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den, der Spitzen des Militärs und der Hofstaaten in durchaus proaramm- mäßiger Weise.

Heute Abend beabsichtigen die Großh. Herrschaften den Wohlthätig. keits-Bazar zu besuchen, welcher von dem Alice'Frauenoerein, Abtheilung für Waisenpflege, zum Besten der Waisen in den Räumen des hiesigen Saalbaues veranstaltet worden ist. In Verkaufsbuden mit Haushaltungs-Gegenständen aller Art, Galanterie-, Mercerie- und Spielwaaren werden dabei von Damen der guten Gesellschaft die Honneurs gemacht. Auch für Buffet und Musik ist Sorge getragen.

Telegraphische Depeschen.

Wolffs telegr. «Korrespondenz - Bur,an.

Berlin, 11. November. Der Etat des Reichsschatzamtes enthält au Gcsammt- ausgaben 162,834,666 X, wovon 7,300,000 JL auf einmalige Ausgaben entfallen- es ist somit bei den Ausgaben gegen das Vorjahr ein Mehr von 54,883,444 vor­handen. Die Herausrahlungen an die Bundesstaaten sind um 53,565,000 at höher. Es wirb beantragt, den kaiserlichen Dispositionsfonds für Gnadenbewilligungen um anderthalb Millionen zu erhöhen.

DieNordd. Allg. Ztg." führt in einem weiteren Artikel über das Urtheil des Landgerichts zu Halle in dem Diätenproceß gegen Hasenclever aus, daß die Klage des Fiskus nach dem preußischen Landrechte als eine sogenannte Condictio ob iniustam causam anzusehen sei. Das Urtheil verstoße, da der Art. 32 0er Verfassung die An- nohme von Entschädigungen verbiete, der Art. 2 aber bestimme, daß die Reichsgesetze den Laudesgesetzcn Vorgehen, gegen eine der fundamentalsten Bestimmungen der Reichs­verfassung. Letztere sei nur auf Grund eines Compromisses, der den Art. 32 betraf, zu Stande gekommen; ein Abgeordneter, der Privatdiäten annehme, verletze diesen Eomf^omiß und breche die Verfassung.

Berlin, 11. November. Es verlautet, die Errichtung eines deutschen General- Eonsulats in Kalkutta, eines Eonsulats in Bombay und eines Viceconsulats im Pyräus fei in Aussicht genommen.

Sternberg, 11. November. Der mecklenburgische Landtag wurde heute eröffnet. Die Schweriner Propositionen betreffen eine ordentliche und eine außer- »rdentliche Kontribution, Revision der Justizgesetzgebung und die Kosten der Justiz­verwaltung.

Wien, 11. November. DasFremdenblatt" bezeichnet die Nachrichten von dem bevorstehenden Rücktritt der Minister Pino und Falkenhayn, sowie die Gerüchte über eine bevorstehende Neugestaltung des Cabinets als müßige Erfindungen.

Die serbische Gesandtschaft erklärte, daß ihr absolut nichts bekannt sei von einer angeblichen Mittheilung des Königs von Serbien an die Eabinete, derselbe werde sich nächstens zur Ueberschreitung der Grenze genöthigt sehen.

London, N. November. In Folge von Beratungen, welche im Kriegs- miniftertum ftattgefmiden haben, ist gestern beschlossen worden, die Genehmigung zur Errichtung von zehn neuen Bataillonen englischer Linien - Infanterie nachzufuchen. Motivirt wird der Beschluß mit der Vermehrung des britischen Heeres in Indien und mrt der Minderung des Truppenbestandcs in England durch die Sendung von Truppen nach Egypten.

Parnell hielt gestern in Liverpool eine Rede, in welcher er den Wunsch aus­sprach, Gladstone selbst möge bezüglich der Regierung Irlands den Wählern einen Plan unterbreiten, welcher die Reichseinheit nicht beeinträchtige.

Madrid, 11. November. Es verlautet, die Einberufung der Cortes sei auf den 27. December in Aussicht genommen.

Der Sultan von Marocco ertheilte einem Spanier die Genehmigung^zur Errichtung einer Telegraphenleitung im Innern Maroccos. 1

Nisch, 11- November. Officiell wird Folgendes bekannt gegeben: DieEus vulganfcher Quelle stammenden Gerüchte über Grenzverletzungen sind unwahr Die serbische Regierung braucht nicht jetzt erst einen casus belli zu ersinnen, denn fi^ift durch das Verhalten Bulgariens seit lange in der Lage, jederzeit über genügende-Ws- ' liche Gründe für eine etwaige Kriegserklärung zu verfügen, wenn sie nur den Zeit­punkt für gekommen erachtet. Serbien führt eine Staatspolitik, während Bulgarien nur revolutionäre Politik treibt. *

Sofia, 11. November. Meldung derAgence Havas."s Am Montag Abend suchte eine etwa 300 Mann starke serbische Truppenabtheilung an der Grenze bei Trin etwa 25 bulgarische Soldaten einzuschließen, letzteren gelang es jedoch, sich zurück­zuziehen, wobei sie von den Serben 12 Kilometer weit auf bulgarisches Gebiet ver­folgt wurden.

Lokale-.

][ Gießen, 12. November. Auf der Durchreise von Darmstadt nach Rom­rod wird Seme Königliche Hoheit der Großherzog heute Abend Va7 Uhr mittelst Extra- zug die hiesige Station passiren.

Wie wir soeben erfahren, hat das Ministerium dem Anträge der Stadt- verordneten-Versammlung auf Abänderung einiger Bestimmungen des Badereglcments Nicht entsprochen. Diese höchste Entscheidung wird von allen Freunden eines anständigen und reinlichen Bades mit Freuden begrüßt werden.

Die Wirksamkeit des Alice-Vereins für Fraurnbitdung und Erwerb zu Gießen.

Da der unterzeichnete Vorstand nur einmal, 1880, einen besonderen Bericht über oie Wirksamkeit der Alice-Schule veröffentlicht und den Mitgliedern des Vereins zu- gestellt hat, glaubt er im Interesse der guten Sache und um den Wünschen Vieler zu entsprechen, wieder einmal einen kurzen Ueberblick über den Stand der Schule geben zu sollen. ö

.« Ar Verein, im Frühjahr 1878 ins Leben gerufen, sieht nun auf eine fiebern lahnge Wirksamkeit zurück. Das in dem Bericht von 1880 mitgetheilte Programm wurde streng eingehalten. Als Zweck der am 2. October 1878 eröffneten Aliceschule wurde dann bezeichnet:

1) langen erwachsenen Mädchen eine möglichst weitgehende Ausbildung in roeib-- heben Handarbeiten, im Weißzeugnähen, Kleidermachen unb ganz besonders im Zuschnelden zu geben,

2) Handarbeitslehrerinnen für die Schulen auf dem Lande auszubilden unb ihnen praktische Anleitung für den Unterricht zu ertheilen,

3) für die geistige Weiterbildung der Schülerinnen durch Ertheilen von Unter­richt, der zunächst Zeichnen, Rechnen und Buchführung umfassen soll, zu wirken (auch wird besonders Unterricht im Deutschen, Briefschreiben, Aufsatz erthellt). '

Besonders soll berücksichtigt werden, daß di- Schülerinnen gegen ein möglichst mäßiges Honorar die Schule besuchen können.

Vorstehendes Programm wurde nur insofern erweitert, als Anfang 1884 noch ein Cursus für Putzmacherarbeiten eingerichtet wurde.

Die Hoffnung auf das Bestehen und die nützliche Wirksamkeit des Vereins wurde in hohem Grade gerechtfertigt. Die Schule zählte im ersten Jahre ihres Be- ftefjenS 85 Schülerinnen, der Besuch wuchs von Jahr zu Jahr bis zu einer Höhe von 193 Schülerinnen in einem Jahr.

Bis zum Anfang des jetzigen Cursus - denselben nicht mit eingerechnet besuchten 1083 Schülerinnen die Schule, wovon sich 38 zu Arbeitslehrerinnen aus­gebildet haben.

Die Durchschnittssumme der jährlichen Schülerinnen beträgt 155, die sich jedoch schon auf 166 erhöht, wenn wir das erste Schuljahr außer Betracht lassen, was bei erner solchen Durchschnittsberechnung nur gerechtfertigt erscheint. Alle Eurse waren Hut besucht, am zahlreichsten die im Maschinennähen und Sticken.

Solche Enolge hat die Schule in erster Linie bem Unterrichtstalent und dem hingehenden Fleiß ihrer Hauptlehrerinnen Fräulein Müller und Gerbode zu ver­danken, wie auch gewiß das mit dazu beiträgt, daß der wissenschaftlichen Weiterbildung

I der Schülerinnen durch die Lehrer Hug und Kalbfleisch in geeigneter Weise Rechnung getragen ist. w ö

Auch hat gewiß zu dem außerordentlichen Erfolge beigetragen, daß sich nunmehr die Ueberzeugung Bahn gebrochen, die schule leiste sehr Tüchtiges, der Unterricht sei « Z??0 gebiegener, er leite stufcnmäßig an und erreiche möglichst hohe Erfolge. Die Arbeiten der Schülerinnen waren stets jährlich zweimal öffentlich ausgestellt unb wurden von den Besucherinnen als treffliche Leistungen anerkannt. Zum Gedeihen der Schule trug weiter bei, daß sie ausreichende Räumlichkeiten für den Unterricht bieten tonnte. Durch die Zuvorkommenheit des Stadtvorstandes sind uns dieselben über­lassen unb aus Mitteln bes Vereins brei Arbeitssäle unb brei kleinere Nebenräume eingerichtet worben.

Währenb beim Beginn ber Schule feine Nähmaschine vorhanben war, würbe im Zweiten Halbjahr die erste angeschafft, jetzt sind 8 Maschinen ausgestellt. Ebenso hat sich das Inventar an Schränken, Tischen, Stühlen sehr vergrößert. Hierdurch, wie durch bauliche Umänderung und Herstellung der Arbeitsräume sind dem Vereine sehr große Ausgaben erwachsen.

, ..,, Dieselben konnten mit dem erhobenen Schulgeld nicht bestritten werden, ba dastelbe lehr niedrig gestellt ist, um unbemittelteren Schülerinnen zu ermöglichen, an dem Unterricht theilzunebmen; ein nicht kleiner Theil von Schülerinnen erhielt Frei­stellen von dem Vorstand der Schule und damit völlig kostenlosen Unterricht, -zur Bestreitung seiner großen Ausgaben erhielt der Verein sehr dankenswerthe staatliche Uiiterstutzungen, dann solche von dem Gesammt-Alice-Verein, der Sparkasse dahier und emmal von der zu Grünberg. Zur Gründung der Alice-Schule, resp. zur Ausbildung der Lehrkräfte hat der hiesige Volksbildungsverein Ende 1877 300 gegeben.

Die Beiträge der Mitglieder des Vereins wurden bis jetzt zweimal erhoben. Wir müssen hier noch erwähnen, daß der Volksbildmigsverein, die Loge dahier und die Sparkasse in Grünberg auch insofern den Verein iinterstützten, baß sie Freistellen für Verricht gegründet haben. Die Sparkasse zu Grünberg unterstützt zur Beit 4 Schülerinnen, welche sich zu Arbeitslehrerinnen ausbilden, jede, mit 150 JL

Au bem Verein weitere Anschaffungen zu ermöglichen, werben wir uns in Kürze an Die Bewohner der Stadt wenden unb sie um Beiträge zur Förberung bes guten zBcrfeS bitten. Den Betrag ber von den Mitgliebern früher dem Vereine zugewendeten Gabe werden wir in ber ersten Columne der cirfulirenben Liste eintragen. Der S 2 o er (Statuten ist bah in abgeändert, baß Jemanb burch jährlichen Beitrag von minbestens 1 «A ständiges Mitglied des Vereins wird.

Indem sie denselben unterstützen, erleichtern sie ihm die Ausgabe, weiter seinen Zweck zu verfolgen, bei möglichst geringem Schulgeld einen möglichst gründlichen Unter­richt in allen weiblichen Handarbeiten ertheilen zu lassen.

, . .Dieses Ziel hat bis jetzt die öffentliche Anerkennung und Beachtung gefunden und die Schule hat sich durch die große Zahl ihrer Schülerinnen bewährt. Hoffen wir, daß sie auch tn der Zukunft in gleichem Segen und Erfolg wie bisher weiter wirken wird.

Gießen, im November 1885.

Der Vorstand.

Frau Haustein, Präsidentin.

Frau Bramm.

Frau Buchner.

Frau Kauf.

Fräulein Langer mann.

Frau Weiffenbach.

Der Berwaltungsrath.

Büchner, Krcisschulinfpector, Vice­präsident.

Baist, Rechtsanwalt.

Bramm, Bürgermeister.

H a n st e i n, Landtagsabgeordneter.

Dr. Naumann, Pfarrer.

Friedrich Sulau.

Seit Kurzem macht eine neue Erscheinung auf dem Gebiete ber Recitation viel von sich reden. Die Presse ist voll des Lobes über die mustergiltige Art, wie Herr Eulau seinen Stoff behandelt. Alle betonen, daß in Herrn Eulau endlich wieder em Recitator sich prasentire, welcher, prädestinirt für seine Kunst, die Theilnahme für dse elbe wiederzuerwecken im Stande ist, welche durch fade, geschmacklose Leistungen so vieler unberufener Recitatoren vielfach verloren gegangen war. Herr (Sulau hat soeben tn Rheinland und Westfalen wahre Triumphe gefeiert.

DieKöln Ztg." widmet ihm einen eigenen Artikel, worin sie sagt:Ein auf­strebender Meister des dichterischen Vortrags, Friedrich Eulau, vermittelte gestern einem zahlreichen Publikum im großen Saale der Lesegesellschaft Arthur Fitgers au- muthlge und liebenswürdig empfundene DichtungDer Meisterdieb", welche durch die Ankündigung einer Turnübung menschlicher List und menschlicher Gewandtheit unsere Neugier weckt, unser Interesse spannt und durch märchenhaft-phantastische Reize unsere Einbildungskraft schmeichelnd umfangen hält. Die Metsterdiebe bilden eine Zunft, welche nicht um gemeiner Beute willen, sondern rein ans ästhetischem Behagen an der Meisterschaft des witzigen Mausens den Pfarrer von der Kanzel 'und den Leichnam von der Bahre stiehlt. Ein leichtblütiger Jünger dieser Kunst, der blonde Hans, wird von dem Schicksal vor die Wahl gestellt, durch brei Proben seiner ergötz­lichen Kunst bie Hanb einer Königstochter zu erringen ober eine Speise ber Raben zu werben; er soll bes Königs Leibroß, bes Königs liebstes Kleinob unb schließlich den König selbst stehlen. Die Verbindung des Recitators mit dem Dichter erhebt uns in eine idealisirte Märchenwelt. Wie der blonde Hans, so bestand auch Friedrich Eulau die Probe feiner Zunft. Es gab Augenblicke, in denen wir den Recitator über der Flucht der Gestalten, welche aus dem wechselnden Ton seines Organs hervorguollen vergaßen, m denen es uns war, als ob unsere Einbildungskraft in ruhigem Wirken ohne icden fremden Anstoß den weiten Raum bald mit lieblichen, bald mit bizarren Erscheinungen bevölkerte. Schmuck unb herzgewinnenb wuchs vor Allem der blonde Hans empor, scharf und bestimmt trat die zischelnde Bosheit des humpelnden Böse- grausigem Reigen umgaben uns ber Schlachtjungfrauen spuk­hafte Gestalten. Ob Friebrich Eulau auch über bie Wucht bes tragischen Pathos über die scherzenbe Beweglichkeit komischer Gestalten verfügt, vermochten wir natürlich aus dem Vortrage des Meisterdiebs nicht zu ermitteln, aber wenn man der Fama glauben darf, welche anfängt, den Ruhm des zukunftteichen Künstlers mit tausend Zungen zu verkünden, so läßt es der Recitator auch auf diesen Gebieten an sich nicht fehlen. Das Publikum im großen Saal der Lesegesellschaft aber bezeugte mit Einer Stimme, daß Friedrich Eulau es verstanden hatte, die Versammlung mächtig anzureaen und in die gehobenste Stimmung zu versetzen."

UniverfitätS - Ehronik.

Marburg. Mit bem Beginn bes gegenwärtigen Wintersemesters haben sich zwei Sohne bes Herrn Geh. Raths Professor Dr. Roser an hiesiger Universität als Docenten habilitirt unb zwar Herr Dr. Wilhelm Roser in der philosophischen ivafultot für Chemie unb Dr. Carl Roser in ber medicinischen Fakultät für Chirurgie.

Vermischtes.

. J8 rebel ar, 7. November. Der Bericht über bie entsetzliche Blutthat, welche zwei Schäfer tn ber Gegcnb zwischen Brebelar unb Marsberg laut Meldung der Hess. Morgenztg." verübt haben sollten, stellt sich nach berRh. Wests. Ztg." als stark übertrieben heraus. Derselben wirb nämlich geschrieben:Schreiber bieses ronr am Tage ber Prüaelei in Brebelar unb hat aus zuverlässiger Quelle, auch aus bem Munde des behandelnden Arztes Dr. Bange erfahren: Zwei in Bredelar angestellte Schäfer gerathen nut ungefähr 20 Schäfern aus dem benachbarten Waldeck auf der "Mn Marsberger Markt in Streit. Es entwickelte sich eine Schlägerei, in welcher bie Waldecker stark mitgenommen werben. In Brebelar sind 8 bis 10 Leute durch Herr« Dr. Bange verbunden, 2 ober 3 derselben hatten Armbrüche erlitten, die übrigen mehr ober weniger erhebliche Kopfwunden davongetragen. Später hieß es noch, es seien auch noch einige Verwundete von dem Arzte in Adorf in Waldeck ver­bunden Das ist der ganze Vorfall, der gewiß von einer beklagenswerthen Rohheit Zeugnitz gibt. Von einer Mißhandlung von Greisen, Frauen und Kindern, Aus- laucrn im Walde rc. keine Spur."

Oberursel, 8. November. Freitag Abend fand eine wahre Schlächterei auf ber in unserer Gemarkung belegenen sogenannten hohen Mark statt. Zwei Burschen Namens Lorenz Krik und I. A. Hedeler, welche heute sich in Frankfurt zum Militär­dienst fiftiren sollten unb gestern zum Abschied Anverwandte auf der hohen Mark be*

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