Cs war ein grausiger Anblick. Flammen himmelhoch, Rauchwolken kilometerweit, Menschen und Vieh in den Wiesen und im Felde. Das wmigste Mobiliar ift gerettet, kein Menschenleben zu beklagen. Vermißt werden 3 Stück Rindvieh, die sich aber in dem nahen Walde wiederftnden dürften. Der anstoßende Wiesengrund glich einem buntbewegten Auswandererlager, weinende und klagende Frauen und Kinder, schwergebeugte Männer mit rauchgeschwärzten.Gesichtern, daneben krachendes, stürzendes Gebälk, Flammenwände, zischende hochaufschießende Feuersäulen.
Wo einige Stunden vorher ca. SO Familien glücklich gewohnt, der reichen Ernte sich erfreuend, ungetrübten Herzens dem Winter entgegengeschaut, da starren bleichen Antlitzes Mann, Weib und Kind in die Trümmer des traulichen Heims, 'obdachlos auf die Liebe und Barmherzigkeit ihrer Mitmenschen angewiesen, jetzt bangen Herzens dem nahenden Herbste und Winter entgegensetzend. Die Stätten, von gar manchen unter dem Schweiße des Angesichtes in harter Arbeit und schwerem Ringen erbaut, mit dem Segen Gottes erfüllt, die Stätten von so viel häuslichem Glück sind nun rauher Stürme wüstes Bette der nahenden Zeit, lieber die Entstehung verlautet, daß die Schuld wie vor 3 Jahren beim letzten Brande so auch diesmal einem Kinde zuzuschreiben ist. Die gütige Vorsehung möge Alle vor ähnlichem Unglück und Jammer bewahren.
'Rachschrift. Erfreulich ist es, wie die ganze Umgegend sich regt und wetteifert, um die erste Roth zu lindern. Da werden Nahrungsmittel, Geld ?c. zusammengetragen, Futtermittel beschafft, Häuser und Ställe thun sich auf für Menschen und Vieh, selbst die Aermsten stehen nicht zurück. Helfet auch ihr, die ihr dies leset in weiterer Ferne, es thut Noth! Gott /ohne es euch!
Pfarrer Dr. Hanfpit in Lehrbach, Pfarrer Dieffenbach in Maulbach und Bürgermeister Stroh in Lehrbach sind zur Empfangnahme freiwilliger Gaben bereit.
Auch die Exped. d. Bl. ist gerne bereit, milde Gaben für die Abgebrannten in Empfang zu nehmen.
Mainz, 13. August. Am 8. d. M. fand dahier unter dem Vorsitze des Herrn Pistor aus Worms die erste Generalversammlung der Section IV (Großherzogthum Hessen) der Lederindustrie-Berufsgenossenschaft statt. Zu Mitgliedern des Sections- vorstandes wurden folgende Herren gewählt: Eommerzienrath St. E. Michel-Mainz, Ernst Pistor-Worms, Eommerzienrath Preetorius-Mainz, Nicola NeinhartMonnS, Herrn. Landsberg, in Firma Ed. Posen u. Co.-Offenbach a. Dl., Fr. Wilh. Spicharz, in Firma PH. Jac. Spicharz-Offenbach a. M.; zu deren Ersatzmännern die^ Herren G. Grüder-Friedberg, Gust. Müller-Bensheim, Hch. Nau-Pfungstadt, Louis Schlosser- Worms, Beruh. Lehmann, in Firma Herm. Lehmann-Offenbach, Hch. Müller, in Firma H. Müller n. Co.-Offenback. Zu Beisitzern des Schiedsgerichtes und deren Stellvertretern wurden gewählt die Herren Earl Michel-Mainz zum ersten Beisitzer, Gg. Neinhart-Worms zum ersten, Rudolf Ihne-Mainz zum zweiten Stellvertreter desselben, Jos. Feistmann, in Firma Mayer u. Feistmann-Offenbach, zum zweiten Beisitzer, Eugen Lipp-Worms zum ersten und Herr Jul. Aulmann, in Firma Weintraud u. Eo.-Offenbach,.zum zweiten Stellvertreter desselben.
Die Wahl der Vertrauensmänner ergab folgendes Resultat:
1. Für die Kreise Worms, Alzey und die Provinz Starkenburg, excl. Kreis Offenbach: Vertrauensmann Jac. Decker, in Firma Ph. Decker-Worms; Stellvertreter Hans Müller, in Firma G. Müller-Bensheim.
2. Für die Kreise Oppenheim, Mainz und Bingen: Vertrauensmann Beruh. Saalwächter, Betriebsleiter im Hause Mayer, Michel, Deninger-Mainz; Stellvertreter Ferdinand Rosen, Betriebsleiter im Hanse E. Bettelhäuser-Mainz.
3. Für Kreis Offenbach und die Provinz Oberhessen: Vertrauensmann Louis Stroh, in Firma Manry u. Eo.-Offenbach; Stellvertreter Wilh. Dillenberger, in Firma E. u. W. Tillenberger-Offenbach.
Es wurde ein Etat für einen Zeitraum von 12 Monaten festgesetzt, der in den Ausgaben mit 2700 JL abschließt.
In der hierauf folgenden ersten Sitzung des Sections-Vorstandes wurde zum Vorsitzenden Herr Eommerzienrath Preetorius-Mainz, zum ersten stellvertretenden Vorsitzenden Herr Ernst Pistor-Worms und zum zweiten stellvertretenden Vorsitzenden Herr Herm. Landsberg-Offenbach a. M. gewählt.
][ D armstadt, 14. August. Einem glaubhaften Augenzeugen ans Wessel verdanken wir die folgenden Mittheilungen: Es sind bereits mehrere Jahre her, daß wir hier in Wessel alljährlich etwa zweimal den Besuch eines merkwürdigen Originals aus Tyrol haben. Es ist der Sproß einer gräflichen Familie, der, wett er ein Mädchen aus den niederen Volksschichten als Gattin heimführte, sich mit seinen hohen Anverwandten überworfen hat. Das Zerwürfniß hat den Helden dieser kleinen Geschichte heimathlos gemacht. Denn seit seiner Verheirathung zieht er mit seiner Frau unftät in aller Herren Ländern umher. Als Transportmittels bedient er sich hierbei eines Wagens, ähnlich denjenigen, welche unsere sogenannten Meßfremden benutzen. Nur ist derselbe im Innern als Wohn- und Schlafraum eleganter eingerichtet und mit zwei Pferden bespannt, die vor jeder feinen Equipage gehen könnten. Der Herr- Graf und die Frau Gräfin — letztere behängt gern ihre stattliche Gestalt in augenfälliger Weise mit Seidenstoffen und goldenen Schmuckgegenständen — sind gegen die Ortseingesessenen, bei denen sie ihre ambulante Wohnung Halt machen lassen, sehr zuthunlich und freundschaftlich, wie denn der gräfliche Reisende, obwohl er immer Höchsteigenhändig die Wartung seiner Pferde besorgt, in den Wirthshäusern zur Re- galirung seiner ländlichen Freunde mit Speise und Trank gerne etwas Erkleckliches draufgehen läßt. Die Mittel zu solcher Freigebigkeit gewährt ihm die immer noch recht ansehnliche Geldunterstützung, welche ihm seine vornehmen Verwandten zugehen lassen. Dieselbe wird ihm monatlich ausgezahlt. Bei einer gewissen Kategorie unserer Landleute ist der Besuch aus Tyrol eine höchst angenehme Erscheinung. Denn die fahrenden Leute sind kaum eingekehrt, so entwickelt sich auch schon in dem Wirthshause, in welchem zunächst die gräfliche Wohnung aufgeschlagen wird, ein permanentes Eß- unb Trinkgelage, dessen Kosten sämmtlich der Fremde trägt. Er nennt sich selbst K unrad und daher kommt denn die volksthümliche Bezeichnung solcher Gelage: „Es ist ein Kunradsleben". Wenn das Kunradsleben ein paar Tage gedauert hat, schirrt der Fremde die Pferde vor seinem Wagen an und verlegt sein fahrbares Domicil an einen anderen Ort, wo es ihm mit feiner besseren Hälfte wohlgefällt.
Homburg, 5. August, lieber ein Schwefelsäure-Attentat berichtet der ^Taunus- bote": Heute Nacht zwischen 12 und 1 Uhr wollte sich ein hiesiger junger Mann nach seiner in der Löwengasse belesenen Wohnung begeben, als ihm in der Hälfte der Straße ein Frauenzimmer entgegentrat und ihm, ohne ein Wort zu sprechen, aus einem Gefäß eine Flüssigkeit gegen das Gesicht schüttete. In Folge einer raschen Wendung kam die Flüssigkeit nicht in das Gesicht, sondern nur auf die Kleider, den Hut 2C., was ein Glück zu nennen, denn die Flüssigkeit stellte sich als Schwefelsäure heraus, welche die Kleider total verbrannte und unbrauchbar machte. Der junge Mann hätte leicht um sein Sehvermögen kommen können. Das Frauenzimmer, welches erkannt worden sein soll, flüchtete durch die Orangeriegasse, wo sie auch von dem Nacht- posten gesehen worden ist. Das Motiv soll — verschmähte Liebe sein. Untersuchung -ist bereite im Gange.
Berlin, 7. August. Die Enthüllungen der „Pall Mall Gazette" dürften auch bei uns noch polizeiliche Recherche zur Folge haben. Wie die „Post" hört, sind der Erimiualbehörde Mittheilungen ^gegangen, nach welchen die in ihrem Wirken von dem genannten englischen Blatte so^charakteristisch gezeichneten englischen Agenten auch ihre Wirksamkeit bis in unsere Stadt ausgedehnt haben und hier Agenten und Agentinnen besolden, welche ihnen junge unerfahrene deutsche Mädchen zuführen. Damit dürfte die Erneuerung einer zuerst 1882 von der Londoner Polizeibehörde an den hiesigen Bahnhöfen affichirten Bekanntmachung zusammenhängen. Die Anschläge lauten: „Wenn Mädchen, welche nach London gekommen sind, um häuslichen Dienst oder sonstige Beschäftigung zu erlangen, irgend in Schwierigkeiten gerathen und Auskunft über englische Gesetzvorschriften bedürfen, so erhalten sie solche, sowie etwa erforderlichen Beistand auf persönlichen oder schriftlichen Antrag in jedem Polizeiamt (Police Station) oder im Bureau des Eriminal Investigation Departement, Great Scatland Bard, oder auf dem kaiserlich deutschen General-Eonsulat, 5. Blomfield Street, London Wall E. C., an jedem Wochentage in den Stunden zwischen 11 Uhr Morgens und 1 Uhr Nachmittags. Great Scotland Bard, 10. Januar 1882. E. I. W. Henderson, Eommissioner of Police of the Metropolcs."
— Von den Vorträgen auf dem Karlsruher Anthropologen - Congresse dürsten zwei besonderer Erwähnung verdienen. Den ersten derselben hielt Professor Albrecht, der durch seine Anschauungen über Ursprung und Weiterbildung des Menschen
bekannte Brüsseler Anatom. An der Hand interessanter Präparate und Funde, unter denen ein vorgeschichtlicher menschlicher Unterkiefer mit 6 Schneidezähnen, suchte Redner zu entwickeln, daß der Mensch Rückschläge nicht nur auf die Affen, sondern auch auf Halbaffen und Jnsectenfresser aufzuweisen habe und nicht etwa eine höhere, aus dem Affen entwickelte Form, sondern nichts Anderes als die niederste Affenform selbst vorstelle. Daß er es geistig so weit gebracht, danke er lediglich dem Entschlüsse seiner Vorfahren, einen Staat zu bilden, und was seine körperliche Zukunft betreffe, so werde dieselbe u. A. charakterisirt sein durch Abnahme der Zahl der Nippen, der Bruft- und Lendenwirbel, sowie durch Fehlen des Weisheitszahnes. Der Vorsitzende suchte nach Beendigung oes immerhin sehr interessanten Vortrags den weitgehenden Schlußfolgerungen des Redners entgegenzutreten, ausführend, daß gerade im Gegentheil die steigende geistige Entwickelung des Menschen auch eine höhere Ausbildung des Körpers zur Folge haben werde. Im Anschlüsse an diese Erörterungen legte er Zeichnungen, Abgüsse und Präparate von Schädeln großer 'DZänncr, wie Beethoven, Raphael, die Gehörknöchelchen von Robert Schumann n. dgl. vor.
Der zweite der genannten Vorträge, von Virchow gehalten, betraf den berühmten Goldfund von Pictroassa und dessen vom Hof-Juwelier Paul Telge in Berlin musterhaft ausgeführte Nachbildung. Der Schatz wurde beim Bau einer Brücke im nördlichen Rumänien auf einem Felsvorsprung der Karpathen gefunden, Anfangs für Kupfer gehalten und theilweise verzettelt. Als man auf ihn aufmerksam wurde, gelang e§ noch, ungefähr 8/< (Zentner Gold zusammenzubringen, die Edelsteine waren aber größtenteils ausgebrochen. Die Formen, in denen hie einzelnen Stücke des Schatzes ausgeführt sind, erinnern an den hellenisch barbarischen Stil der Funde von Kertsch und eine Nunen-Jnschrift spricht für gothischen Ursprung, in der Krim aber berührte sich das Gothenthum mit den klassisch-barbarischen Völkern. Zweimal das' Opfer von Diebstählen, wurde der Schatz theilweise sehr übel zugerichtet. Es gelang jedoch, nicht nur das Meiste desselben wieder zu erlangen, sondern auch die Stücke sehr gut wiederherzustellen. Letztere Arbeit hat im Auftrage des Königs von Rumänien Hof-Juwelier Telge unter Zuhilfenahme von Zeichnungen ausgeführt, die sich im Besitze Virchow's befanden und den Schah in seiner ursprünglichen unbeschädigten Form darstellten. Die herrlichen Telge'schen Nachbildungen der einzelnen Stücke des Schatzes lagen der Versammlung vor.
Paris, 10. August. Heute früh wurde dasTodesurtheil an Marchandon, dein Mörder der Frau Eornek, und wenige Minuten vorher auch an einem andern Raubmörder, einem gewissen Gaspard, vor dem Gefängniß La Woquette durch den Scharfrichter Deibler vollzogen. Erst vorgestern waren die beiden Begnadigungsgesuche verworfen worden, was nicht hinderte, daß die gewöhnliche Kundschaft der Hinrichtungen sich schon heute Nacht auf dem Nichtplatze einfand. Gaspard schritt mit einer gewissen Festigkeit, obgleich leichenfahl im Gesicht, zum Todesapparat. Von Marchandon hingegen wird berichtet, daß er feige wie immer, von dem Augenblicke an, da er zum letzten Gange geweckt wurde, das Bewußtsein einbüßte, sich stieren Blicks ankleiden ließ und wie eine Gliederpuppe zur Guillotine fast geschoben werden mußte. Das liebenswürdige Publikum sah sich nach seiner Maitresse, der berüchtigten Jeanne Blin um, mit der Absicht, sie zu lynchen, mußte aber unverrichteter Dinge den Platz räumen.
— fDas Erwachen in der Todtenkammer.j Eine Wiener Lokalcorrespondenz erzählt folgende kaum glaubliche Geschichte: „Der elfjährige Färberssohn Heinrich Wallner wurde vor Kurzem der Obhut einer Xante in Penzing übergeben. Seine Eltern, welche vor Kurzem in Rudolfsheim gewohnt hatten, mußten einer Bedienftung wegen nach Grafendorf bei St. Pölten übersiedeln. Im Hause der Verwandten fand der Knabe Zeit, sich halbe Tage lang im Freien aufsichtslos herumzutreiben. Vir einigen Tagen fiel er von einem Baume und wurde äußerlich unverletzt, jedoch im bewußtlosen Zustande, in das Nochusspital nach Penzing gebracht. Nach längerer ärztlicher Behandlung verschlimmerte sich der Zustand des Knaben unb vor etlichen Tagen wurde im Spital der Tod des Kranken conftatirt. Die Eltern in Grafendorf, auf telegraphischem Wege in Kenntniß gesetzt, trafen sofort des andern Morgens in Penzing ein, um die nöthigen Vorkehrungen zum Leichenbegängnisse ihres Kindes zu treffen. Man führte die Tiefbetrübten in die Todtenkammer, woselbst nach vollzogener' Todtenschau die Leiche des Kindes über Nacht aufbewahrt worden war. Schrecken und Erstaunen bemächtigte sich der Eintretenden, als sie die vermeintliche Leiche nicht auf ihrem ursprünglichen Platze, sondern in einem Winkel der Leichenkammer zusammengekauert fanden. Der Knabe war nicht tobt, fonbern lag nur in tiefem Schlafe. Nach einigem Rütteln schlug ber tobtgeglaubtc Patient bie Augen auf unb erzählte weinend, baß er in ber Nacht erwacht sei unb zu schreien angefangen habe, weil ihm vorgekommen sei, in einem Keller eingesperrt zu sein. Die Tücher, welche ihn einhüllten, habe er von sich geworfen unb sei vor Müdigkeit in einem Winkel eingeschlafen. Tie Eltern nahmen ihren roiebergefunbenen Heinrich mit sich nach Hause unb hoffen burch sorgfältige Pflege bie Wiebergenesung ihres Kinbes herbeizuführen."
— Der Kreuznacher „Gen.-Anz." enthält folgenbes Inserat: 14 junge Mädchen, aus Kreuznach unb bessen Umgebung, bie sich verabrebet haben, keine Kißchen ober Tournüre mehr zu tragen, weil sie sich nicht länger verunstalten wollen, bitten alle gleichgesinnten jungen Damen, boch biefer Vereinigung beizutreten unb bie häßlichen Kißchen abzuschaffen. Die Vereinigung trägt den einfachen Namen „Hinne fescht" unb werben Beitrittsanmelbungen unter biefer Ehiffre unter Discretion entgegengenommen. Auch können Damen jeben Alters beitreten.
— Grant's Geburtshaus im Dörfchen Point Pleasant am Ohio, im Ohioer County Clermont, ein Häuschen von nur einem Stockwerk, ist fast noch in bcmfclben Zustanbc wie vor 63 Jahren unb gehört jetzt einem Farmer Namens Michael Hersch. Letzterer hat seit Grant's Tob brei Anerbietungen betreffs bes Verkaufs des kleinen Hauses erhalten. Das eine Anerbieten geht von einigen Bürgern des County Clermont selbst aus; bas zweite kommt vom Union Club in Philadelphia, welcher bas Häuschen im herrlichen Fairmonnt-Park in Philabelphia als Volkseigcnthum auffteüen will; bas britte Anerbieten kommt von einem Bürger in Cincinnati, welcher bas Geburtshaus Grants bem dortigen Elm-Park zugedacht hat.
— [@in amerikanischer Humorist über bie beutsche Sprache.s Marc Twain, ber berühmte amerikanische Humorist, macht sich über bie beutsche Sprache luftig. Der launige Artikel ist — wie Alles, was Marc Twain schreibt — reich an Uebertreibungen, enthält aber viel Wahres. Der Humorist schreibt unter Anberem: „Eine begabte Persönlichkeit kann bie englische Sprache ganz wohl in 30 Stunben, bie französische in 30 Tagen erlernen, aber bas Deutsche wirb man im besten Falle erst in 30 Jahren bewältigen. Entrüstungsvoll fragt er, wie ein logischer Mensch sich in einer Sprache zurechtfinden soll, in welcher man einem Mäbchen bas sächliche unb einer Rübe da4 weibliche Geschlecht zutheile? In ber es bie Frau, bie Gattin, ober bas Weib heiße? So zornig er über bie haarsträudenbe „Systemlosigkeit" ber beutschen Sprache im Allgemeinen ist, bie Vertheilung ber Geschlechter empört ihn ganz besonders. Er klagt: „Der Baum ist männlich, seine Knospen weiblich unb seine Blätter sächlich» Das Pserb ist geschlechtslos, ber Hunb männlich, die Katze weiblich. Der Körper einc4 Menschen ist männlich, aber wie wunderlich theilen sich die Partien desselben in Geschlechter ein! Der Nacken, die Ellenbogen, die Finger, Nägel und Füße sind männlich, während ber Kopf, unbekümmert um bie Person, bie ihn trägt, je nach ber gewählten Bezeichnung gleichfalls männlich ober (bas Haupt) auch sächlich ist. Die Hände, die Hüften, bie Lippen, Zehen unb Schultern, bie Nase unb bie Brust sind weidlich, während die Beine unb Knie, bie Augen unb Ohren, bas Kinn, bas Herz unb das Gewissen sächlich ftnb. Weiterhin jammert er über bie Enbungen unb in Wuth versetzt ihn bie Abtrennung bes Partikels vorn Zeitwort unb bie Anbringung bes Ersteren am Schlüsse bes parenthesengeschmückten Satzes. Ein Beispiel biefer Art construirt er so köstlich, baß es wohl bie Rückübertragung in das angebliche Original verdient. „Ta die Koffer gepackt waren, reiste er, nachdem er Mutter und Schwester nochmals geküßt und sein angebetetes Gretchen, daS, in einfachen weißen Mousselin gekleidet, eine einzige Rose in den Fleckten seines braunen Haares, obgleich noch von der Erregung und dem Entsetzen des vorhergehenden Abends bewegt und voll Sehnsucht sein armes schmerzendes Köpfchen nochmals an die Brust des Mannes zu legen, den es mehr als fein Leben liebte, unsicheren Schrittes die Treppe herabgeschwankt war, an bie Brust gepreßt halte, ab." Auch von den zusammengesetzten Hauptwörtern bietet Twain den Engländern geradezu erschütternde Beispiele, so unter Anderen: Kinderbewahranstalten, Freundschaftsbezeigungen, Dilettantenaufdringlichkeiten, Atterthumswissenschaften, UnabhängigkeitS- erflärungen, Waffenstillstandsunterhandlungen n. s. w.
— sDic Hauptsache.^ Frau: „Ich weiß nicht, was ich kochen soll. Mann: „Frage doch das Kochbuch." — Frau: „Ach, da steht immer: Man nimmt, man nimmt, aber wo man's hernirnntt, nicht."


