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Berlin. Das Finanzministerium hat, wie man mittheilt, die Handelskammern angewiesen, die Gewerbtrelbenden aus folgende in der Sitzung vom 16. April d. Js. gefaßte Bundesraths-Beschlüsse zum Sperrgesetz aufmerksam zu machen:
1) Die unter Nr. I 1 des Beschlusses des Bundesraths vom 20. Febr. t>; Js. (vergl. Bekanntmachung vom 20. Febr. d. Js., Centralblatt Seite 30) getroffene Anordnung, daß der frühere geringere Zollsatz aus Grund eines vor dem 15. Jan. d. Js. abgeschlossenen Vertrages nur dann in Anspruch genommen werden kann, wenn durch diesen Vertrag die unmittelbare Lieferung der Waare nach dem Zoll-Jnlande bedungen mordest ist, dahin zu beklariren, daß, abgesehen von den sonstigen Bedingungen, die Bestimmungen des § 1 Absatz 2 des Gesetzes vom 20. Febr. d. Js. (Reichsgesetzblatt Seite 15) auch auf solche Maaren Anwendung finden, welche über Häfen oes Zoll-Auslandes eingesührt werden, wenn der Nachweis erbracht wird, daß aus der Zeit vor dem 15. Jan. d. Js. Thatsachen vorliegen, aus welchen hervorgeht, daß die Maaren schon damals zur Einfuhr in das Zoll-Inland bestimmt waren;
2) die Prüfung der Thatsachen, aus welchen hervorgehen soll, daß die Maare schon vor dem 15. Jan. d. Js. zur Einfuhr in das Zoll-Inland bestimmt war, im einzelnen Falle den obersten Landes-Finanz-Behörden zu übertragen;
3) daß die in Rede stehenden Sendungen bei der Umladung in den ausländischen Häsen weder eine Lagerung, noch uncontrolirte Umpackung erfahren dürfen.
Gießen, 13. Mai. Anknüpfend an die amtliche Bekanntmachung in Nr. 106 b. Bl. (8. Mai), Vertilgung der Blutlaus betreffend, glauben wir den Wünschen der Obstbsuinbesitzer entgegen zu kommen, wenn wir hiermit ein bewährtes, bereits am 13- April 1879 veröffentlichtes Mittel zur Vertilgung derselben nochmals zum Abdruck brimgen nnt) hoffen auf allseitige Beherzigung desselben.
Die Blutlaus oder wolltragende Apfelbaum-Rindenlaus, Schizoneura (Aphie) ian igera, gehört zur Familie der Blattläuse (Aphidina), von welch' letzteren sie sich
UniverfitätS- Chronik.
Bonn, 9. Mai. Gesterm Nachmittag gegen 2 phr verstarb Hierselbst der Professor der Mineralogie und Paläontologie Dr. Karl Justus Andrae. Geboren am 1. November 1816 zu Naumburg a. d. S., studirte er in Breslau und Halle und ivar nach vollendetem Studium zunächst an den naturwissenschaftlichen Sammlungen hu Halle unter Germar und Burmeffter thätig. Nachdem er sich daselbst für das Fach der Mineralogie und Paläontologie niedergelassen, unternahm er eine längere Reise durch Ungarn, Siebenbürgen, die Militärgrenze, um die aeognostischen Verhältnisse dieser Gegenden aufzuklären und ihre Flora kennen zu lernen. Auch in Steiermark hat er geognostische Untersuchungen angestellt und von seinen Reisen ausführliche Berichte, welche sich namentlich auf die Geologie und die Flyra der bereisten Länder beziehen, veröffentlicht. Nach Beendigung dieser Reisen und der zur Verwerthung der gewonnenen wissenschaftlichen Wahrnehmungen verfaßten literarischen Arbeiten siedelte er mach Saarbrücken über, wo er eine Zeitlang als Lehrer der Naturwissenschaften an der dortigen Bergschule thätig war. Von dort berief ihn 1862 der Director des Pöppelsdorfer Museums, I. Nöggerath, als Gustos an die dortigen paläontologischen Sammlungen, welche Stelle er bis zu seiner infolge Kränklichkeit vor 8 Jahren erfolgten Pensionirung bekleidete. Daneben wirkte er als 5)-Ment her Paläontologie und Mineralogie an der hiesigen Universität und der landwirthschaftlichen Akademie zu Poppelsdorf, geschätzt und verehrt, von seinen Zuhörern. Seit 1865 war er auch Lecretär des Naturhistorischen Vereins von Rheinland und Westfalen. Neben kleineren Aufsätzen und Abhandlungen und den vorerwähnten Reiseberichten veröffentlichte er eine geognostische Beschreibung der Gegend von Halle (mit Karte), ein Lehrbuch der gelammten Mineralogie und eine mit Atlas ausgestattete Beschreibung der Steinkohlen- ... ... Ä —- *—Auf dem Gebiete
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jedoch sowohl durch andere Färbung, als namentlich durch die langen, weißen, oder z. Th. bläulichen, wollartigen Fäden unterscheidet, mit welchen sie dicht bedeckt ist, so daß die darunter befindlichen, in größeren oder kleineren, dicht bevölkerten Colonien, beisamnlensitzenden Läuse meistens nicht gesehen werden. Beim Zerreiben lassen die theils dunklen, theils Heller gefärbten röthlich-braunen oder röthlich-gelben Läuse einen blutrothen Saft zurück, von dem sie den vulgären Namen Blutläuse erhalten haben. Wie.bcä allrn Blattlausarten giebt es auch bei den Blattläusen geflügelte und ungeflügelte Thiere, erstere erscheinen aber erst gegen Herbst, während vorher nur ungeflügelte vorhanden sind.
Die Vermehrung geschieht wie bei den anderen ApbiZ-Arten durch Gebühren lebender Jungen, die anfangs lebhaft hin- und herlaufen, sich dann an der Rinde festsaugen und unter mehrmaligen Häutungen bald ihre volle Größe erreichen, um. dann ebenfalls, ohne vorherige Befruchtung, lebende Jungen zu gebühren. Von Frühjahr bis gegen Herbst werden auf diese Weise etwa 8 Generationen erzeugt, wodurch die Vermehrung eine ganz colossale ist und durch eine kleine Colonie in nicht langer Zeit ein großer Baum ganz überzogen werden kann. Die Verbreitung auf andere benachbarte oder auch entferntere Bäume geschieht zum Theil durch die gegen Herbst entstehenden geflügelten Exemplare, die auf kurze Entfernungen weiter fliegen und bei windigem Wetter auch auf größere Entfernungen verschlagen werden und dann neue Colonien gründen, oder z. Th. durch Vögel, welchen Flocken mit Jnsecten an den Füßen hängen bleiben und in größere Entfernungen getragen werden können, wo sie dann manchmal günstigen Boden finden. Die weiteste Verbreitung in ganz entfernte Gegenden und Länder hat aber die Blutlaus wohl durch den Bezug von Apfelbäumen oder Edelreisern aus Gegenden, in welchen das Jnseet heimisch ist, von sther gefunden.
Wahrscheinlich verdanken wir die Blutlaus, wie ihre Verwandte, die Reblaus, Amerika. Zuerst zeigte sie sich in Europa zu Anfang dieses Jahrhunderts in England, kam von da nach Frankreich und später nach Deutschland. Ueberall hat sie sich sehr rasch verbreitet und ist jetzt in ganz Frankreich, einem großen Theil von Deutschland (namentlich in Südwestdeutschland), in der Schweiz und in Tyrol zu Hause und bedroht in diesen Ländern die Existenz der Apfelbäume. Sie lebt, wie dies ihr Name, Apfelrindenlaus, andeutet, nur an Apfelbäumen; sie soll jedoch auch, zwar nur selten, auf. Birnbäumen und auf Quitten schon gefunden worden sein. An den Apfelbäumen richtet sie dadurch großen Schaden an, daß sie an den jüngeren Zweigen und an W.undrändern mit ihrem Säugrüssel die junge Rinde durchsticht und aus dem Splint den Saft aussaugt. Hierdurch entfteht nach diesen Stellen ein vermehrter Saftzudrang, in Folge dessen sich Zellwucherungen unter der Rinde bilden, die schließlich bersten und grind- oder krebsartige Geschwüre erzeugen, welche den zugeführten Nahrungssaft ab- sorhiren und nach und nach das Absterben der Zweige und schließlich der ganzen Bäume herbeiführen, wenn nicht rechtzeitig gegen die Läuse der Vertilaungskrieg geführt wird. Auch am Wurzelhals und den flachgehenden Wurzeln in der Erde kommen sie vor und gehen im Winter selbst tiefer hinab, um während strenger Kälte Schutz zu suchen.
Die Vertreibung der Blutlaus ist nicht so leicht zu bewerkstelligen, sondern erfordert die größte Achtsamkeit und Energie, da, wenn nur wenige Jnsecten Zurückbleiben, dieselben durch ihre starke und rasche Vermehrung bald wieder viele neue Verbreitungsheerde erzeugen. Das einmalige Anwenden von Zerstörungsmitteln ist deshalb selten von Erfolg, da die kleinen Läuse zum Theil in den Knospen- und Blattwinkeln verborgen sitzen oder unter Rindenritzen und halboerdeckten Wundstellen, wo sie oft dem Auge entgehen, oder wo mit den anznwendenden Mitteln nicht gut beizukommen ist. Es sind daher die von Blutläusen befallenen Bäume wiederholt in Zwischenräumen von 14 Tagen bis 3 Wochen nachzusehen und, sowie sich einzelne neue Colonien zeigen, diese sogleich wieder zu zerstören und mit den geeigneten Mitteln zu behandeln. Wenn auf diese Weise in kurzen Zwischenräumen wiederholt die Bäume sorgfältig nachgesehen und gereinigt werden, dann wird es in den meisten Fällen möglich sein, im ersten oder wenigstens im nächsten Jahr dieselben von ihren Plagegeistern vollständig zu befreien.
Die wirksamsten Zerstörungsmittel, die sich bis jetzt mn besten bewährt haben, sind:
1) Schmierseife (grüne oder schwarze) Va Kilo in 8 Lite^ Wasser aufgelöst, 2) starker Weingeist.
Auch werden Carbolsäure (4 Theile mit 100 Theilen Wasserglas vermischt), Petroleum (1 Pfund mit 25 Pfund Wasser vermischt), sowie kaltflüssiges Banmwachs und Leinöl empfohlen; doch sind Carbolsäure und Petroleum den grünen Theilen ktr Bäume zu gefährlich und Vaumwachs und Leinöl können überhaupt nur angewendcL
Erscheint tÄgttch mit Nusnshm« des Mont«gS.
Schulfiraße 7.
Betreffend: Statistische Nachweisungen über das Volksschulwesen im Kreise Gießen.
Gießen, am 9. Mai 1885.
Die Berichte find genau nach vorstehendem Schema unter Beibehaltung derselben Bezeichnungen abzufassen. Dr. Boekmann.
I. Stand der einfachen Volksschule nach Beginn des Schuljahres 1885/86. a. ohne Schulgeld, b. mit Schulgeld.
Zahl der Schulkinder nach dem Geschlecht: a. im Ganzen, b. Knaben, c. Mädchen.
nach dem Bekenntnitz r
a. evangelische, b. römisch-katholische, c. israelitische, d. anderer Confession.
II. Stand der Fortbildungsschule nach Beginn der Schulperiode 1884/85.
Zahl der Fortbildungsschulen:
a. einklassig, b. zweiklasfig, c. dreiklassig rc.;
Zahl der Schüler nach dem Bekenntniß: a. evangelische, b römisch-katholische, c. israelitische, d. anderer Confession, e. im Ganzen.
III. Stand der Erweiterten Volksschulen nach Beginn des Schuljahrs 1885/86.
Mo sich Erweiterte Volksschulen befinden, ist ganz nach Schema I über dieselben zu berichten.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerüch«. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Die Großherzogliche Kreis-Schul-Commission Gießen
an die Schulvorstände des Kreises.
Wir sehen Ihren Berichten in rubr. Betreff bis Ende Mai entgegen und zwar über:
Me. 111 Zweites Blatt Donnerstag den 14. Mai
Amts- und Auzeigebtatt für den Kreis Gießen.


