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Aelgie«.

Brüssel, 10. Januar. Gegenüber Der Meldung desCourier de Bruxelles" meint dasJournal de Bruxelles", es sei nicht davon die Rede, den Kammern auch in dieser Session eine Wahlreform-Vorlage zugehen zu lassen-

Portugal.

Lissabon, 10. Januar. Die Quarantäne für Schiffe aus England, Deutschland, Belgien und Holland wurde ausgehoben. Nach Meldungen aus Madeira ist auch Dort die gleiche Aushebung erfolgt.

Türkei.

Konstantinopel, 10. Januar.. Der Justizminister Hassan Fehmi ist heute in außerordentlicher Misston via Varna nach London abgereist. Die Quarantäne für Provenienzen aus Frankreich und Tunis ist auf 24 Stunden, die Quarantäne-Observation für Provenienzen aus Italien, Spanien und Alge­rien aus drei Tage herabgesetzt worden.

Amerika.

New-York, 10. Januar. Dem irischen Nationalisten Thomas Phelan, welcher Aufseher des Arbeitshauses KansaS City (Missouri) ist, wurde in dem Bureau O'donovan Rossa'S in New-York von einem Manne, dessen Name angeblich Richard Short ist, eine erhebliche Stichwunde beigebracht, weil er die Geheimnisse der Irischen JnviuctbleS verrathen hätte.

Rew-Bork, 10. Januar. Eine Depesche aus Washington constatirt, daß der britische Gesandte keine Mittheilung über das angebliche Vorhandensein einer Dynamit-Gesellschaft in Pennsylvanien erhalten habe. Auch in New-Dork liegt keine Bestätigung des Gerüchtes vor.

Washington, 10. Januar. Das Repräsentantenhaus nahm die Resolution, welche Information über die Congo-Conferenz verlangt, an.

Panama, 10. Januar. In vier inneren Staaten ist eine Revolution ausgebrochen und von Panama sind Truppen nach Cauca gesandt. Die Regie­rungs-Truppen wurden von Den Aufständischen bei Junga geschlagen. Der Ausbruch eines allgemeinen Krieges wird gefürchtet. Gestern fand die Ein- führrung des Generals Santo Domingo Vila als Präsident von Panama statt-

rathe zeigte der Marineminister Peyron an, daß das TransportschiffChalon mit Truppen und Kriegsmaterial am 6. ds. in Keelung emgetroffen fei. Der Kriegsminister Lewal machte Drittheilungen über die Organisation der neuen für Tongking bestimmten, 6000 Mann zählenden Verstärkungen, welche Anfangs Februar abgehen sollen. , , , n, ,

Die Einnahme von Langson gilt als unmittelbar bevorstehend, dle Truppen sollen sodann zur Besetzung des D^files von Thatke aufbrechen, welches den Eingang von Nord-Tongking schließt.

Das JournalParis" bestätigt, daß Ministerpräsident Ferry alle zur Zeit in Shanghai befindlichen diplomatischen Agenten Frankreichs angewiesen habe, China zu verlassen. r t

Eine Deputation der israelitischen Allianz begab sich heute zu dem sich gegenwärtig hier aufhaltenden marokkanischen Minister Feraud, um dessen Schutz für die Jsraelitien in Tanger zu erbitten, die von der Bevölkerung mit Gewalt- thätigkeit bedroht werden. Feraud, der demnächst nach Marokko zuruckgekehrt sicherte seine Intervention zu und versprach, die Israeliten gegen Unbilden zu schützen.

eiee kleinere. Die Colonialpotitik führe ihn zu vorher nicht zu übersehenden Schritten, - so »erbe j?tzt gemeldet, daß bte Regierung Neuseelands Samoa armekttreu wolle und , Leute habe er eine Depesche erhalten, wonach die Eingeborenen Neu-GuineaS die deutsche Occupatton HInauSgeworfen hätten. Auch in Samoa seien eS die Eingeborenen, welche ; bte englische Annrx-on wünschen. Er verweigere nochmals, n die Commission zu kommen. In der Colontalpolttik folge er Wörmann mehr als Wtndthorst, warum solle man der hanseatischen HandelSaristokratte mißtrauen. Er schließt wieder: Nehmen Sie die Forderung an, so accepttreu Sie unsere Colontalpolttik, lehnen Ste sie ab, so | übernehmen Ste bte Verantwortung dafür.

Richter weist den Retchskanzler darauf hin, daß die Freisinnigen sich für die Forderung erklärt haben, wie sie ja auch die Colontalpolttik in dem engen vom Retchskanzler Im Juni ^kennzeichneten Rahmen oilltgen. In diesem Rahmen halte sich die heutige Forderung, spätere Bewilligungen seien besonders zu überlegen, er protesttre j tzt schon gegen den nattonalliberalen Aufruf, um die Colontalpotit.k zu unterstützen, dos sei nicht nöthig. da diese vom Reichstag unterstützt werde. Wörmann'« Rede set als die des nächsten Interessenten mit Vorsicht auszunehmen. Er verzichte auf eine Erörterung der Kamerun-Verhältnisse, da dort jetzt die deutsche Flagge engagtrt sei. da müffeo alle Parteien einig sein. Die Freisinnigen hätten bereits am 14. December beschlcssen, die Forderung zu bewilligen und werden sie heute ohne commtssartsche Be- rathung angesichts der Verhältnisse bewilligen. (Beifall auch recht?.)

Bismarck erklärt, er freue sich, einmal ausnahmsweise daS Vergnügen zu haben, mit Richter übereinzusttmmen. , , , ~ t A

Hammerstetn behauptet, die Nachgiebigkeit Richters sei eine Folge der Ent­rüstung der Bevölkerung über bte verweigerten 20,000 JL

Wtndthorst wendet sich scharf gegen den Reichskanzler, der nicht glauben dürfe, er allein verstehe etwas von der Sache. Allerdings m't zwei Millionen Soldaten set e« nicht schwer, gute Politik zu machen. Auch nach BiSmarck werde Deutschland Männer finden, die verständig die Pol tik leiten werden. Ueber den Beschluß vom 15. December werde man sich ein andermal ausführlich äußern, nebensächliche Erorttrung genüge dafür nicht. Er warne bet allem Interesse für bte Colonialpolitik nochmals vor übereilten Schritten und ziehe, da die Abstimmung über seinen Antrag zweifellos sei. denselben zurück. Der Tag werde nicht auSbletben, wo man seine ruhige Ueber- legung loben werde. Er werde ohne Präjudiz für weitere Bewilligungen für die Colontalpolitik dte Forderung genehmigen. m .., I

Fürst Bismarck bestreitet nochmals, daß in absehbarer Zeit Verwickelungen mit England möglich seien und wendet sich im Urbrtgen mit feiner Ironie gegen Windtborst. bezüglich dessen er cittrt:Von Zeit zu ZS seh'' ich den Alten gern und schließt, der Worte sind genug gewechselt, lassen Sie uns die That der Av- fttmmung ^bhen.^ noß Richter, Wörmann und Wtndthorst, darauf wird die Debatt^ geschlosftn ge|un0> Ohne Discussion wird der Nacktragsetat mit großer Majorität angenommen; dagegen ein ansehnltcher Tbeil deS CentrumS, darunter Schorlemer, Huene, mehrere Socialdemokraten und Bamberger.

Nächste Sitzung Montag 1 Uhr. Etat. (Fr. Z-)

Berlin, 10. Januar. Schneller noch, als erwartet und befürchtet werden konnte, ist es in einer der neuen Colowal-Besitzungen Deutschlands zu Blutvergießen gekommen. In Kamerun haben vom 20. dts 22. December Kämpfe zwischen den Eingeborenen und deutschen Truppen siattgefunden und ouS den bis jetzt bekannt ge­wordenen Einzelheiten scheint hetvorzugehen, daß die Schwarzen durchaus keine zu verachtenden Gegner sind. Während die Depesche de? Contreadmirals Knorr an die Admiral tät nur kurz meldet, daß die Truppen der SchiffeBismarck" undOlga aufrührerische Negerparteien in Kamerun mit Waffengewalt niedergeschlagen Haden, meldet ein Berichterstatter derKöln. Ztg.- aus Kamerun vom 23. December (tele­graphisch von St. Vincent 9. Januar) folgende Einzelheiten: Die erwähnten deutschen Kriegsschiffe länderen am 20. December tn Kamerun 330 Mann mit 4 Kanonen, weil Hickorytown und Foßtown den König Bell verjagt, die Kaufleute bedroht und Belltown verbrannt hatten. Hickorytown wurde bei geringem Widerstände ohne Ver­lust genommen. Ein Ofsicter derOlga", Rtedel, welcher erfahren hatte, daß bte Fotzleute Woermann'S Agenten Pantanius gefangen genommen, beschloß, mit ssstner Abtheilung dessen Rettung zu versuchen. Unter heftigem Feuer landete die Abthetlung tn Belltown und stürmte einen 100 Fuß hohen Abhang mit Verlust von einem Tobten und sieben Verwundeten. Sechzig Mann hielten daS Plateau zwet Stunden lang gegen 400 au« Buschwerk und englischen Mtsstonen feuernde Feinde. Die Munition wurde knapp, als Unterstützung vomBismarck" anlangte; Foßtown wurde mit Hurrah gestürmt und niedergebrannt. Inzwischen ermordeten die Empörer Pantanius. Nach Verlust von 20 Tobten und vielen Verwundeten, darunter der Häuptling, entkam der Feind in's Innere. Am 21. December wurde daS verödete Foßtown abermals besetzt, am 22. bombardirte dieOlga" den Fluß befahrend Hickorytown. Die Ordnung war am 25. December völlig hergestellt. Die Neger begannen die bethörten Gevosfen auS- zuliefern. Eine Bekanntmachung des Admirals verbietet den Waffenverkauf und drohte weißen Helfern der Empörung mit Ausweisung. Hickorytown und Belltown liegen unmittelbar an der Mündung deS Kamerunflusses, wodurch eS den beiden Kriegsschiffen möglich wurde, sofort einzugretfer. Der Umstand, daß ausenglischen Missionen" gefeuert wurde und der deutsche Admiralweiße Helfer der Empörung" mit Aus­weisung bedroht hat, scheint darauf hinzudeuten, daß englische Hetzereien mit im Spiele gewesen sind. Wer sich noch der Jntrtgum erinnert, welche der Proklamirung deS deutschen ProtectoratS tn Kamerun vorangingen, wird sich nicht wundern, daß eS zu einem Zusammenstoß gekommen ist, zumal dieKönige" Aqua und Bell miteinander Krieg führen. Wenn man in Deutschland geglaubt haben sollte, daß unS bei der Er- | Werbung von Colonieen die unangenehmen Erfahrungen der Engländer, Franzosen und | anderen Nationen erspart werden ober daß wir mit anderen Mitteln vorgehen würden, so dürften diese Illusionen bald verschwinden. An der Sklavenküste beklagen sich die Engländer, daß die Deutschen in Bagetda und Klein-Tooo den Eingeborenen Waffen liefern nun hat Admiral Knorr al« erste Sicherheitsmaßregel tn Kamerun den Waffenverkauf verboten. So oft die Engländer und Franzosen Dörfer der Eingeborenen bombardtren und diesen ihre Herrschaft mit Waffengewalt aufzwingen, macht sich, und wie man sagen muß, mit »ollem Recht, tn der deutschen Presse große Entrüstung be­merkbar. Nun haben wir selbst tn dem eigenen SchutzgebieteStädte" dom- barbirt und eingeäschert. GS sind daS eben die unvermeidlichen Folgen der Colo- nialpolitik.

Die Depeschen bezüglich der Vorgänge in Kamerun erregen im Reichstage daS größte Aufsehen. Woermann ist noch ohne Privatnachrichten; sein ermordeter Agent PantantuS ist ein Lübecker.

Berlin, 10. Januar. Der ReichStagSpräsident v. Wedell, Fürst Hatzfeld- Trachenberg, Oberbürgermeister Forckenbeck, Polizeipräsident Madei, Geheimeratth Mendelsohn, Präsident der Seehandlung Nötiger, Generalkonsul Landau, forderten zahlreiche Personen auS allen Kreisen der Bevölkerung zur Berathung Über zweck­mäßige Maßregeln zur Unterstützung von den durch die Erdbeben in Spanten in Roth gerathenen Menschen auf. Die erste Sitzung findet am Dienstag im ReichStagS- gebäude statt.

ImHotel de Rome" fand heute Abend eine Gedächtnißfeier für den ver­storbenen Abgeordneten Kapp statt, welcher zahlreiche Freunde deS ® erworbenen, so­wie viele Reichstogsabgeordnete beiwohnten. Die Feier begann und schloß mit Gesang. Die Gedächtnißrede hielt der Reichstagsabgeordnete Bunsen, welcher einen Abriß von Kapp'S Leben und schriftstellerischer THStigkeit gab und Kapp al? Bürger Deutschlands und Amerikas schilderte und die Wahrhaftigkeit und Kernigkeit seines WesenS rühmte.

Berlin, 10. Januar. Die Nachrichten auS Kamerun beherrschten heute daS allgemeine Interesse und jede Unterhaltung im Reichstage. Die ernste Mahnung und Bedeutung dieses ersten blusigen Aktes tu unserer jungen Colonialpolitik wird von den Volksvertretern mehr gewürdigt, als es nach den heutigen Reichstagsverhandlungen scheinen könnte. Man hielt eS nun angesichts der Thotsache, daß dir Ehre unserer Flagge bereits engagirt ist, für patriotische Pflicht, jedes Wort einer öffentlichen Kritik zu vermeiden. Wie schon kurz gemeldet, liegen mehr Mitthetlungen über bte Vorgänge, alS tn den bekannten Depeschen enthalten sind, noch nicht vor. Auch Herr Woer- mann weiß nicht« Näheres. Daß man auf die Ereignisse vorbereitet war, beweisen die Heutigen Mittheilungen deS Reichskanzlers.

Nmnkreich.

Pari-, 10, Januar. In dem heute Vormittag stattgehabten Minister-

Hvglaud.

London, 10. Januar. DemReuter'fchen Bureau" wird aus Welling­ton vom 10. Januar gemeldet, die Regierung Neuseelands habe vorgeschlagen- Die Samoa-Inseln zu annectiren. Ein Dampfer werde bereit gehalten, um ab- zuaehen, sobald die Entscheidung Lord Derby's eingetroffen sei.

London, 10. Januar. Betreffs der von der Regierung von Neuseeland geforderten Annexion Samoas durch England findet mit der Colonialmacht ein Schriftwechsel statt. Derby antwortete bereits der Negierung von Neuseeland in der Art, daß die Ausführung des Verlangens unwahrscheinlich sei.

Atalien.

Rom, 10. Januar. DerOpinione" zufolge sind die CorvettenGari­baldi" undVespucci" in der letzten Nacht nach Messina abgegangen, von wo sie ihre Fahrt nach dem Rothen Meere fortsehen werden.

Rom, 10. Januar. In der heutigen Sitzung des Senat« erklärte Mancini aus eine Anfrage Majorana's, bei Ausweisung Cirmeni's aus Berlin handle es sich um eine durchaus legale Maßregel, die sich jeder Discussion ent­ziehe. Andere auswärtige Correspondenten seien ebenfalls ausgewiesen worden. Die deutsche Botschaft habe ihn vorher von dem gegen Cirmeni beabsichtigten Vorgehen verständigt in einer Form, die den ausgezeichneten freundschaftlichen Beziehungen entspreche, wie sie zwischen Italien und Deutschland beständen. Eine nochmalige Prüfung der Angelegenheit und eine Zurücknahme der Maß­regel sei für unthunlich erklärt worden, da den anderen ausgewiesenen fremden Correspondenten gegenüber die Ausweisung trotz diplomatischer Verwendung auf­recht erhalten worden sei. ,

Nach einer Depesche desEsercitos" aus Spezzia vom gestrigen Tage ist dort der Befehl eingelangt, die disponiblen Panzerschiffe in Bereitschaft zu setzen. Der Contreadmiral Caimi, Commandant desVespucci", hätte zwei versiegelte Ordres erhalten, welche aus hoher See zu eröffnen seien und auf die Mission der Commandanten desVespucci" und desGaribaldi" Bezug hätten. Die Schiffe gingen vorerst nach Messina; auf demGaribaldi" wäre heute eine aus 112 Matrosen bestehende Landungs-Compagnie in seldmäßiger Aus­rüstung eingeschifft worden, dagegen sei die auf demGaribaldi" befindliche Civil-Expedition ausgeschifft worden. DerAgenzia Stefani" zufolge wäre dagegen in gutunterrichteten Kreisen bekannt, daß die genannten Schiffe nach Suez gehen, dort die Transport-Dampfer mit Truppen erwarten und letztere nach Assab escortiren werden.

Der Senat begann die Berathung des Gesetzentwurfs betreffs der Assanirung Neapels.

DemMoniteur" zufolge werden zu Ende des Monats mehrere fran- i zösische Bischöfe hier erwartet.

Stampa" bestätigt das Dementi derAgenzia Stefani" betreffs der Meldung desEsercito" über Die Ausrüstungen disponibler Schiffe in Spezzia. Stampa" erklärt sich ermächtigt, diese Nachrichten zu dementiren und warnt vor Sensationsnachrichten.Diritto" unDFansulla" dementiren gleichfalls die Meldung desEsercito."