Nr. 160
Dienstag den 14. Juli
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ichener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Erscheint t-Ottch mtt M «BNiNOs
t vchulstraße 7.
Preis vierteljährlich 2 Mar? 20 Pf. mit «rin-erieh»
Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Marl SO Pf.
Oesterreich.
Prag, 11. Juli. In Tachau sind in verflossener Nacht 26 Häuser, worunter das Rathhau», die Domänen-Direction uno das Rentamt, sowie die Finanzwachkaserne abgebrannt. In dem bei Tachau gelegenen Dorfe Ulliersreitz
Deutschland.
Darmstadt, 10. Juli. Das Amtsblatt der Großh. Ministeriums der Innern und der Justiz, Section für Justizverwaltung, Nr. 27, enthält Ausschreiben an die Justizbehörden, insbesondere die Ersten Staatsanwalte, die Untersuchungsrichter und die Amtsgerichte d. d. Darmstadt, am 2o. Juni 1885, betreffend: Die Seelsorge und die Einrichtung periodischer Gottesdienste in den Promnzial-Arresthäusern und Haftlocalen. n ,
(Sm-, ii. Juli. Se. Maj. der Kaiser machte gestern Abend eine Aus- fahrt und besuchte dann das Theater. Heute trank Allerhöchstderselbe zum ersten Male einen Becher am Kesselbrunnen, machte darauf eine Spazierfahrt und nahm später die Vorträge des Hosmarschalls, Grasen Perponchcr, und des Generallieutenants v. Albedyll entgegen. „ .
Berlin, 9. Juli. In der letzten Zeit haben sich bet dem auswärtigen Amt die Gesuche um amtliche Vermittlung der Geltendmachung von Ansprüchen ans Erbschasten, welche in den Niederlanden ruhen sollen, in erheblicher Werse vermehrt. Hierbei ist es öfters zu Tage getreten, daß von den vermeintlichen Erbberechtigten zur Begründung ihrer Ansprüche nicht unbedeutende Kosten aus« gewendet wurden, auch sind nicht selten dergleichen Ansprüche zur Verubung von Betrügereien benutzt worden, welche vielfach eine bedeutende Vermögens Beschädigung der Getäuschten zur Folge hatten. Sowohl in dem Königreich der Niederlande selbst wie tn den indischen Kolonieen verjähren die Ansprüche aus Erbschasten in 30 Jahren von dem Tage der Eröffnung der Nachfolge, und diese tritt sowohl bei der gesetzlichen, wie bei der testamentarischen Berufung mit dem Augenblick de« Todes de« Erblasser« ein. Bezüglich de« Königreichs der Niederlande selbst und aller bis zum Jahre 1811 in die Verwaltung der ehemaligen Waisen- und Vormundschafts-Kammern gelangten Vermögensmaffen und Erbschaften ist aber seit dem Jahre 1880 überhaupt jeder Anspruch ausgeschlossen Durch Gesetz vom 5. März 1852 wurde nämlich eine Commisston eingesetzt, welche diese Massen und Erbschasten zu liquidiren hatte. Dieselbe hat zusoige Art. 8 de« erwähnten Gesetzes die vorgeschriebenen Aufgebote im Niederländischen Staats-Anzeiger ergehen lassen. Denen, welche sich rechtzeitig auf Grund dieser Aufgebote gemeldet halten und ihre Berechtigung nachweisen konnten, wurde dec ihnen gebührende Erbantheil ausgeantwortet. Nach Ablauf der gesetzlichen Frist von 5 Jahren wurde sodann der verbleibende Rest dieser Massen dem niederländischen Staate überwiesen. Im Jahre 1880 hat die Commission ihre Aufgabe erledigt. Und seit dieser Zeit ist in Bezug auf die erwähnten Massen und Erbschasten jeder Anspruch endgültig und unwiderruflich ausgeschlossen. Seit dem Jahre 1811 sind in dem Königreich der Niederlande überhaupt keine Nachlassenschaften mehr bei den Waisenkammern eingebracht.
Berlin, 10. Juli. Auch in diesem Jahre ist die Heranziehung von Soldaten zu Ernte-Arbeiten gestattet und die Truppentheile sind deshalb ermäch- ligt, nach Möglichkeit den Gesuchen zu entsprechen. Solche Gesuche sind rechtzeitig an die Regiments-Commando« mündlich oder schriftlich unter Angabe dec Zahl der gewünschten Arbeiter und der Zeit, für welche dieselben verlangt werden, zu richten. r
— Das Auftreten der Cholera in Spanien hat unsern Behörden bereu« zur Anordnung von Abwehr-Mahregeln Veranlassung gegeben, und so heißt e« denn in einer Regierungs - Präsidialversllgung, daß da« Wiederaustreten dieser Krankheit im südlichen Europa eine weitere Verbreitung derselben befürchten lasse. So soll namentlich für die Beschaffung guten Wassers, Reinhaltung der Straßen, Straßenrinnen und Hosräume, Regelung de« Wasserabflusses, Desinsection der Dung- und ähnlicher Orte, Beseitigung anderer Träger der Krankheit gesorgt und die Polizeibehörden veranlaßt werden, die zur Abstellung gesundheitswidriger Zustände erforderlichen Maßnahmen nöthigenfalls im Zwangsoerfahren durchzuführen. Tiefe Anordnungen beruhen auf Minifte- rial-Verfügungen.
— Da» Reichspostamt beabsichtigt auf Wunsch der Seewarte, em besondere« tägliches Wetter-Telegramm auszugeben und im Interesse der Küsten- bevölkerung gegen Vorausbezahlung fester Gebühren zu verbreiten. Da« chiffrirt erscheinende Telegramm wird die Beobachtung von sieben in Großbritannien und an der Nordsee belegenen Stationen, sowie von vier Ostsee-Stationen enthalten.
, — lieber die Schädlichkeit des Fleisches von perlsüchtigem Rindvieh haben die Minister der Medicinal- u. s. w. Angelegenheiten und für Landwirthschast bemerkt, daß eine solche in der Regel dann anzunehmen ist, wenn das Fleisch Perlknoien enthält, oder da« perlsüchtige Thier bereit« Abmagerung zeigt, auch ohne daß sich Perlknot-n im Fleische vorfinden, während anderseits da« Fleisch für genießbar zu erachten ist, wenn bei einem Thiere ausschließlich in einem Organ Perlknoien vorkommen und dasselbe sonst noch gut genährt ist. Die Frage, ob das Fleisch von perlsüchtigem Vieh für verdorben zu erachten sei, dezw. gegen da« Strasrecht und Nahrungsmittel-Gesetz verstoße, fällt der richterlichen Entscheidung anheim und wird in jedem einzelnen Falle von Sachverständigen zu prüfen sein.
sind gestern 13 Bauernhöfe abgebrannt, wobei eine Bäuerin verbrannte. Ein Bauer wurde schwer verwundet.
Arankrcich.
Pari», 10. Juli. Die zur Abwehr der Cholera-Invasion von der französischen Regierung bereit« vor längerer Zeit getroffenen Control-Maßregeln in den Miltelmeer-Häsen und längs der Pyrenäen-Grenze haben soeben eine bedeutsame Erweiterung gefunden in der handelsministeriellen Verfügung, krajt welcher äus den aus Spanien nach Foix, Toulouse und Perpignan führenden Wegen ärztliche Beobachtungsposten eingerichtet werben sollen. Es scheint danach saft, al» hege man in Paris ernstere Befürchtungen und verzweifle daran, ob es, Angesichts des stetigen Fortfchreilens der Seuche auf der Pyrenäen-Halbinsel, aus die Dauer möglich sein werde, die Cholera von dem eigenen Gebiet gänzlich fern zu halten. Denn die Errichtung der gedachten Beobachtungs-Stationen auf der französischen Seite des Pyrenäen-Gebirge« hat zu stillschweigender Vor- aussetzung die Eventualität der Grenzüberschreitung der Seuche, und den Zweck, sie wenigstens gleich beim ersten Ertapptwerden auf sranzösischcm Gebiete mit allen Hülssmrtteln der Fachwissenschaft möglichst im Entstehen zu unterdrücken. Der nach Spanien zu Studienzwecken entsandte Fachgelehrte Dr. Brouardel scheint dort, auch abgesehen von der Weigerung Ferran'», ihn in sein Cholera- Jmpsverfahren einzuweihen, bedenkliche Erfahrungen gemacht zu haben, und wird man wohl kaum sehlgehen, wenn man annimmt, daß die Eingang« erwähnte 'Verfügung des Handelsministers wesentlich mit auf Grund des Brouardel'fchen Berichtes erlassen worden ist. Mittheilungen, welche Dr. Brouardel über seine spanischen Reise-Erlebnisse im Schooße der Pariser medicinischen Akademie erstattet hat werfen auf die Zustände jenseits der Pyrenäen ein schlimmes Licht. Klingt es impstechnisch, schon mindestens besremvlich, daß, wie er, Brouardel, erzählte, Dr Ferran täglich zwei Cubikmeter (!) Lymphe verbraucht, und daß, was die sranzösischen Aerzte von seinem Verfahren zu sehen bekamen, ihnen nicht neu war, und was ihnen neu war, sie nicht zu sehen bekamen, so hört es sich kaum tröstlicher an, daß eine verläßliche Cholerastatistik in Spanien absolut nicht existirt. Es giebt keine Zählung der Krankheitsfälle, die Behörden der befallenen Ortschaften 'geben auf Fragen entweder gar keine ober eine absichtlich unrichtige Auskunft. Beerdigungen werden nur bei Nacht vorgenommen, um den Schrecken der Lebenden nicht noch zu vermehren; Niemand kann daher genau.sagen, wie es um die Cholera in Spanien eigentlich steht, eine Sachlage, die natürlich nur dem Pessimismus Vorschub leistet. Unter so bewandlen Umständen ist es freilich kein Wunder, wenn den Franzosen die spanische Grenznachbarschaft vom sanitä- ren Gesichtspunkte aus tagtäglich unheimlicher wird.
Pari», 11. Juli. Eine Depesche des Gouverneurs der Kolonieen am Senegal vom 9. b. Mts. meldet, die Franzoien seien am 31. Mai d. I«. am oberen Theile des Flusses zwischen Niagassola und Tignire von den Eingeborenen angegriffen worden, er habe Verstärkungen abgesandt, und die Eingeborenen seien zurückgeschlagen worden. Am 22. v. Mts. hätten die Schwarzen einen abermaligen Angriff auf die Franzosen gemacht und eine neue Niederlage erlitten. Die sranzösischen Truppen seien jetzt, nach Ergänzung ihrer Proviant- und Munilions-Voriäthe, ausmarschirt, um den Führer der Aufständischen, Samovi, . vollständig zu vernichten. ,. ,.
— Ein Telegramm des Gouverneur« von Cochinchina vom 9. o. Mts. constatirt, daß im Norden von Cambodscha, wo sich der Hauptherd des Aufstande» befunden habe, nach den von den französischen Truppen erzielten Erfolgen die Ruhe vollständig wieder hergestellt sei, die meisten Führer der Ausftändischen hätten sich unterworfen, der Norden und Osten von Cochinchina sei seit dem Ende des Monats Mai vollständig pacificirt. .
— Depeschen aus Marseille zusolge hat im Lager von PardeslannerS die Zahl der typhusartigen Krankheitsfälle zugenommen. Es wird schleunige Aufhebung des Lager» beantragt.
Spanien.
Madrid, 11. Juli. Canovas verlas heute im Senat und in der Kammer ein Dekret, welches die Cortes-Sitzungen vertagt.
Wußland.
Kronstadt, 11. Juli. Der Kaiser und die Kaiserin sind von ihrer Reise nach den finnischen Schären heute zurückgekehrt.
Astindien.
Simla, 11. Juli. (Reuter - Meldung.) Die indische Regierung erhielt von London aus die Versicherung, daß Die Unterhandlungen zwischen Rußland und England einen guten Fortgang nehmen.
Aegypten.
Kairo 11 Juli Ein Telegramm de» General« Brackenbury au« Fakmeh vom '10. d. Mts. meldet, er habe den Brief «ms Kaufmann« in Handak erhalten, welcher besagt, der Mahdi > tobt feine Anhänger befanden sich im Kampfe mit einanber. Nach einem wetteren> Telegramm Brackenburys von beute ist ein eqyptischer Soldat aus der Flucht m Fatmeh emgetroffen, welcher am 1. d. Mts^einen Araber aus Khartum in Dbudom getroffen haben will, der den Tod des Mahdi bestätigt habe.


