ordnung zurückzukehren. Es dürfe auf keinen Beistand der Mächte rechnen. Die Deklaration wurde gleichzeitig in Konstantinopel und Sofia überreicht. Die Vertreter der Mächte in Sofia bemerkten bei der Ueberreichung an Karawelow, die Bulgaren sollen jede Unktugheit vermeiden und die Rüstungen einstellen. Auf die Pforte machte die Deklaration einen günstigen Eindruck. Aus Befehl des Sultans wurde ein außerordentlicher Ministerrath behufs Beantwor- tung der Deklaration einberusen.
Telegraphische Depeschen.
Wolff- telegr. Eorrespondenz - Brrrea«.
Berlin, 16. October. In der gestern unter dem Vorsitze des Staatsministers, Staatssecrctärs des Innern v. Bötticher, abgehaltenen Plenarsitzung des Bundesraths wurden der Entwurf einer Verordnung über die Militär - Transport - Ordnung für Eisenbahnen im Kriege, die allgemeine Rechnung über den Landeshaushalt von Elsaß- Lothringen für 1881—82 und die Vorlage, betreffend die Erstattung der seitens der Postverwaltung für die Zeit Dom 1. October bis 31. December ds. Js. vorschußweise gezahlten Unfall-Entschädigungen durch die Berufsgenossenschaften den zuständigen Ausschüssen zur Vorberathung überwiesen. Zum Zwecke der Errichtung einer öffentlichen Badeanstalt in einer Stadt Thüringens wurde die Ausgabe von Actien auf Namen
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flusses gemeldet.
Kopenhagen, 16. October. Das Folkething lehnte es mit 77 gegen 21 Stimmen ab, in die zweite Berathung des Budgets einzutreten.
Athen, 16. October. Der französische Gesandte hatte neuerdings eine Besprechung mit Delyannis, wobei er eine vorsichtige Haltung anempfahl, um die Lage Griechenlands nicht zu compromittiren. Die Rüstungen dauern fort.
Sofia, 16. October. Fürst Alexander wird morgen aus Philippopel hier erwartet. p. c
— Der Fürst ist in der letzten Nacht hier eingetroffen und reist morgen wieder ab, um Vorkehrungen zu treffen, daß der friedliche Zustand an der macedonischen Grenze nicht gestört werde. Von einem Uebertritt serbischer Truppen auf bulgarisches Gebiet, wovon hier gerüchtweise verlautete, ist an unterrichteter Stelle nichts bekannt.
Belgrad, 16. October. Einzelne Maßnahmen lassen schließen, daß die Regierung keine Complicationcn zu schaffen wünsche, wodurch die Aufgabe der Mächte erschwert werden würde.
2 Personen gerettet durch das Rettungsboot „Dr. Schumacher".
Bremen, 16. October. Die Rettungsstation Cuxhaven telegraphirt: Am 16. Oktober von der englischen Fischersmack „Niele" Capitän Edminstone, gestrandet auf dem Osterhörner Stack, mit Eisen von Hamburg nach England bestimmt, Person gerettet durch das Rettungsboot „Esther" unserer Station, der Capitän 2 Mann retteten sich mit dem Schiffsboot.
— Die Rettungsstation Cuxhaven telegraphirt: Am 16. October von deutschen Tjalk „Gretjelina", Capitän Willms, gesunken bei der rothen Tonne, .... eisernen Röhren von Veile nach Hamburg bestimmt, 2 Personen gerettet durch das Rettungsboot der Lootsengaliote.
Innsbruck, 16. October. Das rapide Steigen der Inn und ihrer Nebenflüsse verursachte mehrfach Betriebsstörungen der Bahnen. Es drohen Ueberschwemmungen und ist daher Militär zur Hilfe aufgeboten worden.
— Durch Austreten der Etsch und deren Nebenflüsse wurden in den Bezirken Noveredo, Fione, Riva und Cles viele Häuser weggerifsen, Straßen, Brücken und Schutzbauten zerstört. Die letzten Nachrichten melden aus mehreren Bezirken ein Sinken der Gewässer und eine Verminderung der Gefahr.
Klagenfurt, 16. October. Aus mehreren Theilen in Oberkärnthen wird von neuerlichen Ueberschwemmungsschäden berichtet.
Rom, 16. October. In der Stadt Palermo zählte man gestern 23 Cholera- Todesfälle.
Rom, 16. October. Die Etsch bei Verona ist hn Steigen, mehrere Straßen find bereits überschwemmt. Aus der Provinz Belluno wird das Wachsen des Piave
unter dem gesetzlichen Minimalbetrage gestattet. Sodann fanden Eingaben, betreffeud die Befreiung von der Versicherungspflicht auf Grund des Unfallversicherunasgesetzes, ihre Erledigung. Eine Eingabe wegen Einführung einer gesetzlichen Normal-Arbeitszeit beschloß die Versammlung dem Herrn Reichskanzler mitzutheilen. Aus Anlaß einer vom Reichstage gefaßten Resolution wurde beschlossen, Ermittelungen über die Lohnverhältnisfe der Arbeiterinnen in der Wäschefabrikation und der Confections- ■ brauche, sowie über den Verkauf oder die Lieferung von Arbeitsittaterial (Nähfaden rc.) seitens der Arbeitgeber an die Arbeiterinnen und über die Höhe der dabei berechneten Preise vorzunehmen. Endlich wurden Eingaben verschiedenen Inhalts vorgelegt.
Berlin, 16. October. Die Generalsynode nahm den Bericht über die Petition der Kreissynode der Neulnark entgegen, betreffend die Fürsorge für die Waisen, und nahm hierauf den bezüglichen Antrag Meyer und Genossen an. Die Berathung der Anträge der brandenburgischen und der westfälischen Provinzialsynode über die Mitwirkung des Generalsynodalvorstandes bei der Besetzung der kirchenregimentlicken Aemter und der Ernennung der theologischen Professoren führte zu einer längeren Debatte; der erste Theil des Antrags, Besetzung kirchenregimentlicher Aemter, und der Antrag Altgelt über die Besetzung der theologischen Professuren wurden angenommen. - c
Braunschweig, 16. October. Die Einberufung des Landtags zum 20. Octobev ist heute amtlich publicirt worden.
Bremen, 16. October. Die Rettungsstation Binz telegraphirt: Am 16. October von der deutschen Schaluppe „Marie", Capitän Ramm, gestrandet unterhalb Binz,
Lokales.
Gießen, 17. October. Mit dem heutigen Tage ist die Verwaltung der Großb. Universitäts-Bibliothek, welche seit dem im Juni erfolgten Tode des Prof. Dr. N oack interimistisch durch Prof. Dr. Stade geführt worden ist, auf den neuernannten Bibliothekar Dr. H. Haupt aus Würzburg übergegangen. Dem neuen Bibliothekar geht der Ruf eines gewiegten Bibliothekbeamtcn und tüchtigen Gelehrten voraus, m weiteren Kreisen ist er durch den von ihm geführten Beweis bekannt geworden, caß die vorlutherische deutsche Bibel nicht katholischen, sondern waldcnsifchen Ursprungs lft. Möge das ihm anvertraute, für die Universität so wichtige Institut unter feiner Leitung sich einer gedeihlichen Entwickelung erfreuen.
Gießen, 17. October. sTurnerisches.j Die Leser dieser Zeitung haben vielleicht schon einmal den Namen Ernst Bohlig nennen hören, als den Namen eines Mannes von ganz außergewöhnlichen Kräften, wie sie unter Millionen Menschen kaum einer besitzt. Dieseii Mann werden wir nun nächsten Donnerstag Abend im <stein- schen Gartensaale hier sehen und anstaunen können, da er auf Wunsch des hiesigen Turnvereins ein einmaliges Auftreten zugesagt hat. Herr Bohlig ist namhd) fein Athlet von dem Schlage, ivie man solche im Circus oder in der Arena auftreten sieht, sondern er ist ein sogenannter Wandertiirnlehrer, der durch fern Auftreten, welches mit einem belehrenden Vortrage über Kräftigung des Körpers und der Gesundheit ver^


