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Samstag den 18. April
Nr. 8»
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VreiA vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mtt Bringertotz«^ Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Erscheint tKAltch mit Ausvichme ttS MontngS.
« r Gchulftraße7.
Ucbertrag JL 207,08
2,53
68.
Steinbach
6,70
1,52
Gesammtsumme JL 266,30
Zu übertragen J4 207,08
Zu übertragen JL 32,41
Trohe Utphe
1,24
4,40
3,20
10,97
—,45
—,42
1,64
—,20
3,14 10,25
7,67 1,40 2,06 1
—,28 1,78 1,50 8,79 9,14
J. Albach ....
2. Allendori a. d. Lahn
3. Mendorf a. d. Lda.
4. Allertshausen . .
5. Alten-Buseck • •
6. Annerod ....
7. Bellersheim • • ■
8. Beltershain. . .
9. Bersrod . • .
10. Bettenhausen . .
11. Beuern ....
12. Birklar ....
1". Burkhardsfelden .
14. Climbach . - .
15 Daubringen • .
16. Dorf-Gill . . .
17 .Eberstadt . . .
1^. Ettingshausen . .
1!*. Garbenteich . . •
2ü». Geilshausen . .
75. Villingen
76. Watzenborn mi
77. Weickartshain
78. Weitershain
79. Wieseck ■ .
80. Winnerod ■
73.
74.
69. Steinheim .
70. Stockhausen
71. Trais-Horloff
72. Treis a. d. Lda
„ 3,97 , 5,64 „ 7,79 „ —,10 „ 6,63 „ 4,44 , —,96 , 4,85 „ 3,22 , 1,14 , 1,20 , 1,18 , 11,35
„ 1,65 „ —,20 „ —,50
;; i,48 „ —,75
„ —,70
„ —,80 , —,50 „ 4,30 „ —,45
JL — — n 1,44 , 2,14 „ —,51 „ 2,52 „ 5,29 „ ,b3
„ —,84 „ -52 „ 3,85 „ 8,79 „ — ,60
Steinberg
Uebertrag JL 32,41
......72,—
41. Lich ....
42. Lindenstruth
43. Lollar ....
44. Londorf . . .
45. Lumda . . .
46. Mainzlar . -
47. Münster . . .
48. Muschenheim .
49. Nieder-Bessingen
50. Nonnenroth
51. Obbornhofen .
52. Ober-Bessingen
53. Ober-Hörgern
54. Odenhausen
55. Oppenrod . .
56. Queckborn . .
57. Rabertshausen
58. Reinuaroshain
59. Reiskirchen . .
60. Rodheim . .
Uebertrag JL 172,75
.... „ 7,86
. . . . „ 5,—
. . . . „ 3,22
......—,46
Zu übertragen JL 172,75
2,20 —,10 1,15 1,90 —,50
21. Gießen • -
22. Göbelnrod
23. Großen-Buseck
24. Großen-Linden
25. Grünberg .
26. Grüningen .
27. Harbach - -
28. Hattenrod .
29. Hausen . .
30. Heuchelheim
31. Holzheim
32. Hungen . .
33. Anheiden . .
34. Kesselbach
35. Klein-Linden
36. Langd . .
37. Lang-Göns
38. Langsdorf -
39. Lauter . .
40. Leihgestern .
61. Rödgen . . . .
62. Röthges . . . .
63. Rüddingshausen .
64. Ruttershausen • ■
65. Saasen . . .
66. Stangenrod . ■
67. Staufenberg • •
Bekanntmachung.
Im Kreise Gießen sind in der Zeit vom 1. Februar 1884 bis dahin 188s in den einzelnen Gemeinden die nachstehend verzeichneten Beträge für dir LandeSrvaisenkaffe eingegangen.
Man bringt dieß mit herzlichem Danke für die Geber hierdurch zur öffentlichen Kenntniß.
Gießen, am 11. April 1885. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
Dr. Boekmann.
Politische Ueberficht.
Gießen, 17. April.
Der Reichstag hat am Dienstag feine Verhandlungen mit einem ungünstigen Omen wieder fortgesetzt, indem sich im Laufe der Sitzung die Be- schlußunsähigkeit des Hauses herausstellte. Es handelte sich zunächst um die Positionen der Zolltarif-Novelle, betr. die Asbestwaaren; die in der Regierungsvorlage vorgeschlagenen Zollerhöhungen wurden von freisinniger Seite bekämpft, ai£8 geschäftlichen Gründen verschob man indeffen die Debatte hierüber und wandte sich der Berathung des Antrages Biehl-Sedlmayr auf Einführung eines Cementzolles von 30 H zu. Adg. Fr ege erklärte, daß ein Theil der Eanservativen für den Antrag stimmen würde, während die freisinnigen Abgg. Münch und Brömel gegen denselben sprachen. Außerdem entspann sich eine ziemlich lebhafte Discussion zwischen dem Abg. Eugen Richter einerseits und den Abgg. Frege-Sedlmayr und dem Staatssecretär im Reichsschatzamt, v. Burchard, anderseits darüber, ob die von den Abgg. Biehl und Sedlmayr beantragte Zollerhöhung als eine Retorsionsmaßregel gegen Oesterreich zu betrachten sei oder nicht. Als es schließlich zur Abstimmung über den erwähnten Antrag kam, mußte die Beschlußunfähigkeit des Reichstages constatirt werden. Es steht zu befürchten, daß sich dieser Uebelstand um so öfter wiederholen wird, je mehr sich der Reichstag dem Sessionsschlusse nähert und wird derselbe da ich Arbeitsprogramm wohl bedeutend kürzen müssen. Officiöse Stimmen betonten noch während der Osterferien, daß die Regierung nach denselben außer c>er Zolltarif-Novelle auch die beiden Gesetzentwürfe über die Ausdehnung der llnsallversicherung, ja, selbst die Postsparkassen-Vorlage durchzubringen gedenke nisb vielleicht auch noch mit neuen Vorlagen kommen werde. Run, letzteren Gedanken wird sich die Regierung ganz gewiß vergehen lasten und froh sein muffen, wenn in diesem letzten Abschnitte neben der ZolltariffNovelle noch die Lusdehnung der Unfallversicherung unter Dach und Fach kommt; die so wie so schon halb gescheiterte Postsparkasten-Vorlage wird schwerlich nochmals zur Be- .athung gelangen.
Zum Nachfolger des verschiedenen russischen Botschafters am Berliner Hofe, Fürsten Orloss, ist nunmehr Graf Paul Schuwalosf, bisher Commandeur des Eschen Garde-Corps, ernannt worden. Er ist (knerabßicutenant und General-Adjutant des Kaisers Alexander und ist in den W und Militärkreijen Berlins wohlbekannt und beliebt. Graf Paul Schuwa- loff — nicht zu verwechseln mit seinem Bruder, dem bekannten Diplomaten Grasen Peter Schuwaloff, war es auch, der den Czaren mit zur Drei-Kaiser- Zusammenkunsl nach Skierniewice begleitete. Er genießt den Ruf eines intelli- $eriten und durchaus ehrenwerthen Mannes und erscheint nach dem Tode des Ursten Orloff, der ein persönlicher Freund des Fürsten Bismarck war, heute kaum Jemand geeigneter zur Vertretung Rußlands am deutschen Kaiserhofe, als eben Graf Paul Schuwaloff.
In Oesterreich machen sich die Anfänge der Wahlbewegung anläßlich her bevorstehenden Neuwahlen zum Reichsrathe mehr und mehr bemerklich,. Allen Anzeichen nach wird der Wahlkampf diesmal hauptsächlich auf naäionalem Boden ausgefochten werden und die Frage, ob liberal, feudal- conservatlv oder klerikal nur eine untergeordnete Rolle spielen. Die slavischen Mkerschasten Oesterreichs haben ihre Erwartungen für die nächste Zukunft sehr W gespannt, die Czechen, wie die Polen und die Slovenen hoffen, daß der
I Ausgang des diesmaligen Wahlkampfes ihren nationalen Wünschen und Forderungen entsprechen und endlich die Aera der unbedingten slavischen Vorherrschaft im Donau-Kaiserreiche beginnen werde. Aber auch die Deutschen Oesterreichs sind entschlossen, sich auf den nationalen Boden zu stellen und nach dieser Richtung hin bricht sich die Volksstimmung nicht nur unter den Deutsch-Böhmen, sondern auch unter ihren Brüdern in Mähren, Schlesien, dem Erzherzogthum Oesterreich und in den Alpen-Provinzen Bahn. Vielleicht, daß bei der Zusammensetzung des nächsten Reichsrathes das deutsche Volk Oesterreichs durch einen nationalen Club, den so vielfach ersehnten und doch nie zu Stande gekommenen /,deutschen Club" würdig vertreten sein wird.
Aus der ostasiatischen Situation dürften nunmehr die größten Bedenklichkeiten glücklich herausgemerzt worden sein. Ein Dekret der chinesischen Regierung in der osficiellen „Pekinger Zeitung" behandelt die Ausführung der Friedens-Präliminarien. Der Vicekönig von Nanking wird angewiesen, einen Douane-Commissar und einen Mandarinen nach Hanoi zu entsenden, um mit dem General Briöre de l'Jsle den Modus für die Räumung Tongkings zu vereinbaren. Dem Führer Der Schwarz-Flaggen ist in Anerkennung seiner China geleisteten Dienste ber Titel Baron verliehen worden und beabsichtigt die chinesische Regierung ihm, wie es heißt, eine bedeutende Summe zu zahlen, damit er seine Truppen entlassen könne und soll ihm außerdem die Verwaltung einer Provinz übertragen werden. Daß auch die französische Regierung fest entschlossen ist, in loyalster Weise die Friedens-Präliminarien durchzusührer, wird neuerdings von der „Agence Havas" wiederum bestimmt bestätigt und bementirt das officiöse Blatt zugleich die Nachricht, die französische Regierung wolle ihre Zustimmung zum definitiven Frieden mit China von der Abtretung der Fischer- Inseln an Frankreich abhängig machen. Gegenüber diesen friedlichen Aussichten verdient die der „Times" aus Hongkong zugegangene Mittheilung, daß die Verhandlungen zwischen China und Frankreich wieder in's Stocken gerathen seien, gerade keinen großen Glauben.
Die italienische Action am Rothen Meere hat wieder einen Fortschritt zu verzeichnen. Italienische Truppen haben von Massauah aus Ärafali an ber Anuesley'Bucht besetzt unb bafelbft bte italienische Flagge neben der egyptischen ausgehißt. Ob diesem Schritte eine besondere Bedeutung zuzumessen ist, läßt sich aus dem vorliegenden dürftigen Berichte noch nicht ersehen.
Der mehrtägige Besuch des Prinzen und der Prinzessin von Wales in Dublin ist am Montag zu Ende gegangen und ist die Bevölkerung ber irischen Hauptstadt fast wider Erwarten sehr freigebig mit ihren Sympathie-Kundgebungen gegenüber dem künftigen Herrscherpaare Englands gewesen. Um so lactlojer erscheint das Unternehmen des Dubliner Oberbürgermeisters , die Volksmenge kurz vor ber Wiederabreise der hohen Gäste zu einem Hoch auf Parnell zu animiren; erfreulicher Weise besaß aber die Volksmenge selbst so viel Tactgefühl,' auf diese Demonstration nicht einzugehen. Dagegen ist das prinzliche Paar sowohl auf der Weiterreise nach Cork, als auch in letzterer Stadt selbst Gegenstand feindseliger Kundgebungen Seitens ber Pamelliten gewesen, bei Denen überall die Polizei interveniren mußte.
Caleidoscopartig wechselt das Bild der afghanischen Streitfrage, jeder Tag bringt neue Meldungen, ohne daß hierdurch die. Hauptfrage, ob Krieg, ob Frieden, hierdurch auch nur im Geringsten entschieden würden. Das Londoner Cabinet will eingehendere Berichte des engt. Grenz-Com- missars Lumsden abwarten, ehe es sich zu weiteren Schritten entschließt und biefa-


