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fit» 215 Mittwoch den 16. September 1885
Kießener Anzeiger
Aults- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Erscheint tAgli* mit ÄetM^me des «o-nlck-».
Collegium hat den aus seinem Amte scheidenden ersten Bürgermeister, Dr. Czerny, einstimmig miedergewählt, doch beharrt derselbe bei seiner Demission. Das Collegium soll in Folge dessen den Bürgermeister«Stellvertreter Walisch, einen fanatischen Czechen, zum Nachfolger Dr. Czerny!« in Aussicht genommen haben; für das Prager Deutschthum werden also auch unter einem neuen Stadtober
haupte keine besseren Tage anbrechen.
In Frankreich roenM sich das öffentliche Interesse, nachdem es durch den deutsch'spanischen Zwischenfall einen Augenblick von der Wahlbewegung abgelenkt worden war, derselben wieder in ungeteiltem Matze zu. Die Rede, welche der Ministerpräsident Brisson letzthin im zehnten Pariser Arrondissement gehalten und in der er ein so gemäßigtes Wahlprogramm her Regierung niedergelegt hat, bildet noch immer den Mitelpuntt der journalistischen Erörterungen Über die Wahlen. Die radikalen Blätter äußern sich sehr unzufrieden über diese Kundgebung des Ministerpräsidenten, da ste den radikalen Elementen keinerlei Zugeständnisse macht und auch die monarchistischen Organe greifen Brisson heftig an, dagegen findet sie den vollen Beifall der gemäßigt-republikanischen und der opportunistischen Presse. Der „Tempr" meint, Brisson habe als Republikaner, Patriot und Regierungsmann gesprochen, und die „Röpubl. franyaise" hebt den ausgezeichneten Geist hervor, von dem die ganze Rede durchweht gewesen sei. So hängt Denn der republikanische Wahlhimmel wieder einmal voller Geigen.
In An am geht es wieder unruhig zu. In den Provinzen Quinhoa und Tourane haben neue zahlreiche Massacre- stattgesunden und sind vom General Courcy energische militärische Operationen eingeleitet worden. Er hat sich vom Pariser Cabinet die Genehmigung erbeten, int Nothsalle den jungen König von Anam adzusetzen und ist ihm volle ActionSfreiheit bewilligt worden.
Der deutsche Gesandte in Madrid, Graf Solms, ist bei dem am Freitag anläßlich des Namenstages der Prinzessin von Asturien im könig« • -lchen Palais stattgesundenen Empfange vom König Alfonso aus das Herzlichste gegrüßt worden. Man darf hierin ein sicheres Zeichen dafür erblicken, daß an wenigstens in Den leitenden spanischen Kreiftn keinerlei Groll mehr gegen
am finden- _ , nr
Mit der Königinhoser Affaire scheint in Böhmen eine neue Aera <;echischer Gewaltthätigkeiten gegen die Deutschen begonnen zu haben. Aus verschiedenen Theilen des Landes wird von weiteren brutalen Angriffen czechischer Fanatiker auf ihre deutschen Mitbürger berichtet, unter denen besonders ein in der Gegend von Reichenberg erfolgter Ueberfall einer Anzahl junger Männer deutscher Nationalität durch Czechen neue Entrüstung unter der deutsch-böhmifchen Bevölkerung erregt hat. Diese Vorgänge in Böhmen sind in der That geeignet, der am 22. September erfolgenden Eröffnung des österreichischen Reichsrathes ein eigenthümliches Relief zu verleihen. - Das Prager Stadtverordneten-
Politische Ueberficht.
Gießen, 15. September.
•ttii vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit »ringe. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50
außergewöhnlich glänzend und zahlreich, bifttnguirun Persönlichkeiten ragt zunächst die ritterliche Erscheinung bes deut, scheu Kronprimen beroor, an welchen sich dessen beide Söhne, Prinz Wilhelm, dec künftige Erbe de« deutschen Kaiferthrones, und Prinz Heinrich, der künftige ’Homiral der deutschen Flotte, anreihen. Außerdem befinden sich in der Begier- tung de» Kaiser» von Fürstlichkeiten noch Prinz Albrecht von Preußen und Prinz Arnuls von Bayern, welch' letzterer auch bereits den Manöoern de» 3 Armee-Carp» und de» Garde-Corps beigewohnt hat. Dem militärischen Ge< folge de» allerhöchsten Kriegsherrn verleiht f&ner die Anwesenheit de» General- Feldmaischalls Grasen Moltke, d"s preußischen Kriegimimster« Bronsart von Schellendors und de» General-Quarliermeister» der Armee, Generallieutenants Grasen v. Wa'dersee, einen besonderen Man,. In Karlsruhe, welches dem Kaiser bei seiner Anlunst einen glänzenden Empfang bereitet halte, sand am Freitag vor demselben die Parade de« 14. (badischen) Armee. Corps statt, drs in gelungenster Weile verlief. Der Grobherzog, sowie die Prinzen Wilhelm und Karl von Baden führten ihre Regimenter dem Kaiser persönlich vor. Mit der Parade de» 14. Armee Corp» find die Manöver desselben eingeleitet worden, doch wird der Kaiser denselben nur wenige Tage beiwohnen und sich alsdann zu -den Manöoern de» württembergischen Armee-CorpS nach Stuttgart begeh n.
lieber die parlamentarischen Dispositionen für die kommende Winterselsion de« Reichstage» und de« neu zu wählenden preußische,, Abgeord- nelenhaufes lautet noch wenig Bestimmte». Nur soviel soll feststehen, daß der Reichstag im November und noch vor dem preußischen Landtage einberufen w-rden wird, bis zu diesem Zeitpunkt hofft man, daß der Bundesrath, dessen » treffende Ausschüsse sich gegenwärtig mit der Berathung de« Börsensteuer. Gesetzentwurses beschäftigen, die nölhigen parlamentarischen Vorarbeiten erledigtJ haben wird. Was den Termin für die preußischen Landtag»wohlen anbelangt, so sollen die Ur wählen zum preußischen Abgeorlnetenhause am 6. Novem- bet, die Abgeordnetenwahlen am 12. November stattfinden. — Eine Frage, welche geraume Zeit hindurch die innere deutsche Politik säst vollständig beherrschte, dann aber wieder etwas in den Hintergrund trat, wird in den nächsten Wochen die öffentliche Meinung jedenfalls wieder lebhaft beschäftigen — die braunschweigische Regentschaftsfrage. Am kommenden 18. October, dem Tage, an welchem vor einem Jahre bec letzte Herzog von Braunschweig au« dem Leben schied, läuft das Regentschastsgesetz ab und hiermit erlöschen die Functionen des für Braunschweig eingesetzten Regentschaflsrathes. Bekanntlich sollte dann ein Regent, der aus der Mitte der nicht regierenden Mitglieder der deutschen Fürstenhäuser zu wählen sei, an die Spitze des verwaisten Landes treten und dasselbe bis zur definitiven Einsetzung einer neuen Herrschersamilie regieren. Allgemein bezeichnete man auch schon den deutschen Botschafter in Wien, Prinzen Reuß, al« den künftigen Regenten Braunschweig», da wurde, wie erinnerlich, vor einiger Zeit von Berlin aus eine osficiöse Notiz in die Ocffent» lichtest lancirt, welche zu Aller Ueberraschung besagte, daß hinsichtlich der Regent- schaftssrage vorläufig noch keine Entscheidung zu erwarten sei und daß auch alle Mittheilungen über die Person des künftigen Regenten von Braunschweig auf willkürlichen Combinationen beruhten. In der That ist auch hierüber bis jetzt von zuständiger Seile nichts weiter bekannt geworden, obwohl kaum noch 5 Wochen zwischen heule und dem Tage liegen, an welchem das Regentschastsgesetz abläuft; man könnte danach fast auf die Bermuthung kommen, als ob eine Verlängerung de» Regenlschaftsgesetzes beabsichtigt fei, aber eine Fortdauer des gegenwärtigen provisorischen Zustandes dürste bei der braunschweigischen Bevölkerung wohl schwerlich auf große Sympathieen zu rechnen haben.
Im deutsch-spanischen Streit hat jetzt der vom Fürsten BrSrnarck an den deutschen Gesandten in Madrid gerichteten Erlaß vom 31. August ollge- meine Kenntniß erlangt. Die öffentliche Meinung ist hierdurch allerorten in den Stand gesetzt worden, sich über das völlig correcle Vorgehen Deutschlands bei Besetzung der Insel Iap ein zuverlässige» Unheil zu bilden und die deutsche Regierung kann nun da» Weitere getrost abwarten. Weitere Nachrichten zur Karolinen-Frage tagen bis Ende voriger Woche nicht vor und auch die Meldung, das spanische Ministerium habe sich in seinem letzten CabinetSrathe für Annahme des deutschen Vorschlages, betr. die Einsetzung eines Schiedsgericht», entschieden, bedarf noch der osficiellen Bestätigung. Zu verkennen ist aber nicht, daß sich auch jenseits der Pyrenäen eine ruhigere Auffassung de» Streitfalles geltend macht und so wird derselbe hoffenllich ohne eine dauernde Schädigung der gelammten Beziehungen zwischen Deutschland und Spanien seine volle Erledi-
Die unmittelbare Umgebung und das Gefolge des Kaiser» bei den Manöverreisen de» hohen Herrn in Süddeutschland ist diesmal Unter den den Kaiser begleitenden
Telegraphische Depeschen.
Wolff's Ulest. Lorresponden, - Botea«.
Berlin, 14. September. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht den Allerhöchsten Erlaß, der die zweite ordentliche Generalsynode der neun älteren Provinzen auf Den
— Dem Vernehmen nach ist die Note der spanischen Regierung heute hier eingetroffen und Nachmittags durch den Botschafter Benomar dem auswärtigen Amte überreizt ; Gonfertni hielt heute abermals eine Plenarsitzung, in
welcher die zweite Lesung des Reglement-Entwurfs zu Ende geführt löl£roe. -t« .Bedingungen, an welche Brasilien seine Ermäßigung der ^^graphe^buhren ^eknupst hatte, wurden angenommen. Eine längere mrd vorläufig noch resultatlose Debatte verursachten die Transittarife Indiens und die Termmaltarrfe der ^urker, doch hoftt man in der für morgen anberaumten Sitzung auch hleruber zu einer Verf.andlgung ru gelangen. Der Geschäftsführung des internationalen Bureaus wurde unter einstimmiger Anerkennung der Dienste desselben und mit ^-ankesvotum für die schweizerische Verwaltung Techarge ertheilt.
Karlsruhe, 14 Septemder. Der Kaiser wohnte dem heutigen Eorpsmanover bei Palmbach und Stupferich bei, welches, vom schönsten Wetter begünstigt, äußerst glänzend verlies. Bei der Durchfahrt durch Durlach wurde der Stauer enrhusia,lisch begrüßt.
ettrWH Schukstraße 7.
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Deutschland hegt. t
Das Schicksal Louis Riel's, des gefangenen und zum Tode ver- urteilten Führers bcr canadifchen Insurgenten, ist nun besiegelt. Der Gerichtshof in Manitoba hat die Appellation Riel's verworfen und soll dessen Hinrich- tung am 18. September erfolgen.__
14. September. Se. Königl. Hoheit der Grobherzog haben mittelst Allerhöchster Entschließung vom 12. d. Mts. den Major » la suite der Artillerie Prinz Ludwig von Battenberg, Durchlaucht, zum Oberstlieutenant ä la suite der Artillerie zu befördern geruht.
][ Darmstadt, 14. September. Se. Königl. Hoheit der Großherzog wird am nächsten Mittwoch hier im Schlosse noch einmal Audienzen ertheilen, was für einige Zeit zum letzten Male geschehen dürste. Der hohe Herr wird nämlich einer Einladung des Grasen zu Ecbach-Erbach Folge leisten und mit diesem Ende der Woche nach der Bukowina reisen, woselbst der Graf ausge- dehnte Jagdgründe besitzt. Dieser Jagdausflug wird etwa zwei Wochen in Anspruch nehmen. . .
Der Aufenthalt der Prinzessin Victoria, Prinzessin Ludwig von Battenberg, im väterlichen Heim ist dem Vernehmen nach auf etwa 2 Jahre bemessen. Für so lange hat sich nämlich der Prinz-Gemahl Urlaub aus der englichen Marine genommen. Das junge Paar wohnt augenblicklich in JagD- schloß WolsSgarten, und es hat der Grobherzog gelegentlich des Allerhöchsten Geburtssestes feinen Schwiegersohn zum Oberstlieutenant ä la suite der Artillerie beti)rb$8erlin, 13. September. Innerhalb der Staatseifenbahn-Verwaltung ist Merhöchst bestimmt worden, bei Abfassung der Berichte auf eine leicht ver- stündliche, klare Darstellung Bedacht zu nehmen und somit lange uno verwrck-Ite Satzbildungen zu oetmeibeti; eine kurze, einfache, entsprechende Ausdrucksweise fei umsomehr anzustreben, als die dringliche Natur Der Geschäfte unnötigen Zeitaufwand bei dem Lesen verbietet, auch wenn gleichbedeutende deutsche Aus- drücke vorhanden sind, Fremdwörter auszuschließen.________________________


