G. (Sietzen, 15. April.
Telegraphische Depeschen.
Wolffs telegr. Korrespondenz «Vnreau.
Verlin, 14. April. In bei heutigen bco Ahgcvrbnetcnbaufe(' wurde
bic Vehrervenfiontvorlage vcrhanbclt. Tci Finanzminifter erklärte, die Regierung jtimme bei Vorlage im AUgemeinen zu, dieselbe bedürfe jebveh der Eorrcetnr. Bezüglich der Hcranzicbung der Staatskasse und der Schulunterbaltungspflichtigen zu den Pensionen liege kein Bedürfnis vor, den Staat bis zu 900 berauiuzieben; cs ge nüge die Verpflichtung bis zu 600 vM Im weiteren Verlaufe erklärte der Wtmftei, die Negierung stehe principiell auf dem Standpunkte der auolenmäßigen Thcilnng der 9ast zur Hälfte zwischen Staat und Gemeinde, die Feststellung einer Minimalpension aber wäre für die Regierung unannelmibar, weil die Lehrer damit aut anderen Boden gestellt würden, als die übrigen Staatsbeamten. '-Koch längerer Debatte, wobei auch der Kultusminister vor einer Feststellung einer MinimalpenNon warnt, wird der t 1 mit großer Majorität angenommen.
Fortsetzung morgen Vormittag 10 Hbr.
Berlin, 14. April. Das Aeltesten Kollegium der Berliner Kaufmannschaft beschloß, behufs Anbahnuug einer allgemeinen deutschen Ausstellung in Berlin im Jahre 1888 mit den Reicks, Staats und communalen Behörden in Verbindung zu
treten und durch Theilnahme der übrigen deutschen Handelskammern die Interepen- kreise an dem Unternehmen zu erweitern, auch oordebaltlich der Genehmigung ^der Ainamcommimon eine Beihülfe von 100,000 JL zu der Ausstellung ;u gewahren. < a* Collegium ernannte eine Commission von 9 Mitgliedern zur wetteren Bearbeitung der .......Paris, 14. April. Der „Temps" schreibt. Eine Depesche Palenotre s ibcilt mit, baß die „Pekinger Zeitung" beute ein kaiserliches Decret betreffs ber Austubrung der Friedenspräliminarien oerösientlichen sollte. DaS Teeret weite den Ltcekontg als Duanecommiffar an, einen Mandarinen nach Hanoi ;u senden,^ um mit Bridre einen Modus für die Räumung zu vereinbaren. Dem Führer der „schwarzen flaggen in ber Titel Baron verliehen, eS würde die chinesische Regierung ibm, wie es heiyt, eine bedeutende Summe zahlen, damit er 'eine Truppen entlassen könne- außerdem wurde ihm die Verwaltung einer Provinz übertragen werden. Der General Courcn geht am
Madrid,^14^ April. In der Teputirtenfammer erklärte der Minister bcS Innern aut die Interpellation betreffs der Cholera, die Regierung werde die enorder lichen Maßregeln ergreifen, um eine Ausbreitung zu verhindern, namentlich bie tnfictrten Ortschaften durch einen SanitatScordon absperren. . .. .
London 14 April. Das Oberbaus nahm die Antwort Adrepe aut bie htnig liebe Botschaft, 'die Cinberufung der Reserve betresiend, abstimmuiigslos an. Derdv erklärte, die Telegraphenverbindung mit Hongkong fei eine zweifache, über Rußland und über Singapore und sianzösifches Gebiet. Tas Project einer birecten Verbindung zwischen Singapore und 5?ongkong werbe erwogen. Die Marinebeborden erkennten die Nützlichkeit an, aber glaubten, dieselbe sei überflüssig; eme Cnttcheidung sei noch nicht getroffen. Carnarvon betont die Rothwendigkeit, das unterseeitche Kabel zu schützen, und glaubt, Rußland bereite eine Zerstörung des Kabels vor. Rorthbrooke bedauert die öffentliche Aufwerfung einer so bclicaten Frage; die Regierung werde die Verantwortlichkeit für die Aufrechterhaltung der Telegrapbenverbindung mit dem Osten
Lokale».
Gießen, 15. April. Se. Königliche Hoheit der Großherzog von Hessen h \ gestern Abend mit Zug 7» Uhr hier an und reifte mit Zug 7« Ubr weiter nach Zell Romrod zur Auerhahn-Balz.
E. R. Berlin, l 4. April. MeichStag.l Der Reichstag bat heute nach den Oster- feiertagen wiederum Sitzung gehabt. Zunächst gab eS eine Ueberraschung'. Tie'IRan datSniederlegung des Herrn von Schorle mer-Alft, welche mit Gesundheitsrucknckten motivirt mar. Es machte einen eigenthümlichen Eindruck, daß man unnuttelbar nach Entgegennahme dieser Meldung in der Berathung der Zolltarif - Novelle fortfahren mußte, deren vornehmste Stütze der genannte Abgeordnete gewesen.
Die letzte Sitzung vor den Ferien war bei einer Cichorienzoll - Abstimmung an der Beschlußunfähigkeit des Hauses gescheitert. Heute hätte man eigentlich die Ab- stimmung vornehmen müssen, aber man verschob dies , da der Augenschein em nur spärlich besetztes HauS zeigte, dann aber auch, um für eine Einigung über das ^cbicv fal der Eichorie hinter den Coulisscn Zeit zu gewinnen. Dafür verhandelte man die Position Erden, Erze, edle Metalle, Asbest und ASbestwaaren, für welch letztere Seitens der Reichsregierung erhebliche Erhöhungen gefordert werden, gegen die sich der Adg. Brömel an der Hand eines weitsichtigen Materials, unter Vorlegung vieler Muster, erklärte. t ,
Seitens einiger bayerischen Abgeordneten war der Antrag gestellt, aus den „landwärts eingehenden" dement einen Zoll von 0,30 J6 für 100 Kg. zu legen, wogegen sich indessen Staatssekretär von Burchard erklärte, welcher ebenso wie Abg. ichter darauf hinwieü, daß ein solcher Differenzialzoll eine Retorsion gegen Oesterreich bedeute, die leicht eine Erhöhung des österreichischen Zolles zur Folge haben könne. Der Reichskanzler müsse dock nun wohl durch bie neuliche Rede des österreichischen Ministers und inzwischen veröffentlichten Actenstücke darüber tlar geworden fein^ daß die oster reichische Zollnovelle, wenn sie auch zur Zeit zurückgeslellt sei, nur eine Folge des neuen deutschen Zolltarifs sei, man warte in Oesterreich einfach nur die Entscheidung in Deutschland ab und komme nicht eher mit der österreichischen Gegenmatzregel heraus, nm sich daS Odium der Initiative nicht unnothig aufzubürden.
Zu einer Entscheidung kam es beule nicht, da eine beantragte Auszählung des Hauses die Anwesenheit von nur 156 Mitgliedern ergab. Die Sitzung mußte daher wegen Beschlußunfähigkeit des Reichstags abgebrochen werden.
Wäcbfte Sitzung morgen. — Petitionen und kleinere Vorlagen.
Universität»- Chronik.
Professor Dr. Wendt in Kiel ist zum 'Rachfolger Schenkel's als Profetzo der systematischen Theologie in Heidelberg ernannt worden. Derselbe gehört, wir hören, einer milden Vermitteliingsrichtung an. j
— Dem Professor in ber philosophischen Fakultät der Friedrich-Wilhelms in. versitat zu Berlin, Wirk!. Ged. Rath Dr. 0. Ranke, ist der Stern der Comtdm j des königlichen Hausordens von Hohenzollern verliehen.
An Stelle des verstorbenen Präsidenten dcS hannoverschen Landes. 1 sistoriums, Staatsminister a. D. Lichtenberg, ist der Geheime jufturatb 4 •r sessor Dr. Mejer zu Göttingen, Mitglied Staatsratbes, zum Pranoe ernannt worden. h,
- Dem Professor Geldner an der Univerntat uhingen mar von v Akademie der Wissenschaften in Wien bei Auftrag geworden, eine auf $flnol®r Material gestützte Herausgabe der „Avesta" -- früher gewöhnlich Zend Avesta ge während 8end die unter den Sassaniden enftanbene Uebersetzung der AveNa ‘ 1 zu besorgen. <Bekanntlich ist bie Avesta die Heilige schritt bei' Banen,die Bide irani'chen Landesreligion.) Die Parsenpriefter haben nun ihre bisher .
Handschriftenschätze von unermeßlichem Wertbc dem Herausgeber fleofriiet un A» Kisten voll Manuscriptc an Professor Geldner nach ^ubingen gelendet < '-It {
kennung dieser für die Avesta - Forschung nnickätzbaren L iberalität bat die . , Tübingen den hochgebildeten Cberprii üer der Par11 1 emeinbe 4 Dastur Zamaspij Minocheherji Zamaap Asant, '"M Doctor nonon- oaoaa ernenn . - Die Berufung des Geb. Regierungsratbes Dr. Rohen Koch, des c mb . be*^ Schwind'uchtSbazillus und des Cdoleravilzes, zum ordentlichen Kröte
nicht vergessen. t ,
— Unterhaus. Gladstone erklärte, die Regierung hatte von Lumsdm feine Bestätigung der Nachricht von dem weiteren Vormärsche der Russen erhalten. Von Petersburg sei heute eine-Mittheilung cingcgangeii, worin beiläufig die Verficheruna er neuert wird, daß ein solcher Vormarsch noch den Intentionen und Befehlen ber rusftfchen Regierung nicht stattsinden werde. . .
London, 14. April. sReuter-Meldui.g.s Die Admiralität beschlog, beule Aach mittag noch 4 Schiffe der Handelsmarine als Kreuzer auszurüsten. Zwei berieiben sollen für die australische Station verwendet werden. Die Zahl der Kriegsschim, welche für den actioeii Dienst in Dienst gestellt werden, ist so groß, daß zur Besetzung aller OfficierSstellen Reserveofsiciere der Marine herangezogen werden müssen.
— Die „Times" will im Gegensätze zu anderen Vttttheilungen wiffen, die Ge rächte von einem Vorstotze des Generals Romaroff länas Kuschk- und Murghabfluffes seien zutteffend, unweit Zulsiear werde ein Zusammenstoß der Russen und Afghanen erwartet, wenn ein solcher nicht etwa bereits ftattgefunben habe. lieber bie Verhand lungen mit dem Emir von Afghanistan erfährt die „Times", der Emir erhalle keine (irtrafubfibie, habe eine solche auch nicht beansprucht. Für den Durchmarsch ber eng tischen Truppen durch Afahanistan sei eine endgültige Abmachung nicht getrauen, wenn die Nothivendigkeit dazu eintrete, werde das Land aber England offenfteben. Vorb Tuffcrin sei von der aufrichtigen Gesinnung des Emirs vollständig überzeugt.
— Der „Pall-Akall-Gazette" zufolge wäre feit dem gestrigen Cabinelsrathe die Hoffnung auf eine Lösung der bestehenden Schwierigkeiten in der afghanischen Frage nicht gestiegen, doch sei kein Grund, die Situation als eine hoffnungslofe anzufeben.
— Eine zweite Ausgabe der „Times" enthält ein Telegramm aus Hongloi ü vom heutigen Tage, nach welchem in den Verhandlungen zwischen Frankreich unb Chma Schwierigkeiten eingetreten sein sollen. _ .
Dublin, 14. April. Der Prinz unb die Prinzessin von Wales sind geltem Nachmittag nach Cork ahgereifi. Taufenöe von Menschen befanden sich auf den 3traben, um das prinzliche Paar auf der Fahrt nach dem Bahnhöfe zu begrüßen. Einige Minuten ehe der königliche Wagen das Rathhaus pasfirle, traf ber Vorbmanor C^onnor ein und würbe mit Schreien und Pfeifen empfangen. Er begab sich auf bie Freitreppe des RathhauseS und beantragte „drei Hurrahs" für Parnell" Einige entsprachen diesem Wunsch, doch fand derselbe keine aUgcmeinc Zusttmmung. 4,er I Prinz und die Prinzessin von Wales wurden bei der Vorbeifahrt auf daß .'.vu lichstc begrüßt. - Rach einer Meldung aus Mallow hatte sich gestern em Hamen Rationalisten unter Führung mehrerer Deputirten auf dem dortigen Bahnboik vei sammelt, um gegen das Prinzenpaar bei dessen Durchreist nach Cork eine feindlcUge I Kundgebung vorzunehmen. Die von der Polizei auS dem Babnbofe vertrieberur. Rationalisten rotteten sich in der Nähe deS Bahnhofs zufammen und empnngen da. Prinzenpaar mit Zischen und Geschrei. In Cork selbst würben gestern Abend von den Nationalisten die Fenster der Häuser eingeschlagen, auf welchen tu Ehren des prmz liehen Besuches Fahnen auSgesteckt waren. Die Polizei intervenirtr unb ntachte dem I Unfug ein Ende. . , Ä..
Suakim, 14. April. Die Italiener befetzten Arosali an der Anneslen Bucht und hissten die italienische Flagge neben der egnptischen auf.
G. Gießen, 15. April. ^Sterblichkeit in Gießen.j Die Sterblichkeit während der Woche vom 5. bis 11. April wieder eine etwas erhöhte, da tm Ganzm 13 Todesfälle zu verzeichnen waren. Hiervon ereigneten sich 8 bei erwachsenen Perfoner 5 bei Kindern. Von den Erwachsenen starben an Lungenschwindsucht 3 Personen, ar Rückeiimarkentzündung 2 Personen, an Lungenentzündung, Herzkrankheit, Gewirr ennünbung je eine Person. Drei ber Kinder erreichten nur an Alter von emitrn Monaten unb starben 2 derselben an Darmcatarrh, eins an Keuchhusten. Em KinC von 2 Jahren erlag acuter Lungenschwindsucht unb ein Knabe von • Jahren bei Diphtherie. l .!wl l
Gießen, 15. April. Ehemalige, gut renommirte Mitglieder der 4. trcctioi Br autlecht u. Schöler mann beabsichtigen Mitte nächster Woche in ttzießen ewi ober zwei Soirßen zu veranstalten. An derselben betheiligen sich die Herren W Schöler mann als Recitator, H anS Schreiner als Tedamator, »V l Sau ermann als Flötenvirtuose, Gustav Rickelt als Komiker und ein Pianist
einer qewiff-n väterlichen Sorgfalt für s,ine oofiraftn sorgt und sich um bu _ge< rinaften Details ihres materiellen Wohlergehens bekümmert. Aolge denen ist General de Courcy bei der Truppe ungemein beliebt und hat dieielbe grotzes Vertrauen zu ihm als Führer. General Bribre d- l'Iile dürste wahrsch-inlich unter dem neuen Ober Commandanten ein Dioisions-Commando behalten; hm- argen wird General Negrier znrückberufen werden. Nach Berichten aus Tong- kma haben in den letzten Tagen sowohl bei Chu als auch bet Hong'Hao einige kleine Zusammenstöße mit chinesischen Truppen stattgefunden. Die Chinesen scheinen also noch keine Lust zu haben, die Femdseltgkeiten einzustcllen.
Heber die Vorgänge am Kuschkflusse veröffentlicht der russische Neaier.-Anz." jetzt einen längeren Bericht des General Komarost an den Kriegs- Minister. Aus demselben geht allerdings hervor, daß dte Ruffen erst durch die Afghanen zum Angriffe provocirt worden sind und daß der afghanische Truppenführer es trotz zweimaliger Aufforderung des Generals Komaroff, das Unke Ufer des KufchkfluffeS und das rechte Ufer des Murghab bis zur Ctnmundung deffelben in den Kuschkfluß zu räumen, abgelehnt habe, diesem Verlangen nach' zukommen. Das „Journal de St. PöterSbourg" erblickt m diesem Ber chte die vollkommene Rechtfertigung Komaroff'S; im Uebngen weift das ofstctöse Blatt darauf hin, daß sich Gladstone mit rühmenswerthem Eifer beeilt habe, dte un- freundlichen Worte zu berichtigen, die er im Anfang au die Adrepe Rußlands gerichtet habe. Zur Lage selbst verzeichnen wir die nachstehenden Meldungen.
Reuter'S Bureau" meldet: Die englischen Geschwader in China und Australien sollen durch Panzerschiffe vetstärkt werden. Behufs der Vervollständigung der Ausrüstung der neuen Kreuzer „Amerika" nnb „Oregon" arbeiteten mehrere Werkstätten des Arsenals Woolwich auch am eonntag. — Als ^efehlshaver ves zu bildenden Ostsee.Geschwaders wird Admiral Hornby genannt. Nach den im englischen Kriegsministerium ausgestellten Anschlägen würden für den Dienst im Auslände 52,672 Mann aller Waffengattungen disponibel sein. Em Cor- respondent des „Standard" bei Sir Peter Lumsden, dem englischen Grenz- Commiffar in Afghanistan, telegraphirt aus Ttrpul: Am ds. erhtelten wtr die Meldung, daß die Russen dem User des Murghabflupes entlang vorrucken. Eine anderweitige Bestätigung liegt noch nicht vor.
Darmstadt, 14. April. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben Alleranädigst geruht: r . , .. -
Am 2. d. Mts. die in Folge desfallsiger Vereinbarung der bewen Kam» mern der Stände diesmal von der ersten Kammer vorgenommenen Wahlen des landständischen Personals bei der Staatsschulden-Commission, nämlich
des Ministerial-Präsidenten i. P., Wirkt. Geheimeraths August Schleiermacher zu Darmstadt, als ständisches zweites Mitglied der Staatsschulden-Commission,
des Geh. Commerzienrath« Wilhelm Heyl zu Worms Mm Stellvertreter dieses zweiten ständischen Mitgliedes der Staatsschulden- Commission, _ . :rx
des Ministerial - Registrators i. P. Ludwig Augst als ständischen Controleur der Staatsschulden-Commission, 4 _
des Rechnungsraths Joseph Jäger zum Stellvertreter drese» für die 3eitntDomri'. April 1885 bis 31. März 1891, landesherrlich zu bestätig^ ftöitigt. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht;
Am 8. April den Docenten für Electro-Technik an der technischen Hochschule, Proseffor Dr. Erasmus Kittler, zum ordentlichen Professor für dieses Fach an der technischen Hochschule, mit Wirkung vom 1. April d. Js. an, zu ernennen.
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