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Mx. 88 Freitag den 17. April 1883
Gießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Bwreewi Schukftraße 7.
Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS
Preil vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerüchn Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Amtlicher Hßeit.
Betreffend: Die Berechnung der Vacanzüberschüsse erledigter Schulstellen. Gießen, am 14. April 1885.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Grotzherzoglicherr Bürgermeistereien des Kreises.
Wir erinnern Sie, soweit Sie noch im Rückstände sind, an Erledigung der Verfügung vom 10. März 1885 binnen acht Tagen.
Dr. Boekmann.
Betreffend: Den im Monat Marz vorzunehmenden Wiesengang. Gießen, am 15. April 1885.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.
Wir erinnern diejenigen von Ihnen, welche noch mit Frist von 8 Tagen.
im Rückstände sind, an Erledigung unseres Ausschreibens vom 20. Februar L I. — Anzeiger Nr. 46 —
Dr. Boekmann.
Betr.: Generalversammlung des landwirthschastlichen Bezirksvereins Gießen.
Bekanntmachung.
Dienstag de» 21. April, Vormittag» präci» 10 Uhr, soll eine Generalversammlung de» landwirthschastlichen BenrkSvereins Gießen dahier auf dem LoN y'schen Bierkeller (Eingang: West-Anlage neben der Dampsmolkerei, oder Mühlgaffe Rr. 23) abgehalte« werden. Alle Mitglieder des Verein» und Freunde der Landwirthschäft find hierzu freundlichst eingeladen.
Tages-Ordnung:
1) Vortrag de- Herrn Profeffor- Dr. Eichbaum von Gießen über den Einfluß des Bodens auf die Gesundheit der landwirthschastlichen Hausthiere. _,A A .
2) Bestimmung desjenigen Ortes, an welchem die in diesem Jahre dem Kreise Gießen zufallende, vom und
landwirthschastlichen Provinzialvereine unterstützte Thierschau mit Prämiirung stattfinden soll.
3) Vorlage der BcreiuSrechnuug sür 1884.
4) Feststellung deS Voranschlags sür 1883. .
3) Vorzeigung von ein Paar würtembergischen Halbjochen mit Anschirrungen (im Werthe von 31 Mr ), sowie unentgeltliche Derloosung derselben an die anwesenden Vereinsmitglieder.
6) Geschäftliche Mittheilungen und Verhandlung über weiter angeregt werdende Anfragen.
Gießen, den 14. April 1885.
Der Director des landwirthschastlichen Bezirksvereins Gießen.
Rover. __________
Gießen, den 14. April 1885.
Der Director des landwirthschastlichen Bezirksvereins Gießen
an die Herren Bürgermeister deS Kreises.
Ich ersuche Sie, vorstehende Bekanntmachung auf geeignete Weise zur Kenntniß Ihrer Gemeinde - Angehörigen zu bringen und dieselben hierbei besonders daraus aufmerksam zu machen, daß die Versammlung nicht, wie früher bekannt gemacht, Nachmittags 2 Uhr, sondern Vormittag- tun 10 Uhr beginne. N
Politische Uebersicht.
Gießen, 16. April.
Der Reichstag wie das preußische Abgeordnetenhaus Üben am Dienstag ihre durch die Osterferien unterbrochenen Arbeiten wieder ausgenommen, so daß nunmehr auch die Ruhepause, welche seit der Vertagung der Parlamente eingetreten war, ihr Ende erreicht hat. Die im Reichstage fortgesetzten Debatten über die Zolltarif-Novelle und die Verhandlungen des preußischen Abgeordnetenhauses über den bekannten Huene'schen Verwendungs- Antrag liefern der politischen Tagespresse wieder einen sehr erwünschten Stoff zu ihren Betrachtungen, denn in den letzten Wochen war das politische Nachrichts- Material bezüglich der inneren Angelegenheiten ein sehr dürftiges geworden. Vas die Kölner Bischofsfcage anbelangt, so ist nach den Informationen der „ Köln. Volks-Ztg." die Angelegenheit der Wiederbesetzung des Kölner ErzbiS- Ihums noch nicht zum Abschluß gelangt. Das klerikale Blatt läßt sich aus Korn u. A. schreiben: „Es gehen mehrere Angelegenheiten mit der Kölner Zisthumsfrage parallel, und ehe eine Vereinbarung in andern Punkten erzielt ist, wird auch die Ernennung des Bischofs Crementz nicht vollzogen werden. Znsbefondere wird auch zunächst eine Einigung über die Posener Bisthumssrage" abzuwarten sein. Es können noch Wochen Hinzehen, bis ein endgültiger Abschluß stattsindet." Wie erinnerlich, hatte die „Germania" die Nachricht gebracht, daß eine Einigung zwischen Preußen und der römischen Kurie über die Wiederbesetzung der erzbischöflichen Stühle von Köln und Posen bis spätestens Anfangs Mai zu erwarten sei, welche Mittheilung nach der vorliegenden Correspondenz der „Köln. Mks-Ztg." allerdings zu bezweifeln wäre. Indessen meldet der „Moniteur de Rome", das officiöse vaticanische Organ, daß Herr Dr. Melchers in diesen Tilgen in Rom erwartet werde und diese Meldung ist wohl im Sinne der Erledigung der Kölner Angelegenheit auszufaffen; bekanntlich soll Herr Melchers Cardinal werden.
Dem Bundesrathe ist im Auftrage des Kaisers der am 20. März in Petersburg von den beiderseitigen Bevollmächtigten unterzeichnete Entwurf eines Auslieferungs-Vertrages zwischen dem deutschen Reiche und Rußland zur Genehmigung vorgelegt worden.
Der braunschweigische Bevollmächtigte zum Bundesrathe, Wirkt. Geheimerath v. Liebe, ist plötzlich an einem Schlaganfall zu Berlin verschieden; v. Liebe gehörte durch seine großen juristischen Kenntnisse und seinen Charakter zu den angesehensten und einflußreichsten Mitgliedern des Bundes- rathes. Der Verstorbene wird, seinem Wunsche gemäß, in Gotha durch Feuer bestattet werden.
Der zwischen England und Rußland drohende Conflict nimmt das politische Tages-Jntereffe fortgesetzt in hervorragendster Weise in Anspruch. Dasselbe concentrirt sich augenblicklich auf den Bericht General Komaroffs über den Zusammenstoß mit den Afghanen. Wenn dieser Bericht den Thatsachm entspricht — und vorläufig ist kein Grund vorhanden, hieran zu zweifeln — so hat man in England keine Ursache, sich über das Gefecht am Kuschkflusse auszuregen, denn aus den Mittheilungen des genannten Generals erhellt zur Genüge, daß das russische Vorgehen erst durch die provocirende Haltung der Afghanen veranlaßt worden ist. Die russische Regierung hat es demnach nicht nöthig, den General Komaroff zu desavouiren, wie England verlangt hat; die englische Presse stellt sich aber, als ob der Komaroff'sche Bericht eitel Lug und Betrug wäre und schlägt wieder einen äußerst kriegerischen Ton an und der „Standard" bemüht sich besonders, Oel in's Feuer zu gießen, indem er die Nachricht in die Welt setzt, daß die Russen am Murghab-Flusse vorrücken ; bis zur Stunde hat sich aber diese allarmirende Meldung noch nicht bestätigt. Im Unterhause erklärte Mr. Gladstone am Montag, Komaroff'S Bericht differire wesentlich von den bisherigen Berichten der englischen Osficiere. Von LumSden werde ein ausführlicher Bericht erwartet. Die Regierung erhielt keine Nachricht von dem Vormarsche der Russen längs des Murghab-Flusses, sie erfuhr nur gerüchtweise davon. Letzteres erklärte auch Granville im Ober- Hause und bezeichnete die Nachricht als unglaubwürdig. Hartington (Kriegsminister) äußerte, wahrscheinlich werde sich die Einberufung eines sehr großen TheileS der Reserve nothwendig machen, deswegen sollten die Reserven nicht nach Jahresklassen, sondern nach den Regimentern einberufen werden. Der Antrag Labouchöre, die Heerverstärkungen durch Zurückziehung der englischen Truppen aus dem Sudan herzustellen, wurde abgelehnt. Die Einberufung d^r englischen Reserven würde indessen den Russen vermuthlich nicht sonderlich impo-


