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noch verwickelter zu werden. Inzwischen wird aus den australischen Colonieen eine Demonstration gegen die englische Regierung gemeldet. Eine zu Mel­bourne abgehaltene große öffentliche Versammlung nahm eine Resolution an, welche das Verhalten der englischen Regierung gegenüber den deutschen Besitz­ergreifungen in der Südsee verurtheilt, dabei aber jede feindliche Gesinnung gegen Deutschland in Abrede stellt. Eine andere in Ballaart erklärte, daß die Australien benachbarten Inseln nur eine Erbschaft Australiens sein dürsten.

Immer noch treffen die Meldungen über neue, im südlichen Spanien stattgefundene Erderschütterungen ein. In Folge der Erdbeben wandern aus den Provinzen Malaga und Granada viele Einwohner aus, die Zahl derselben soll sich schon auf 40,000 belaufen. Der spanische Bot­schafter in Paris, Silvela, hat zufolge Meinungsdifferenzen zwischen ihm und dem Madrider Cabinet bezüglich der Universitätsfrage seine Entlassung ge­geben. Wie Silvela aber erklärt hat, wird er auch ferner der conservativen Partei angehören.

Auch Frankreich hat nunmehr seine Vorschläge zur Beseitigung der egyptischen Finanzkrisis gemacht. Es beantragt bei den Mächten eine einzige unter gemeinsamer Garantie derselben stehende Anleihe von 9^2 Millionen Pfd. Sterl. zu 3V2 pCt, außerdem sollen die in Egypten lebenden Ausländer fortan eine Personalsteuer zahlen.

Darmstadt, 10. Januar. Durch Verfügung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz wurden für die Dauer des Geschäftsjahres 1885 ernannt:

Zum Vorsitzenden der Kammer für Handelssachen

1) am Großh. Landgerichte der Provinz Starkenburg der Großh. Land­gerichtsrath Dr. Kritzler, mit dem Sitze in Darmstadt,

2) am Großh. Landgerichte der Provinz Oberhessen der Großh. Land- gerichtsrath Wiener, nut dem Sitze in Gießen,

3) am Großh. Landgerichte der Provinz Rheinhessen der Großh. Land­gerichtsrath Berdellv, mit dem Sitze in Mainz.

Zu Stellvertretern der bezeichneten Vorsitzenden die Großh. Landgerichttzrathe Bonhard in Darmstadt, bezw. Holzapfel in Gießen und Steinem in Mainz. ________________________________________________________

Berlin, 12 Januar. fReichstag.j In der heutigen Sitzung des Reichstags wurde die zweite Berathung des M tttäretat« fortgesetzt. Die vielen Posii'onen die aa die Budgetcommisston zur Berathung überwiesen worden waren, beben tn dieser eine wohlwollende Erörterung gefunden. Die gemachten Abstriche waren ganz un­bedeutend und hatte man sich in kluger Mäßigung darauf beschränkt, die Bedenken, die die Commission tn einzelnen Punkten hatte, der Reichsregierung in Resolut onen kand- Mgehen. Diesilben wurden auch vom Hause nach unwesentlichen, ruhigen und sach- Semähen Debatten angenommen und eS hätte heute tn wohlthuender Abwechselung mit en Debatten der ätzten Tage Allts tn eitel Freude und Ueberemstimwung verlaufen lernten, wenn nicht ein von dem socialdem. Abgeordneten v. Vollmar berührter Gegen stand daS an einzelne Garnisonen ergangene Verbot nämlich, gewisse Wtrthschaften NUd TabakSläden nicht zu frequ.ntiren, dre friedliche Stimmung in ihr G.genthetl ver- wandelt hätte. Daneben erkundigte sich der Abg. R chter auf Grund einer ihm zu- yegangeuen beschwerdeführendev Anfrage ouS Lauenburg, mit welcher Berechtigung ein Hauptmann tn einer Controlversammlung, die kurz vor den letzten Wahlen ftatt- gefvnden, die anwesenden Mannschaften in einer längeren Ansprache dahin belehrt hätten, daß sie alS Soldaten deS Kaisers für dessen Regterungkpolttik etnzutreten hätten. Eine präetse Antwort erthetlte der Herr KrtegSmtntster hierauf nicht, sondern glaubte, den Beschwerdeführer, wenn sich die vo gebrachte Angelegenheit alS thatsächl'ch etroelfen lasten könne, auf den ihm zustchenden Weg verweisen zu müssen. Im Uebrtgen glaubt er den betreffenden Offieier nicht tadeln zu dürfen, denn dis Erinnerung daran, daß daS, was der Kaiser für rathsam und dem Reiche ersprießlich, wie sich der Officter geäußert haben soll, weide doch wohl Niemand bemängeln wollen.

Abg. Richter entgegnete, daß daS, waS der Kaiser wolle, gewiß von hoher Be­deutung sei, Se. Maj. der Kaiser habe auch daS Wahlgesetz unterschrieben und danach tu wiederholten Kundgebungm eS bestätigt, daß das Recht der freien Meinungsäußerung nicht geschmälert werden solle. E.ne Rrcttfication des betreffendsn Beamten verlange er keineswegs, deswegen habe er auch, waS tm Laufe der Debatte der Abgeordnete v. Hammerstein als nothwendig bezeichnete, wenn die Beschwerde glaubhaft und ernst- baft behandelt werden solle, die Thatsache deS Vorganges nicht substantiirt und auch keine Namen genannt; er wünsche vielmehr rur zu wissen, wie sich der Minister grundsätzlich zu dister Sache stelle, wenn Settens eines Militärs in einer mtlt- lärtschen Versammlung vor Untergebenen politische Gesichtspunkte tm Allgemeinen er­örtert werden.

Der Herr KriegSminister lehnte eS ab, so lange der Fall nicht substantiirt sei, eine Antwort zu erthetlen; indessen erfolgte eine solche auch nicht, alS der Abg. Möller einen ganz speciellen, bekannt gewordenen Fall zur Sprache brachte und auch seine Be- rettwtlligkeit erklärte, die in Frage kommenden Nomen htnzuzufügen. Da fei Be­schwerde erhoben worden, wie der KriegSminister eS als nothwendig bezeichnet habe, wie wohl cS bekannt sei, daß der Beschwerdeführende gewöhnlich nach Erledigung der Sache mit Unannehmlichkeiten aller Art zu kämpfen habe.

Hiergegen opponirte der KriegSminister, indem er auSführte, daß in der Armee der Beschwerdeweg höchstens nur dann Unannehmlichkeiten für den Betrcffendea tm Gefolge haben könne, wenn er sich über eine gerechte Sache unrechtmäßig be, fchwert habe.

Gegen die Behauptung des Ministers, daß er cs für nicht angezeigt halte, mit dieser orrhältnißmäßig unbedeutenden Angelegenheit die Zett des HauseS so lange in Anspruch zu nehmen, remonstrtrte in energischer Weise Abg. Dirichlet mit dcm Hin­weise, däß eS sich ureigentltch um Angelegenheiten der Armee handle, denn tm Ver­hältnisse der Landwehr und selbst deS Landsturms gehören wir zu dieser. Im Uebrtgen sei eS nur ein Recht deS Präsidenten, daS nicht zur Sache Gehörige zurückzuwetsev, ein Minister habe dieses Recht nicht.

Abg. Saro (Oberstaatsanwalt in Königsberg i. Pr.) polemisiere gegen die Ab- -eordneten Möller und Richter über die Unzweckmäßigkeit und geringe «erechttgung, da» Kön'gSberger Vorkommniß, das dort spurlos vorübergegangen sei, hier in die Ber- baodlung zu ziehen. Professor Möller wisse daS am Besten, wir sehr sein Anhang tn Königsberg abgenommen habe.

Dieser sehr bei den Haaren herbeigezogenen Bemerkung folgt unter der schallen­den Heiterkeit des ganzen HauseS b*e Entgegnung, daß der Anhang, den Herr Saro in Königsberg habe, so mächtig und io groß sei, daß er nicht bet den Wahlen, sondern schon vorher bei Aufstellung einer Candidatur auf daS Glänzendste durchgefallen sei und sich in der Provinz nach einem Sitze habe umsehen müssen.

Bezüglich deS bereits erwähnten, von dem Abg. v. Vollmar berührten Gegen­standes wurden von diesem und seinem Genossen Heine einige Specialfälle zur Sprache gebracht mit dem Hinweise, daß durch etu solches, oft ganz ungerechtfertigtes Brr- bot von Localen die Soldaten eigentlich erst auf die Bestrebungen der Socialdewokratie aufmerksam würden.

Minister v. Brovsart erklärte, daß daS Verbot eine reiflich überlegte, wohl durchdachte Maßregel fei, die er im Interesse des Dienstes und der Disctplin nicht zurücknehmeu oder mildern könne. Bei vielen Fällen sprächen bei solchen Verboten Motive mit, die mit den Bestrebungen der Socialdemokratte tn gar keiner Verbindung ständen.

Nächste Sitzung morgen.

Telegraphische Depeschen.

Wolffs telegr. Correspondenz-Bureau.

Berlin, 12. Januar. Dcr .Reichsanzeiger" charakterisirt die von dem Jesuiten MorawSki tn Krakau herausgegebene .P zeglad PowSzechny" (AllgemeineRundschau). Der »Retchsanzeiger" sagt: Die Tendenz derselben sei darauf gerichtet, den Gedanken der Wiederherstellung GesammtpolenS unter den polnisch redenden Unttrthanen Preußens, Oesterreichs und Rußlands zu erhalten. Bezeugt wird diese Absicht insbesondere dadurch, daß dir Zeitschrift Mitarbeiter auS allen trgenb zur polnischen Nationalität in Beziehung stehenden Ländern angeworben und von Polnisch-Livland btS Dalm^ieu hinüber publicistische Verbindungen ongeknüpft bat. DaßDeutschenhaß und ultra- montaner Fanat SmuS sich wie rothe Fäden durch ihre Pub kationen zfehen und unter der Firma katholtfcher GlaubenStreue der bestebenden staatlichen Ordnung feindliche Sttmmungen gepflegt werden, versteht sich von selbst. Am Schlüsse sagt der »Reichs- anzeiger": »Daß dem Interesse der katholischen Kirche durch den durch polnisch, nationale Träumereien geleisteten Vorschub kein Segen erwachsen kann, steht für un­befangene Beurthriler ebenso unzweifelhaft fest, wie der unheilvolle Einfluß eines solchen, durch überlebte ReminiScenzen künstlich geschürten nationalen Traumlebens auf die realen Zustände in den polnisch redenden Theilen deS Staatsgebiets.

Berlin, 12. Januar. Prinz August von Württemberg ist heute Nachmittag in Zehdenick gestorben.

Krakau, 12. Januar. Ein Wiener Correspondent deS(5jQ8* bezeichnet die Gerüchte über Min!sterkrisen, welche insbesondere den HandelSrnrnister Ptno betreffen, auf Grund vollkommen authentischer Mittheilung alS tendenziös erfunden.

Paris, 12. Januar. Eme Depesche deS ,£emp8" auS London zählt die englischm Vorschläge bezüglich EgpptenS auf und hebt die Gegenvorschläge FrankreichS alS sehr entgegenkommend hervor. Die Meinungsverschiedenheit betreffe hauptsächlich olgende drei Fragen: wl) Frankreich verlange eine Anleihe von 9 Millionen Pfund Sterling und nicht von 5 Millionen, um allen Ausgaben gerecht werden zu können; die Regierung gche von der Ansicht auS, daß eine von allen Mächten garantirte An­leihe unter besseren Bedingungen contrahitt werden kann; 2) Frankreich bestehe auf Abtrennung der Daira-Domänen und wolle nicht zugeben, daß die Einnahmen aus den Daira-Domänen an die Bank von England gezahlt werden; 3) Frankreich sei gegen die englischen Vorschläge bezüglich der Ztnsenzahlung für die bereits vorhandenen Staatsschulden und schlage eine Specialsteuer auf Coupons vor."Temps" betont, daß die französischen Vorschläge auSschlteßlich finanzieller Art seien und in keiner Weise die politische Seite der egyptischeu Frage berührten.

Eine dem Martneministerium zugegangene Depesche bestätigt die Meldung, daß in Kambodscha eine gewisse Erregung herrsche und meldet, daß der Gouverneur die erforderlichen Maßregeln ergreife. Nach Saigun sind sofort Truppenverstärkuügen gesandt worden.

Wien,'12. Januar. Wk diePolit. Corresp." meldet, ist auf An­ordnung des Kaisers die beim Kreisgerichte in Böhmisch-Leipa schwebende Untersuchung wegen des Verbrechens des Hochverraths gegen den Redacteur Strache, den Rechtshörer Herrnheiter, den altkatholischen Pfarrer Rettel, sowie die Untersuchung wegen Vergehens gegen die öffentliche Ruhe und Ordnung gegen die Medjcjner Brehm und Danth eingestellt worden.

London, 12. Januar. Alle Zeitungen sprechen sich zustimmend zu den Erklärungen des Fürsten Bismarck in der Sitzung des Reichstages vom Samstag aus. DieTimes" sagt, sie beeile sich, das richtige Gefühl und den guten Sinn dieser Erklärungen heroorzuheben. Daß einzelne delicate Fragen zwischen England und Deutschland entstehen könnten, sei wohl möglich, doch liege kein Anlaß zu ernstlichen Mißverständnissen vor. England sei verpflichtet, die legi­timen Rechte der übrigen Mächte zur colonialen Ausdehnung zu achten. In Europa habe England Deutschland stets als eine große Sicherheit für den Welt­frieden angesehen. Ebenso liege auch in der Entfaltung von Colonisations- Unternehmungen Seitens Deutschlands kein Anlaß zu Beunruhigungen. Der Standard" sagt, mit Deutschland deshalb zu streiten, weil es genommen habe, was England hätte vor ihm nehmen können, sei lächerlich. Nichts sei einer großen Nation unwürdiger, als vage unpraktische Eisersüchteleien.Daily News" sagt, so weit sie sehe, habe die deutsche Colonialpolitik überall der unver­ständigen Panik, welche sie zuerst in England erregt habe, den Boden entzogen.

Madrid, 12. Januar. Die Zeitungen sprechen ihren Dank für die in Deutschland anläßlich der Erdbeben in Spanien kundgegebenen Sympathieen und für die vom deutschen Comitö in Aussicht genommene Hülfe aus.

Der König wurde auf seiner Reise in Granada und Malaga mit großem Enthusiasmus empfangen.

Neapel, 12. Januar. Die Einschiffung des Materials für eine Gar­nison in Assab ist heute beendigt worden. Morgen geht die FregattePrincipe Amadeo" mit einem Artillerie- und Genie-Departement ab; übermorgen das PacketbootGottard" mit Fußchaffeurs.

Rom, 12. Januar. Im Senate wies Caracciolo aus die Gerüchte be­treffs der Absichten der Regierung in ihrer Colonialpolitik hin. Die Truppen- fendung nach Assab ries Besorgnisse wach und erheischt einige Aufklärungen, wenn die Regierung es opportun erachtete, solche zu geben. De Prelis behält sich eine Verständigung mit dem Minister des Aeußern vor, welche die Ange- legenheit betreffe.

Lokales.

Gieße«, 13. Januar. Tagesordnung für die Stadtverordneten-Sitzung am Donnerstag den 15. Januar 1884, Nachmittags 4 Uhr.

1. ©tettung der Rechnung vom Jahre 1883/84.

2. Voranschlag der hiestgm evangelischen Kirche pro 1885/86.

3. Voranschlag des Poltzetamts Gießen pro 1885/86.

4. Ausführung des Grsitz s über die Krankenversicherung der Arbeiter.

5. Zusammenlegung von Grundstücken im Ncustädter Feld.

6. Gesuch deS Rentners Ferdinand Gail um Bauerlaubniß.

7. Gesuch des Weißbindermeisters Louis Petri Hl.um käuflicheUeberlaffung städiifchm Geländes.

8 Gesuch deS Mühlenbesitz-rs Ferdinand Burk um Erlaubnitz zum Heben wölben eines GrabenS.

9- ^uch ber Firma H eylig-nstSdt & 6omp. um Erlaubnitzzum Befahren eines WegS im Riegelpfad.

i°. G-such de« Kausmamr, Wilhelm Spruck um U-birlassuug van Kies zur Aufbesserung eines Wegs. B 9

11. Veränderung eines KaminS im alten RaihhavS.

12. Unterhaltung deS Pflasters vor dem KreiSamtSgebäude.

13. Den Fluthgraben tn der Sonnmstraße betr.

14 Die Aufstellung eines neuen BrandkatafterS.

Vermischtes.

Januar. Ein Mord ist am Sylvesterabend in dem hinten im waldeckischen Uplande gelegenen Dorfe Willingen verübt worden. Zwei Leinenhändler, welche den Srößten Theil des Jahres über hausirend durch Nordweftdeutschland ziehen, b c Fasttage nach Hause zurückgekehrt. Den größten Tbett brachten sie^im WirthShause zu und gerieten nun dort in Streit. Als der eine, Namens Wilke von seinem Collegen und Schwager Behle wegen feiner Krakehlsucht zur Rede gestellt wird, ist er äußerlich ganz ruhig. AIS später Behle nach Hause gebt, läßt ec ihn rub*g »leben; er aber «ehr nach seiner Wohnung und holt ein großes Schlachtmesser, begibt 82 LL?L fe?c? ®en°ffcn und Schwagers, klopft ans Fenster und bittet ihn freundlich, mal heraus zukommen und sticht dann dem ahnungslos in die Thür tretenden Manne das Messer mit voller Wucht tn den Leib, so daß er sofort tobt