Rr. 61 Freitag den 13. Mrz 1SS0
Hießener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Erscheint tLglich mit Ausnahme des
HSTMiHt Gchulftraße 7.
Preis vierteljährlich 2 Marl 20 Pf. mit Brmgerlohn Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mar! 50 Pi.
Politische Ueberflcht.
Gieße«, 12. März.
Die bedeutungsvolle Mission des Grasen Herbert Bis» marck nach London ist beendet und derselbe am Montag wieder nach Berlin -Mckgekehrt, um seinen Pflichten als Mitglied des deutschen Reichstages ferner» 'hm zu genügen. An dem Erfolge der diplomatischen Sendung, mit welcher der Reichskanzler seinen ältesten Sohn beauftragt hatte und als deren Zweck sich jetzt in der That die Herbeiführung einer Verständigung zwischen Deutschland üb England herausstellt, ist nicht im Geringsten mehr zu zweifeln, nachdem die bekannten, für Deutschland so entgegenkommend lautenden Erklärungen, welche der englische Minister des Auswärtigen im Oberhause abgegeben hat, die versöhnliche Stimmung des englischen Cabinets documentirt haben. Die Bereitwilligkeit des englischen Ministers, durch eine offene und verbindliche Erklärung den entstandenen Mißhelligkeiten und Mißverständnissen ein Ende zu bereiten, verdient die vollste Anerkennung und diese wird ihr nicht nur von den Berliner Blättern, sondern auch von der englischen Preffe zu Theil, welche durchgängig die entgegenkommenden Aeußerungen Lord Granvilles billigt. Letzteres ist ein Beweis, daß die öffentliche Meinung jenseits des Canals mit denselben vollkommen einverstanden ist, und so darf man sich der entschiedenen Hoffnung hingeben, daß dieser neueste deutsch-englische Zwischenfall seine für beide Theile befriedigende Lösung gesunden hat. An der Londoner Regierung wird es aber sein, künstig- hm „Mißverständnissen" mit Deutschland vorzubeugen und den besten Beweis für ihre loyale Haltung wird sie geben, wenn sie den colonial'politischen Bestre- bungen Deutschlands nicht mehr, wie bisher, allerhand kleinliche Hinderniffe in den Weg zu legen sucht. — Die ursprünglich laut gewordene Vermuthung, daß die Londoner Mission des Grafen Herbert Bismarck die afghanische Frage betreffe, wird von der „Rordd. Allg. Ztg." kategorisch dementirt; das osficiöse Blatt meint, die zwischen Rußland und England schwebenden Differenzen hätten sich keineswegs so zugespitzt, daß zu ihrer Beilegung die Vermittelung einer dritten Macht nöthig wäre. Run, in Petersburg hat man sich in den letzten Lagen in friedlichen Versicherungen und Betheuerungen dem Londoner Cabinet gegenüber geradezu erschöpft, aber trotzdem ist noch nicht Alles klar zwischen London und Petersburg. England hat soeben die Zurückziehung der jenseits der afghanischen Grenze befindlichen russischen Truppen verlangt, gerade aber die Frage, was unter der nordwestlichen Grenze Afghanistans zu verstehen sei. bildet den eigentlichen Differenzpunkt zwischen England und Rußland und zu dessen Beseitigung wird es am Ende doch noch der guten Dienste einer dritten Nacht bedürfen.
Wie verlautet, hat der Kaiser den Reichskanzler wegen des glücklichen Erfolges der Mission des Grafen Herbert Bismarck in besonders cmszeichnender Weise beglückwünscht.
Mit der am Samstag beendigten dritten Lesung des Etats hat der Reichstag wenigstens eine seiner größeren Aufgaben gelöst. Inge ffen bleibt noch viel zu thun, wenn der Reichstag bis zu Pfingsten nur halb- 'vsgs mit den noch übrigen Aufgaben fertig werden will und in richtiger Erkenntniß der Geschäftslage lehnte das Haus an dem genannten Tage einen Nertagungsantrag ab und trat in die zweite Berathung des von dem sreisinni- gen Abg, Ausseld zu der Zolltarif-Novelle gestellten Antrages und der hierzu
ine bad.
jnrnnfitt
•inen tüchtigen Sortm * Leistungsfähigkeit t _ oit Sortirmeisterstelle ft. ihtrten sub A. 1704 an H He, Hü-elberg.
Ein Kaufmann empfiehlt fnfir. ng und Führung von Geftr n einfacher, sowie doppelter k. unter strengster Verschwiegen! :g ;u erfragen bei der Exp.d>
n. \oW rima-RefimMMSeiteM- «in lm in w w ,i z. W*
von den Rationalliberalen beantragten Zusatzanträge ein. Die Anträge br- zwecken, gewisse gesetzliche Bestimmungen in die Zolltarif-Novelle aufzunehmen, durch welche die zu rigorosen Bestimmungen, die der Bundesrath zur Aussith. rung der Sperrgesetzes unter dem 20. Februar d. Js. erlaffen hat, im Interesse des Handels nach verschiedenen Richtungen zu mildern. Die Antragsteller gehen von der Meinung aus, daß dis in dar Sperrgesetz ausgenommen« sogenannte Windthorst'sche Clausel Seitens des Bundesrathes eine zu enge Auslegung erfahren habe. Diese Anstcht wird, wie die zweitägigen Verhandlungen der Reichstage» über diesen Gegenstand ergeben haben, von allen Seiten getheilt, selbst der Regierungs-Vertreter, preußischer Finanzminister v. Scholz, sah stch am Montag gezwungen, zu bekennen — wenn auch nur inbirect daß der Bundesrath besonders in einem von dem Abg. Meyer (Halle) gerügten Speeial- falle zu rigoros vorgegangen sei. Im klebrigen aber vertheidigte er die Hal« tung des Bundesrathes, ebenso wie der Staatssecretär im Reichsschatzamt, v. Burchard, welcher sich namentlich gegen die Angriffe, welche Abg. Richter gegen den Bundesrath gerichtet, wandte. Die Anträge wurden schließlich der Holzzoll-Commission überwiesen. Am Dienstag trat der Reichstag in die Be- rathung der Anträge Ackermann (Novelle zum Jnnungsgesetz), Junggreen (Zulassung des Dänischen al» Gerichtssprache in Nord-Schleswig) und Gril- lenberger-Bebel (Erlaß eines Arbeiter-Schutzgesetze») ein, nach deren am Mittwoch erfolgten Erledigung die zweite Lesung der Postdampfer-Vorlage auf der Tagesordnung steht-
Dar preußische Abgeordnetenhaus beendigte am Montag die zweite Lesung des Etats und trat am Dienstag in die dritte Lesung der- iclbßn ein.
In Oesterreich haben die Reden, welche der deutsch-bbhmische Abg. Dr. Kurtz, Abgeordneter für Tetscheu - Bodenbach, am 6. und 7. März im österreichischen Abgeordnetenhause anläßlich der Speeialberathung des Etat» bet Ministerium« de» Innern gehalten hat, allenthalben großes Aufsehen erregt. In denkbar schärfster Weise tritt der genannte Abgeordnete gegen die Haltung der Regierung de» Statthalter», Frhrn. v. Krau», namentlich gegenüber der deutschen Bevölkerung Nord-Böhmens auf. Von den durch die Regierung gedui- beten, ja von ihr begünstigten ezechischen Uebergriffen entrollte Dr. Kurtz ein Bild, welche», wenn es auch nur zur Hälste den thaisächlichen Berhaltmffen entspricht, die Klagen der Deutsch-Böhmen vollkommen rechtfertigen würve^ Pie Belege, weiche Dr. Kurtz für seine Behauptungen brachte, waren allerding» ,eyr schwerwiegender Art und sind nur ein Beweis mehr dafür, wie die Toaste iche Versöhnungspolitik ihre Anwendung gegenüber den Deutschen findet. __am
Orientreife de» Kronprinzen Rudolf von Oesterreich und seiner Gemahlin nähert sich ihrem Höhepunkte, dem Besuche am griechischen Kömgshosund beim Beherrscher Montenegros. Von Damaskus, der Hauptstadt Syriens au», haben die hohen Reisenden die Fahrt nach Beyrut fortgesetzt, wo sie am Montag ein- getroffen sein dürsten. Von Beyrut au» erfolgt sofort die Ueberfahrt nach Athen, wo bereits alle Vorbereitungen zu einem glänzenden Empfange des kron- prinzlichcn Paares getroffen sind und auch in Cetlinje, der montencgrimfdjen Hauptstadt, wirb dasselbe die beste Ausnahme finden.
In charakteristischer Weise hat die französische Presse fast ausnahmslos die Granville'schm Erklärungen aufgesaßt. Sie eommentirt
kem wollen
luller.
Bekanntmachung.
« . ,iwr hnf)ipr Horaenoinmenen Durchsuchung haben sich unten verzeichnete Gegenstände vorgesunden, über deren rechtmäßigen Erwerb
r, . aus Gärten bezw. Gartenhäusern entwendet worben find. Die Gegenstände
Sm ÄW# »nlblS. -* «vto«. W* d.E >- -ch- Ita *'-> M. W
•« «=** “1STÄ2ÄS' 3 WWW* I d-«,i mil M* ««-!»-»e*.« ««* > S-«-, 1
, »ifemen Bauschiene 1 eiserne Stange, 1 Baumsäge, 1 Lachsäge, 1 Heckenscheere, 2 Feilen, 2 Hämmer, 1 Stemmeifen, ! Nagelbohrer,
1 Kneifzange, J Steigleiter, mehrere Schlösser, Riegel und sonstige Beschläge von Thüren, 1 alte Kaffeemühle, 1 Partie Bretter, Dielen, Stangen, Pfähle, Latten und Thüren von Gartenhäusern und Umzäumungeu herrührend.
Gießen, den 12. März 1885. Großherzogliches Pol,zemmt Gießen.
I. V.: Kra einer. __________
FemieWgen.
Kn Familienlogis WW ZrsM sW-W
-.. üirnmtr :
m f Vtceftr^i
end auy*f(iteii/ JÄjn;
fd) kann Ky,tl
Schüler ober junge Äaufc ite Pension. Näheres Jte cht 11,3. Stock._____________
besucht für eine ruhige Ke
Mi ein Logis, 6-7 D
■bör, aufrrfalb der Stadl, ri unter M 874 an die 6
•in junger solider Mann fi als Commis gesucht. ,
eschnrbene Offerten unter s
Betreffend- Den Schutz der in fremde Verpflegung gegebenen Kinder unter 6 Jahren. Gießen, am 11. März 1885.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
a« di- Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises mit Ausnahme von G.eßen.
Die in Folge eines Versehens an Sie zurückgeschickten Ueberwachungsbogen wolleEe binnen 3 Tagen k. H. wieder an uns etnfenben. u Dr. Bveiniann._____________—___________
----------Betreffend: Die Berechnung der Vaeanzüberschüsse erledigter Schulstellen. Gießen, am 10. März 1885.
Das Grobherzogliche Kreisamt Gießen
an di- Großherzoglichen Bürgermeistereien und Schulvorstände de» «reife«.
Unter Hinweis auf unser Amtsblatt Nr- 1 vom 24. Januar 1878 beauftragen wir Sie, die von Ihnen gemeinschaftlich anfzustellendm Berechnungen
de» Einkommens vacaüter Schulstellen für das Etatsjahr 1884/85 längstens bi» jum 10. April l. I. an uns emzusenden-
Dr. Boekmann. ___________________________ , _______,—,------


