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, Mittwoch den 13. Mai 1885

ießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

dreveairr Gchulfiraß« 7.

r . w »teil vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mtt Bringerioh«.

Erscheint täglich mit Nusnshme des tätentaQ*. §urch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 60 Pf.

Politische Ueberficht.

Gießen, 12. Mai.

Bekanntlich ist General v. Heuduck zum Vertreter des Feldman- schalls v. Manteuffel in dessen Eigenschaft als Commandirender m den Reichrlanden ernannt worden. Wie dieStraßb. Post schreibt, ist diese Er- Nennung unter der Maßgabe erfolgt, baß v. Heuduck dte Vertretung nach An­weisung der Frhrn. v. Manteuffel führen sollte. Letztere tst zetzt ergangen Feldmarschall v. Manteuffel beauftragt den General v. Heuduck, ihn bis auf Weiteres in allen Dienstobliegenheiten als Commandirender zu vertreten, so zwar, daß v. Heuduck dies in aller Selbstständigkeit und unter persünlrcher Ver­antwortung gegen den Kaiser zu thun hat. Feldmarschall °. Manteuffel behält sich indessen vor: Die Territorial-Befugnisse, die dem Commandtrmden der Armee im Reichslande zustehen; den Befehl über die Festungen Metz und Etraßbura und über die GenSd'armerie; die Genehmigung zur Aufhebung be­stehender Corpsbesehle; die Entscheidung aller Anordnungen, bett, dte Ruhe und Ordnung des Landes, die militärischen Interessen und die Verhandlungen mtt dem Ministerium über grundsätzliche Fragen, endlich, die Entscheidung tn allen ehrengerichtlichen Angelegenheiten der Officiere des lo. Armee-Corps.

Nachdem die Räumung Tongkings durch die Chinesen nahezu vollendet ist, steht der Wiederausnahme der osficrellen Verhandlungen zwffchen Frankreich und China über den definitiven Friedensschluß nichts mehr im Wege. Nach einem Telegramm derAgsncs Havas" wurde denn auch noch für Samstag das Eintreffen der Instructionen der französischen Regierung für diese Verhandlungen in Tientsin, wo bekanntlich auch der frühere sranzosisch.chinesische Vertrag abgeschlossen worden ist, erwartet. Für dte elben ist der Boden durch den direct zwischen den Cabineten von Paris und Peking gepflogenen MernungS- austaufch geebnet worden und steht demnach eine endgültige Verlegung des französisch-chinesischen Conflictes in naher Aussicht.

Das italienische Cabinet sieht sich abermals mit der Opposition der Deputirtenkammer in Auseinandersetzungen seiner colonialen Polmr Halver Verwickelt. Bis dato ist Herr Mancini über die Anzapfungen ferner parlamen­tarischen Widersacher immer Sieger geblieben und zwar weniger, weil es rym qelunaen wäre, die Einwürfe der Opposition gegen die abenteuerliche Politik Italiens am Rothen Meere zu entkräften, als vielmehr, weil er an den Patrio­tismus der Deputirtenkammer appkllirte und dieser Appell hat noch immer me gewünschte Wirkung gehabt. Die Voraussetzung hierbei war aber, daß Herr Mancini endlich einmal Aufschlüsse über die eigentlichen Ziele Italiens am Rothen Meere gebe, aber die Erklärungen, zu denen sich der Minister ves Aeußern in voriger Woche der Kammer gegenüber herbeiließ, haben diese Erwartung wiederum getäuscht und der Opposition kann man deshalb gerade keinen Vor» wurs machen, wenn sie, wie dies jetzt wiederum geschehen, mit Mißtrauensvoten gegen das Cabinet vorgeht. Vorläufig hat indessen das Cabmet DeprettS- Mancini nochmals den Sieg davongetragen, denn tn der Freitagssitzung der Deputirtenkammer wurde das vom Deputirten TraMt vorgeschlagene und vom Ministervräüdenten Depretis acceptirte Vertrauensvotum, welches besagt, daß das Pattament von den Erklärungen des Ministeriums Act nehme, mtt 188 gegen 97 Stimmen genehmigt.

Die sogenannte Dardanellen-Frage beginnt M mehr und m hr in den Vordergrund des englisch-russischen ConflwtS zu rucken. Die allgemeine Ansicht, daß der Sultan in Folge des Berliner Vertrages verpflichtet set, streng

Betreffend: Aufsicht über das Faffelvieh. Gießen, am 11. Mai 1885.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an Vie Großherzoglichen Bürgermeistereien der nachbenannten Orte.

Die Besichtigung der Gemeinde - Auchtsttere und -Zuchteber durch die von dem landwirihschaftlichen Bezirks-Verein gewählte Commtffton wird an folgenden TagmstattfindcnHungen, Inheiden, Trais-Horloff, Utphe, Bellersheim und Obbornhofen. .

Dienstag den 19. Mai: zu Röthges, Ronnenroth, Villingen, Langd, Rabertshausen, Rodhetm und Stemhetm.

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.der Transportkosten Entscheidung erfolgen werde. Boekmann

--------d^reffend: Die Vertilgung der Blutl^ ließen, am 11. Mai 1885.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Gr-tzh-rzogltch-n Bürgermeistereien des Kreises, r bQrbiQen Bericht darüber auf, ob und in welcher Ausdehnung das Vorhandensein der Blutlaus in ^hrer Gememde festgestellt

worden ist^und ob nac^den gemachten Wahrnehmungen Ihrer Ansicht nach ein Bedürfniß vorliegt, Maßregeln zu deren Vertrlgung zu ergreifen.

Dr. Boekmann. ---

über tU Neutralität der Dardanellen zu wachen und im Falle °mes engl 4- russischen Krieges weder der englischen noch der russischen Flotte dre Passtrung der Dardanellen zu gestatten, scheint im englischen Oberhause mcht gethellt werden. Wenigstens yertrat in den Verhandlungen, welche dasielbe herüber kürzlich gepflogen hat, Lord Salisbury die Anschauung, daß England wenn der Sultan nicht unabhängig, sondern unter dem Drucke emer fremden Macht handle, keine Verpflichtung habe, sichder Durchfahrt durch die Dardanellen zu ent- halten." Es ist das eine recht vieldeutige Theorie, zu deren Anwendung sich England leicht entschließen könnte, wenn es ihm einmal emsallen sollte, tat Respect vor der Neutralität der türkischen Meerengen außer Augen zu lassen. Da die Pforte gegenwärtig den Zustand der Befestigungsarbeiten auf beiden Seiten der Dardanellen untersuchen läßt, so geht hieraus hervor, daß sie nicht Willens ist, sich durch einen plötzlichen Handstreich der englischen Flotte überrumpeln zu lassen. Was im Uebrigen den englisch-russischen Conflict anbelmigt, fo con- centrirt sich augenblicklich das Interesse auf die im PetersburgerRegier.-Anz. enthaltene Mittheilung, bett, das Abkommen zwischen den Cabineten von London und Petersburg über die schiedsrichterliche Lösung der Penoieh-Frage und die Regulirung der neuen afghanischen Grenze. Die gemäßigte spräche, we cher sich das russische Regierungsorgan hierbei befleißigt, siebt der Hoffnung, daß es gelingen werde, die Differenzen zwischen Rußland und England aus dem Wege gegenseitiger Concessionen zu begleichen, eine neue Stutze. Wa^ die Mel ung englischer Blätter anbelangt, der König von Dänemark sei zum Schledsrchter erkoren, so ist an denselben weder von englischer, noch von russischer Seite wegen Uebernahme eines schiedsrichterlichen Postens bis jetzt eine Anfrage ergan­gen, daß bet dänische Herrscher aber eine derartige Anfrage be,ahend beant- warten würde, steht außer allem Zweifel. - Im englischen Unterhause hat am Montag die zweite Lesung der Bill, bett, den Elf-Millionen-Credtt, begonnen. Von den Conservativen ift durch Rorthcole ein Antrag eingebracht worden, dem zufolge das Haus erklären folle, es verweigere weitere Gelomittel für die Sicher­heit des Reiches, bis es über die Zwecke ihrer Verwendung informut fein werde.

Der Ausstand in der central-amerikanischen göberattD« Republik Columbia scheint sich seinem Ende zu nähern. Der Bundes- Präsident von Columbia hat dem Gesandten Columbias m Washington b e Mittheilung gemacht, daß in sieben von den neun Staaten der Republik die Ruhe wieder hergestellt sei. _

DarwKadt, 10. Mai. Der Abg. Matthäi hat eine Interpellation eingebracht, welche rücksichtlich des Umstandes, daß die Staatsstraßen der Pro­vinz Rheinhessen, namentlich int Bezirk Kreisbauamt Alzey-Oppenheim, sich m viel schlechterem Zustande besinden, als die in Oberhessen und Starkenburg io daß dieselben mit zu wenig Unterhaltungs-Material bedacht zu werden feinen, anfragt,welche Creditsummen nach Maßgabe ders Straßenlangen aus b>e em jelnen Baubezirke der drei Provinzen für die Straßen-Unterhaltung bewilligt

Berlin, 10. Mai. Dem Reichstage gehen fortgesetzt neue Vorlagen zu, obgleich volle Einigkeit darüber zu herrschen schnnt, dan ote Session am Mitt­woch geschlossen wird. Abgesehen von dem Nachtrags-Etat, der chnell noch an die Budget-Commission verwiesen worden ist, sind gestern noch der Handelsver­trag mit Transvaal und die Vorlage, bett, bie Abänderung der Justizgesetze. zugeqangen; erwartet wird noch das gestern vom Bundesrath genehmigte Gesetz, bett, die Unzulässigkeit gerichtlicher Beschlagnahme von Eisenbahn-Bettiebsmaterial.