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Gieße«, 17. April. Wer jemals in den Tyroler Alpen gewesen ist und die mächtigen Eindrücke der Natur wahr und voll empfunden hat, der wird auch den urwüchsigen Narionalgesängen jener Gegend stets gern gelauscht und die lieblichen Klänge vom Achensee in angenehmer Erinnerung behalten haben.
Ludwig Rainer hat sich ein hohes Verdienst erworben, indem er jene reizenden Alpenmclodien in alle Fernen trug und somit auch denen zugänglich machte, denen es mcht vergönnt war, sie in ihrer Heimath zu hören.
Ueberall fand er natürlich Freunde und Verehrer, wo er nur mit seiner trest- lichen Gesellschaft auftrat; auch in Gießen ist er kein Fremdling, obgleich er unserer etabl lange keinen Besuch schenkte.
Wir hosten deshalb um so mehr, daß sein Erscheinen von allen Seiten freudig begrüßt wird und daß seine am Samstag und Sonntag im Caf4 Leib stattftndeiiden (ioncerte ein recht zahlreiches Publikum versammeln. —
Vermischtes.
0. K. Frankfurt a. M., 16. April. [Sin verhafteter Gauner,j In dem Bankgeschäft von Meier ^ckwarzschild auf der Zeil erschien heute Vormittag ein einfach gekleideter Mann, welcher 60 Stück Obligationen im Werthe von 20,000 Dollars zum Berkaus anbot. Es stellte sich bei Besichtigung der Papiere seitens des Bankiers heraus, daß dieselben von einem Diebstahl — aus welchem, konnten wir bis jetzt nicht in Erfahrung bringen — herrührten. Kaum äußerte der Geschäftsinhaber diesen Umstand dem Fremden gegenüber, als derselbe mit eurem Satz zur Thüre hinaussprang und die Flucht ergriff. Der Ladeninhaber verfolgte ihn indessen und bald gelang es einem .Geheimen", den Flüchtling einzuholen und zu verhaften. Es cursiren über diese Affaire die widersprechendsten Gerüchte in unserer Stadt.
Oppenheim, 14. April. Ein schändliches Verbrechen, welches nur einem ganz grmeinm Racheact entsprungen sein kann, wurde in der Nacht voir Samstag auf Lonntag hier verübt. In den Weinbergen des Herrn Bürgermeister Egly und zwar in einer der besten Lagen, welche dem „Sackträger", „Goldberg" u. s. w. gleichkommen, der Gewann „Kugel", wurden in fraglicher Nacht nicht weniger als ca. 3000 Wein- ftücke von böswilligen Händen zerstört. Das zerstörte Terrain hat einen Flächengehalt von nahezu V/i hessischen Morgen und ist der Schaden, der dadurch verübt worden ist, ein bis zur Stunde noch gar nicht berechenbarer. Möge es gelingen, die Thater ' denn einer allein konnte das Verbrechen nicht verüben — rechtzeitig zu ermitteln.
Ems, 11. April. Als die Pflasterer gestern Vormittag in dem Hofe des Herrn Groß in der Marktstraßc dahier den Boden aufgruben, machten sie einen gar merkwürdigen Fund, indem sie nur wenige Fuß unter der Oberfläche auf einen irdenen Steintopf mit Münzen, etwa 1000 an der Zahl, stießen. Die Silbermünzen sind von gleichem Gepräge wie diejenigen, welche im vorigen Jahre bei gleicher Veranlassung in einer benachbarten Hofraithe gefunden wurden, und tragen fast alle das kurtrierische Wappen. Während viele Geldstücke die Größe eines Markstückes haben, sind auch solche von der Größe des Zehn- und Fünfpfennigstückes, sowie viele sogen. „Peter- männchcn" darunter. Vorläufig ist der gesammte Fund beim Eigenthümer aufgehoben worden. . p „ ,, r .
Bergen, 12. April. Nachdem am 1. Feiertage cm großer Waldbrand im Obcrwald ausbrach, der, wie sich jetzt herausgestellt hat, mehr als 20 Morgen verwüstet, brannte es gestern zweimal an verschiedenen Stellen im Walde und heute um die zwölfte Stunde des Mittags tönte abermals die Sturmglocke vom Thurme herab, es brannte zum vierten Male in unserem Walde nach Seckbach zu. Das Feuer lst unzweifelhaft von ruchloser Hand angelegt worden und trotzdem unsere Polizei sich Tag und Nacht keine ruhige Minute gönnt, um den oder die Missethäter zu ermitteln, io ist man leider bis jetzt noch keinem auf die Spur gekommen.
[Von Paris nach London in einer Stunde.) Ein französischer Ingenieur von Talent und Ruf, Namens Verlier, hat dem Ministerium für Post und Telegraphie ein originelles Project vorgclegt. Es handelt sich um nichts Geringeres, als die Einrichtung einer Rohrpost zwischen Paris und London. Die beiden Städte sollen durch eine Rohrleitung mitsammen verbunden und die Briefe und Zeitungen durch Luftdruck in einer Stunde von Paris nach London geschoben werden. Die Briefe und Blätter müssen in eine Kugel gepackt werden und diese fliegt dann, durch den Luftdruck getrieben, mit einer Geschwindigkeit von 140 Meter per Secunde, London entgegen. Damit der pneumatische Druck nicht erlahme, will Verlier in Clermont, Amiens, Koyelles, Boulognes, Calais und Dover Luftpumpen aufstellen, welche den Verlust an Geschwindigkeit ersetzen sollen. Die Länge des Tubus müßte etwa 500 Kilometer
betragen und in einer Stunde gelaugten auf pneumatischem Wege Briese und Zeitungen von Paris nach London. Die Kosten dieser Rohrpost schlägt Verlier auf 34 Millionen Francs an, allein wenn man bedenkt, daß eine Vriefkugel hinter der anderen hergejagt werden könnte und daß im vorigen Jahre 7Vz Millionen Briefe und 7 Millionen Zeitungen von Paris nach London geschickt wurden, so erscheint dieser Kostenaufwand als ein ziemlich geringer. Verlier hat ferner auch den Vorschlag gemacht, Paris und Brüssel durch eine Rohrpost zu verbinden. Dringt der kühne Ingenieur mit seinen Projeeten durch, so dürfte der Telegraph bedeutend entlastet werden.
— [Ueberliftet] Ein Rekrut simulirte Taubheit und wurde daraufhin längere Zeit im Militär-Lazareth von den Aerzten beobachtet. Schon sollte derselbe aus dem Dienst entlassen werden, als eines Tages ein vor ihm die Treppe herabschreitender Arzt wie im Selbstgespräch äußerte: „Der Aermste ist so zufrieden und hat keine Ahnung, daß er heute Morgen aus Versehen Gift einnahm." Da schrie der angeblich Taube plötzlich auf und faßte mit beiden Händen nach dem Magen. „Kommen Sie, Freundchen", tröstete ihn der Arzt, „und lassen Sie sich in der Caserne schnell ein Gegengift geben."
— [Was wiegt das Costüm einer Negerdame?] Der Lieutenant Van Gdle, Chef der Aequator-Station, gibt über das Gewicht des Costüms einer Negerdame nachstehende Auskunft: „Beginnen wir mit unten. An jedem Knöchel ein schwerer Kupferring im Gewicht von einem halben Kilo, also ein Kilo, an den Waden Muffen, fabricirt aus Messingdrähten, welche gleichfalls ein Kilo wiegen; um die Taille herum ist die Bekleidung leichter; ein Stück Stoff aus Bananen-Fasern geflochten, welches im Ganzen 45 Ctm. hoch und 20 Ctm. breit ist. Zwischen der Taille uno dem Hals tragen diese Damen nichts. Aber am Hals befindet sich das Hauplstück der gamen Bekleidung, ein schweres Halsband aus Kupfer, welches, je nach dem Reichthume des Häuptlings, bis 60 Pfund wiegt. Rechnet man hierfür durchschnittlich 27 Kgr., so hat die Negerdame 29 Kgr. zu tragen, so viel als ein belgischer Infanterist."
Kirchliche Anzeigen der Stadt Gietzen.
Evangelische Gemeinde.
Gottesdienst.
Sonntag Misericordias Domini, 19. April.
Vormittags 9V2 Uhr: Pfarrer Schlosser.
Nachmittags 2 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.
Vorstellung und Prüfung der zu confirmirenden Realschüler- Kinderkirche, Vormittags 11 Uhr: Pfarrer Schlosser.
Am Montag den 20. April, Abends 6 Uhr, wird Prediger Droß aus Berlin, Reise-Agent des Central-Ausschusses für innere Mission, in hiesiger Stadt - kirchc eine Predigt über die innere Mission halten. Die Bibelstunde fällt deshalb an diesem Tage aus.
Am Sonntag, den 26. April findet bie Konfirmation der Realschüler und in Verbindung mit derselben die Feier des heiligen Abendmahls statt. Die Beichte wird am Samstag zuvor, Nachmittags 2 Uhr, gehalten werden- Am Confir- mationstag wird eine Kollekte für die Armen unserer Gemeinde erhoben.
Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 19. bis 25. April besorgt Pfarrer Schlosser. ___________
Katholische Gemeinde.
2. Sonntag nach Ostern.
Von 6 Uhr an Beichte. Um 8 Uhr: Frühmesse und Austheilung der h. Com- munion. VzlO Uhr: Hochamt und Predigt: Herr Beneficiat Dr. Wald. Um 2 Uhr: Sakramentalischc Andacht. Mit dem heutigen Sonntage schließt die österliche Zeit-
Vom nächsten Sonntag an wird die sonn- und festtägliche Frühmesse den ganzen Sommer hindurch um 7 Uhr gehalten-
Gottesdienst in Grünberg.
Beginn desselben um V2IO Uhr.
Gottesdienst in der Synagoge.
Freitag Abend 630 Uhr, Samstag Morgen 8 Uhr, Samstag Mittag 4 Uhr, Samstag Abend 740 Uhr-
Allgemeiner Anzeiger.
Bekanntmachung.
Nur das bei der am 9. u. 10. d. Mts. in hiesigem Stadtwalde zur Versteigerung gelangte Eichenholz, sowie die Buchen- und Birkenstangen ist nicht genehmigt.
Lich, am 16. April 1885. Großherzogliche Bürgermeisterei Lich. ___________Walz.________2846 Dienstag den 21. d. Mts., von Vormittags 9 Uhr an, sollen im alten Rathhaussaale versteigert werden: veranlchl. zu
Maurerarbeit «X 229,80
Zimmerarbeit „ 106,16
Dachdeckerarbeit „ 40,50
Schreinerarbeit „ 393,10
Schlosserarbeit „ 106,80
Weißbinderarbeit „ 193,20
Pflästererarbeit „ 214,23
Planirarbeit „ 609,—
Gießen, den 17. April 1885. Großh. Bürgermeisterei Gießen.
2859 A. Bramm.
Montag den 20. April 1885, Nachmittags 2 Uhr, Südanlage 18 III. Stock
Fortsetzung der Versteigerung der zum Nachlaß der verstorbenen Frau Iuftizrath Klingelhöffer gehörigen Mobilien, und kommen hierbei zunächst die Möbel, als Kleiderschränke, 1 Divan, gute Setten, Scbreibpulte, wobei ein antikes, Kommode, Tische, Stühle, 2 neue Wormser Cefen, Küchenschrank mit Glasaufsah und luftige Küchenmöbel, 1 Mange, Bütten, (ine Parthie Kartoffeln rc., zum Ausgebot.
;~QA _ Hostmann,
*Ayu Ortsgerichtsmann.
Bauarbeiten. I
Die nachstehend verzeichneten Bauarbeiten in der Kirche auf dem Schiffenberg, als: veranschl. zu
1. Maurerarbeit «X 177,—
2. Zimmerarbeit „ 257,—
3. Dachdeckerarbeit „ 240,—
4. Schlosserarbeit 187,50
5. Weißbinderarbeit „ 120,—
sollen auf dem Submissionswege vergeben werden.
Die Uebernahmebedingungen, Pläne und der Voranschlag liegen zur Einsicht täglich von 9—12 Uhr Vormittags auf unserem Bureau offen.
Die Offerten sind, in Procenten des Voranschlags ausgedrückt, bis längstens
Donnerstag den 23. d. M.,
Vormittags 11 Uhr, einzureichen, zu welcher Stunde deren Eröffnung stattfindet.
Gießen, den 16. April 1885.
Großh. Kreisbauamt Gießen.
Walter. 2848
Deraccoröirung von Maflerarbeiten.
Die Ausführung der zu 320 Mk. veranschlagten Gossenpflasterungen im Orte Heuchelheim wird kommenden
Montag den 20. April,
Nachmittags 1 Uhr, auf der Gr. Bürgermeisterei Heuchelheim öffentlich versteigert.
Gießen, den 13. April 1885.
A A.:
H. Rohrer, 2750 Bezirks-Bauaufseher.
Versteigerung von Ausputzholz und Grabenaushuberde.
Dienstag den 21. d. MtS., Vormittags 81/2 Uhr, soll auf der Staatsstraße Gießen- Grünberg von Abtheilung 11—39, bei Abtheilung 11 anfangend, das AnSputzholz von den Alleebäumen loosweise versteigert werden.
Denselben Tag um 11 Uhr kommt weiter die GrabeuauShuberde, in Abtheilung 27—39, bei 27 anfangend, zur Versteigerung.
Gießen, am 17. April 1885. Großherzogliches Kreisbauamt Gießen. ___________Walter. 2863 Hohvcrsteigerung. Samstag den 18. April, Nachmittags 2 Uhr, werden im Hofe des Hospitals, Seltersweg 11, eine Parthie altes Vrenn- und Nutzholz versteigert_______________________2823
" Dienstag den 21. und Mittwoch den 22. April l. I., jedesmal 2 Uhr Mittags, Wolkengasse 17
Fortsetzung der Versteigerung des zur E. Schramm'scheu Concurs- masse gehörigen Mobiliars, als Betten, wobei einige ganz gute, Weißzeug, Küchenschrank, Schränke, Spiegel, Tische, Stühle rc.
Hoffmann,
2791 Concursverwalter.
Aeilgebotenes.
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