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87. Zweites Blatt. Donnerstag den 16. April 1885
(siebener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
----------------------------------— " Preis vierteljährlich 2 Marl 20 Pf. mit Bringerlotzn.
Bureau r Schulftraße 7. Erscheint täglick, nut «nönahme des MoutagS. e Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Marl M Pf.
Amtlicher Hheil.
Ruhestätte ' durch Zu- ^heilnahme so ist es ; Tode der sesem grau-
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QUm Ankauf von Remonten im Akter von vorzugsweise 3 und ausnahmsweise 4 Jahren sind im Bereich des Großherzogthums Hessen-Darmstadt , ,r., l ...........smAvnotiÄ 9. Uhr nm-
biefeß Jahr nachstehende Märkte anberaumt worden und zwar Morgens 8 Uhr am:
für
Groß-Bieberau,
29.
der
Lampertheim, Bickenbach, Gernsheim, Groß-Gerau.
Alsfeld, Nidda, Butzbach, Nieder-Wöllstadt,
Betreffend: Den Nemonte-Ankauf pro 1885.
Bekanntmachung
24. August in
25. „ „
26. ,; „
27.....
30. Juni in
8. Juli „
27. „ „
28. „ „
t-:, nnn hfr R-monte-Ankaufs-Commission erkauften Pserde werden zur Stelle abgenommen und sofort gegen Quittung Baar bezahlt.
Werbe nüt solchen Fehlern welche nach den Landesgesetzen den Kauf rückgängig machen, sind vom Verkäufer gegen Erstattung des Kaufprei es und Unkosten »urück'unelnnen ^ebenso Krippensetzer (Köpper), welche sich innerhalb der ersten 28 Tage nach dem Emtreffen rm Depot mtt diesem Fehler behaftet wiaen Dierde welche den Verkäufern nicht eigenthümlich gehören oder durch einen nicht legitimirten Bevollmächtigen der Commifsion vorgestellt werden, sind »»m Kani ausaesäilosien Die Verkäufer sind ferner verpflichtet, jedem verkauften Pferde eine neue starke rmdlederne freute mit starkem Geb,ß und einen ^ovibalter von Leder oder Hanf mit zwei mindestens zwei Meter langen starken hänfenen Stricken ohne besondere Vergütung mitzugeben. Um , ,e Abstammung vorgeführten Pferde ftststellen zu können, ist es erwünscht, daß die Deckscheine möglichst mitgebracht werden, auch werden b.e Verkäufer ersucht, die Schweife der Pf°rde nicht zu coupiren oder ÜberEig zu verkürzen. Kriegs-Ministerium, Abtheilung sür das Remonte-Wesen.
Berlin, den 2b. Februar Freiherr von Troschke. Graf von Klinkowstroem.
von Em land her seit 1862 kannte, einen großen Eindruck auf ihn gemacht zu haben. 1865 erschien eine Deputation von Arbeitern aus Waldenburg beim Minister des Innern, um sich durch diesen beim König einführen zu lassen, da sie sich gegen die unerträglichen Bedrückungen diirch ihren Fabrikherrn. Reichenheim die Hülfe der Krone erbitten wollten. Der Minister wies sie ab; Bismarck aber stellte sie dem Könige vor. Herr Reichenheim fand sich dadurch veranlaßt, sich in der Kammer über den Minister zu beklagen und die Beschwerde, seiner Arbeiter als Lüge zu b^c.chnen. Dies gab dem Minister-Präsidenten Anlaß, seine Stellung zur socialen Frage zu skizziren Er fragt, mit welchem Rechte er den Leuten den Weg zum Throne hatte verjperi-rn fallen. Es scheiiie ihm fast, als ob dem Fabrikanten gegenüber die Krone einer Rechtfertigung bedürfe, wenn sie der Stimme der Armuth ihr Ohr leiht. „Die Könige von Preutzen sind niemals Könige der Reichen vorzugsweise gewesen; schon Friedrich der Große sagte als Kronprinz: „Quand je aerai roi, je serai un vrai roi des gueux“. Ali dem Throne der preußischen Könige hat dasjenige Leiden stets Zuflucht und Gehör gefunden, welches entstand in Lagen, wo das geschriebene Gesetz in Widerspruch gerieth mit dem natürlichen Menschenrechte. Unsere Könige haben die Emancipation der Leibeigenen herdel- geführt sie haben einen blühenden Bauernstand geschaffen; es ist möglich, daß es ,ihnen auch gelingen werde — das ernste Bestreben dazu ist vorhanden — zur Verbesserung der Lage der Arbeiter etwas beizutragen."
Und auf eine ziemlich erregte Replik des Fabrikanten und Abgeordneten Reichenheim erwiderte Bismarck im Abgeordnetenhause: „Wir aus der Stelle, wo ich^stehe, sind nicht gewohnt, die Klagen der Armuth als em Spiel zu behandeln, auch nicht, sie mit Entschlossenheit in den Wind zu schlagen . . . . ®eiui for .«oeir 5^060^06^ baraut aufmerksam macht, daß Se. Majestät in Bezug aus die Richtung seiner Privat-Woh - thätigkeit irgend einen Rathgeber gehabt haben werde so braucht er nicht mit so vielen und über die Linie der Grazie hinausgehenden Gestiku ationen aus mich zu zeigen. Der Rathgeber war ich, und ich glaube keinen schlechten Rath gegeben zu haben.
Bismarck war es endlich, welcher dem ,Könige rieth, Arbeitern Geld aus seiner Privatkasse zur Errichtung von Productiv - Associationen zu geben; wie man im land- wirthschaftlichen Ministerium Versuche über landwirthschaftliche Systeme anstelle so könne man es ja auch mit der Fabrikation probiren. Kur; alles Positive fand der Realpolitiker einer Diskussion und eines Versuches werth. Tagegen verbarg ex nie seinen tiefen Unwillen gegen die Bethörung der Massen durch gewissenlose Agitatoren, gegen die Programme der Negation. „Offen hat noch kemer dieser Herren ein positives Programm geben wollen; wenn sie sagen, wie sie wirtlich sich die Zukunst zu gestalten denken, lacht sie jeder einsichtige Arbeiter aus, und dem wollen sie sich nicht aussetzen." , ,
Bismarck qibt dann eine köstliche Schilderung der eventuellen Realmrung der soeialdemokratischen Pläne . . . „Wenn Jedem das weinige von oben der gleichmäßig zugewiestn werden fall, geräth man in eine zuchthausmaßige Eristenz, wo keiner leine selbstständigen Beruf und seine Unabhäiigigkeit hat sondern wo ein yebn unter dem Uwanae der Auiieber steht. ... Ich glaube, Siiemand wird ,n iolchen Verhalt, nissen ^leben wollen, wenn er sich das Ideal ausmalt nach dem, was wir so durch die Ritzen zu erfahren kriegen."
Seit der Zeit, als Bebel die Eornrnune als Vorbild hinstellte und sich offen zum - „Evangelium der Mörder und Mordbrenner" bekannte, unterschlü, Msma^ick gf, mische» den wirklichen Arbeitern, denen der-Staat in ihrem ehrlichen streben zu vuila kommen, deren berechtigte wirthschaftliche Wünsche er berücksichtigen s°lle, m,d iene„ thells verkommenen, theils fanatisirten Eluenten In ^den,letz e en iblickk erin lliecht einen Feind, gegen den Staat und Gesell,chast sich un Stande der No hwehr Wm Den. Er hatte nur zn richtig vorhergefkhen; es -rsokgten dies lchundbareo,Nttentate ^egen ehrwürdige Persönlichkeit des greisen Kaisers. Die nächste Wirkung waren mepremv.
eincr solchen Maßregelsur M allein eJMÄ Bemühung um wirkliche Ab isie gegen ivirMche Schaden Genau eäennt er die ungeheure Gefahr dae * ;
ruchlose Scribeuten wenig gebildeten Masien gegc
Leuten glanzende Versprechungen^ machen dabe. m Hohn «nb
'ra'f’Amhihpl ihnen den Glauben an Gott, an unser stönigthum, « ^"de'I???, als Schwindel, ihnen oen i an ben ^efit,, „n die Pmrbung
die Anhänglichkeit an das Vaterlanch an ow^ Alles nehmen, so ist es
iCn' ■ erm°Tm Menschen von geringem Bildungsgrade dahin zu führen, dasi
■L‘6ro-f' «SS» SÄ» säder .Hoffnung, Fluch dem Glauben und Fluch ?°r Allem^de^Gchuld! Mu^ io geistig verarmter und nackt ausgezogener Mensch —
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Berlin. Es sehlt nicht an Anzeichen dafür, daß die Anziehungskraft der Ver- einiaten Staaten von Amerika für deutsche Auswanderer mehr und mehr nach- läßl Einmal für Industrie- und Fabrikarbeiter, nachdem der transatlantische Arbeitsmarkt bei steigendem Angebot und sinkender Nachfrage auf unabsehbare Zeit hinaus die denkbar ungünstigste Conjunctur bietet, dann, weck bte Arbetts- fzhne eine ständig weichende Tendenz verfolgen, endlich, well gleichwohl bie Kosten der Lebenüunterhaltung auf ihrer früheren Höhe verblieben sind. Die namentlich in den Großstädten künstlich hinauf geschraubten Lebensmittelpreise kommen aber nicht etwa den landwirthschastlichen Producenten, sondern den einzelnen Verkäuferringen, den Eifenbahngesellschasten mit ihren unvernünftigen Fracht-Tarifen, den Korn- und Viehspeculanten rc. zu Gute, die dem Farmer die Preise dictiren und dadurch die landwirthschaftliche Bevölkerung der Weststaaten in eine Lage gebracht haben, welche von einem Nothstande sich nur noch sehr wenig unterscheidet. Somit eröffnen sich auch unseren auswanderungs- lustigen kleinbäuerlichen Besitzern, resp. ländlichen Arbeitern drüben die denkbar trostlosesten Chancen. Zum Glück dringt die Erkenntniß, daß drüben sehr wenig und auch das Wenige nur mit härtester Arbeit und Entbehrung zu gewinnen, hingegen aber sehr Vieles, ja Alles zu verlieren ist, in immer weitere Kreise; die Presse aber würde eine hochpatriotische Pflicht erfüllen, wenn sie immer'und immer wieder ihre warnende Stimme erheben wollte.
— Die österreichische Zuckerrüben - Production wird dieses Jahr einen ganz bedeutenden Rückgang, stellenweise sogar bis um die Hälfte, aufweisen. Sowohl in Böhmen, als auch in den übrigen rübenbauenden Kronländern setzen die Ruben-Producenten den Anträgen der Fabrikanten einen auffallend hartnäckigen Widerstand entgegen, und in Folge dessen ist in mancher Gegend auch heute noch kein Rübenabschluß erfolgt. Den Grund dieser Erscheinung bilden, ivie bei uns ebenfalls, die ungenügenden Preisofferten, welche der Zuckersabrikant dem Rübenbauer bei der jetzigen gedrückten Geschäfts-Conjunctur zu bieten vermag, und welche es dem Landwirth räthlicher erscheinen lassen, zu dem sicheren Anbau von Getreide zurückzukehren.
Fürst Bismarck.
Gedenkblätter zum siebzigsten Geburtstage.
Von Professor vr. A d a l b e r t H o r a w i tz.
(Nachdruck verboten.)
(Schluß.)
Die Zeiten, in denen das deutsche Publikum sich neben der Rührung für Beecher- Stowe's „Onkel Tom" auch noch Thränen über Boz' „Hard times“ gestattete, ohne zu (ihnen oder wenigstens angelegentlich darauf zu achten, daß es auch im Vaterlande Menschen zu Tausenden gab, denen durch die „ehernen" Gesetze von Nachfrage und Angebot der Lebensbedarf eingeengt, denen durch den aufreibeiideu Kampf um die materielle Existenz diese selbst in ihren sanitären Grundlagen in Frage gestellt wurde, diese Zeiten einer behaglichen Bourgeoisie waren vorüber. Die conservativen Krerse batten durch den unablässig wirkenden V. A. Huber und seine Reisebriefe, d^e fortschrittlichen durch Schulze - Delitzsch und seine sehr nützlichen Vereine, die Radicalen durch einen bedeutenden Agitator, Ferdinand Lassalle, Antriebe bekommen, sich mit der Theorie der socialen Frage zu beschäftigen. . .
Etz ward damals das Märchen verbreitet, Lapalle ]ei Bismarck s Agent ge- vvcsen Der Minister hat selbst diese Erfindung auf ihre Grundlage zurückgefuhrt und qezeigt, daß es nur die interessante Persönlichkeit Lassalle's war die ihn anzog, datz aber alle Bedingungen zu einem geträumten Vertrage fehlten Er saate von Lassalle. Er war einer der geistreichsten und liebenswürdigsten Menschen, mit denen ich je verkehrt habe . . . Er hatte eine sehr ausgeprägte nationale und monarchische Gesinnung; f,eine Idee, der er zustrebte, war das deutsche Kaiserthum, und darin hatten wir einen
Treffend bemerkte Bismarck weiter, es sei ja seine Pflicht als Munster, sich über d«ie Elemente, mit denen er es zu thun habe, zu belehren, ^n der Thal Lassalle's Bemerkungen über die Productiv-Associationen, die Bismarck allerdings fchon


