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Meßmer Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für dm Kreis Gießen.
BchutOraße 7.
Erscheint tÄ«li<Ü mit »«Sn<chmr M 9t
9teil vierteljährlich 2 Start 20 Pf. mit Bringerieta. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Start 50 Pr
Amtlicher Hheit.
Betreffend: Die Herstellung eines Sachregisters zum Großherzoglichen Regierungsblatt. Gießen, am 11. Juli 1885
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Großherzoglieben Bürgermeistereien und die Kirchen-Vorstände des Kreises.
-in der Verlagsbuchhandlung von I. Diem er zu Mainz ist soeben erschienen ein: „Neues allgemeines Sackregister zu der Sammlung <9eo8b Keffiscker Verordnungen vom 13. August 1806 bis zum 1. Jugi 1819 und dem GroHH. Hesstschen Regierungsblatt vom . bi« Ende des Labres 1884", bearbeitet von Friedrich Pfaff, Rechtsanwalt in Darmstadt. ~ ... t
Da dieses Sachregister, welches in zweckmäßiger Weise zusammengestellt ist, einem bestehenden Bedürfnisse abhilft und das Autsmden der emschlagenden aesetzlichen Bestimmungen wesentlich erleichtert und an die Behörden, Bürgermeistereien ec. zu dem Preise °°n4 M. 50 st-» des Ladenprehes von abgegeben wird, empfehlen wir Ihnen dringend dessen Anschaffung mit dem Bemerken, daß d.e Bestellung innerhalb vierzehn Tagen bei «ns erfolgen kann. Dr, Boekmann.:_
«Betreffenb: Den Erlaß eines Ortsbaustatutes für die Gemeinde Daubringeu.
Bekanntmachung.
soll, wenn an ersterer Straße alle Bauplätze bebaut sind. Gießen, den 11. Jicki 1885.
Grobherzogliches Kreisamt Gießen.
_____Dr. Boekmann.__
Auf Grund des Artikels 2 der allgemeinen Bauordnung vom 30. April 1881 und der § 3-9 der Verordnung über Ausführung derselben vom 1. Februar 1882 ist durch Beschluß des Gemeinderathes vom 18. April 1885 mit Genehmigung Großherzogllchen MrnistermmS des Innern unb bet ^ustrz üönr 7. Juli 1885 zu Rr. 16170 zu Artikel 20 der allgemeinen Bauordnung und dem genehmigten Ortsbauplan vom 8. April 1885 nachstehendes Ortsbaustatut errichtet worden: Einziger Paragraph.
Mr die Erweiterung des-Ortes ist zunächst die Straße „auf der Haid" (a-b und c-d des Ortsbauplans) vorgesehen und zur Bebauung geöffnet, wogegen die senkrecht zur Straße auf der Haid projeetirte Straße erst dann, und zwar in der Richtung von Süd nach Nord, zum Bebauen eröffnet werden
Grobherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Boekmann.
worden ist.
Gießen, am 14. Juli 1885.
Bekanntmachung.
Auf Ersuchen Grobherzoglichen Forstamts Ärünberg bringen wir zur öffentlichen K'enntniß, 'daß dessen Bureau wieder nach Güinberg verlegt
Politische Ueberstcht.
Gießen, 14. Juli.
Nach den nunmehr feststehenden Reisedispositionen verläßt Kaiser Wilhelm Ems an diesem Dienstag, den 14. Juli, um zunächst einige Tage an der Seite seiner erlauchten Gemahlin in Koblenz zu verbringen. Von Koblenz aus erfolgt dann die Weiterreise nach Gastein, die j.'doch in Karlsruhe und auf der Insel Mainau eine Unterbrechung erfährt. In Gastein erfolgt die Ankunft des Kaisers Wilhelm am 21. Juli; seine Zusammenkunft mit Kaiser Franz Josef wird zwischen dem 12. und 15. August stattfinden und zwar voraussichtlich in Ischl.
Die europäische Diplomatie hat ihre Sommer-Siesta ange- treten und die politischen „Hundstage" haben somit ihren Anfang genommen. Fürst Bismarck weilt bereits seit einigen Tagen in Varzin, seinem Pommerischen Tusculum und man darf demnach annehmen, daß der politische Horizont für die nächste Zeit ein heiteres Antlitz zeigen wird, denn sonst würde derjenige Staatsmann, in dessen Händen schließlich die gejammten so vielfach verschlungenen Fäden der europäischen Diplomatie zusammenlausen, sich wohl noch nicht in die Stille des Landaufenthaltes zurückgezogen haben. In der That herrscht auch bezüglich der die hohe Politik am meisten bewegenden Fragen gegenwärtig absolute Windstille; dies gilt namentlich hinsichtlich der afghanischen Grenz- Affaire, über welche die Verhandlungen zwischen England und Rußland zur Zett vollkommen ruhen, wie aus den neulichen Erklärungen Lord Salisbury's im englischen Oberhause zu entnehmen ist. Auch die verschiedenen Seiten der egyp- tischen Frage tragen gegenwärtig ein ziemlich monotones Aussehen zur Schau, lwchstens die Suezkanal-Frage dürfte etwas mehr in Fluß kommen, wenigstens sollen dem englischen Parlamente demnächst hierauf bezügliche Actenstücke zugehen. Wenn somit Fragen von allgemeinerem politischem Interesse Europa augenblicklich nicht beschäftigen, so ist dafür eine andere Angelegenheit geeignet, die allgemeine Ausmerksamkeit aus sich zu ziehen: die von Spanien her drohende Choleragejahr. Daß die Epidemie auf der PyrenäemHalbinsel immer weiter um sich greift, läßt sich nicht mehr leugnen und so tritt zunächst für den Nachbarstaat Spaniens im,Osten, für Frankreich, die ernste Pflicht heran, der drohenden Weiterverschleppung der Seuche nach Frankreich und dem übrigen Europa durch geeignete Gegenmaßregeln möglichst vorzubeugen. Bis jetzt scheint sich die französische Negierung daraus beschränkt zu haben, an den von Spanien nach Frankreich führenden Wegen, sowie an den Eisenbahn-Stationen an der spanisch- sranzösischen Grenze Beobachtungs-Posten und Landquarantaine-Anstalten einzurichten. Vielleicht werden die aus Spanien einlausenden beunruhigenden Cholera- Bulletins die französische Regierung doch zu etwas ausgedehnteren Maßregeln veranlassen. Freilich, eine vollständige Grenzabsperrung würde sich als eine ebenso unnütze wie vexatorische Maßregel erweisen, wie die vorjährige Cholera-
Epidemie bewies, welche vom südlichen Frankreich die Alpen überstieg und in Italien eindrang, ohne daß der italienischerseits gezogene Militär-Grenzcordon dies hätte verhindern können. ,
In den Angelegenheiten der inneren Politik bildet das Sitzungsprotokoll des braunschweigischen Landtages vom 20. v. Mts. noch immer den Gegenstand eingehender Betrachtungen Seitens der Presse, wozu der Mangel an andern geeigneten Thematas das ©einige mit beitragen mag. Die Ver- öffentlichung der vertraulichen Briefe, welche der Herzog von Cumberland an die Königin Victoria von England und an den verstorbenen Herzog von Braun- schweig gerichtet hat, dient nur dazu, die ganze durch die Cumberland-Affaire geschaffene Situation noch mehr zu klären. In diesen Briefen spricht es der Herzog von Cumberland mit einer geradezu erstaunlichen Naivetat aus. Daß er auch als Regent des braunschweigischen Staates niemals auf seme Ansprüche auf Hannover verzichten würde und dieses Bekenntniß ist wohl dw ölanMdste Rechtfertigung, für den Bundesrathsbeschluß, welcher den Herzog Ernst August für immer von der Thronfolge in Branschweig ausschließt. Mag nun der welfische Thronprätendent von seinem selbstgewählten Exrl Gmunden aus ferne reichsseindliche Agitation fortsetzen und seine Ansprüche auf Hannover und Braunschweig weiter verfechten — er ist für immer aus Der Reche Der deutschen Fürsten verbannt und das deutsche Volk hat nunmehr erkennen gelernt, dqb diese Verbannung eine politische Nothwendigkeit war. Eine andere Affmre, welche die deutsche Presse in der letzten Zeit ebenfalls lebhaft beschäftigte, diejenige des Paderborner Studien-Erlasses, hat jetzt endlich ihren Abschluß erreicht. Ein Artikel des „Moniteur De Rome" über Die Vorgänge in Paderborn bezeichnet die Angelegenheit als erledigt und schließt mit den Worten: Die Zurückziehung und Die Auseinandersetzung Des General-Vicariats beendigen einen Zwischenfall, dessen Wichtigkeit und Bedeutung von den Zeitungen über- trieben worden ist." Hoffentlich nimmt sich dies besonders die „Germania' zu ^^Dem Czechenthum ist Seitens der österreichischen Regierung roieber eine neue Concession gemacht worden. Dr. Martin Rziha, Professor am Theo- logen-Seminar zu Budweis, ist zum Bischof von Budweis ernannt.worden. Dr. Rziha ist ein eifriger Anhänger der czechischen Partei und er wird teden- falls den ganzen weittragenden Einfluß seines neuen Amtes aufbieten, um der czechischen Sache auch im südwestlichen Böhmen zum Durchbruch unbjum * lieben Sieg zu verhelfen. Gerade hier findet der neue Bischof das Feld für seine ohne Zweifel in dieser Beziehung zu erwartende Thatigkett schon^emUch geebnet; z. B. war die Stadt Budweis selbst vor einigen Jahrzehnten noch säst qam rein deutsch und heute gehören von den Einwohnern 40 pCt. der czechi- sch-n Nationalität an - gewiß ein eclatanter Beweis für d.e s°r schrmen - Czechisirung Böhmens. - Die Wiener M.mster-Conferenzen haben noch tn voriger Woche ihr vorläufiges Ende erreicht, um sodann im kommenden Herbste


