Universität- - Chronik
Vermischtes.
Lokale-.
G. Gießen, 15. Juli. Sterblichkeit in Gießen.) Die Sterblichkeit blieb während der Woche vom 5. bis 11. Juli auf demselben niederen Stande, wie seither. Es waren im Ganzen nur 6 Todesfälle zu verzeichnen. Ein Kind im ersten Lebensjahre starb an Krämpfen. Als Todesursache bei 5 Erwachsenen wurde angegeben: Lungenemphysem, Leberentartung, Altersschwäche, Krämpfe, Selbstmord je einmal.
Gießen, 15. Juli. Unser Gießener Turnverein wird auf dem in Dresden stattfindcnden VI. Deutschen Turnfeste durch 9 seiner Mitglieder vertreten sein. Die Abfahrt der Betreffenden ist auf Freitag Mittag 11 Uhr 40 Min. nach Fulda festgesetzt, um von da aus mit dem Extrazug des Mittelrheinkreises weiter fahren zu können. 8.
[3uni Dresdener Turnfest.) Eine Sitzung des Ausschusses der deutschen Turnerschaft wird am 18. Juli, früh 9 Uhr, in „Brauns Hotel" in Dresden stattfinden. "Nachdem eine geheime Sitzung stattgcfunden, wird zur öffentlichen mit nachstehender Tagesordnung übergegangen: Jahresbericht, Kassenbericht. Aufstellung des Haushaltsplanes. Bericht des Centralansschusses für das VI. Deutsche Turnfest. Die agitatorische Thätigkeit zur Verwirklichung der angcstrebten Abkürzung der dreijährigen Präsenzzeit für turnerisch gut ausgebildete Angehörige des deutschen Reichsheeres wieder aufzunehmen. (Antrag des Gaues Hessen.) Kann die Einführung des Gauzwanges in einem Kreise rückwirkende Kraft auf das Verbleiben der vor Einführung des Gau-
gänzlich weg.
Büdingen, 10. Juli. In der außerordentlichen Generalversammlung der Spar- und Leihkasse Büdingen theilte der Vorsitzende, §rrcisrath Klietsch, mit, daß die bei Erbauung der Nebenbahn Stockheim-Gedern intercssirten Gemeinden bezw. die Bürgermeistereien Stockheim und Selters sich in einer Eingabe an die Sparkasse-Verwaltung gewendet hätten mit dem Ersuchen, ihnen zu den aufzubringenden Geländekosten und dem Zuschuß zu den Baukosten einen Beitrag von 2000 aus den Mitteln der Sparkasse zu verwilligen. An Geländekosten seien 46 000 JL und an Zuschuß zu den Baukosten 30 000 JL, sonach im Ganzen 76 OOO aufzubringen. Die interessirten Gemeinden brachten in dieser Eingabe weiter vor, cs gehe die Möglichkeit ab, die genannte Summe einzig aus eigenen Mitteln zu bestreiten und doch sei die Erbauung der Bahn absolut nöthig, wenn der wirthschaftliche Rückgang der Gemeinden abgewendet werden solle. Daß die Arbeiten auf der Eisenhütte Hirzenhain, welche Hunderte von Arbeitern beschäftige, eingestellt würden, sei zweifellos, ebenso aber auch, daß hierdurch für die Arbeiter sowohl wie für die betreffenden Gemeinden eine empfindliche Nothlage erwachse. — Die Nichtigkeit dieser Gründe sei nicht zu bezweifeln; die Gemeinden und Interessenten hätten in Bewilligung der Beiträge das für sie Mögliche geleistet und daher müsse das Eisenbahnproject, für das die Negierung so namhafte Aufwendungen zu machen ermächtigt sei, unausgeführt bleiben, wenn die Gemeinden zc, nicht von anderer Seite mit Zuschüssen wirksam unterstützt würden. Der Mangel einer Eisenbahnverbindung in dem Nidderthal zum Anschluß an die Hauptlmie Gießen - Gelnhausen laste bereits schwer auf dieser Gegend. Die Producte der Landwirthe und der Waldbesitzer ließen sich theilweise gar nicht, theilweise nur unter sehr mäßigen Preisen gegen solche in anderen besser situirten Gegenden absehen; der Landwirtb befinde sich im Nückgang und komme mehr und mehr in Verschuldung. Der Wald- besiher beschränke unter dieser Sachlage sein Holzfällen auf das Nothmendigste und schmälere hierdurch auch dem Waldarbeiter den nöthigen Verdienst. Die Industrie liege darnieder und das bedeutende Eisenhüttenwerk zu Hirzenhain, das Hunderte von Arbeitern und Familien ernähre, könne mit anderen an der Bahn gelegenen Anstalten mit ihren billigeren Frachten bei Bezug der Rohmaterialien und der Versendung ihrer Fabrik-Erzeugnisse nicht concurriren, arbeite theilweise mit Nachtheil; ja die Einstellung der Arbeiten an solchem sei bei Nichtzustandekommen der Bahn nur noch die Frage einer kurzen Zeit. Helfe man daher die zweifellos im letzteren Falle cintretenden Noth- stände beseitigen, dem Landwirth und Waldbesitzer für guten Absatz seiner Producte und somit dem Arbeiter für ausreichenden Verdienst, so hebe man den Wohlstand der ganzen Gegend und damit, da eine gut situirte Bevölkerung sich an dem Sparkasfen- j Unternehmen besser betheiligen könne als eine arme, mittelbar auch die Gefchäflsthätig- keit der Sparkasse. Aus diesen Erwägungen und mit Rücksicht auf den beträchtlichen Reservefonds von 118 198,78 JL, der der Kasse, ohne eine Schädigung ihrer Betriebs- fähigkcitTefürchten zu müssen, die Bewilligung der erbetenen Beihilfe aus den Zinsen- crträgen gestatte, habe der Vorstand beschlossen, auf das Gesuch der Gemeinden Ortenberg, Hirzenhain, Merkenfritz, Wenings, Lißberg, Eckartsborn, SelterS und Stockheim eine Unterstützung von 2000 JL aus den 1884er Zinsen des Reservefonds zu beantragen, welche den Vereinsgemeindcn Wenings und Merkenfritz, sowie Stockheim, letzterer jedoch nur dann, wenn solche ohne gesetzlichen Zwang den angesonnenen Beitrag von2OOO^L leisten sollte, als eigener weiterer Beitrag zu dem zu leistenden Baarzuschuß von 30 000 «X überwiesen werden soll. Der Antrag wurde mit 23 gegen IO Stimmen angenommen. Ferner hat der Kreistag ein Kapital von 8000 JL für den Bahnbau auf- I zunehmen beschlossen. .
— Um zu erproben, in wie viel Zeit ein eiliger Befehl auf weite Entsernung I ohne Pferdewechsel durch einen Reiter überbracht werden könne, erhielt der Wachtmeister I Lange vom Eürassicr-Regiment Graf Wrangel in Königsberg — beiläufig gesagt, dient derselbe 18 Jahre, ist also kein Jüngling mehr — einen Brief an den etatsmäßigen I Stabsofficier der ersten Dragoner in Tilsit mit der Weisung, seine Ankunft in Tilsit I bescheinige» zu lassen. Wachtmeister Lange wiegt 175 Pfund. Es wurde ihm gestattet, I in Mütze und Pallasch auf englischem Sattel zu reiten und sich auch ein Pferd aus der Schwadron nach eigenem Gutdünken auszuwählen. Den Rückmarsch sollte er I ganz nach Belieben ausführen, da es nur darauf ankam, in wie viel Stunden er Tilsit erreichen würde. Er ritt am 1. Juni, Morgens 41/3 Uhr, bei bedecktem Himmel, Wind im Nucken, ab, traf 1 Uhr 30 Min. Mittags in Tilsit ein und übergab den I Brief 1 Uhr 45 Min. an seine Adresse. Er hatte also die 161/« Meilen in genau I 9 Stunden zurückgelegt, Am "Nachmittag um 4 Uhr ckleß General v. Heßburg, der mit Oberst v. Werckmeister in Tilsit zu Besichtigungen anwesend war, sich das Pferd 1 vorstellen; es war noch so straff, daß der Wachtmeister es in Galopp vorritt. Am
Grünberg, 10. Juli. Während eines überaus heftigen Gewitters, welches sich heute gegen 12 Uhr Mittags hier entlud, schlug der Blitz mehrmals ein. So in der Scheuer des Herrn Karl Fuldat auf dem Brückclchcn, an welcher er die Verbretterung und einige Balken des Giebels, sowie die Tachkändel zerstörte. Glücklicherweise zündete er nicht. In einem Garten nahe der Stadt wurde von einem Birnbaum ein Ast ab-
14 <\n einer aeftern Abend stattgehabten, von etwa 150 ! zwangcs der deutschen Turnerschaft und dem Kreise, aber keinem Gau angehorige
ünh (Aemerbtreibcnden besuchien Versammlung wurde beschlossen, Vereine in Turnerschaft und Kreis rechtlicher Weise ausuben? Vertragt nti btc ^uf--
ftier cüiebaaflcnwSic fääüfdjc^öeScrbes und Industrie-Ausstellung zu nähme der Vereine in die Gaue und dadurch in Kreis und Turnerschaft auf deniWege
dem İ,^r°ich Sachsens bet Provinz Sachsen, bet Abstimmung mit Einführung des Gauzwangs' (Betichterstatter Äotz.) Me
JTdem Herzogthum Anhalt umfassen soll. Den Vorsitz Mittel sind zu ergreifen, um das nut einer gefunden Entwicklung der deutfchcn ^urnersckaft
JÄmS Ä Vopel. In Verfolg des unverträgliche Verhältniß zu heben, daß */5 ber VereineCrgnu beiielb«if_ bie beutfae
n nVtciSS die Mitwirkung Turnzeitung, nicht hält und lieft? (Berichterstatter Götz.) Der Ausschuv wolle die
Gründu* von Unfall-Unterstützungskaifen anregen. In welchem Maße und mit welchen aller bethelttgten^KE zu^en am.30. Juni d. I, zwischen Mitteln ist dem Ueberwuchern der Gypfelübnngen, besonders bei Turnfesten, entgegen;
Deutschland, Holland und der Schweiz über die Lachssischerei irn Rhein abgeschlossenen zutreten.
SRertraa acnehmigt — Bei dem Gewitter, welches am Montag Nachmittag über unsere etabt zog,
- 3ur Vertretung der Schweiz beider in Berlin stattfindenden internationalen schlug ein Blitzstrahl in einen großen Birnbaum im Garten des Herrn Ehr. Lony Telegraphenconferenz ist der Telegraphendirector Frey bestimmt worden. I (Bierkeller) ein. Der Baum wurde in der Mitte gespalten, ein auf demselben befindlich
b Paris, l4. Juli. Die Feier des Nationalfestes verlief, vom Wetter begünstigt, | gewesenes Vogelnestchen wurde versengt.
unter äußerst zahlreicher Betheiligung der Bevölkerung ohne jeden Zwischenfall. Die Straßen waren reich beflaggt.
------ v 1OOK I — Der Rector der Berliner Universität hat den Anschlag der drei Reform-
1865 UUD 1885. I Burschenschaften, „Nco-Germania", „Jung-Deutschland" und „Alania". welche an die
— ICßEC I Kommilitonen eine Einladung zur Besprechung über eine Veränderung der Ausschuß-
Dtlö {WCitC beutfdje $d)Ul}enfe|t in $#tettieil 18v5 Utlu I roa^( und über die Einrichtung einer akademischen Redehalle erlassen wollten, nicht ge-
das fedllle öeutfdie Turnfest in Dresden 1885. nehmigt. Professor Dernbnrg bemerkte dabei, er wäre aus verschiedenen Gründen
-» • & L fnnpr Qpttrnnm im Leben eines Volkes aber welch' I gegen die Einführung einer Redehalle, und die Angelegenheit der Ausschußwahl müsse
. „ Zwanzig Jahre mb en furje im. Üben ane€ awr mew ben Anordnungen von Rector und Senat als endgiltig erledigt gelten.
em Unterschied in der Entwicklung Deutschlands zwifchen dem >>ayre ivvs uno 1000. 1 Vbnsioloaiscken Institut iu B erlin ist am Montag bei der Vorlesung
Die nationale Bewegung hatte in Deutschland namentlich leit der Thronbesteigung des ~ ^^l^b oltz Ä Swbeitt nur mit knapper Noth dem Tode ent-
Königs Wilhelm und -b^M Schlllerfeste emen m^ttgen ^schwu^ ^nomme^ I flanßC1L Als derselbe im Laboratorium eine Zusammenstellung von geladenen Levdener gründete ben 9tationaloerein, berief putsche Aögeo^neten-VeNammlmigen in Ermang Haschen entleeren wollte, beging er die Unvorsichtigkeit, anstatt des Glastheiles die lung eines deutschen Parlaments und gab der Sehnsi ch Sänaerfesten einen be- I Metallkugel zu berühren, und bevor ihn noch Jemand ausfangen konnte, brach er, wie namentlich auf den großen "Zonalen Schutzen-, Turn - ausacbende Begeisterung vom Blitze getroffen, zusammen. Nur den Bemühungen des Gehcimeraths v. Helmholtz geisterten Ausdruck. Die von dm -d«Mch« es zu banken daß der Verunglückte nach etwa halbstündiger Bewußtlosigkeit
chien in den Jahren 1888! nnl>1663 auf bem deutschen Schützenfest ^hen zurückgerufen wurde. Da nämlich die Batterie positiv geladen war,
in Frankfurt a. M- und deutschen PTSnenfönia§Ö Friedrich VII das so wußte der Professor durch ein energisches Electrifiren mit negativer Klectricität
S bU ÄS Ä ÄÄ eine Sieutralifirung h-rbchuführen. Ter «..fall bat keine n-ch.h-i.igen M,en zurück-
Preußens mit Oesterreich, um zunächst Schleswig - Holstein definitiv von Dänemark gelassen. ~
loszutrennen. Es war ein erfreulicher Beweis beginnender politischer Reife, daß vom I - - -
November 1863 bis zur völligen Lostrennung Schleswig - Holsteins von Dänemark unter den politischen Parteien Deutschlands Waffenstillstand abgeschlossen war und man im Kriege nach Außen den inneren Streit um die beste Form der zukünftigen Gestaltung Deutschlands vertagen zu müssen glaubte. Während die schleswig-holsteinischen Fahnen mit dem schwarzen Trauerflor auf allen nationalen gelten vor 1863 den tiefsten Eindruck machten, schaarten sich im Jahre 1865 alle Stamme Deutschlands ----------- ------------------------
auf dem großen deutschen Schützenfeste zu Bremen zum ersten Male ohne Trauerfahne I geschlagen und die Hälfte des Stammes zersplittert.
um das Standbild der Germania. r . Friedberg, 11. Juli. Heute Morgen wurde auf der Strecke zwischen Groß-
Dic Integrität des Vaterlandes nach außen war gerettet. Dies gab dem Karben und Nicder-Wöllstadt der Bahnwärter Appel tobt und verstümmelt anfgc-
Nationalfeste in Bremen schon einen etwas reelleren Inhalt; aber man fühlte, nachdem funden; auf bis jetzt nicht aufgeklärte Weise ist der Verunglückte jedenfalls von einem
das Schwert für Deutschlands Einigung gezückt und Blut geflossen war, doch gleich- der 9kachtzüge überfahren worden. Er hinterläßt eine Frau mit 5 Kindern, zeitig sehr lebhaft, daß die Nationalfeste erst dann wieder ein kräftigeres Leben ge- I Darmstadt, 14. Juli. Auf den 1. Deccmbcr ist wieder eine allgemeine »innen und in eine neue Epoche treten mürben, wenn sie nickt mehr bloße Sehnsuchts- I Volkszählung im ganzen Deutschen Reiche angeordnet. Die Zählkarten, deren nicht
Äußerungen einer unselig zersplitterten Nation, sondern Blüthen und Früchte eines weniger als 50 Millionen angefertigt werden, sollen schon Anfangs September zur
wirklichen Volkslebens in dem staatlich geeinigten Deutschland geworden fein wurden. Versendung kommen. Die nähere Bezeichnung der zur Ausfüllung bestimmten
Alle politisch denkenden Männer verlangten nach einem realeren Inhalt der nationalen I Rubriken der Zählkarten schließt sich denen der Volkszählung vom Jahre 1881 Bestrebungen. an, es ist dabei jedoch auf eine mehr gemeinverständliche Ausdrucksweise Bedacht
Wir haben jüngst in den Berichten des Bremer Schützenfestes von 1865 ge- genommen und außerdem bleiben die auf die Berufsarten bezüglichen Fragen mit
blättert und darin eine politische Rede gefunden, welche das noch unerfüllte Sehnen Rücksicht auf die inzwischen vorgenommene Aufnahme einer umfangreichen Berufsstatistik
jener Zeit und den gewaltigen Unterschied zwischen 1865 und 1885 so deutlich wieder- * spiegelt, daß es erlaubt sein möge, jene Rede hier abzudrucken. Sie lautet:
„Unser Fest erfordert einen entsetzlich großen Aufwand von Zeit, Arbeit und I Geld, und wenn wir dabei keinen besonderen Zweck im Auge haben und keinen besonderen Nutzen davon erwarten, dann möchte ich sagen, könnte in einem solchen Feste eine Art Vergeudung liegen. Ich habe nun aber dabei einen recht großen Nutzen una ein recht hoch gestecktes Ziel vor Augen, indem ich in allen diesen großen Festlichkeiten, die jetzt in Deutschland im Schwünge sind, die Verlobungsfeierlichkeiten des deutschen Volkes erblicke (Bravo!), die Feierlichkeiten, in denen sich der Drang nach einer festen, innigen und unlösbaren Vereinigung kundgiebt. (Bravo!) Es ist etwas Schönes um , solche Verlobungsfeierlichkeiten, um die Brautstandsfeierlichkeiten überhaupt. Es spricht 1 sich so nett miteinander, es träumt sich so süß von den kommenden goldenen Tagen, aber trotzdem darf der Brautstand nicht zu lange dauern. (Bravo! große Heiterkeit.) Es stiehlt sich sonst eine weiche Sentimentalität ein, die im praktischen Leben gar nicht zu verwerthen ist. Ich habe niemals Gefallen finden können an einer langen Verlobung (Heiterkeit), ich habe niemals den Wunsch: „O, daß sie ewig grünen bliebe!" (Heiterkeit und Beifall), und ich denke mir, meine Herren, auch dem deutschen Volke müßte schließlich das Verlangen wohl anstehen: „O, wenn doch bald Hochzeit wäre!" (Lang anhaltender Beifall.) Je wärmer, inniger und allgemeiner dieser Wunsch im Volke lebt, desto sicherer wird sic bald kommen, die hohe Zeit, von der so viel gesungen, für die so oft gerungen, der das Herz der Besten und Edelsten unserer Station so lange entgegen geschlagen. Wenn doch bald Hochzeit wäre! Es geht doch am Ende nichts über eine rechtschaffene Ehe (Lauter Beifall und Heiterkeit), über das Gefühl der Zusammengehörigkeit in Freud und Leid, in guten und bösen Tagen. 9tun denkt Euch einmal, meine Freunde, ein solches Gefühl ausgegossen über ein Volk von der Größe unseres Volkes, denkt Euch einmal Millionen und abermals Ntillionen Schultern treu und fest zusammenstehend — was können die tragen! (Bravo!) Und alle die Arme und Hände — was können die wegräumen! (Bravo!) Es liegWtwoS Weltstürmerisches in dem Gedanken und doch auch wieder etwas Beruhigendes, Sicherheit, Glück und Frieden Verheißendes. Wollt Ihr wirken für diese Idee? (Ja, ja!) Ihr zieht nun bald wieder hinaus in alle Welt, 0 ziehet doch hinaus als Brautwerber für die hohe Zeit unseres Volkes. (Bravo!) Einem treuen Werber kann der Erfolg nimmer fehlen, denn er wirbt für die Verbrüderung, der Ihr mit gutem Gewissen verheißen könnt der Erde besten Güter und des Himmels reichsten Segen. (Bravo!) Wollt Ihr werben für diese Idee? (Ruf: Ja , ja!) Dann bitte ich, mit mir einjuftimmen in ein kräftiges dreifaches Hoch auf die hohe Zeit unseres Volkes, auf die feste innige, lang ersehnte Verbindung des deutschen Volkes! Sie lebe hoch!"
Die 1865 heiß ersehnte hohe Zeit ist erschienen. Das Jahr 1885 vereinigt die deutschen Turner von nah und fern um das Standbild einer Germania, die weithin Respect einflößt. Möge das deutsche Volk nun auch innerlich gesund und glücklich werden und möge es sich nach dem Wahlspruche der Turner zu einer frischen, frommen, fröhlichen, freien Nation entwickeln.


