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Gießen, 17. Juni. [6. Concert des Gießener Concert-Vereins.) Am 3L Februar d. I. wurde zu Ehren des 200jährigen Geburtsjahres Händels Judas Makkabäus aufgeführt. Auch zu Sebastian Bachs Andenken (er ist geboren im März 1685) soll, und zwar am 24. Juni, eine musikalische Feier stattfinden, soweit dies die Kräfte und Mittel des Vereins erlauben. Die Leistungen des Akademischen Gesangvereins werden dabei unterstützt durch Herrn Musikdirector Kayser aus Hagen, dessen vortreffliches Orgelspiel wir schon einigemal zu hören Gelegenheit hatten und der in der letzten Zeit, nach England eingeladen, daselbst mehrere Wochen lang mit dem größten Erfolg gastirte. Einen besonderen Anziehungspunkt wird Frau Amalie Joachim ausüben, die wir zum ersten Male hier in Gießen hören werden.

Vermischtes.

e. Offenbach, 13. Juni. [8. Verbandschießen.j Die Bauten für das 8. Verbandschießen sind der Hauptsache nach vollendet. Was noch zu thun übrig bleibt, betrifft die innere Einrichtung, sowie die festliche Ausschmückung der Fest- und Bier­hallen. Die Unternehmer, die laut Contract für jeden Tag über den festgesetzten Termin eine hohe Strafe zu zahlen haben, dürften befriedigt auf das bisher Geleistete blicken. Diele Hände haben sich während der letzten Wochen emsig geregt und müssen sich noch regen, aber es unterliegt keinem Zweifel, daß bis zum Tage des Probe­banketts (21. Juni) Alles fix und fertig ist und nicht, wie es sonst nur zu häufig passirt, selbst beim Einzug des Festzuges noch hier und da gehämmert wird. Die Kränze und Guirlanden werden selbstredend erst wenige Tage vor dem Beginn des Festes angebracht, da sie sonst bis zum Haupttage verwelkt sein würden. Von Montag den 15. Juni ab werden an folgenden Stellen Listen zur Anmeldung zum Probebankett aufliegen: H. Schildger, L. Güth, I. P. Strauß, Gasthof zur Stadt Easfel und Restaurant Hartwig. Zum Probebankett haben sich, wie uns von gut unterrichteter Seite mitgetheilt wird, zahlreiche auswärtiae Schützen (so von Mainz, Frankfurt, Hanau re.) angemeldet und das ist natürlich, Denn es sollen nicht nur die Küche und die Getränke versucht, sondern auch die ganze Schießeinrichtung einer Prüfung unterzogen werden. Es werden am 21. Juni alle Secretäre re. in Thätigkeit sein, kurz sich ein Bild entrollen, wie wenn das Schießen bereits begonnen hätte. Die Anmeldungen zu Festkarten, Wohnungen und zum Festbankett (28. Juni) laufen mit jedem Tage zahlreicher ein, ebenso die Preise und Ehrengaben. Wir geben nachstehend das Verzeichnis der letztern, soweit es uns bekannt geworden:

Pfälzischer Bund 2 Gaben (6 silberne Löffeln, 6 silberne Gabeln, 6 silberne Messer in Etuis), Werth je 175 Mark. Schützengesellschaft Neustadt a. H. 1 Gabe, Werth 100 Mark. Stadt Offenbach 1 Gabe (1 Tisch und 6 Stühle), Werth 500 Mark. Hch. Knecht von St. Gallen 1 Gabe (1 Büchsflinte). Schützengesellschaft Bingen 1 Gabe (1 Kiste Wein), Werth 100 Mark. Carl Gräff in Bingen 2 Gaben (Cigarren, Cigarretten und Tabak). Werth je 100 Mark. Offenbacher Bicyele-Club 1 Gabe. Offenbacher Schützenverein 3 Gaben, Werth je 250 Mark. Badischer Landesschützen- verein 1 Gabe, Werth 200 Mark. Offenbacher Fechtclub 1 Gabe (1 Bowle), Werth 100 Mark, ^chützengesellschaft Bruchsal 1 Gabe (6 silberne Löffel), Werth 60 Mark. Schützengesellschaft Speyer 1 Gabe (1 Regulator mit Schlagwerk). Schützengesellschaft Mannheim 2 Gaben, Werth je 125 Mark. Deutscher ^chützenbund 1 Gabe (300 Mark baar in Etuis). Schützengesellschaft Groß-Gerau 1 Gabe (1 silberner Becher), Werth 70 Mark. Schützengesellschaft Sprendlingen (Rheinhessen) 1 Gabe (1 Regulator). Werth 42 Mark. Schützengesellschaft Mainz 1 Gabe (1 silbernes Trinkhorn), Werth 225 Mark. Schützengesellschaft Ludwigshafen 1 Gabe (1 Remontoir), Werth 120 Mark. Offenbacher Metzger-Innung 1 Gabe, Werth 145 Mark. Offenbacher Bäcker-Innung, 1 Gabe, Werth 125 Mark. Schützengesellschaft Hanau 1 Gabe. Schützenverein Frank­furt 4 Gaben, Werth je 50 Mark.

Berlin, 15. Juni. Der wegen Mordes und schweren Raubes, begangen am 30. September 1884 gegen die verehelichte Bauer Büttner 'zu Buhlsdorf, zum Tode verurtheilte Arbeiter Franz Maschunat aus Kleinkalkeningken ist heute früh in Moabit enthauptet worden.

Der Gemeindevorstand in Weimar erläßt folgende sehr zeitgemäße Be­kanntmachung:In Veranlassung vielfach erhobener Beschwerden mache ich hiermit nochmals ausdrücklich darauf aufmerksam, daß das Musicieren und namentlich das Klavierspielen innerhalb der Gebäude bei offenen Fenstern untersagt ist und daß Zuwiderhandelnde auf Grund des § 59 der Straßen-Ordnung in Strafe genommen werden."

Lyon, 8. Juni. Am Mittwoch stand vor einem Cafö ein stattlicher Pbaöton mit zwei prächtigen Rappen bespannt, die ein anscheinend dem Handwerkerstand an­gehöriger Mann wohlgefällig streichelte. Ein eleganter, hochgewachsener Mann trat aus dem Cafö, schritt auf das Gefährt zu und begann mit dem Fremden ein Zwie­gespräch. Letzterer ließ die Worte fallen:Sind es nicht Herrn Gresillons Pferde?" Der Dandy schrak zusammen, faßte sich aber schnell.Nein, es sind meine, Mr. Waltons, Pferde," entgegnete er brüsk und wollte sich schnell auf den Kutschersitz zwingen. Aber der Bewunderer seiner Pferde hinderte ihn daran mit sanfter Gewalt, winkte einem in der Nähe stehenden Bummler, der mit einem Male seine Lazzaroni-Positur in eine straffe, militärische Haltung verwandelte und nahm mit diesem den Elegant fest. Auf diese Weise wurde einer der gefährlichsten und verwegensten Verbrecher Frankreichs zur Haft gebracht. Gresillon überbot den Mörder Marchandon in Compiegne an Größe der von ihm unternommenen Einbrüche und Diebstähle bei Weitem, obgleich er feine Hände nie mit Blut befleckte. Ganz Südfrankreich, von Bayonne bis Nizza, von Perpignan bis Bordeaux war das Feld seiner Thätigkeit und es gibt dort kaum eine größere Gemeinde, in der nicht eine Kirche denn Gresillon war auch Atheist und plünderte Gotteshäuser mit Vorliebe eine Bank oder ein reicher Privatmann ober auch die Gemeindekasse von ihm einmal geplündert worden wäre. Die Summe der von ihm vollzogenenTransactionen" er hatte übrigens acht bis zehn Untergebene, die auch bereits gefaßt sind mag wohl weit die Million überschritten haben, man hat bereits Diebstähle, in denen mehr als sechshunderttausend FrancsUmsatz" ge­macht wurde, diesem modernen Cartouche nachgewiesen. Dieser Spitzbube besitzt neben seiner Kühnheit ein außerordentlich gefälliges Wesen, er ist der vollkommenste Gentlemen. Er lebte ruhig in Lyon als Mr. Walton, ließ seine Pferde, auf die er, wie aus dem eben Erzählten ersichtlich ist, sehr stolz war, an den Rennen theilnehmen und gewann

viele Preise als Sportsman. Er verkehrte in den besten Kreisen der großen reiche» Industriestadt an der Saone und viele Familien sind durch seine Verbattunq fan? compromittirt, so daß sie es vorzogen, für einige Zeit Lyon zu verlassen. Gresillon war schon einmal in der Gewalt der Justiz gewesen, war in Corsika internirt worden und von dort im Jahre 1883 mit der Kasse entsprungen.

Eine Entsührungsgeschichte, welche einer Fabel gleicht und dennoch wahr in bildet im Augenblicke das Gespräch der Pariser. L., welcher in der Umgebung von Pans wohnt, begab sich kürzlich Abends auf seinen Heimweg, als auf dem Boulevard JourdanLs vier Individuen auf ihn stürzten, ihn zu Boden warfen und zu knebeln versuchten. Der eine der Strolche sagte zu seinem Genossen:Der Wagen ftebt bereit beeilen wir uns!" L., ehemaliger Soldat, vcrtheidigte sich kräftig und verwundete den einen Angreifer am Kopfe. Polizei-Agenten kamen herbei und bemächtigten nch der Individuen, welche auf das Commiffariat geführt wurden. Dieselben erUärren, von einer Madame de G., Boulevard Conti wohnend, gedungen und bezahlt zu s-.in,' um L. zu entführen, selbst mitGewalt, wenn es nothwendig erscheinen sollte", und ihn sodann in ihr Haus zu bringen. L. erzählte, daß er vor einigen Jahren Madame H gekannt habe; dieselbe habe in Erfahrung gebracht, daß er sich demnächst verheirathm werde und ihm Brief um Brief geschickt, mit der Drohung, ihn zu iödren, wenn er eine Andere als sie zum Altar führe. Im letzten dieser Briefe erklärte sie ihm auch daß sie ihn zu entführen wissen werde. Der.Polizei-Commissar inhaftirte die vier wackeren Gesellen, um sie der gerichtlichen Bestrafung zuzuführen; dieselben verweigerten aber ihr Nationale bekanntzugeben. Die so romantische Madame G. wird vielleicht im Gefängnisse von ihrer allzu heißen Liebe geheilt werden."

sDas rasche Abstellen von Maschinen.) Um im Gange stehende Maschinerien plötzlich anhalten zu können, ist nach demNew-Aorker Techniker" in dem Dominion Bolt Works zu Toronto, Canada, ein ebenso sinnreiches als auch nachahmungswurdigcö Arrangement eingeführt. Ein Drahtseil ist um den Stiel des Drosseloemils der Dampfmaschine gewunden und hat ein Gewicht, welches an einem Fallhebel hängt. Durch einen elektrischen Strom kann der Letztere ausgerückt werden, so daß das Gewicht fällt und mit dem Drahte das Drosselventil schließt, in Folge dessen die Maschine ;un> Stillstände kommt. Contactknöpfe für die elektrische Leitung sind an verschiedenen Stellen der Fabrik eingerichtet und Jedermann zugänglich gemacht. Durch einen leichten Druck auf einen derselben wird die ganze Maschinerie zum Stillstände gebracht, was besonders bei Unglücksfällen, wenn Jemand von der Maschinerie erfaßt wird, sehr wünschenswerth ist.

Eingesandt.

Gießen, 17. Juni.

Wie großartig und unverfroren der Hamburger Kaffeehandel in neuerer Zeit betrieben wird, beweist ein Circulair, welches ein solches Kaffeehaus an die Herren verschickt, deren Concursanzeige es in den Zeitungen findet. Dem Betreffenden wird darin das Bedauern über seinen Unglücksfall geäußert und zugleich durch Uebernahmc der Agentur neue glänzende Existenz in Aussicht gestellt;*) er soll beim Verkauf von Postpacketen lOpCt. Provision erhalten, im Falle der Einsendung von 720 Aus­trägen pro Jahr (täglich 2) 800 JL festen Gehalt beziehen und ihm dabei noch gestattet sein, den Kunden lieber preise zu machen.

Wie billig und gut unter solchen Umständen bei solchen Provisionen, Uebcr- preifen und sonstigen Unkosten das Publikum da kauft, kann sich jeder selbst berechnen, aber viele wollen es ja nicht besser.

*) Uns hat ein derartiges Circular einer Hamburger Firma (I. Stiller & (So.) Vorgelegen. D. Red.

Handel und Berkedr.

(Entscheidung des Reichsgerichts.) Die widerrechtliche Bezeichnung von Maaren mit einem geschützten Waarenzeichen, oder das Inverkehrbringen solcher wider­rechtlich bezeichneter Maaren macht nach einem Urtheil des Reichsgerichts, II. Zivil­senats, vom 13. Februar d. I., den Thäter schon dann strafbar und schadenersak- pflichtig, wenn er zwar nicht ganz bestimmt weiß, daß das nachgeahmte Zeichen getot ist, wohl aber nach den ihm bekannten Umständen mit Wahrscheinlichkeit das Bestehen des Schutzes annehmen konnte. Daswissentliche" Inverkehrbringen und FcilMm von Maaren, welche mit einem nach Maßgabe des Markenschutzgesctzes zu schätzenden Waarenzeichen widerrechtlich bezeichnet sind, wird in § 14 des Gesetzes nicht nur mit Strafe bedroht, sondern es ist auch die Rechtsfolge der Entschädigungspflicht daran geknüpft. Hiernach ist ohne Weiteres klar, daß der Begriffwissentlich" fein anderer sein kann, je nachdem es sich um die Strafe oder um die Ersatzpflicht handelt. Viel­mehr steht nach dem Gesetze die Ersatzpflicht ganz unter den gleichen Voraussetzungen wie die Strafe; und damit erledigt sich für die gegenwärtige Sache alles das, was die Beklagten über den Unterschied zwischen strafrechtlichem und civilrechtlichem Tolus gesagt haben. Das Ober-Landesgericht stellt tatsächlich fest, daß die Beklagten seit 15 Jahren Maaren von den Klägern mit dem Zeichen des Bockkopfes geliefert erhalten haben, daß sie wußten, diese Marke gelte schon seit 20 Jahren in den betheiliglen Handelskreisen als Kennzeichen der Maaren der Kläger, daß sie seit 1878 von der deutschen Schutzberechtigung der Kläger Kenntniß erlangten und daß ihnen nicht ent­gangen sei, sie könnten durch Feilhalten von mit den täuschend ähnlichen Marken und b bezeichneten Maaren sehr wohl das Schutzrecht der Kläger verletzen.

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nach Reaumur gemeffen am 17. Juni, zwischen 11 und 12 Uhr Mittags. Wässer 17°, Lust im Schatten 13°.

L. Ehr. Rübsamen, Turn- und Schwimmlehrer.

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